Microsoft ordnet Xbox neu: Phil Spencer geht, KI-Managerin übernimmt Gaming-Sparte

Fabian Vecellio del Monego
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Microsoft ordnet Xbox neu: Phil Spencer geht, KI-Managerin übernimmt Gaming-Sparte

Microsoft ordnet seine Gaming-Sparte neu: Phil Spencer geht nach 38 Jahren, eine KI-Managerin übernimmt als Xbox-CEO. Parallel verlässt auch Sarah Bond das Unternehmen, Matt Booty steigt hingegen zum Chief Content Officer auf. Der Wechsel markiert eine Zäsur für die Marke Xbox – in einer Phase strategischer Unsicherheit.

Zäsur bei Microsoft Xbox

Microsoft hat den Abgang von Phil Spencer offiziell bestätigt. Nach fast vier Jahrzehnten im Unternehmen, davon zwölf Jahre als Leiter des Gaming-Geschäfts, tritt er in den Ruhestand. Spencer bleibt noch bis zum Sommer 2026 in beratender Funktion, um die Übergabe zu begleiten. Tatsächlich habe er sich schon im Herbst 2025 zu diesem Schritt entschlossen und den Prozess seither mit Microsoft-CEO Satya Nadella abgestimmt, so Spencer. Seine Nachfolge übernimmt Asha Sharma, bislang eine Managerin für KI-Modelle, -Apps und -Agenten bei Microsoft.

Phil Spencers Stellungnahme zu seinem Rücktritt im Wortlaut

Zeitgleich verlässt die bisherige Xbox-Präsidentin Sarah Bond das Unternehmen. Bond galt intern wie extern lange als mögliche Nachfolgerin Spencers, insofern kommt der Umbau gleich doppelt überraschend. Stattdessen rückt jetzt Matt Booty zum Executive Vice President und Chief Content Officer auf. Er verantwortet künftig die Xbox-Studios und die Content-Pipeline der gesamten Gaming-Sparte.

Der Vater des Game Pass geht

Spencer gilt als prägende Figur der Xbox-Ära nach dem schwierigen Start der Xbox One. Seit 2014 führte er Microsofts Gaming-Sparte durch mehrere strategische Umbrüche: den Aufbau und die Skalierung des Game Pass, die stärkere Öffnung Richtung PC und Cloud sowie die Positionierung Microsofts als plattform­übergreifender Publisher. In seine Amtszeit fallen zudem die milliardenschweren Übernahmen von Mojang, ZeniMax und Activision Blizzard. Das Studio-Portfolio wuchs massiv und um prestigeträchtige Marken wie Minecraft, Doom, The Elder Scrolls, Fallout, Call of Duty, World of Warcraft und Diablo.

Gleichzeitig blieb die klassische Konsolen-Hardware zuletzt hinter früheren Erwartungen zurück. Xbox wurde zunehmend als Service- und Plattformmarke positioniert, nicht mehr ausschließlich als Konsole. Zuletzt waren die Einnahmen allerdings rückläufig: Im vergangenen Quartal sank der Gaming-Umsatz um rund 9 Prozent im Jahresvergleich, wobei die Hardware-Einnahmen um gar 32 Prozent einbrachen. Bereits im Quartal zuvor hatte die Xbox-Hardware um rund 29 Prozent nachgegeben. Diese Zahlen stehen im Kontrast zum starken Gesamtwachstum im Konzern, der im gleichen Zeitraum ein Umsatzplus von rund 17 Prozent verzeichnete.

KI-Managerin übernimmt Gaming-Sparte

Die Personalie Sharma fällt auf. Anders als Spencer oder Booty kommt sie nicht aus dem Spieleumfeld, sondern aus der Plattform- und KI-Organisation. Bei Microsoft verantwortete sie zuletzt zentrale KI-Produkte, zuvor war sie unter anderem COO bei Instacart und VP Product bei Meta. Nadella begründet die Wahl mit Sharmas Erfahrung beim Aufbau skalierbarer Plattformen, der Ausrichtung von Geschäfts­­modellen auf langfristiges Wachstum und dem Betrieb im globalen Maßstab. Für eine Marke, die stark über Emotion und Community funktioniert, ist das dennoch ein Bruch mit der bisherigen Symbolik an der Spitze.

We will recommit to our core Xbox fans and players, those who have invested with us for the past 25 years, and to the developers who build the expansive universes and experiences that are embraced by players across the world. We will celebrate our roots with a renewed commitment to Xbox starting with console which has shaped who we are. It connects us to the players and fans who invest in Xbox, and to the developers who build ambitious experiences for it.

Asha Sharma, neue Xbox-Chefin

In einer ersten internen Botschaft nennt Sharma drei Leitlinien: „Great Games“, eine „Rückkehr zu Xbox“ mit Betonung der Konsole als Ausgangspunkt sowie die „Future of Play“. Im Detail liest sich die Agenda als generische Zusammenfassung bekannter Ambitionen: Xbox solle über Konsole hinaus nahtlos auf PC, Mobile und in der Cloud funktionieren. Monetarisierung und KI würden die Zukunft beeinflussen; Spiele blieben jedoch Kunstwerke, von Menschen geschaffen. Konkrete Maßnahmen oder Produktpläne enthält die Mitteilung nicht. Allerdings scheint sich Sharma dem Argwohn der Spieler, den ihr Hintergrund zu erwecken vermag, bewusst: Explizit weist sie darauf hin, dass sie keineswegs kurzfristige Effizienzsteigerungen beabsichtige oder das Xbox-Ökosystem mit „seelenlosem AI-Slop“ fluten wolle.

Asha Sharmas Stellungnahme als neue Xbox-Chefin im Wortlaut

Microsoft betont ergänzend, dass derzeit keine organisatorischen Änderungen bei den Studios angekündigt seien. Ähnliches hieß es aber auch bereits zur Activision-Blizzard-Übernahme, woraufhin drei Monate später massive Umstrukturierungen und eine Kündigungswelle folgten. Skepsis ist dementsprechend angebracht.

Xbox mit Identitätskrise

Der Wechsel erfolgt in einem angespannten Marktumfeld. Das Konsolen­geschäft stagniert, Hardware-Umsätze schwanken deutlich, der Plattform­wettbewerb gegen Sony gilt als verloren. Zugleich steht Microsoft nach den großen Studiozukäufen unter Druck, aus dem erweiterten Portfolio nachhaltig Wert zu schöpfen. Der Kurs der vergangenen Jahre – breite Akquisitionen, Integration, dann aber Studio­schließungen – kann nur schwerlich als kohärent wahrgenommen werden.

Für Beobachter entstand zuletzt das Bild eines Konzerns, der zwischen Plattform­strategie, Abo-Modell, Cloud-Experimenten und klassischem Konsolen­geschäft pendelt, ohne eine klar kommunizierte Identität für die Marke Xbox zu finden. Während Nintendo und Sony stark über exklusive Inhalte und Markenidentität emotionalisieren, wirkt Xbox zunehmend wie ein Service-Label für Inhalte auf möglichst vielen Geräten. Der Kauf einer Microsoft-Konsole erschien vielen Spielern wie der Griff ins fallende Messer. Sharma hat folglich viel zu tun.

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