„Gaming-Distribution“: CachyOS-Chefentwickler Peter Jung im Interview

Marek Lindlein
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„Gaming-Distribution“: CachyOS-Chefentwickler Peter Jung im Interview
Bild: Peter Jung

Die Linux-Distribution CachyOS auf Basis von Arch wird insbesondere im Gaming-Umfeld immer beliebter. Ein Grund ist der vergleichsweise leichte Einstieg mit automatischem GUI-Installer und Hilfsprogrammen, aber auch Leistungs-Optimierungen. ComputerBase hat mit Chefentwickler Peter Jung über den Status quo gesprochen.

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CachyOS hat einen Lauf. Im Jahr 2025 haben 1,9 Millionen Nutzer die Seite des CachyOS-Projekts aufgerufen. DistroWatch reiht CachyOS auf Platz 1 aller Distributionen nach Seitenaufruf. Zahlreiche Berichte, Benchmarks und auch Videos rund um CachyOS rücken die Distribution immer mehr in den Fokus von Linux-Nutzern und jenen, die es noch werden wollen.

Zuletzt auch auf ComputerBase im Einsatz

Auch ComputerBase hat im letzten großen Linux- vs. Windows-Gaming-Vergleichstest erstmals auf CachyOS gesetzt.

Denn nicht nur bietet CachyOS eine schnelle Installation auf neuen Systemen, es optimiert Linux auch in puncto Gaming-Leistung. Selbst experimentelle Features wie FSR4 lassen sich in CachyOS auch ohne Linux-Kenntnisse leicht aktivieren. Ein umfangreiches Wiki und ein Community-Discord-Server bieten schnelle Hilfe.

Was macht CachyOS besonders?

CachyOS basiert auf Arch Linux. Entsprechend finden sich typische Anwendungen wie pacman bei CachyOS wieder und auch das Veröffentlichungsmodell eines Rolling Release bleibt gleich.

Doch CachyOS übernimmt nicht einfach fertige Anwendungen von Arch Linux, sondern baut ausgewählte Pakete neu – und optimiert dabei gezielt auf moderne Hardware-Architekturen (Stichwort Befehlssatzerweiterungen wie x86-64-v4).

Auch der Kernel selbst wird optimiert und bietet umfangreiche Scheduler-Wahl. Doch auch der Installationsprozess selbst ist vereinfacht, übersichtlich und mit vielen Optionen ausgestattet – darunter 17 Desktop-Umgebungen wie KDE, GNOME und weitere. Selbst eine spezielle Handheld-Version steht zur Verfügung.

11 Fragen an Peter Jung

Eine zentrale Figur des Projekts ist Peter Jung. Der Chefentwickler von CachyOS findet sich auch als Community-Mitglied im Forum von ComputerBase wieder. Die Redaktion hat die Gelegenheit genutzt, um einen tieferen Einblick in CachyOS zu gewinnen und konnte Peter zu einem Interview bewegen. Nicht unerwähnt bleiben sollte allerdings: Das Team hinter CachyOS ist viel größer.

  1. CachyOS - wie kam's?
    Peter Jung, CachyOS: Ich habe erst vor „kurzem“ mit Linux angefangen, etwa 2019, durch ein Schulprojekt. Zwischen 2020 und 2021 habe ich begonnen, einen Custom-Kernel zu pflegen, der einen anderen CPU-Scheduler nutzt.

    Nachdem ich recht viel mit dem Maintainer des CPU-Schedulers zusammengearbeitet hatte, kam er auf die Idee, eine Distribution zu erstellen. Zu der Zeit wurde auch in Arch Linux der x86-64-v3-Befehlssatz diskutiert, und wir begannen, diesen in CachyOS zu implementieren. CachyOS war und ist ein Hobby- und Lernprojekt.
  2. Hat dich der Erfolg der letzten Jahre überrascht?
    Peter Jung, CachyOS: 2024 war ein richtig starkes Jahr für uns! Mitte 2024 hat der Traffic stark zugenommen, da CachyOS immer bekannter wurde und die Leute Vertrauen zu uns aufgebaut haben. Wir waren sehr überrascht! 2025 hat das Ganze dann nochmal übertroffen: Die Community hat sich verdreifacht, wir haben über 11 Petabyte an Daten ausgeliefert, hatten 1,9 Millionen Unique Visitors und bis zu 133.000 ISO-Downloads pro Monat. Das hätten wir uns nie vorstellen können.
  3. Was glaubst du, ist das Geheimnis eures Erfolgs?
    Peter Jung, CachyOS: Generell denken wir, dass es an der Community-Arbeit liegt und daran, dass wir Technologien und Projekte sehr schnell in CachyOS integrieren und diese auf einfache Weise bereitstellen. Viele Linux-User sind sehr experimentierfreudig und lieben es, Neues auszuprobieren.

    Das Team ist auch sehr aktiv in der Community. Wir haben 2025 neue Teammitglieder gewonnen und arbeiten eng zusammen — es macht einfach Spaß.
  4. Ihr habt inzwischen auch Sponsoren gefunden, wie hat sich das auf das Projekt ausgewirkt?
    Peter Jung, CachyOS: Ja, das war ein riesiger Meilenstein! Framework sponsert uns seit Dezember 2025 mit einer monatlichen Spende und hat uns ein Framework-16-Laptop zur Verfügung gestellt, damit wir unseren Kernel und unsere Pakete auf moderner Hardware optimieren können.

    Dazu kommt CDN77, die über 65 % unseres weltweiten Traffics abdecken. Und dank der Community-Spenden konnten wir 2025 zum ersten Mal alle Server- und Wartungskosten decken — insgesamt rund 13.500 Euro. Voll- oder Teilzeitarbeit ist daraus leider noch nicht möglich, aber es ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
  5. Was steht für 2026 an?
    Peter Jung, CachyOS: Wir arbeiten weiterhin an einem eigenen Installationsframework. Calamares haben wir bereits massiv verbessert — mit animierten Desktop-Vorschauen, besserer Bootloader-Auswahl und vielem mehr — aber langfristig wollen wir etwas Eigenes. Außerdem entwickeln wir eine Server-Edition für NAS, Workstations und Serverumgebungen. Und Merchandise ist auch endlich geplant — wir versuchen, das 2026 hinzubekommen.
  6. Und wie sieht es mit AVX10 aus?
    Peter Jung, CachyOS: Da warten wir noch auf die Hardware. Anfang 2027 soll Nova Lake kommen, dann wird das richtig spannend. Bis dahin bereiten wir uns vor.
  7. Wird 2026 das Jahr des Linux?
    Peter Jung, CachyOS: Absolut! Das Support-Ende von Windows 10 im Oktober 2025 war genau der Katalysator, den wir erwartet hatten. Viele Leute haben SteamOS und Linux ausprobiert, und die Zahlen sprechen für sich: Linux Gaming hat im Dezember 2025 einen Rekord-Marktanteil in der Steam Hardware Survey erreicht.

    Valve hat außerdem die neue Steam Machine angekündigt — ein kompaktes konsolenähnliches Gerät, das SteamOS nutzt und 2026 erscheinen soll [Anm.d.Red.: Na mal sehen)]. Dazu kommen das Steam Frame VR-Headset und der neue Steam Controller. Valve investiert massiv in Linux, und das zieht die ganze Plattform mit.
  8. Was gefällt dir an der (Linux-) Community?
    Peter Jung, CachyOS: Die Linux-Community ist generell sehr aufgeschlossen, man hilft sich gegenseitig, und Bugs werden schnell „bisected“, sodass Entwickler Unterstützung erhalten. Außerdem liebt es die Community, Neues zu testen, und bringt Linux damit voran.
  9. ... und was stört dich?
    Peter Jung, CachyOS: Als Entwickler bekommt man oft mit, dass Nutzer recht viele Support-Anfragen stellen und dabei denken: „Wir würden ihnen ein Produkt verkaufen.“ In gewisser Weise tun wir das, aber es ist auch kostenlose Arbeit, und kaum jemand verlangt Geld für Open-Source-Projekte. Oftmals hat man es mit der Einstellung zu tun: „Wenn du mir nicht sofort hilfst, dann nutze ich dich nicht.“ Das mag ich nicht so gerne.

    Ebenfalls werden neue Linux-User in manchen Foren oder Communities oft eingeschüchtert mit Aussagen wie „Lies die Doku oder nutze kein Linux.“ Einerseits ist das verständlich, andererseits bringt man damit keine neuen Nutzer zu Linux. „The Linux (Community) is its own enemy“ passt in vielen Fällen recht gut.
  10. Du bist ja auch Arch-Linux-Maintainer, profitieren beide Projekte von den in CachyOS gesammelten Erfahrungen?
    Peter Jung, CachyOS: Ja! Die Projekte profitieren gegenseitig sehr stark. Wir bringen unsere Erfahrungen, etwa bei Umstellungen, die wir schon durchgeführt haben, in Arch Linux ein. Umgekehrt bekomme ich in Arch Linux viele Einblicke in deren Prozesse und Updates. Das hilft uns enorm, und es ist keine Überraschung, wenn Pakete aus Testing in die Stable-Repositories verschoben werden. Außerdem kann ich Änderungen an PKGBUILDs upstreamen, wodurch keine „doppelte“ Arbeit entsteht.
  11. Treiber der Linux-Verbreitung auf dem Desktop war in letzter Zeit Gaming und damit insbesondere Valve. Was hältst du von Linux als (zukünftige) Gaming-Plattform?
    Peter Jung, CachyOS: Linux kann eine großartige Gaming-Plattform werden — aber es braucht Zeit, Geld, Entwicklungs- und Testing-Power. In den letzten Jahren haben wir schon massive Fortschritte gesehen, und mit Valves neuer Hardware-Offensive 2026 bin ich sehr optimistisch, dass sich dieser Trend weiter beschleunigt.

Redaktioneller Transparenzhinweis: Das Interview mit Peter ist bereits vor einigen Monaten entstanden, ist aber bisher nicht als Bericht erschienen. Im Zuge der finalen Veröffentlichungen hat die Redaktion Peter erneut kontaktiert, um das Interview auf den neuesten Stand zu bringen.

Kommentar des Autors

Ich muss gestehen, auch wenn ich selbst oft über Entwicklungen bei CachyOS berichte und auch persönlich im Austausch mit Peter stehe und dabei diverse Themen rund um Linux bespreche, so setze ich CachyOS privat gar nicht ein. Ich habe eine eigene ISO, die mir ein fertig konfiguriertes Arch Linux auf meinen Systemen installiert und damit habe ich alles, was ich brauche. Eine Umstellung auf CachyOS wäre zwar möglich, aber „never change a running system“ ¯\_(ツ)_/¯.

Insgesamt aber finde ich den Trend zu CachyOS positiv, aus einem ziemlich simplen, aber pragmatischen Grund: Ein großes Hindernis bei der Verbreitung von Linux ist die Fragmentierung in Dutzende Distributionen und Projekte. Diese haben ihre Daseinsberechtigung, aber das nutzt dem Ein- bzw. Umsteigern nichts. Wer neu mit Linux ist, möchte einfach DIE eine Distribution haben, die man sich installiert. Und weil sich immer mehr Nutzer bei CachyOS einfinden, steigt natürlich auch die Anzahl an Berichten, Tutorials oder Videos zu dem Thema. Man findet schneller Hilfe. Die Entwickler können gezielt die Baustellen angehen, welche den Einsteigern Probleme bereiten.

Also eigentlich genau das, was SteamOS sein könnte, wenn es denn mal als eigenständige Distribution erscheint. Aber bis dahin sollte man sich nicht in Grabenkämpfen verlieren und empfehlen, was einem selbst besonders zusagt, sondern das, bei dem man erwarten kann, dass in jedem Fall sich schnell Hilfe finden lässt.

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    4,3 Sterne

    CachyOS ist eine auf Arch Linux basierende Distribution mit Optimierungen für moderne Prozessoren.

    • Version March 2026 Deutsch