Kindle-Reader: Amazon verschärft DRM ohne Software-Update

Michael Schäfer
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Kindle-Reader: Amazon verschärft DRM ohne Software-Update
Bild: Amazon

In den letzten Tagen mehren sich die Berichte, dass Amazon auf einigen älteren Kindle-Readern seine Bemühungen verschärft, den Export von beim Online-Händler gekauften Büchern aus dem eigenen Ökosystem zu erschweren. So sollen diese ein neues DRM-Verfahren erhalten haben, obwohl der Update-Support schon lange ausgelaufen ist.

Aktuell soll mehreren Berichten zufolge nur die Firmware 5.16.2.1.1 betroffen sein, die als letztes Update auf Modellen der 7., 8. und 9. Generation wie dem Kindle, dem Kindle Paperwhite oder dem Kindle Oasis im August 2023 installiert wurde. Modelle mit neuerer Software sollen von dem Verhalten hingegen nicht betroffen sein.

Neues Format ohne Update

Der entscheidende Unterschied zum bisherigen Verhalten: Bisher haben diese Reader Bücher im KFX-Format heruntergeladen, nun kommt das KFX-Zip-Format zum Einsatz. Neu erworbene Bücher lassen sich dadurch nicht mehr mit den bisher gebräuchlichen Mechanismen entschlüsseln. Üblicherweise erfordert eine solche Umstellung ein Software-Update, damit der Reader das neue Format verarbeiten kann. In diesem Fall scheint Amazon jedoch einen Weg gefunden zu haben, die DRM-Verschlüsselung älterer Kindles ohne Softwareaktualisierung zu ändern. Denkbar wäre auch, dass diese Funktion schon lange in der Firmware integriert, bisher aber nicht aktiviert war – bis jetzt.

Amazon weitet DRM sogar aus

Bislang galt das neue DRM nur für die neuesten Kindle-Modelle mit Software 5.18.5 oder höher, doch nun versucht Amazon offenbar, auch ältere Kindle-Geräte einzuschränken. Damit schlägt Amazon weiterhin den vollkommen entgegengesetzten Kurs zu anderen Online-Händler für digitale Bücher ein: Während diese bereits seit Jahren E-Books kundenfreundlicher nur mit weichem DRM oder gänzlich ohne Kopierschutz verkaufen, hält Amazon daran fest. Für Kunden existieren allerdings Auswege: Sie können ihre digitalen Bücher bei anderen Händlern im Epub-Format erwerben und mit Werkzeugen wie Calibre umwandeln.

Kommentar des Autors

Mit seinem Verhalten manövriert sich Amazon zunehmend ins Abseits und scheint dabei zu übersehen, dass der Konzern die Vormachtstellung, die er früher innehatte, längst eingebüßt hat. Kindle Unlimited oder die kleine Leihbücherei, auf die Prime-Mitglieder zugreifen können, mögen für bestimmte Genres durchaus interessante Inhalte bereithalten – zumal der Verleihdienst der öffentlichen Bibliotheken Onleihe auf Kindle-Geräten nicht nutzbar ist. Trotzdem war es noch nie so einfach, digitale Bücher bei anderen Händlern zu kaufen und anschließend auf den Kindle-Reader zu übertragen. Sollte Amazon allerdings auch diese Möglichkeit künftig unterbinden – was bei der derzeitigen Gangart niemanden überraschen dürfte –, wäre es für viele Nutzer an der Zeit, dem Konzern den Rücken zu kehren. Auch wenn Amazon nach wie vor technisch hervorragende Geräte baut, damit sind sie nicht allein. Und obwohl der Reader-Markt in den vergangenen Jahren auf eine Handvoll Hersteller zusammengeschrumpft ist, bieten auch diese weiterhin ein breites Portfolio an sehr guten Geräten – ohne die Einschränkungen eines Kindles. Hierbei spielt sicherlich der Grund mit hinein, dass bei Amazon die Reader über den Bücherkauf subventioniert werden, dies bringt effektiv nur wenig, wenn Käufer generell vergrault werden.

Eigentlich sollte Amazon aus der Erfahrung mit seinen Fire-Tablets gelernt haben: Diese galten bis vor einigen Jahren noch als Geheimtipp, weil sie für den aufgerufenen Preis solide Technik lieferten und einen günstigen Einstieg in die Tablet-Welt ermöglichten. Über den auch heute noch kümmerlich bestückten App Store konnte seinerzeit hinweggesehen werden, ebenso über die auf virtuellen Bauchladen getrimmte Oberfläche, die keine Möglichkeiten zur eigenen Gestaltung bot – beides ließ sich mit wenig Aufwand umgehen. Dann jedoch hat Amazon auch hier die Daumenschrauben immer weiter angezogen, weshalb von Fire-Tablets mittlerweile nur noch abgeraten werden kann.

Auch die Fire-TV-Reihe zeigt, dass Amazon nichts gelernt hat: Die Oberfläche wird stetig unübersichtlicher und träger, das neue Betriebssystem Vegas erschwert das Sideloading, weil auf diesem nur offiziell unterstützte Anwendungen laufen. Um so unglaubwürdiger erscheint, dass Amazon dieses System weiterhin als Alternative zu den herkömmlichen, auf Android basierenden Modellen betrachtet.

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