Apple Watch: EKG-Funktion ab sofort auch in Deutschland verfügbar

Michael Schäfer 61 Kommentare
Apple Watch: EKG-Funktion ab sofort auch in Deutschland verfügbar
Bild: Apple

Apple hat die EKG-Funktion der Apple Watch Series 4 per Update auf watchOS 5.2 für Deutschland sowie weitere europäische Länder und Hong Kong freigeschaltet. Auch enthalten ist eine neue Warnfunktion, die den Träger im Hintergrund auf Herzrhythmusstörungen überwacht und notfalls mit einem visuellen Alarm reagiert.

watchOS 5 und iOS 12.2 Voraussetzung

Während das EKG der aktuellen Smartwatch-Generation vorbehalten bleibt, ist die Warnfunktion, die auf dem Pulsmesser basiert, auf allen von watchOS 5 unterstützten Modellen verfügbar. Gleichzeitig muss auf dem für die Überwachung genutzten iPhone die iOS 12.2 installiert sein. Nach erfolgreichem Aktivierungsprozess wird das System über die Warnfunktion künftig mehrmals täglich Messungen des Herzrhythmus durchführen. Sollten dabei über einen Zeitraum von 65 Minuten bei mindestens fünf Messungen Unregelmäßigkeiten auftreten, wird der Anwender über eine Nachricht auf der Smartwatch informiert, dass Anzeichen eines unregelmäßigen Herzrhythmus erkannt wurden, dessen Ursache gegebenenfalls auf ein Vorhofflimmern zurückgeführt werden kann.

Diese Überwachung ist jedoch nicht mit der EKG-Funktion zu verwechseln, die vom Nutzer selbst aktiviert werden muss. Dieses kann für einen Arzt wertvolle Informationen bei bemerkten Problemen bieten, wobei die gewonnenen und von der Health-App verwalteten Daten jederzeit in Form einer PDF-Datei zur Weiterleitung an einen Arzt exportiert werden können. Dabei stellt Apple jedoch immer wieder klar, dass die genannten Funktionen als Warnung zu verstehen sind und keine Diagnose ersetzen können oder sogar wollen, denn im Gegensatz zu einem professionellen 12-Kanal-EKG kann das System der aktuellen Apple Watch mit lediglich einem Kanal nur einen groben Umriss über den Herzbereich bieten.

Sinnvolles Instrument zur Früherkennung

Eine von der Stanford-Universität durchgeführte und von Apple finanzierte Studie, deren vorläufige Ergebnisse Mitte März 2019 veröffentlicht wurden, kam allerdings zu dem Schluss, dass die Apple Watch als medizinisches Hinweismittel zur Erkennung von Vorhofflimmern durchaus ernst zu nehmen ist. Erstaunlich war in diesem Zusammenhang auch die Anzahl der Teilnehmer, 400.000 Personen stellten sich als Testprobanden für die Studie bereit.

Gestartet wurde die Studie bereits im November 2017 mit dem Ziel, festzustellen, inwieweit die Apple Watch zur Erkennung von Vorhofflimmern herangezogen werden kann. Zum damaligen Zeitpunkt war die Apple Watch Series 3 das aktuelle Smartwatch-Modell von Apple, welches aber noch nicht über die jetzige EKG-Funktion verfügte. Diese wurde zusammen mit seinen Vorgängern in der Studie verwendet. Daher kann davon ausgegangen werden, dass sich die Messergebnisse mit der aktuellen Generation noch einmal verbessern können.

Insgesamt hatte das System bei 0,5 Prozent der Testteilnehmer vor einem Vorhofflimmern gewarnt, was real 2.000 Personen entspricht. Nach Auswertung einer Aufzeichnung durch ein EKG-Pflaster über einen Zeitraum von einer Woche konnte tatsächlich bei 34 Prozent der Teilnehmer ein Vorhofflimmern diagnostiziert werden. Da diese Art der Herzprobleme jedoch unregelmäßig auftritt, kann dies bedeuten, dass zumindest ein Teil der restlichen 66 Prozent bei längeren Untersuchungen ebenfalls genannte Symptome aufweisen würden. Wurde der Teilnehmer gleichzeitig mit einem EKG und der Apple Watch überwacht, zeigte das professionelle Gerät in 84 Prozent der Meldungen des Apple-Systems ebenfalls ein Vorhofflimmern an.

Auch wenn die Daten noch nicht gänzlich ausgewertet wurden, werden sie von der Universität Stanford bereits als solide Grundlage für weitere Studien gehandelt. Zudem berichtet die Studie davon, dass 57 Prozent der Teilnehmer, bei denen Unregelmäßigkeiten in den Pulsmeldungen angezeigt wurden, anschließend ärztliche Hilfe aufsuchten.

Zustimmung auch aus Deutschland

Auch in Deutschland werden die Möglichkeiten, welche Systeme wie die Apple Watch bieten, positiv gesehen: Professor Dr. med. Thomas Deneke, Sprecher der Arbeitsgruppe Rhythmologie der DGK sowie Chefarzt der Klinik für interventionelle Elektrophysiologie der Herz- und Gefäß-Klinik in Bad Neustadt, sieht in der Apple Watch 4 ein wertvolles Monitoring-Werkzeug, welches wichtige Informationen für Patient und Arzt bereitstellen kann.