MWC 2026

Qualcomm X105: Neues Mobilfunkmodem bezieht 5G auch von Satelliten

Nicolas La Rocco
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Qualcomm X105: Neues Mobilfunkmodem bezieht 5G auch von Satelliten
Bild: Qualcomm

Qualcomm bietet Smartphone-Herstellern mit dem X105 ein neues Mobilfunkmodem von 2G bis 5G Advanced an, das ein Wegbereiter zu 6G sein soll. Auf technischer Seite bietet das Modem einen neue KI-Engine, einen sparsameren RF-Transceiver, Unter­stüt­zung für 5G über Satelliten, GNSS mit vier Frequenzen und ein neues RF-Front-End.

Das X105 folgt zum MWC 2026 auf das letztjährige X85 und das Snapdragon X80 vor zwei Jahren. Da sich die Modems weniger direkt an Consumer richten, laufen sie seit letztem Jahr nicht mehr als Snapdragon. Die Bezeichnung X95 lässt Qualcomm aus, weil die neue Lösung derart viele Veränderungen mitbringe, dass dies gerechtfertigt sei.

In der Tat ist das X105 kein Performance-Upgrade des letztjährigen X85. Genau genommen belässt es Qualcomm bei den bis zu 12,5 Gbit/s im Downlink und bis zu 3,7 Gbit/s Uplink des Vorgängers. Beides ist nur dann möglich, wenn viele Frequenzblöcke zusammengelegt werden (Carrier Aggregation) und entsprechende Kapazitäten in der Funkzelle bestehen.

KI-Prozessor der 5. Generation

Die Veränderungen für das X105 sind in anderen Bereichen zu finden. Abermals hat Qualcomm den integrierten KI-Prozessor überarbeitet und wirbt jetzt mit einer „Agentic AI“, die die Leistung in multiplen Szenarien verbessern soll. Der KI-Prozessor in Qualcomms Modems analysiert Funksignale in Echtzeit und optimiert mithilfe von künstlicher Intelligenz die Verbindung, indem er zum Beispiel Signalstörungen erkennt, Antennen dynamisch anpasst, die beste Frequenz auswählt und den Energieverbrauch steuert. Dadurch soll er Geschwindigkeit, Stabilität und Effizienz der Mobilfunkverbindung verbessern, besonders in schwierigen Empfangssituationen oder bei hoher Netzauslastung. Im X105 handelt es sich um die 5. Generation seit der Einführung mit dem Snapdragon X70.

Qualcomm X105
Qualcomm X105 (Bild: Qualcomm)

RF-Transceiver ist kleiner und sparsamer

Weitere Optimierungen betreffen den RF-Transceiver, der 15 Prozent kleiner baue und 30 Prozent weniger verbrauche. Ein RF-Transceiver ist ein elektronisches Bauteil, das Funksignale senden und empfangen kann. Er wandelt digitale oder analoge Signale in hochfrequente Funkwellen um, damit sie drahtlos übertragen werden können, und empfängt umgekehrt Funkwellen, um sie in nutzbare elektrische Signale umzuwandeln.

5G über Satelliten mit NR-NTN

Qualcomm erweitert außerdem die Satelliten-Unterstützung von NB-NTN zu NR-NTN, also von Narrowband Non-Terrestrial Networks zu New Radio Non-Terrestrial Networks. Waren bislang nur schmalbandige Applikationen via Satellit möglich, bringt das New Radio, das im Mobilfunk für 5G steht, genügend Bandbreite für Datendienste aus dem All mit. Videotelefonie, Datenübertragungen und mehr sollen damit über Satelliten zusätzlich zu den terrestrischen Netzwerken möglich werden.

Erweiterte Standortbestimmung mit vier Frequenzen

Die Standortbestimmung via GNSS (Global Navigation Satellite System) wird für das X105 auf die vier Frequenzen L1, L2, L5 und L6 erweitert. Durch die Verwendung von mehreren Frequenzen lassen sich Störungen in der Ionosphäre besser korrigieren, Mehrwege-Effekte reduzieren und die Positionsgenauigkeit verbessern. Die GNSS-Erweiterung soll mit einem um 25 Prozent reduzierten Verbrauch einhergehen.

Qualcomm X105
Qualcomm X105 (Bild: Qualcomm)

RF-Front-End mit neuen LPAMIDs

Ein neues RF-Front-End geht mit dem X105 ebenfalls einher. Dieses Modul sitzt zwischen Antenne und Modem und verstärkt eingehende Signale, filtert unerwünschte Frequenzen, schaltet zwischen Senden und Empfangen um und verstärkt ausgehende Signale, bevor sie über die Antenne abgestrahlt werden. Außerdem enthält es Tuner, Duplexer und Schalter zur Unterstützung verschiedener Frequenzbänder.

In diesem Bereich verbaut Qualcomm unter anderem neue Power-Amplifier-Module, die das schwache Sendesignal aus dem Modem stark genug verstärken, damit es über die Antenne an die Mobilfunkbasisstation gesendet werden kann. Zum Einsatz kommen jetzt sogenannte LPAMIDs (Low Power Amplifier Module with integrated Duplexer) der Power Class 2 für Mobilfunkgeräte mit nur einer Sende-/Empfangskette im Frequency-Division-Duplex-Betrieb. Dabei darf das Gerät mit einer maximalen Ausgangsleistung von etwa 26 dBm (ca. 400 mW) senden – also stärker als Geräte der üblichen Power Class 3 (23 dBm). Das erhöht die Reichweite und verbessert die Versorgung am Zellrand.

Hinzu kommt beim neuen RF-Front-End ein kleinerer und sparsamerer Envelope Tracker (QET8200), der die Versorgungsspannung des Leistungsverstärkers (PA) dynamisch an die Signalhüllkurve (Envelope) anpasst. Der Envelope Tracker erhöht die Spannung nur dann, wenn das Signal stark ist, und senkt sie bei schwachen Signalanteilen. Dadurch steigt die Effizienz, der Stromverbrauch sinkt und das Gerät erzeugt weniger Wärme. Außerdem setzt Qualcomm auf neue Filter und Duplexer für die NR-NTN-Erweiterung.

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von Qualcomm unter NDA im Vorfeld und im Rahmen einer Veranstaltung des Herstellers in Barcelona erhalten. Die Kosten für An-, Abreise und drei Hotelübernachtungen wurden vom Unternehmen getragen. Eine Einflussnahme des Herstellers oder eine Verpflichtung zur Berichterstattung bestand nicht. Die einzige Vorgabe aus dem NDA war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.

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