Cities: Skylines II im Test: Spielkritik und Fazit

 4/4
Update 2 Wolfgang Andermahr (+1)
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Wie gut ist Cities: Skylines II?

Ein Nachfolger für ein Spiel, das das Städtebau-Genre wiederbelebt und dank zahlreicher DLCs und Mod-Unterstützung ein Evergreen ist: Cities: Skylines II hat keine einfache Aufgabe vor sich. Der wird es laut Testberichten nicht gerecht. Noch nicht.

Die Substanz stimmt

Die gute Nachricht ist, dass dem Spiel selbst kritische Testberichte eine gute Substanz attestieren. Cities: Skylines II muss dazu wenig ändern – im Grunde sei es eine Evolution, keine Revolution, urteilt Video Gamer. Prinzipiell übernehme es einige Ideen aus Mods des Vorgängers. Gelobt wird der Tiefgang der Simulation auf der einen Seite, die Zugänglichkeit auf der anderen. Neue Gebäude müssen beispielsweise sukzessiv über Meilensteine freigeschaltet werden, was die Komplexität langsam steigert.

Auch Upgrades für bestehende Gebäude zum Anpassen der Distrikte an neue Bedingungen und andere Komfort-Extras finden Gefallen. Die wachsende Stadt stelle immer wieder vor spannende Dilemmas, so DualShockers, GamesRadar+ hat wiederum Spaß am Optimieren bestehender Stadtteile, die meisten Tester am Wachsenlassen ihrer Städte. Ein Ärgernis wurde zudem abgestellt: Verkehr wird in Cities: Skylines II besser simuliert und neigt weniger zu Staubildung – was aber immer noch vorkommen kann. GamesRadar+ begeistert, wie das Leben jedes Bewohners einzeln simuliert wird und beeinflusst werden kann.

An vielen Stellen lieblos

Gleich mehrere Tester bemängeln allerdings die lieblose Darstellung des Geschehens. Feuerwehr im Einsatz werde etwa nicht mehr animiert, ärgert sich PC Games, PC Gamer vermisst darüber hinaus weitere Details, mit denen der Vorgänger auch das Betrachten der Spielwelt zu versüßen wusste. Fast universell wird außerdem kritisiert, dass Hinweise und Tipps wie die über ein Fake-Twitter-Konto nicht nur keine Hilfe sind, sondern den Daten aus den Übersichtsansichten widersprechen – also falsch sind. Auch das Wirtschaftssystem sei kaum nachvollziehbar, lässt sich in den Berichten nachlesen. Tester erwähnen obendrein häufig individuelle Ärgernisse mit einzelnen Systemen – irgendwo hakt es in der Regel immer.

Ärgernis Nr. 1: die Leistung

Das größte und nahezu einheitliche Ärgernis, das vielfach zu deutlichen Abwertungen führt, sind jedoch Probleme mit der Bildrate: Sie ist zu gering, oft kommt es zu Stuttering, Ladezeiten sind darüber hinaus lang – also genau das, was auch dieser Technik-Test zu bemängeln hat.

Obschon die Wertungen am Ende eine große Bandbreite besitzen, sind die Urteile doch ähnlich. Cities: Skylines II hat Potential, es „könnte, eines Tages, ein besseres Spiel als sein Vorgänger sein“, befindet PCGamesN, GamesRadar spricht deutlicher von einer Art Early-Access-Version, die „eines Tages die beste je entwickelte Städtebau-Simulation“ sein könnte – aber eben (noch) nicht ist. Negative Kritiken unterscheiden sich nur durch diesen zeitlichen Aspekt, denn lobende Tester sehen diesen Punkt in der Regel schon erreicht. In Anbetracht zumindest der technischen Probleme sollte mit einem Kauf aber auch bei Interesse noch gewartet werden – tendenziell scheint das Game zu früh veröffentlicht worden zu sein.

Wertungsüberblick für Cities: Skylines II
Publikation Wertung
DualShockers 9/10
GamesRadar+ 2/5
PCGamesN 7/10
PC Gamer 77/100
PC Games 6/10
Twinfinite 3/5
Video Gamer 8/10
Metacritic (PC) Presse: 76/100
Nutzer: -/10

Fazit

In den letzten zwölf Monaten hat es erschreckend viele schlechte PC-Versionen von Spielen gegeben, auch sehr schlechte waren darunter. Mit Cities: Skylines II kommt ein weiterer Titel in dieser wenig rühmlichen Kategorie hinzu.

Es ist, wie es ist: Cities: Skylines II läuft unglaublich schlecht. So schlecht, dass eine GeForce RTX 3060 in Full HD völlig überfordert ist und eine GeForce RTX 4080 in Ultra HD aus dem allerletzten Loch pfeift – bei reduzierten Grafikdetails wohlgemerkt! Bei maximaler Grafik begrüßt einen dann selbst die GeForce RTX 4090 mit nur noch etwa 11 FPS im Hauptmenü. Kein Witz.

Radeon-Grafikkarten schmeckt das Aufbauspiel dabei deutlich besser als den GeForce-Pendants. Ganz gleich um welche Generation und Preisklasse es sich handelt: Die AMD-GPUs rendern durchweg ein gutes Stück schneller als die Nvidia-Exemplare. Intels Arc-Grafikkarten kommen ebenso verhältnismäßig gut zurecht, sodass die Arc A770 zwar an der Radeon RX 6700 XT scheitert, dafür aber die GeForce RTX 3060 Ti ein kleines Stück hinter sich lässt.

Während die Grafikkarte in dem Citybuilder eine große Rolle für die Performance spielt, sind die Anforderungen an den Prozessor deutlich kleiner. Zumindest das von der Redaktion benutzte Testszenario mit rund 125.000 Einwohnern hat kein nennenswertes CPU-Limit aufgezeigt, die Framerate hängt bei diesem primär an der Grafikkarte. Der Einfluss des Prozessors wird stand jetzt erst dann wichtig, wenn Auflösung entsprechend gering und die GPU dennoch leistungsstark ist.

Grafikoptionen-Irrsinn = Tuning-Potential

Nicht nur, dass die generelle Performance sehr schlecht ist, die verfügbaren Grafikoptionen sind noch viel schlechter ausgewählt. Warum bietet man bei einem Spiel, das ohnehin schon schlecht läuft, Grafikoptionen an, die es bei quasi überhaupt nicht besserer Grafik trotz schnellster Hardware zu einer Diashow verkommen lassen?

Wenn sich mit vier anders eingestellten Grafikoptionen allein die Framerate verdoppeln bis verdreifachen lässt, muss einem doch auffallen, dass da etwas ganz und gar nicht stimmt. Die per Presets getroffenen Einstellungen in diesen vier Optionen sind dann fast schon Sabotage des eigenen Spiels!

Diese Grafikoptionen kosten richtig Leistung
  • Volumetrik-Qualitätseinstellungen (Empfehlung: „Aus“)
  • Allgemeine Lichtqualität (Empfehlung: „Aus“)
  • Tiefenschärfe-Qualität (Empfehlung: „Aus“)
  • Detailqualität (Empfehlung: „Mittel“)

Dass Cities: Skylines II zu allem Überfluss kein temporales Upsampling wie DLSS oder FSR Super Resolution unterstützt, lässt dann auch diese Hoffnung nach mehr FPS im Keim ersticken – es gibt nur das qualitativ nicht empfehlenswerte FSR 1. Aber das ist in diesem Fall vielleicht sogar gut so, denn somit werden die eklatanten Missstände der Engine nicht durch Features der Grafikkarten-Hersteller kaschiert.

Eine gute Basis mit wirklich sehr schlechter Technik

Immerhin eine gute Nachricht gibt es: Cities: Skylines II ist beim Testen nur ein einziges Mal abgestürzt. Abgesehen von der irrwitzigen Performance und den sinnlos gesetzten Grafikoptionen haben sich während des Testens keinerlei technische Probleme gezeigt.

Dennoch ist es aktuell einfach nicht möglich, eine Kaufempfehlung für die PC-Version auszusprechen, denn dafür sind die Performance-Probleme einfach viel zu groß. Auf einem High-End-PC lässt sich das Spiel zwar durchaus genießen, doch muss es bei der gezeigten Grafikqualität schlicht auch schon mit deutlich günstigerer Hardware flüssig laufen. Das Game sprengt in seinem aktuellen Zustand endgültig eine Grenze, bei der man alleine aus Prinzip vom Kauf abraten muss. Und das tut einem in der Seele weh, denn auch wenn Cities: Skylines II spielerisch nicht perfekt ist, zeigt es sehr viel gutes Potential, wo die Reise mit künftigen und bereits angekündigten Updates hingehen kann. Die Möglichkeit, zum besten Citybuilder aller Zeiten zu werden, ist zweifelsohne vorhanden.

Tuning-Tipps

Zum Abschluss noch einmal die wesentlichen „Tuning-Tipps“, falls Cities: Skylines II auf dem eigenen Rechner nicht so recht laufen will. Per se gilt: Geringe Auflösungen oder niedrigere Grafik-Presets helfen auch hier, doch es sind vier einzelne Grafikoptionen, die besonders viel Leistung fressen und in drei der vier Fälle dabei optisch kaum einen Unterschied machen:

Diese Grafikoptionen kosten richtig Leistung
Grafikoption empfohlene Einstellung
Volumetrik-Qualitätseinstellungen „aus“
Allgemeine Lichtqualität „aus“
Tiefenschärfe-Qualität „aus“
Detailqualität „mittel“
(niedrig lässt die Grafik stark leiden)

Das nachfolgende Diagramm zeigt, wie sich die Veränderung allein dieser vier Einstellungen ausgehend von den maximalen Grafikdetails (höchstes Presets + Rest manuell auf „max“) in WQHD auswirken.

Grafik-Presets im Vergleich – 2.560 × 1.440
  • AMD Radeon RX 7900 XTX:
    • Detailqualität Sehr Niedrig
      78,0
    • Volumetrik Aus
      64,5
    • Lichtqualität Aus
      64,5
    • Tiefenschärfe Aus
      64,5
    • Detailqualität Niedrig
      64,5
    • Volumetrik Niedrig
      63,9
    • Tiefenschärfe Niedrig
      63,9
    • Volumetrik Mittel
      60,7
    • Lichtqualität Niedrig
      60,6
    • Detailqualität Mittel
      55,7
    • Lichtqualität Mittel
      55,0
    • Volumetrik Hoch
      53,0
    • Detailqualität Hoch
      50,4
    • Lichtqualität Hoch
      49,7
    • Tiefenschärfe Hoch
      48,5
    • Maximale Grafikdetails
      29,3
  • Nvidia GeForce RTX 4080:
    • Detailqualität Sehr Niedrig
      77,2
    • Volumetrik Aus
      59,8
    • Lichtqualität Aus
      59,8
    • Tiefenschärfe Aus
      59,8
    • Detailqualität Niedrig
      59,8
    • Volumetrik Niedrig
      57,6
    • Tiefenschärfe Niedrig
      56,3
    • Volumetrik Mittel
      56,2
    • Lichtqualität Niedrig
      55,3
    • Lichtqualität Mittel
      52,1
    • Volumetrik Hoch
      51,3
    • Lichtqualität Hoch
      49,6
    • Detailqualität Mittel
      45,7
    • Tiefenschärfe Hoch
      40,8
    • Detailqualität Hoch
      39,0
    • Maximale Grafikdetails
      25,5
Einheit: Bilder pro Sekunde (FPS)

Alle Details dazu im Abschnitt „Welche Grafikoption kostet wie viele FPS?“.

ComputerBase hat Cities: Skylines II vom Publisher Paradox Interactive zum Testen erhalten. Das Spiel wurde unter NDA zur Verfügung gestellt. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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