Intel Arc B580 unter Linux im Test: Spielen Battlemage und der Pinguin schon miteinander?
Nach dem Test unter Windows folgt der Test unter Linux: Wie schlägt sich Intel Arc B580 „Battlemage“ in Spielen? Kommt das Betriebssystem mit der neuen Grafikkarte mit Battlemage-Architektur bereits zurecht? Um das herauszufinden, kam die ASRock Arc B580 Steel Legend unter Ubuntu und Arch Linux zum Einsatz.
Intel Arc B580 „Battlemage“ unter Linux im Test
Während der Start von Intels Arc B580 mit Battlemage-Architektur unter Windows um Längen besser verlief als noch vor zwei Jahren mit Alchemist und das neue Modell im Einstiegsbereich das Potential hat die etablierten Grafikkarten-Entwickler in Bedrängnis zu bringen, stellte sich bis dato noch die Frage: Wie sieht es unter Linux aus? Der Test liefert Antworten.
Alchemist und Linux: zu Anfang eine Katastrophe
Bei Intels A-Serie sah es unter Linux kurz nach Release Ende 2022 noch weitaus schlechter aus als unter Windows. Unter Linux gab es teilweise schon Probleme die Grafikkarte vernünftig auf dem Desktop einzusetzen, geschweige denn ein Dual-Monitor-Setup zu betreiben. Zahlreiche Spiele starteten gar nicht erst und wenn, dann mit Bildfehlern oder schlechter Performance. Hinzu kamen Probleme mit Intels eigenem Upscaling in Form von XeSS, welches unter Linux zu Abstürzen führte, weil Spiele beim Erkennen einer Intel-Grafikkarte im System zwar automatisch das Upscaling darauf umstellten, das aber auf dem freien Betriebssystem einfach nicht lief.
Battlemage: direkt bootfähig
Wie sieht es nun mit Battlemage aus? Schon Wochen vor dem Release konnte in Patch-Notes ein Einfließen von Hardware-Support für Intels anstehende B-Serie gefunden werden. Und tatsächlich startet das System im Test mit einer verbauten Arc B580 von Haus aus. Sowohl Ubuntu mit älterem Kernel 6.11 als auch Arch Linux mit 6.12 zeigten keine Probleme.
Allerdings sind diese Grafikkarten natürlich für mehr gedacht als der Darstellung des Desktops. Daher hat die Redaktion die Intel Arc B580 in Form der flüsterleisen ASRock Arc B580 Steel Legend (Test) durch einen abgeänderten Gaming-Testparcours gejagt. Das verlief leider noch nicht so erfolgreich.
Testsystem und Software
Für den Test hat die Redaktion ein abweichendes Testsystem auf Ryzen-8000-Basis verwendet und der Asrock B580 Steel Legend eine Acer Nitro RX 7600 XT OC 16G entgegengestellt, die mit rund 340 Euro 50 Euro teurer als die B580 Limited Edition ist, letztere gibt es aktuell jedoch nicht zu kaufen. Die beiden Custom-Karten sind auf einem vergleichbaren Preisniveau.
Da unter Linux nicht einfach ein Treiber von Intel bezogen werden kann, kommen Mainline Kernel und die Git-Version von Mesa zum Einsatz um die Tests mit allen aktuellen Patches durchführen zu können.
| Komponente | Bezeichnung |
|---|---|
| CPU | AMD Ryzen 7 8700G |
| Mainboard | MSI B650 Gaming Plus Wifi |
| RAM | 32 GB DDR5- Kingston Fury |
| Kühlung | Scythe Mugen 5, Benchtable |
| GPU Intel | Asrock Arc B580 Steel Legend, 12 GB |
| GPU AMD | Acer Nitro Radeon RX 7600 XT OC 16 GB |
| Auflösung | 1920 × 1080 |
| OS | Ubuntu 24.10 |
| Kernel | Mainline 6.13 RC1 |
| Mesa | 25.0~git2412180600.576a87 Oibaf-ppa |
Spieleauswahl und Ergebnisse
Die Spieleauswahl unterscheidet sich im Vergleich zum umfangreichen Windows-Test von Intel Arc B580, deckt aber nach Möglichkeit sowohl ältere als auch aktuelle Titel ab.
Doch direkt als Einleitung muss ernüchtert festgestellt werden: Einige geplante und prinzipiell unter Linux lauffähige Spiele wollten schlichtweg nicht oder nur mit Grafikfehlern starten, sodass sinnvolle Tests oft nicht möglich waren. Daher hat die Redaktion nach Titeln gesucht, welche zumindest spielbar waren und sich daher für den Vergleich Radeon RX 7600 XT vs. Intel Arc B580 unter Linux für einen eigenen Spieleparcours entschieden.
Control
Control war einer der ersten Titel, die unter Linux in Verbindung mit einer Grafikkarte von AMD Raytracing ermöglichten, und das mittlerweile auch recht performant wiedergeben kann. Entsprechend hoch waren die Hoffnungen den Titel auch mit Battlemage testen zu können.
Doch leider quittieren Fehlermeldungen den Spielstart. Glücklicherweise verfügt Control auch über einen DX11-Modus, der auf der B580 startet – nur dann eben ohne RT-Effekte.
Die Tests fanden in nativer Auflösung und dem Preset „hoch“ statt. Der Benchmark war ein Rundgang in der zentralen Geschäftsleitung.
Fazit: Control ist mit der Intel Arc B580 durchaus spielbar, mit Durchschnitts-FPS über 60 und den Lows nur unweit entfernt. Schade ist die Begrenzung auf DX11, was sich auch durch verschiedene VKD3D-Versionen nicht beheben ließ. Mit der RX 7600 XT fühlte sich das Spiel insgesamt so merklich flüssiger an, trotz ähnlicher Low-FPS. Das Bild wirkte auch schärfer.
Cyberpunk 2077
Cyberpunk 2077 bietet zahlreiche Features und Einstellmöglichkeiten um Hardware bis an die Grenzen auszulasten. So lassen sich neben verschiedenen Upscalern auch Frame Generation und verschiedene Stufen von Raytracing nutzen. Allerdings hatten auf Battlemage keine Raytracing-Einstellungen Auswirkungen auf das Spiel, weder optisch noch bei der Performance, die Funktion wird trotz Aktivierung schlichtweg nicht umgesetzt.
XeSS 1.3 ließ sich wiederum aktivieren und ohne Abstürze nutzen. Ob der spezielle Intel-Pfad aktiviert wurde oder auf den Kompatibilitäts-Modus zurückgeschaltet wurde, ließ sich an der Stelle nicht nachvollziehen.
Bei der Performance selbst zeigte XeSS bei gleicher Quality-Einstellung im Vergleich zu FSR 3 in etwa 5 FPS mehr im Durchschnitt und bei den 1%-Low FPS - das überrascht allerdings nicht, denn seit XeSS 1.3 ist XeSS bei gleichem Preset niedriger aufgelöst als FSR und DLSS. Beim Test von FSR Frame Generation verweigerte der Titel den Dienst.
Die Tests fanden in nativer Auflösung mit FSR 3 Quality und dem Preset „Ultra“ statt. Szene war der bekannte Ablauf im Abschnitt „Play it Safe“.
In Cyberpunk 2077 schafft es Intel durchaus der Radeon Paroli zu bieten – zumindest bei den Low-FPS. Sobald allerdings der Durchschnitt betrachtet wird, verdoppelt AMD die Bilder pro Sekunde – trotz „Nachteil“ durch das eigentlich höhere FSR-Preset. Spielbar ist der Titel mit der B580 jedoch durchaus, insbesondere wenn man die Grafikeffekte etwas zurückstellt. Leider traten mit niedrigen Presets Bildartefakte in Form von schwebenden schwarzen Flächen auf, was den Umstand der reibungslosen Spielbarkeit direkt wieder negiert.
Ghost of Tsushima
Ghost of Tsushima gehört zu den Titeln, bei denen die Entwickler bereits zu Release auf Linux-Kompatibilität geachtet und es speziell an das Steam Deck angepasst haben. Entsprechend interessant ist der Blick auf die Verträglichkeit mit Battlemage so kurz nach Release. Die Benchmarks fanden in der vertrauten Szene mit FSR 3 Quality und „sehr hoch“ Preset statt, lediglich der Texturfilter wurde auf 16x erhöht.
In Ghost of Tsushima hat Battlemage unter Linux zum aktuellen Zeitpunkt nichts zu melden. Nicht nur liefert die Radeon 7600 XT fast doppelt so viele FPS, auch treten bei Intel Grafikfehler auf, welche die Atmosphäre stören. Mit niedrigen Einstellungen sind aber durchaus stabile 60 FPS möglich.
Hogwarts Legacy
Hogwarts auf dem PC wird bald zwei Jahre alt und stellt weiterhin einen interessanten Titel für Benchmarks dar. Mit dem Preset „Ultra“, ohne Upsampling und mit TAA-Hoch durfte sich die B580 im Gemeinschaftsraum kurz nach dem Betreten von Hogwarts der RX 7600 XT stellen. Raytracing kam nicht zum Einsatz.
Performancemäßig kann die Arc B580 recht gut mit AMD mithalten. Gleiche Low-FPS und über 80 FPS im Schnitt lassen es zu, Hogwarts flüssig zu spielen, aber leider zeigen sich Bildfehler und davon nicht wenige. Je nach Szene wird ein fehlerhafter Untergrund dargestellt oder es fehlen gar ganze Bereiche. Gelegentlich zeichnet das Spiel mit Intel auch unsichtbare Kanten um Charaktere und Gegenstände und lässt diese wie per Bildbearbeitung eingefügt wirken.
Silent Hill 2
Die Neuauflage von Silent Hill 2 setzt auf die Unreal Engine und gibt einen guten Ausblick auf weitere UE-Titel unter Linux in Verbindung mit Battlemage. Die neue Grafikkarte durfte sich entsprechend der bereits bekannten Testsequenz im Wood-Side-Apartment stellen. Als Preset wurde „Episch“ mit FSR Quality genutzt. Die Benchmarks fanden ohne Raytracing statt, da dies zu einem Absturz führte.
Silent Hill 2 ist ein interessanter Benchmark, da er auch Ausblick auf viele weitere Unreal-Engine-Spiele liefert. Generelle Spielbarkeit ist ein gutes Zeichen, auch die Durchschnitts-FPS sind nicht so weit weg vom AMD-Gegenstück, sodass flüssiges Gameplay möglich wäre. Doch leider machen schlechte Low-FPS den Gesamteindruck zunichte, sodass sich das ganze Spielgeschehen wenig flüssig anfühlt. Knapp 30 1%-Low-FPS haben eben ihren Preis. Hinzu kommen auch hier (leichte) Grafikfehler.
Fazit
Um es in einem Satz zusammen zu fassen: Wer Linux nutzt, sollte Battlemage zum aktuellen Zeitpunkt noch meiden, wenn er auch spielen will. Die Treiber sind schlichtweg noch nicht bereit. Entweder starten Spiele gar nicht erst und wenn doch, dann oft mit Bildfehlern und zumindest im Benchmark-Parcours auch mit deutlich niedrigerer Performance zum Gegenspieler RX 7600 XT von AMD. In Cyberpunk 2077 und Ghost of Tsushima erhält man als Spieler teilweise bis zu das Doppelte an FPS.
Im Vergleich zu Alchemist Ende 2022 funktioniert Battlemage von Anfang an allerdings viel besser, sodass überhaupt ein vernünftiger Benchmark-Lauf möglich ist. Intel hat dennoch noch einen weiten Weg vor sich was (Linux-)Treiber angeht.
Während sich die Situation unter Windows über die vergangenen zwei Jahre deutlich gebessert hat und zum Release der B580 Kompatibilitäts-Probleme und Abstürze unter Windows kein Showstopper mehr waren, hat sich die Situation unter Linux zwar gebessert, ist aber leider noch weit von „läuft gut“ entfernt. Dabei besteht durchaus großes Potenzial, immerhin bietet Intel wie AMD Open-Source-Treiber direkt im Kernel.
Der Anfang ist gemacht und es bleibt spannend, wie sich die Situation in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln wird.
Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung durch ComputerBase Pro und deaktivierte Werbeblocker. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.