GTC 2026

MB. Drive Assist Pro: Level 2++ im Mercedes mit Nvidias Drive AGX Orin ausprobiert

Nicolas La Rocco
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MB. Drive Assist Pro: Level 2++ im Mercedes mit Nvidias Drive AGX Orin ausprobiert

Deutsche Autohersteller wie BMW und Mercedes-Benz haben ihre Level-3-Ambitionen vorerst aufgegeben. Bei Mercedes liegt der Fokus derzeit auf dem „Level 2++“ und dem MB. Drive Assist Pro. ComputerBase konnte das auf Nvidia-Hard- und Software laufende System im Rahmen der GTC 2026 erleben. Im zweiten Quartal soll die Beta starten.

Beta für US-Kunden im zweiten Quartal

Der MB. Drive Assist Pro wird seit Ende letzten Jahres für den aktuellen CLA in China angeboten. Im Verlauf des zweiten Quartals dieses Jahres soll für interessierte Kunden in den USA eine Beta des Assistenzsystems angeboten werden. Das ist ungewöhnlich für einen Hersteller wie Mercedes, der Kunden bislang immer erst das fertige Produkt anbieten wollte. Beim MB. Drive Assist Pro wird diesmal aber ein anderer Weg eingeschlagen, der Parallelen zu den Beta-Releases für Tesla-Kunden erkennen lässt.

3.950 US-Dollar für drei Jahre Laufzeit

Mercedes bietet den MB. Drive Assist Pro in den USA bereits zum Verkauf an. Wer einen CLA 250+ zum Basispreis von 48.600 US-Dollar konfiguriert, kann das Assistenzsystem als Sonderausstattung für 3.950 US-Dollar hinzufügen. Das Extra kommt mit einer Laufzeitbeschränkung von drei Jahren, was es im Anschluss kosten wird, ist bislang nicht bekannt. Für die voraussichtlich Anfang 2027 geplante Markteinführung in Deutschland stehen entsprechende Details ebenfalls noch aus.

Für was stehen die zwei Pluszeichen?

Zur Probefahrt durch die Innenstadt von San Jose war gleich eine der ersten Fragen der Redaktion, für was die zwei Pluszeichen bei „Level 2++“ stehen. L2+ ist eine inoffizielle Bezeichnung, die bislang für leistungsfähigere Assistenzsysteme nach Level 2 genutzt wurde, um sich vom klassischen L2 abzusetzen. Der Autobahnassistent von BMW ermöglicht zum Beispiel freihändiges Fahren auf Autobahnen bis 130 km/h und Spurwechsel nur mit Blickbestätigung. Das Verkehrsgeschehen muss vom Menschen überwacht werden, Nebentätigkeiten sind im Gegensatz zum Level 3 (Test) untersagt.

Level 2++ für Highway und Stadt

Nvidia erklärte „Level 2++“ folgendermaßen: Demnach stehe das erste Pluszeichen für das assistierte Fahren auf dem Highway und das zweite Pluszeichen für das assistierte Fahren in der Innenstadt. Das urbane Szenario ist für Hard- und Software das deutlich anspruchsvollere. Diese Erweiterung auf die Stadt will Nvidia mit der Bezeichnung zusätzlich hervorheben.

Nvidia Drive AGX Orin und Alpamayo

Mercedes setzt für den MB. Drive Assist Pro auf Technologie von Nvidia, einerseits Drive AGX Orin für die Hardware und andererseits Alpamayo für die Software, Nvidias Familie offener Vision-Language-Action-Modelle, Simulations-Tools und Datensätze für autonome Fahrzeuge. Das Assistenzsystem läuft einem einzelnen Orin mit 254 TOPS, auch wenn bei Mercedes weiterhin von 508 TOPS die Rede ist. Laut Nvidia habe es mal Pläne für zwei Orin gegeben, in den Serienfahrzeugen komme aber nur ein Modul zum Einsatz. Zehn Kameras, fünf Radar- und zwölf Ultraschallsensoren sind im CLA verbaut.

GIF Wahrnehmung der Umgebung im Fahrer-Display

Echtes freihändiges Fahren ist nicht erlaubt

Die Probefahrt war für rund eine Stunde durch die Innenstadt von San Jose angesetzt. Was schon nach wenigen Metern auffiel: Nvidia spricht zwar von einem Hands-free-Erlebnis, freihändiges Fahren gibt es aber selbst mit zwei Pluszeichen nicht bei Mercedes. Der MB. Drive Assist Pro verlangt aus Sicherheitsgründen weiterhin leichte Berührungen des Lenkrades, ansonsten kommt es in mehreren Eskalationsstufen zu akustischen und optischen Warnhinweisen. Das Greifen ans Lenkrad in regelmäßigen Abständen gilt auch für das Fahren auf dem Highway, was jedoch nicht Teil der Probefahrt war.

GIF Level 2++ mit Händen am Lenkrad

Der MB. Drive Assist Pro fährt sicher

Freihändiges Fahren ist mit dem Assistenzsystem zwar nicht möglich, aber durchaus sicheres Fahren. Mercedes und Nvidia haben den MB. Drive Assist Pro eher vorsichtig ausgelegt. Lieber hier und da ein paar Sekunden länger warten, eine vorhandene Lücke nicht komplett schließen, etwas früher bremsen oder doch noch mal die Umgebung checken – erst dann wird gefahren. Sicherheit geht beim MB. Drive Assist Pro eindeutig vor, das zeigte sich zur Probefahrt immer wieder. Und weil sich das Assistenzsystem „überkorrekt“ an alle Tempolimits, Stoppschilder und andere Verkehrsregeln hält, ließ sich die Probefahrt auch nicht abschließen, ohne einmal von einem ungeduldigen Fahrer angehupt zu werden.

GIF Halten und Anfahren am Stoppschild

Als ob zwei Fahrer im Auto sitzen würden

Was also bringt der MB. Drive Assist Pro an zusätzlichem Komfort und Nutzen, wenn man nicht freihändig fahren kann? Nvidia erklärt, dass dass Assistenzsystem dem Fahrer eine Reihe unterbewusst ausgeführter Aktionen abnimmt und damit entlastet. Ist das System aktiv, muss man als Fahrer seltener in die Spiegel blicken, Spurwechsel durchführen, innerhalb der Spur korrigieren oder für Bremsschwellen bremsen.

GIF Verlangsamen für Bremsschwelle

Der MB. Drive Assist Pro agiert so, also würden zwei Fahrer das Fahrzeug steuern, wobei der Mensch die Fahrt primär nur noch überwacht, aber bei der eigentlichen Ausführung in den Hintergrund rückt, während das Assistenzsystem diesen Teil übernimmt. Um Tempolimits und Verkehrszeichen muss man sich nur noch eingeschränkt kümmern, das Auto übernimmt diesen Part. Das Zusammenspiel von Mensch und Maschine zeigt sich auch anhand des kooperativen Lenkansatzes von Mercedes-Benz, bei dem manuelle Lenkanpassungen jederzeit möglich sind, ohne das System zu deaktivieren.

GIF Ausweichen innerhalb der Spur

Mercedes und Nvidia arbeiten an Level 4

Eine Revolution beim assistierten Fahren ist der MB. Drive Assist Pro somit nicht, eher ein Schutzschild, das mit Hilfe zahlreicher Sensoren den Fahrer unterstützt und beschützt und dabei zugleich den Stresslevel senkt. Das ist ein sinnvoller Ansatz, der erhoffte Wow-Effekt blieb damit zur Probefahrt aber aus. Der wiederum könnte zu einem späteren Zeitpunkt folgen, denn Mercedes und Nvidia wollen in der S-Klasse gemeinsam auch das Level 4 anbieten, wie es zum Beispiel Waymo (Test) anbietet. Geplant sind Luxus-Robotaxis, die auf der Uber-Plattform angeboten werden.

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von Nvidia im Rahmen einer Veranstaltung des Herstellers in San Jose, Kalifornien erhalten. Die Kosten für An-, Abreise und fünf Hotelübernachtungen wurden vom Unternehmen getragen. Eine Einflussnahme des Herstellers oder eine Verpflichtung zur Berichterstattung bestand nicht.

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