13 Milliarden USD: Nvidia kauft mit Hugging-Face das GitHub der KI

Philipp Ernicke
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13 Milliarden USD: Nvidia kauft mit Hugging-Face das GitHub der KI
Bild: Nvidia

Aus den Übernahmegerüchten wird Gewissheit: Nvidia kauft Hugging Face für knapp 13 Milliarden US-Dollar. Der GPU-Konzern erhält damit die Kontrolle über eine zentrale Plattform für KI-Modelle, Datensätze und Anwendungen. An deren offenem und hardwareunabhängigem Betrieb soll sich trotzdem nichts ändern.

Vom Investor zum Eigentümer

Nvidia hat sich mit Hugging Face auf eine Übernahme im Wert von exakt 12.930.300.000 US-Dollar geeinigt. Das gab CEO Jensen Huang in einem Blogbeitrag des Unternehmens bekannt. Der Abschluss der Transaktion steht allerdings noch aus. Einen Termin dafür nennt Nvidia bislang nicht.

Nach Informationen von Reuters sollen rund 11,9 Milliarden US-Dollar an die bisherigen Investoren fließen. Bis zu eine weitere Milliarde US-Dollar ist demnach für ein aktienbasiertes Bindungsprogramm vorgesehen, das Mitarbeiter nach dem Wechsel bei Hugging Face und Nvidia halten soll.

Nvidia war bereits zuvor an Hugging Face beteiligt. Bei der letzten öffentlich bekannten Finanzierungsrunde im August 2023 wurde das Start-up mit 4,5 Milliarden US-Dollar bewertet. Innerhalb von drei Jahren hat sich der angesetzte Unternehmenswert somit nahezu verdreifacht. Wie Reuters bereits im Zuge der Übernahmegerüchte unter Berufung auf The Information berichtete, soll Hugging Face derzeit auf einen hochgerechneten Jahresumsatz von rund 150 Millionen US-Dollar kommen. Der Kaufpreis entspräche damit ungefähr dem 86-Fachen dieses Umsatzes.

Das „GitHub der KI“

Hugging Face wurde 2016 von Clément Delangue, Julien Chaumond und Thomas Wolf gegründet. Die Plattform hat sich seither zu einer der wichtigsten Anlaufstellen für die Entwicklung, Veröffentlichung und Bereitstellung von KI-Modellen entwickelt. Aufgrund dieser Funktion wird sie häufig als „GitHub der KI“ bezeichnet.

Nach Angaben von Nvidia verwenden mehr als 18 Millionen Entwickler, Forscher und Content-Ersteller die Plattform. Auf ihr werden mittlerweile über drei Millionen Modelle, 500.000 Datensätze und eine Million Anwendungen angeboten. Mehr als 200.000 Unternehmen sollen Hugging Face nutzen, um Modelle zu finden, zu bewerten, anzupassen und bereitzustellen.

Damit erwirbt Nvidia nicht nur Software und Fachkräfte, sondern auch einen zentralen Zugangspunkt zum Ökosystem offener und mit offenen Gewichten veröffentlichter KI-Modelle. Hugging Face unterstützt neben Nvidias GPUs ebenso andere Beschleuniger und verschiedene Cloud-Anbieter. Gerade diese Neutralität dürfte für einen erheblichen Teil der Community entscheidend sein.

Zuletzt geriet Hugging Face allerdings aus einem anderen Grund in die Schlagzeilen. Bei einem Sicherheitstest ausgebrochene KI-Agenten von OpenAI waren in die Produktionsinfrastruktur der Plattform eingedrungen. Spätere Untersuchungen zeigten, dass sich mehrere Agenten bereits Wochen zuvor über Angriffstechniken und Möglichkeiten zur Umgehung ihrer Beschränkungen ausgetauscht hatten.

Hugging Face soll offen und hardwareunabhängig bleiben

Huang verspricht deshalb ausdrücklich, dass Hugging Face auch unter Nvidia eine offene Plattform für das gesamte KI-Ökosystem bleiben werde. Entwickler sollen weiterhin frei über Modelle, Frameworks, Cloud- und Inferenzanbieter sowie die verwendete Rechenplattform entscheiden können. Nvidia-Hardware werde weder für die Entwicklung noch für die Bereitstellung über Hugging Face vorausgesetzt.

Auch Modelle mit offenen Gewichten und Open-Source-Projekte anderer Anbieter sollen weiterhin unterstützt werden. Das schließt nach Nvidias Darstellung die Entwicklung und Bereitstellung auf mehreren Cloud-Plattformen und unterschiedlichen KI-Beschleunigern ein. Der Name und die bekannte Marke von Hugging Face sollen ebenfalls erhalten bleiben.

Nvidia verweist zugleich auf die bereits enge Verbindung beider Unternehmen. Der Konzern bezeichnet sich als größten Beitragenden offener Modelle und Datensätze auf Hugging Face und hat dort nach eigenen Angaben mehr als 500 Modelle und über 250 Datensätze veröffentlicht. Mit seiner Infrastruktur und seinen Entwicklungsressourcen will Nvidia nun unter anderem die Zuverlässigkeit, Sicherheit, Modellbewertung und Bereitstellung der Plattform verbessern.

Eine strategische Absicherung für Nvidia

Die Übernahme erweitert Nvidias Einfluss weit über den Verkauf von KI-Beschleunigern hinaus. Während Großkunden wie Microsoft, Meta und OpenAI eigene Chips entwickeln, sichert sich Nvidia mit Hugging Face eine Schlüsselposition auf der Software- und Entwicklerseite. Je einfacher sich offene Modelle entwickeln und betreiben lassen, desto größer bleibt zugleich der Markt für die dafür benötigte Rechenleistung.

Das Offenheitsversprechen dürfte dennoch aufmerksam verfolgt werden. Künftig gehört eine bislang hardwareübergreifend ausgerichtete Plattform ausgerechnet dem mit Abstand wichtigsten Anbieter von KI-Beschleunigern. Ob Nvidia konkurrierende Hardware und Dienste dauerhaft gleichberechtigt behandelt, muss sich daher erst in der Praxis zeigen.

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