7/10 300-Watt-Netzteile im Test : be quiet!, Cougar, Enermax und LC-Power

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Messungen

Effizienz

Den Wirkungsgrad bestimmen wir in vier üblichen Szenarien mit 10, 20, 50 und 100 Prozent Belastung. Zunächst simulieren wir dabei einen Betrieb im nordamerikanischen 115-Volt-Stromnetz. Diese Werte sind für unsere Leser zwar wenig praxisrelevant, aber perfekt geeignet, um zu prüfen, ob ein Netzteil zu Recht das 80Plus-Zertifikat trägt. Die anschließenden Messungen mit den in Europa üblichen 230 Volt Eingangsspannung dienen der eigentlichen Bewertung des Wirkungsgrads des Probanden.

Bei der Effizienz sind wir teilweise schockiert: Cougar A300 und LC-Power Pro-Line Silver Shield verfehlen das Effizienzniveau ihres jeweiligen 80Plus-Zertifikats deutlich: Das Cougar A300 kann im Chroma-Test trotz offiziellen Bronze-Zertifikats nicht einmal das 80Plus-Standardniveau erreichen. LC-Powers Silver Shield scheitert mit etwa 2,7 Prozentpunkten zur Silberlinie, erreicht aber immerhin das Bronze-Niveau. Nur Enermax Triathlor und be quiet! Pure Power L7 können den versprochenen Wirkungsgrad auch tatsächlich liefern.

Im deutschen 230-Volt-Netz teilt sich das Feld in zwei Teilbereiche: Am oberen Ende kann sich das Silver Shield minimal vor dem Enermax-Konkurrenten platzieren, be quiet!s L7 wiederum landet minimal vor dem Cougar A300. Auch wenn Cougars A300 im 230-Volt-Netz einen deutlich verbesserten Wirkungsgrad abliefert, ist es ebenso wie LCs Silver Shield ein gutes Stück vom Versprochenen entfernt.

Aufgrund der extrem schlechten Ergebnisse des Cougar A300 im 115-Volt-Test konnten wir zunächst unsere eigenen Zahlen kaum glauben und haben Rücksprache mit dem Hersteller gehalten. Cougar vermutete nach Übersendung unserer unbearbeiteten Rohdaten einen Herstellungsfehler unseres Testmusters. Wir haben daher bereits vor der Veröffentlichung dieses Testberichts sowohl einen Nachtest unseres ersten Testmusters als auch einen Vergleichstest mit einem im Handel regulär gekauften Exemplar durchgeführt, die Abweichungen liegen jedoch immer im Toleranzbereich bzw. anzunehmenden Bereich der Serienstreuung.

Selbstverständlich haben wir auch LC-Power bereits bezüglich unserer Ergebnisse in Kenntnis gesetzt. LC-Power bestätigt uns, dass eine ganze Charge betroffen wäre und man gemeinsam mit dem Auftragsfertiger an einer Lösung des Problems arbeite.

Sobald die jeweiligen Hersteller uns bestätigen, dass die Mängel in einer neuen Revision beseitigt sind, werden wir einen Nachtest der Neuauflagen durchführen.

Leistungsfaktorkorrektur (PFC)

Ein PC-Netzteil verhält sich im Stromnetz anders als gewöhnliche (ohmsche) Lasten wie z.B. eine Glühlampe. Die nicht sinusförmige Stromaufnahme bedeutet, dass neben der Wirkleistung sogenannter Blindstrom entsteht. Dies führt zum einen zu einer höheren gemessenen Scheinleistung, zum anderen zu einer Belastung für das Stromnetz. Ein Messwert von "1" an dieser Stelle würde bedeuten, dass das Netzteil sich perfekt verhält und kein Blindstrom entsteht. In der Realität werden immer geringere Ergebnisse gemessen. Verbraucher bezahlen in Deutschland übrigens i.d.R. lediglich die Wirkleistung. Diese und alle folgenden Messungen werden mit 230 Volt Eingangsspannung durchgeführt.

Verbraucher in Deutschland bezahlen ausschließlich für die aufgenommene Wirkleistung, eine gut funktionierende Leistungsfaktorkorrektur entlastet daher nur die Stromnetze, nicht aber direkt den eigenen Geldbeutel. Anders als bei hochwattigen High-End-Netzteilen sind wir daher im 300-Watt-Roundup weniger penibel. Die aktive Leistungsfaktorkorrektur funktioniert bei allen vier Probanden, die Ergebnisse sind jedoch nicht perfekt. Die magischen 99 Prozent Leistungsfaktor werden von allen Netzteilen verfehlt. Die Leistungsfaktorkorrektur des Pure Power kann insgesamt nur durchschnittliche Werte erreichen, Enermax' Triathlor bricht im unteren Lastbereich ein.

Spannungsregulation

Wir verzichten an dieser Stelle auf eine grafische Darstellung der Spannungsregulation der Schienen mit +5Vsb und -12 Volt. Diese Schienen werden im Verhältnis zu den anderen Schienen nur minimal belastet. Wir prüfen daher nur, ob die Messwerte innerhalb des jeweils erlaubten Bereichs gemäß ATX-Norm liegen. Bei den 3,3-, 5- und 12-Volt-Schienen bilden wir hingegen präzise Werte ab.

Das Pure Power L7 300 Watt liefert bei der Spannungsregulation durchschnittliche Ergebnisse. Bei konventionellen Lasten überzeugen die Messwerte mit guten Ergebnissen, auch bei asymmetrischen Belastungen kann das L7 300 Watt alle Spannungen im zulässigen Bereich halten.

Das Cougar A300 kann hierbei nicht mithalten: Hohe Belastungen auf der +12-Volt-Schiene lassen diese Spannung stark einbrechen, umgekehrt kann auch die +5-Volt-Leitung den zulässigen Bereich nach unten verlassen. Gerade ersteres ist relativ problematisch, da die +12-Volt-Leistung des A300 schon nach den Angaben am Datenblatt recht gering ist und man so auch mit realen Systemen von der „idealen Verteilung“ abweichen wird. Zudem ist die Spannungsregulation bei symmetrischen Lasten etwas schlechter als bei den Vergleichsgeräten.

Das Enermax Triathlor 300 Watt ist in dieser Disziplin der Klassenprimus. Auch wenn das schwächste Exemplar der Serie nicht mit den unabhängig regulierten Modellen (ab 385 Watt) mithalten kann, so ist die Spannungsregulation doch führend: Es meistert die konventionellen Szenarien sowie das +12-Volt-Crossload-Szenario mit sehr guten Ergebnissen, lediglich die starke Belastung der Minor Rails 3,3 und 5 Volt sorgt für deutliche Abweichungen.

LC-Powers Silver Shield liegt grob immer auf dem Niveau des be quiet! Pure Power L7. Das bereits Gesagte lässt sich hier erneut vorbringen: Alle Spannungen liegen jederzeit im zulässigen Bereich. Allgemein könnte das Niveau der +3,3-Volt-Leitung leicht niedriger liegen.

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