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Im Test vor 15 Jahren: Filmwiedergabe auf GPUs von ATi versus Nvidia

Robert McHardy
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Im Test vor 15 Jahren: Filmwiedergabe auf GPUs von ATi versus Nvidia

Vor 15 Jahren ging ComputerBase der Frage nach, welche Grafikkarte sich am besten für die Filmwiedergabe eignete (Test). Ältere ATi- und Nvidia-Modelle machten eine schlechte Figur und ließen kaum Spaß aufkommen, doch die aktuelle Generation wollte davon nichts mehr wissen.

Avivo HD und PureVideo HD

Für die Filmwiedergabe gab es im Jahr 2007 drei relevante Codecs: MPEG-2, H.264 und VC-1. Nahezu jede Grafikkarte war in der Lage, den verbreiteten MPEG-2-Standard in Hardware zu dekodieren, und auch CPUs waren oft ausreichend schnell. Anders sah es bei dem aufwändigen H.264-Codec aus, der vier Beschleunigungsstufen definierte: „CAVLC/CABAC Entropy Decode“, „Frequency Transform“, „Pixel Prediction“ und „Inloop Deblocking“. Jeder dieser Schritte ist ein Teil der Dekodierungspipeline, die bei VC-1 abgesehen vom ersten Schritt nahezu identisch aussah.

Abhängig von der Grafikkarte konnten diese Schritte direkt auf der GPU ausgeführt oder mussten dem Hauptprozessor überlassen werden. Diese Fähigkeiten wurden bei ATi unter dem Namen Avivo (HD) vermarktet. So unterstützten die Radeon-X1000-Serie und die Radeon X2900 XT die H.264-Dekodierung der letzten drei Stufen über die ALUs, der erste Schritt wurde von der CPU ausgeführt. Anders sah es bei den moderneren Radeon HD 2600 und 2400 mit RV630/RV610-GPUs aus. Diese besaßen eine separate Einheit für Videobeschleunigung, „Unified Video Decoder“ (UVD) genannt. Der UVD konnte alle vier Stufen von sowohl H.264 als auch VC1 in Hardware beschleunigen. Die GeForce-7000- und -8000-Serien teilten sich die gleiche Videobeschleunigungseinheit, der Teil des Nvidia-PureVideo-HD-Pakets war. Dieser war in der Lage, die letzten drei Phasen von sowohl H.264 als auch VC1 zu beschleunigen. Der aufwändige erste Schritt entfiel auf den Hauptprozessor. Die GeForce 8600 und 8500 verfügten über die zweite Generation des Videoprozessors, der H.264 (aber nicht VC1) in allen vier Stufen beschleunigen konnte.

Die Krux mit HDCP

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Filmwiedergabe war der Kopierschutz HDCP. Dieser wurde bereits von älteren Grafikkarten unterstützt, hatte jedoch einige Fallstricke. Um HDCP zu nutzen, musste nicht nur die GPU HDCP unterstützten, sondern auch der entsprechende DVI- oder HDMI-Anschluss der Grafikkarte. Das stellten AMD und Nvidia den Boardpartnern aber frei, mit der Ausnahme von moderneren Modellen der Radeon-HD-2000-Serie und einigen GeForce-Exemplaren. Zudem kam das Problem mit Single- und Dual-Link-DVI dazu: Wer einen hochauflösenden Monitor mit Full HD oder höher besaß und ihn via Dual-Link-DVI betrieb, konnte eventuell kein HDCP-geschütztes Material ansehen, da viele Grafikkarten HDCP via Dual-Link-DVI nicht unterstützten.

Bildqualität und CPU-Auslastung

Der HD-HQV-Benchmark testete die Bildqualität der Grafikkarten in verschiedenen Szenarien, beispielsweise die Rauschreduzierung oder die Treppchenbildung. Am unteren Ende des Benchmarks platzierte sich die GeForce 7950, die keine der beiden Funktionen bot und auch subjektiv eine unterirdische Bildqualität in Filmen aufwies. Besonders positiv heraus stachen die GeForce 8600 und 8800, wobei letztere dank eines neuen Treibers ein besseres Postprocessing in Filmen anwendete und daher eine ungewohnt gute Bildqualität bot. Die Radeon-HD-2000-Modelle hatten ein gutes Bild und platzierten sich damit in der Mitte des Testfeldes, leicht hinter den beiden GeForce mit ausgefeiltem Postprocessing.

HD HQV Benchmark – Gesamtergebnis
  • Gesamtpunktzahl (max. 100):
    • nVidia GeForce 8600
      100
    • nVidia GeForce 8800
      100
    • ATi Radeon HD 2600
      90
    • ATi Radeon HD 2900
      90
    • ATi Radeon X1950
      80
    • ATi Radeon HD 2400
      55
    • nVidia GeForce 7950
      5
Einheit: Punkte

Als zweiten Messwert erhob ComputerBase die CPU-Auslastung während der Filmwiedergabe. Abhängig vom Codec ergab sich hier das erwartete Bild. Die Radeon-X1000-Serie und die HD 2900 ohne separate Videobeschleunigungseinheit sorgten für eine relativ hohe CPU-Last, ebenso die GeForce 8800 und 7950 mit der ersten Generation des Nvidia-Videoprozessors. Deutlich besser sah es bei den kleineren GPUs mit modernen Videodekodern aus: Radeon HD 2600 und 2400 sowie GeForce 8600 und 8500 lagen im Test weit vorne.

Graka-Vergleich
Graka-Vergleich – Anhalter (H.264)
  • Maximal:
    • ATi Radeon X1950
      100
    • ATi Radeon HD 2900
      95
    • nVidia GeForce 8800
      77
    • nVidia GeForce 7950
      74
    • nVidia GeForce 8600
      52
    • ATi Radeon HD 2400
      29
    • ATi Radeon HD 2600
      25
  • Durchschnitt:
    • ATi Radeon X1950
      70
    • ATi Radeon HD 2900
      70
    • nVidia GeForce 7950
      64
    • nVidia GeForce 8800
      63
    • nVidia GeForce 8600
      23
    • ATi Radeon HD 2400
      20
    • ATi Radeon HD 2600
      19
  • Minimal:
    • ATi Radeon X1950
      58
    • ATi Radeon HD 2900
      58
    • nVidia GeForce 7950
      52
    • nVidia GeForce 8800
      49
    • nVidia GeForce 8600
      16
    • ATi Radeon HD 2400
      13
    • ATi Radeon HD 2600
      13
Einheit: Prozent

Fazit

Insgesamt kamen aus dem Test zwei klare Sieger hervor: Die Radeon HD 2600 und die GeForce 8600. Beide boten eine ausgezeichnete Bildqualität und eine garantierte HDCP-Unterstützung (auch bei Dual-Link-DVI) und sorgten für eine geringe CPU-Auslastung bei der Filmwiedergabe.

In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:

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