ROG Strix Radeon RX 5700 (XT): Asus verweist bei Temperaturproblemen auf AMD

Frank Meyer 247 Kommentare
ROG Strix Radeon RX 5700 (XT): Asus verweist bei Temperaturproblemen auf AMD
Bild: Asus

Auf die anhaltende Kritik und den Unmut von Käufern einer Grafikkarte aus der ROG-Strix-Radeon-RX-5700-Serie reagiert Asus in einer offiziellen Stellungnahme. Kunden berichteten von teils erheblichen Temperaturproblemen, daraus resultierenden Leistungseinbußen durch Überhitzen und reklamieren defekte Modelle beim Hersteller.

AMDs Vorgaben zum Anpressdruck wurden von Asus eingehalten

Asus erläutert die von vielen Käufern einer Radeon RX 5700 (XT) aus der ROG-Strix-Familie kritisierten hohen Temperaturen von GPU und allen voran des VRAM mit von AMD mangelhaft vorgegebenen Spezifikationen für den Anpressdruck des Kühlers. So soll der Chipentwickler während des Design-Prozesses und vor dem Start der Navi-Grafikkarten im August 2019 Datenblätter mit technischen Richtlinien an die Ingenieure von Asus weitergegeben haben, an denen sich laut Asus bei der Wahl des Kühlers und dessen Anpressdrucks zu den Komponenten orientiert wurde.

[...] During the design phase, AMD shares documents with our engineers that outline specifications and tolerances to ensure performance and reliability margins are maintained. [...]

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Asus ROG Strix Radeon RX 5700(XT) - Diagramm zum Anpressdruck für die Navi-GPU
Asus ROG Strix Radeon RX 5700(XT) - Diagramm zum Anpressdruck für die Navi-GPU (Bild: Asus)

Den von Asus in einem Diagramm veröffentlichten AMD-Richtlinien zufolge wird ein Anpressdruck auf die GPU von 30 bis 40 psi empfohlen, den der Grafikkarten-Entwickler als geeignet für die eigenen Navi-Produkte übernommen hat. Einhergehend mit den ersten Berichten über hohe Temperaturen der ROG Strix Radeon RX 5700 (XT) hat Asus dem veröffentlichten Statement zufolge im Januar 2020 interne Untersuchungen intensiviert, um das Problem zu identifizieren und eine Lösung zu finden. Als wichtigste Erkenntnis aufgrund der Rückmeldungen von Kunden und den daraus resultierenden, erweiterten Prüfungen hat Asus einen zu geringen Anpressdruck für die Probleme ausgemacht und infolgedessen Tests mit gesteigerten Werten unternommen.

After receiving user reports regarding temperature issues, we performed extended R&D testing to find the optimal PSI range for our graphics cards without compromising GPU reliability.

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Als Resultat schraubt Asus in der Produktion fortan den Kühlkörper über ein verbessertes Mounting-Kit mit einem höheren Anpressdruck von 50 bis 70 psi an das PCB der ROG-Strix-Grafikkarten mit Navi-Chip, der für einen schnelleren Abtransport der Abwärme von der GPU sorgen soll. Obwohl außerhalb der von AMD vorgegebenen Spezifikationen, soll die Zuverlässigkeit nicht beeinträchtigt werden und der Grafikchip auf Dauer keine Schäden davontragen.

Nach eigenen Tests erfolgt ein höherer Druck auf die Navi-GPU

Die Änderungen der Produktionsrichtlinien hat Asus für alle Grafikkarten der Serie ROG Strix Radeon RX 5700 ab Januar 2020 umgesetzt, weshalb die danach ausgelieferten Modelle mit einem reduzierten Temperaturniveau der GPU aufwarten und leiser unter Vollast arbeiten sollen. Darüber hinaus bietet der Hersteller allen Käufern einer älteren ROG Strix Radeon RX 5700 (XT) an, ab März 2020 das überarbeitete Montage-Set über den Support kostenfrei anzufordern und über ein nahegelegenes Asus-Service-Center die Modifikation umsetzen zu lassen.

Eine Übersicht der betroffenen ROG-Strix-Modelle und entsprechenden Produktionsnummern hat Asus ebenfalls veröffentlicht.

Asus ROG Strix Radeon RX 5700(XT) - berechtigte Modelle für das Free-Upgrade-Kit
Asus ROG Strix Radeon RX 5700(XT) - berechtigte Modelle für das Free-Upgrade-Kit (Bild: Asus)

Die TUF-Serie mit Navi-GPU erhält gleich die neue Kühllösung

Einen ersten Lösungsansatz für die Temperaturprobleme diverser Grafikkarten mit Navi-GPU verfolgt Asus mit der Überarbeitung der Radeon-RX-5700-Grafikkarten aus der TUF-Serie, die in einer verbesserten Ausführung einen leistungsstärkeren Kühler mit teils größeren Lüftern erhält. AMD hat sich bisher nicht zu dem Thema geäußert.

Update 20.02.2020 14:42 Uhr

Mittlerweile hat Asus die erste Fassung der Stellungnahme geändert und spricht darin nicht mehr explizit von einem von AMD in der Entwicklungsphase der Navi-Grafikkarten strikt vorgegeben Anpressdruck. Die 30 bis 40 PSI seien vielmehr eine Empfehlung gewesen, von der Partner auch hätten abweichen können. Asus hätte das nicht getan, um die neue 7-nm-GPU nicht zu gefährden. Inzwischen hätte Asus aber einen höheren Druck eruiert, der die Kühlleistung verbessert, ohne die GPU zu gefährden. Alle gestern noch veröffentlichten Darstellungen, die zeigen sollten, wie falsch die von AMD gemachten Vorgaben waren, wurden von Asus ebenfalls entfernt.

Initial batches of ROG Strix RX 5700-series graphics cards were torqued to 30-40 PSI based on AMD’s baseline recommendations. While those guidelines provided leeway to apply more torque, we took a cautious approach because were dealing with a new 7nm GPU and didn’t want to risk damage to the die. After receiving user reports regarding temperature issues, we performed extended R&D testing to find the optimal PSI range for our graphics cards without compromising GPU reliability.

As a result, all ROG Strix Radeon RX 5700-series graphics cards shipped from January 2020 forward feature new screws that increase cooler mounting pressure to 50-60 PSI, resulting in improved heat transfer from the GPU to the heatsink.

Asus, Nachtrag

Die Redaktion dankt ComputerBase-Leser „Colindo“ für den Hinweis zu diesem Update!