iotty Smart Switch im Test: WLAN-Schalter vereint Funktionalität und Design

Frank Hüber 46 Kommentare
iotty Smart Switch im Test: WLAN-Schalter vereint Funktionalität und Design

tl;dr: Die iotty Smart Switches mit LED-Glas-Design und WLAN lassen sich über das Smartphone oder einen Sprachassistenten steuern und sind als echte Hingucker auch eine Bereicherung für die Optik des Raumes. Installation, Einrichtung und Betrieb überzeugen ebenso wie der Funktionsumfang der App, die jedoch noch Potenzial hat.

Einzel- und Doppelschalter mit LED-Design

Mit dem Smart Switch bietet das italienische Unternehmen iotty smarte WLAN-Lichtschalter mit Touch-Oberfläche an, die ohne Bridge oder Gateway auskommen und sich sowohl direkt über die Taster als auch über das Smartphone, IFTTT oder Sprachassistenten wie den Google Assistant und Amazon Alexa bedienen lassen. Werden sie nachgerüstet, können verbundene Lampen gesteuert werden, ohne dass vernetzte Leuchtmittel in diesen eingesetzt werden müssen und der Schalter dauerhaft eingeschaltet sein muss.

iotty bietet den Smart Switch in den zwei Varianten E1 und E2 sowie in den fünf Farben Weiß, Schwarz, Grau, Creme und Blau an, die in herkömmlichen deutschen Unterputzdosen eingebaut werden können – in der Tiefe werden hier mindestens 32,5 mm benötigt. Bei E1 handelt es sich um einen Einzeltaster, die Version E2 bietet hingegen einen Doppeltaster und kann so zwei verbundene Verbraucher separat voneinander schalten. Der iotty Smart Switch E1 kostet 75 Euro (UVP), der E2 wird für 80 Euro angeboten. Die Produkte können als Aus- und Wechselschalter oder als Taster verwendet werden. Theoretisch eignen sie sich so nicht nur zum Schalten von Licht.

Beide Schalter messen 87 × 87 mm und sind 9 mm dick. Sie funken nach WLAN 802.11 b/g/n/e/i und über Wi-Fi Direct im 2,4-GHz-Bereich. Die maximale Last am Ausgang beträgt jeweils 5 Ampere und es ist eine Mindestlast von 3 Watt notwendig.

Die Schalter selbst setzen auf ein modernes Design mit einer Hartglas-Oberfläche, die durch LEDs beleuchtet wird. Rechteckige Aussparungen und ein Punkt kennzeichnen die Schaltflächen und der blau hinterleuchtete Punkt den Schaltstatus des Schalters. Die Touch-Fläche deckt jedoch nicht den ganzen Bereich des rechteckigen Areals ab, sondern tatsächlich nur die Mitte. Die LED-Beleuchtung des Schalters kann in der App eingestellt werden, also nicht nur ein- und ausgeschaltet, sondern auch in ihrer Helligkeit geregelt werden. An der Verarbeitung der beiden iotty Smart Switches gibt es nichts zu bemängeln, ganz im Gegenteil.

Installation durch Austausch des alten Schalters

Zum Anschluss des iotty Smart Switch werden ein Neutralleiter und eine Phase benötigt. Letztere wird an den Schalter selbst und auf den einen oder die beiden Eingänge der zu schaltenden Last gelegt. Darauf zu achten ist, dass die Kabel nicht nach unten weggeführt werden, sondern sich die Verbindungen an der linken Seite des Schalters befinden, weshalb er vor dem Einbau in der Regel um 90 Grad gedreht werden muss. Über einen Spreizmechanismus zum Einbau in der Schalterdose verfügt der iotty Switch nicht, es werden Schraublöcher in der Installationsdose vorausgesetzt. Dies ist nicht in jedem Altbau gegeben und sollte vorab geprüft werden.

Darüber hinaus muss an der Stelle, an der ein iotty Smart Switch installiert werden soll, ein ausreichend starkes WLAN-Signal vorliegen.

Mit ausreichender Kenntnis über elektrische Installationen ist der Anschluss der iotty-Schalter problemlos in wenigen Minuten erledigt, sofern man über Kabel und Klemmen verfügt und der Platz in der Installationsdose ausreicht.

Einrichtung, Konfiguration und Steuerung per App

Die iotty-App ist sowohl für Android als auch iOS verfügbar und wird benötigt, um den Smart Switch im WLAN anzumelden. Ist dies erfolgt, kann er zudem in der App konfiguriert werden und es lassen sich Statistiken über den Verbrauch und die Schaltzeiten einsehen, wobei die Leistungsaufnahme und die Stromkosten der verbundenen Lasten selbst in der App hinterlegt werden müssen – mehr als eine Berechnung anhand der Einschaltzeiten und der hinterlegten Kosten erfolgt nicht, die Schalter messen die Leistungsaufnahme nicht selbst. Der Nutzer kann sich zudem über Push-Benachrichtigungen immer dann informieren lassen, wenn ein Schalter betätigt wird.

Ohne Benutzerkonto geht nichts

Für die Einrichtung muss zwingend ein Benutzerkonto bei iotty angelegt werden. Ein Verzicht auf die Steuerung über die Cloud ist nicht möglich. Das hat den Vorteil, dass das Licht auch aus der Ferne gesteuert werden kann. Daraufhin muss sich der Nutzer zunächst mit dem WLAN des Schalters verbinden und dann die SSID des eigenen WLANs manuell eingeben – eine Liste, aus der einfach das eigene Funknetzwerk ausgewählt wird, um dann nur das Passwort eingeben zu müssen, gibt es nicht. Dies ist, je nach Bezeichnung des WLANs, unnötig umständlich. Sobald der Schalter sich mit dem WLAN verbunden hat, ist die Einrichtung abgeschlossen und der Schalter kann in der App konfiguriert werden. Der 2-Gang-Schalter E2 taucht dabei als zwei Geräte auf. Neben der grundsätzlichen Wahl, ob er als Schalter, Ein- und Ausschalter, der so lange einschaltet, wie er gedrückt wird, oder Wechselschalter fungieren soll, können für jede Bedienfläche und auch für das Touch-Feld selbst Namen vergeben werden.

Geofencing auch über das WLAN-Signal

Auch das Schalten per Geofencing, also anhand der Position des Smartphones, ist möglich, so dass sich das Licht automatisch einschalten lässt, wenn man nach Hause kommt, oder aber das Garagentor automatisch öffnet, wenn man sich in der Nähe befindet. Da sich diese Steuerung auch an das Verbinden mit dem heimischen WLAN koppeln lässt, kann die Entfernung ausreichend gering gehalten werden.

Iotty Smart Switch App

Viele Möglichkeiten erfordern viel Konfiguration

Die iotty-App ermöglicht aber neben einer normalen Zeitschaltung auch die Kopplung des Schaltzustandes an externe Einflüsse wie das Wetter oder die Uhrzeiten für den Sonnenauf- und -untergang, wodurch sich weitere Anwendungsfälle handhaben lassen. Etwas umständlich ist dabei allerdings, dass für jeden Schalter eine eigene Zeitschaltung eingestellt werden muss. Es ist nicht möglich, einfach mehrere Schalter zur selben Zeit identische Automatisierungen vornehmen zu lassen, indem bei einer Automatisierung schlicht weitere Elemente hinzugefügt werden. Besonders bei der Abwesenheitssimulation muss diese für jeden Schalter einzeln eingetragen werden, statt mehrere auswählen zu können, die dann unabhängig voneinander zufällig geschaltet werden. Darüber hinaus kann eine gespeicherte Automatisierung wie die Zeitschaltung zwar nachträglich editiert werden, aber das ausgewählte Gerät lässt sich dabei nicht mehr umstellen. Möchte man nachträglich nur das Gerät wechseln, muss eine neue Automatisierung angelegt werden.

Auch das Ein- bzw. Ausschalten einer Automatisierung gibt es bei iotty nicht. Soll eine Automatisierung pausiert werden, muss sie gelöscht werden. Möchte man sie wieder nutzen, ist eine vollständige Neuerstellung notwendig. Das ist unnötig umständlich und wird von anderen Systemen besser gelöst.

Wird ein Schalter betätigt, kann dies zudem alle oder einzelne andere verbaute iotty-Schalter auslösen, sofern gewünscht. Wer die Schalter auch in IFTTT einbindet, kann zudem andere Smart-Home-Geräte im Haus über die Schalter steuern.

Die App hat noch Potenzial

Auch wenn die App bereits jetzt sehr viele Optionen bietet, mit denen sie sich keinesfalls vor der Konkurrenz verstecken muss, gibt es Fälle, in denen man sich als Nutzer weitere Einstellungs- und Kombinationsmöglichkeiten wünscht, darunter die oben erwähnte Option, eine Zeitschaltung auf mehrere Schalter auszuweiten und nicht für jeden Schalter eine identische Zeitschaltung einrichten zu müssen. Statt in die Breite benötigt die App nun also etwas Entwicklung in die Tiefe der einzelnen, bereits angebotenen Funktionen.

Iotty Smart Switch: Benachrichtigung über ausgeführte Aktionen
Iotty Smart Switch: Benachrichtigung über ausgeführte Aktionen

Zudem kam es im Test sporadisch vor, dass das Speichern einer Automatisierung mit der Fehlermeldung „A task was cancelled“ oder „The request timed out“ nicht gespeichert wurde, woraufhin sie komplett neu angelegt werden muss, da die App nicht in die Eingabemaske zurückspringt, um eine erneute Speicherung zu veranlassen.

Steuerung per Sprache über Alexa und den Google Assistant

Die iotty Smart Switches lassen sich über Alexa und den Google Assistant auch per Sprache steuern. Bei Alexa muss hierfür der Skill „iotty Smart Home“ in der Alexa-App aktiviert und nach den Geräten gesucht werden. Beim Google Assistant wird hingegen „Home Control“ im Google-Konto aktiviert und anschließend nach den Geräten gesucht.

Die Steuerung der Schalter über die Sprachassistenten ist hinterher völlig problemlos und zuverlässig möglich. Im Test sind hierbei keinerlei Probleme aufgetreten – weder bei der Einrichtung noch bei der Nutzung,.

Abseits von Alexa und Google Assistant unterstützen die iotty Smart Switches mit dem neuesten App-Update auch SmartThings, das Smart-Home-System von Samsung. Da dieses ComputerBase noch nicht vorliegt, konnte die Verknüpfung nicht getestet werden.

Fazit

Optisch und technisch überzeugend

Optisch und technisch haben beide iotty Smart Switches im Test überzeugt. Die Verkabelung ist einfacher als etwa bei zusätzlichen Unterputzschaltern von Devolo, Qubino oder Fibaro (Test). Die müssen zusätzlich zum eigentlichen Schalter hinter diesem in der Installationsdose untergebracht werden und der Platzbedarf ist dadurch größer. Zudem erfordern diese immer einen Smart-Home-Hub, der bei iotty dank WLAN nicht benöigt wird. Auf eine Steuerung von unterwegs muss trotzdem nicht verzichtet werden, was jedoch die Einrichtung eines Benutzerkontos bei iotty erforderlich macht.

WLAN hat jedoch auch den Nachteil, dass sich die Schalter nicht ohne Weiteres in ein Smart-Home-System integrieren lassen, wie es bei Z-Wave oder Zigbee bei Einhaltung der Standards möglich wäre. Die Möglichkeit, IFTTT oder Sprachassistenten wie Alexa und Google Assistant zu nutzen, federt dieses Manko zwar ab, erfordert aber gerade im Fall von IFTTT zusätzliches Wissen und Aufwand.

Viele Optionen in der App, aber noch Potenzial

Bei den Konfigurationsmöglichkeiten in der App sollte iotty ein paar kleinere Schwachstellen mit großer Wirkung ausbessern, um die Steuerung komfortabler zu machen. Denn die Breite an Möglichkeiten ist außerordentlich gut, in der Tiefe fehlt es jedoch noch. Wenn das gesamte Zuhause im Urlaub über einen Zufallsmodus gesteuert werden soll, sollte dieser nicht für jedes Gerät einzeln eingestellt werden müssen, sondern alle Geräte auf einmal berücksichtigen können. Die Möglichkeit, mehrere Schalter in einer Automatisierung zu vereinen, fehlt derzeit jedoch ebenso wie das Pausieren von Automatisierungen, um sie nicht immer wieder löschen und neu anlegen zu müssen.

Die App schlägt bei der Speicherung von Automatisierungen zudem mitunter fehl, was ärgerlich ist, da diese dann immer wieder neu erstellt werden müssen. Der Funktionsumfang und die Möglichkeiten in der App selbst, Aktionen und Bedingungen zu koppeln und von anderen Einflüssen wie dem Sonnenaufgang, einer Verbindung des Smartphones zum lokalen WLAN oder dem Wetter abhängig zu machen, sind jedoch sehr umfangreich.

Aufgrund der Touch-Oberfläche erhält der Nutzer keine haptische Rückmeldung bei der Bedienung des Schalters, lediglich das hörbare Auslösen des Relais im Schalter kann vernommen werden. Bei Doppelschaltern muss man deshalb in der Regel hinsehen, welche Schaltfläche man bedienen möchte, um nicht die falsche oder beide auszulösen.

Kompatibilität vor dem Kauf prüfen

Beim Einbau selbst müssen Käufer zwingend berücksichtigen, dass sie sowohl einen Neutralleiter als auch eine Unterputzdose mit Schraubfassungen benötigen, um den Schalter zu befestigen. Beides zusammen ist nicht immer gegeben und sollte vor dem Kauf unbedingt geprüft werden.

Das größte Manko für den Einbau der Schalter dürfte ihr Preis von 75 und 80 Euro sein, weshalb sie, sofern sie zum eigenen Stil und zur Einrichtung passen, auch als Designobjekte gesehen werden sollten, die 20 Jahre alte, gelbliche, deutsche Standardschalter ersetzen können. Die LED-Beleuchtung ist gewiss ein Hingucker und sorgt für Gesprächsstoff mit Gästen.

Mit den smarten Steckdosen mit LED-Beleuchtung und der Jalousiesteuerung folgen Anfang 2020 zwei weitere Produkte von iotty, mit denen man das System weiter ausbauen kann.

ComputerBase hat die beiden Smart Switches leihweise von iotty zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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