Swisscom: Die Schweiz prüft mögliche Blockade für Streaming

Sven Bauduin 274 Kommentare
Swisscom: Die Schweiz prüft mögliche Blockade für Streaming
Bild: Swisscom

Anders als die deutschen Netze, hält das Netz der Swisscom der aktuellen Belastung in direkter Folge der dynamischen Entwicklung rund um die COVID-19-Pandemie und das Coronavirus (SARS-CoV-2) nicht Stand. Eine vorläufige Blockade für Streaming steht nun ganz offen zur Debatte, wie die Neue Zürcher Zeitung jetzt berichtet hat.

Belastungsprobe nicht bestanden

Während sich die deutschen Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland sowie der Branchenverband Bitkom sehr zuversichtlich zeigen, dass die deutschen Netze auch bei höchster Belastung standhalten werden, berichtet die Schweizer Tageszeitung, dass das Netz der Swisscom – des führenden Schweizer Telekommunikationsunternehmens – der Belastungsprobe nicht standgehalten hat.

Ob das Swisscom-Netz den Belastungen durch flächendeckendes Home-Office und der Schließung der Schulen weiterhin standhalten kann, „erscheint fraglich“, formuliert die Neue Zürcher Zeitung und bezieht sich dabei auf Angaben des Generalsekretariats des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) der Schweizer Landesregierung.

Anruf- und Datenvolumen zwingt Netz in die Knie

Seit den Morgenstunden sei es im Netz der Swisscom auf Grund des hohen Anruf- und Datenvolumens und der daraus resultierenden enorm gestiegenen Belastung der Infrastruktur zu Abbrüchen im Mobil- und Festnetz gekommen. Alleine die Anruferzahlen hätten sich im Vergleich zu normalen Tagen verdreifacht, so die Neue Zürcher Zeitung.

Eine Sprecherin der Swisscom sagte, „aktuell sehen wir noch genügend Kapazität in der Datennetz-Infrastruktur“, schränkte aber umgehend ein, „wir arbeiten intensiv an einer Kapazitätserweiterung und bitten unsere Kunden um eine vernünftige und verantwortungsvolle Nutzung der Telekommunikationsnetze“.

Schweizer Regierung kann Dienste einschränken

Demnach haben bereits erste Gespräche zwischen der Schweizer Regierung und der Swisscom stattgefunden wie das Generalsekretariats des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation bestätigte. Darüber hinaus merkte es an, dass die Regierung nicht versorgungsrelevante Dienste wie Streaming zumindest vorläufig blockieren kann.

Sollten gravierende Engpässe entstehen, hat der Bund die Möglichkeit, nicht versorgungsrelevante Dienste einzuschränken oder zu blockieren.

Generalsekretariats des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Auch die spanische Regierung spricht Empfehlung aus

Obwohl die spanischen Netze in Europa zur Spitzengruppe gehören, hat auch die spanische Regierung bereits eine Empfehlung zur Datennutzung herausgegeben. Demnach sollen Ressourcen und Kapazitäten zu Bürozeiten möglichst Leuten im Home-Office vorbehalten bleiben und nicht für „Freizeitverkehr“ genutzt werden. Auf Online-Spiele und Streaming-Dienste sowie große Downloads sei zu Stoßzeiten zu verzichten.

Update 20.03.2020 09:42 Uhr

Swisscom und Sunrise äußern sich zu Engpässen

Die Schweizer Netzbetreiber Swisscom und Sunrise haben in der Zwischenzeit eine gemeinsame Stellungnahme abgegeben und insbesondere bei der Übergabe von Anrufen zwischen Swisscom und Sunrise, den sogenannten Interkonnektionspunkten, Kapazitätsprobleme zu den Spitzenzeiten eingeräumt. Die Probleme betreffen sowohl die Fest- als auch die Mobilfunknetze von Swisscom und Sun.

Demnach arbeiten beide Netzbetreiber zur Zeit schon an Kapazitätserweiterungen zwischen ihren Netzen, was bereits zu „deutlichen Verbesserungen“ geführt haben soll, heißt es in der Stellungnahme der beiden Telekommunikationsunternehmen.

Die ausserordentliche Lage in der Schweiz seit Montag, 16. März, hat zu einer stark erhöhten Nutzung von Telefondiensten geführt, wodurch zu Spitzenzeiten Anrufvolumen und -dauer bei Swisscom und Sunrise um ein Vielfaches zunahmen.

Dies führte insbesondere in Spitzenzeiten punktuell zu Kapazitätsengpässen bei den sogenannten Interkonnektionspunkten. Bei punktueller Überlast konnten teilweise Anrufe nicht aufgebaut werden und die Kunden hörten das Besetztzeichen.

Gemeinsam arbeiten beide Anbieter intensiv an Kapazitätserweiterungen zwischen ihren Netzen. Es konnte bereits eine deutliche Verbesserung erzielt werden.

Swisscom und Sunrise bestätigen, dass innerhalb der Mobilfunk- und Festnetzinfrastruktur ausreichend Kapazitäten vorhanden sind, so dass Telefonie und Internetverkehr auch in ausserordentlichen Situationen gewährleistet sind.

Gemeinsame Stellungnahme von Swisscom und Sunrise