2/3 Apple iPhone 6 im Test : Das kleine große neue iPhone

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Performance & Software

Wie mit jedem neuen iPhone-Modell wird auch das iPhone 6 ab Werk mit einer neuen iOS-Version ausgeliefert. Während iOS 7 vor allem eine optische Überarbeitung war, setzt iOS 8 mehr auf Veränderungen unter der Haube und gestaltet iOS für Entwickler offener. Mit „Continuity“ können iPhone-Nutzer im Besitz eines iPads oder Macs geräteübergreifend Telefonate annehmen, SMS verfassen oder angefangene E-Mails oder aufgerufene Webseiten auf dem Tablet oder Computer und umgekehrt aufrufen. Voraussetzung für „Continuity“ ist ein iPhone oder iPad mit iOS 8 oder ein Mac mit OS X Yosemite, dessen finale Veröffentlichung aktuell für Oktober erwartet wird, sowie eine Verbindung zwischen den Geräten, etwa per WLAN oder der Hotspot-Funktion des iPhone.

Apple iPhone 6 im Test – iOS 8

Auch für Entwickler hat sich einiges getan: Apps können nun, wie schon länger unter Android möglich, besser miteinander interagieren. So können beispielsweise Links oder Bilder bei entsprechender Optimierung durch den Entwickler direkt für andere Apps freigegeben werden, so dass Drittanbieter-Apps aus anderen Apps heraus starten können und diese nicht vorher separat geöffnet werden müssen, um eine entsprechende Funktion auszuführen. In iOS 8 kann der Nutzer zudem auch Tastaturen von Drittanbietern installieren und verwenden. Zwei von Androids beliebtesten Eingabemethoden, SwiftKey und Swype, sind zum Beispiel bereits im App Store verfügbar. Auch der eigenen Tastatur hat Apple ein notwendiges Facelift verpasst, mit adaptiven Wortvorschlägen ist diese nun deutlich konkurrenzfähiger. Die Tastatur erkennt innerhalb von Betriebssystem-Anwendungen Fragen und gibt mögliche Antworten.

Für genug Rechenleistung sorgt der von Apple entworfene A8-SoC, der auf einen Gigabyte Arbeitsspeicher zurück greift. Der Prozessor setzt auf zwei ARMv8-Kerne und wird in 20 nm von TSMC gefertigt. Als GPU dient eine PowerVR GX6450 von Imagination Technologies. Wie seinerzeit das iPhone 5S kann sich auch das iPhone 6 in beinahe allen ausgeführten synthetischen Benchmarks von der Konkurrenz absetzen. Insbesondere bei Messungen der JavaScript-Geschwindigkeit und Grafikleistung hält das iPhone 6 die Mitbewerber rund um Samsung Galaxy S5, HTC One (M8) und Co. auf Distanz.

Apple A7 – 9,83 × 10,45 mm | Apple A8 – 8,47 × 10,5 mm
Apple A7 – 9,83 × 10,45 mm | Apple A8 – 8,47 × 10,5 mm (Bild: Chipworks)

Wesentlich wichtiger als die synthetischen Messwerte ist allerdings die Leistung im Alltag. An dieser Stelle kann das iPhone 6 durch die Optimierungen an Hard- und Software profitieren und bietet eine jederzeit flüssige Bedienung ohne Ruckler oder lange Denkpausen. Apps und Webseiten laden sehr schnell und auch aufwendige 3D-Spiele meistert der A8-SoC problemlos. In allen Anwendungsszenarien bringt das neue iPhone den Nutzer besonders flüssig und rasend schnell ans Ziel.

Im letzten Jahr hat Apple seinen Fingerscanner Touch ID erstmals im iPhone 5S verbaut und bietet seitdem die beste Lösung am Markt. Wird ein Fingerabdruck hinzugefügt, werden auch seitliche Positionen des Fingers eingescannt und gespeichert, so dass bei der Anwendung im Alltag die genaue Position des Fingers zweitrangig ist. Wird das iPhone aus dem Standby geweckt, muss der Finger nur aufgelegt werden, um es zu entsperren. Zudem lässt sich Touch ID als Verifizierung für Downloads und Einkäufe im App Store nutzen, so dass die Eingabe von PINs und Passwörtern entfällt.

Kamera

Auch nach drei Jahren bleibt Apple mit 8 Megapixeln der seit dem iPhone 4S gewählten Auflösung treu. Apple setzt auf eine f/2,2-Blende sowohl für die Rückseite als auch das Pendant auf der Vorderseite. Das iPhone 6 Plus bietet zusätzlich optische Bildstabilisation, der dem iPhone 6 verwehrt bleibt. Auf der Rückseite steht wie bei dem iPhone 5S eine Dual-LED zur Verfügung, die bei schlechten Lichtverhältnissen für eine natürliche Ausleuchtung sorgen soll. Die beiden LEDs sind beim iPhone 6 im Gegensatz zum iPhone 5S nicht länger nebeneinander sondern ineinander verschachtelt angeordnet.

iPhone 6 (Plus) Apple iPhone 5S Apple iPhone 5
Hauptkamera:
Auflösung: 8,0 Megapixel
Pixel-Durchmesser: 1,5 µm 1,4 µm
Blende: f/2.2 f/2.4
Blitz: Dual-LED LED
Optischer Bildstabilisator: ja (nur 6 Plus) nein
Videos: 1.080p bei 60 FPS
720p bei 120/240 FPS
1.080p bei 30 FPS
720p bei 120 FPS
1.080p bei 30 FPS
Frontkamera:
Auflösung: 81 Prozent mehr Licht 1,2 Megapixel
Videos: 720p bei 30 FPS

Bei hellem Tageslicht erzielt das iPhone 6 naturgemäß die besten Ergebnisse. Die Fotos überzeugen durch natürliche Farben und eine viele Details. Mit abnehmendem Licht verlieren die Fotos an Details und Tiefenschärfe. Bei Dunkelheit hilft die Dual-LED, Objekten im Nahbereich der Kamera besser in Szene zu setzen: Die Ausleuchtung fällt natürlich aus, Schärfe und Details überzeugen für Aufnahmen in völliger Dunkelheit ebenfalls. Der Einfluss einer LED ist dem Bild aber insbesondere bei hellen Elementen trotzdem anzusehen. Aufnahmen nahe gelegener Objekte fallen für ein Smartphone gut aus, bei Landschaftsaufnahmen kommt es zu starkem Rauschen und wenig Details.

Apple iPhone 6 im Test – Kamera

Die maximale Auflösung von Videos liegt nach wie vor bei Full HD (1.920 × 1.080), jetzt aber mit 60 statt bisher 30 Bildern pro Sekunde. Viele Konkurrenten aus dem Android-Lager bieten mittlerweile einen UHD-Modus mit 3.840 × 2.160 Bildpunkten, dann aber nur mit 30 Bildern die Sekunde. 60 Bildern pro Sekunde sorgen für sehr flüssige Bildabläufe und eine plastische Wiedergabe, teilweise erinnern Schwenks an Bewegungen in einem Videospiel. Die Farben der bewegten Bilder sind je nach Lichtintensität blasser als bei Fotos, insgesamt aber befriedigend. Auch Videos zeigen wie die Fotoaufnahmen viele Details und sind scharf. Das Grundrauschen der Tonspur ist gering.

Apple iPhone 6 im Test – Video
Apple iPhone 6 im Test – Videostabilisation

Mit dem iPhone 5S führte Apple erstmals Zeitlupenaufnahmen für seine Smartphones ein. Das iPhone 6 verdoppelt die Anzahl der Bilder pro Sekunde von 120 auf 240. Die Auflösung verringert sich bei Zeitlupenvideos auf 1.280 × 720 Bildpunkte, dies war schon beim iPhone 5S der Fall. Die verlangsamten Aufnahmen wirken deshalb im Vergleich zur Full-HD-Aufnahme grobkörnig. Die Funktion liefert aber trotzdem sehenswerte, teilweise sogar beeindruckende Ergebnisse, wenn ein passendes Motiv gewählt wurde, und schöpft das Potential des starken Prozessors gut aus.

Apple iPhone 6 im Test – Zeitlupe

Konnektivität

In puncto Konnektivität bietet das iPhone 6 alle aktuellen Standards. 20 LTE-Bänder unterstützt das iPhone 6, das sind 13 beziehungsweise 7 mehr als noch beim iPhone 5S/5C und iPhone 5. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 150 MBit/s im Down- und 50 MBit/s im Upstream. WLAN ist nach a/b/g/n/ac verfügbar, auch GPS und GLONASS sind mit an Bord. Bluetooth kommt in Version 4.0 LE zum Einsatz. Erstmals verbaut Apple NFC in einem seiner Produkte, dieses ist allerdings vorerst nur für den eigenen Bezahldienst Apple Pay gedacht und in Deutschland dadurch bis auf weiteres nutzlos. Medien können wie bei Apple üblich kabellos per AirPlay übertragen werden.

Unterstützte LTE-Bänder
iPhone 6 (Plus) iPhone 5S/5C iPhone 5
1 (2.100 MHz)
2 (1.900 MHz) ×
3 (1.800 MHz)
4 (AWS) × ×
5 (850 MHz)
7 (2.600 MHz) ×
8 (900 MHz) ×
13 (700c MHz) × ×
17 (700b MHz) × ×
18 (800 MHz) × ×
19 (800 MHz) × ×
20 (800 DD) ×
25 (1.900 MHz) × ×
26 (800 MHz) × ×
28 (700 APT MHz) × ×
29 (700 de MHz) × ×
38 (TD 2.600) × ×
39 (TD 1.900) × ×
40 (TD 2.300) × ×
41 (TD 2.500) × ×
Fett = In Deutschland verwendete Bänder

Im Netz von O2 im Ruhrgebiet kam es nicht zu Einschränkungen bei Telefonaten oder der Nutzung der Datenverbindung. Anrufer und Angerufener waren klar und verständlich und auch die maximale Lautstärke bei Telefonaten überzeugt. Im Einsatz als Navigationssystem mit Apple Maps erfolgte die Ortung innerhalb weniger Sekunden. Nach Durchfahrt eines Stadttunnels konnte das iPhone 6 schnell die Navigation fortsetzen, zu einem kompletten Abbruch der Verbindung kam es nicht.

Laufzeiten

Der fest verbaute Akku ist mit dem im Vergleich zum iPhone 5S rund 15 Prozent größeren Gehäuse (Volumen) gewachsen, sodass die Nennladung jetzt bei 1.810 mAh (6,91 Wh) statt bisher 1.570 mAh (5,45 Wh) liegt. Im Alltag wirkt sich diese Steigerung allerdings nicht auf die Laufzeit aus. Bei automatischer Displayhelligkeit, stets aktiviertem WLAN und mobiler Datenverbindung, rund einer halben Stunde Telefonie, stündlichem E-Mail-Abruf und der Nutzung von sozialen Netzwerken und Messengern erreicht das iPhone 6 eine Laufzeit zwischen einem und anderthalb Tagen. Je nach Nutzung, insbesondere bei Spielen, und Display-Helligkeit können diese Werte sinken oder steigen.

Im Video-Dauertest erreicht das iPhone 6 eine Laufzeit von fast 7 Stunden, womit sich diese im Vergleich zum iPhone 5S und 5C um rund eine Stunde verringert hat. Am gesamten Feld gemessen, das mit Ausnahme des Lumia 1320 von 9 bis 4 Stunden reicht, ist dies ein durchschnittlicher Wert. Durchschnitt herrscht auch im Browser-Dauertest, wo zum Testende 5:40 Stunden auf der Uhr stehen.

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