Microsoft veröffentlicht erstmals einen Transparenzbericht

Ferdinand Thommes
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Microsoft hat jetzt, wie die New York Times berichtet, erstmals einen Transparenzbericht über die Anfragen an das Unternehmen nach Herausgabe von Nutzer- und Kontendaten seitens Regierungsstellen und Polizeibehörden veröffentlicht.

Damit begibt sich Microsoft in die Reihe der Unternehmen wie Google und Twitter, die regelmäßig Transparenzberichte vorlegen. Microsoft möchte in Zukunft ebenfalls alle sechs Monate einen aktualisierten Bericht liefern.

Der jetzt veröffentlichte, sehr detaillierte erste Bericht deckt das Jahr 2012 ab und enthüllt, dass 69 Prozent der insgesamt 70.665 Anfragen von Behörden der fünf Staaten Großbritannien, Frankreich, Deutschland, der Türkei und den USA kamen.

In rund 80 Prozent der Fälle kam Microsoft den Anfragen mit sogenannten „nicht zusammenhängenden Daten“ nach, wie beispielsweise dem Namen eines Kontoinhabers, Geschlecht, E-Mail-Adresse, IP-Adresse oder Daten und Zeiten des verursachten Datenverkehrs. In rund zwei Prozent der Fälle gab Microsoft den Inhalt von Kommunikationen im Zusammenhang heraus. Die Anfragen von Strafverfolgungsbehörden betrafen typischerweise Dienste wie Hotmail, Outlook.com, SkyDrive, Skype und Xbox Live, wo sich Nutzer mit einem Konto anmelden müssen und private Daten hinterlassen. In rund 18 Prozent der Anfragen gab Microsoft keine Daten weiter, weil entweder keine der geforderten Daten vorlagen oder weil der Antragsteller nicht die gesetzlichen Vorgaben für eine solche Auskunft erfüllt hatte. Eine verschwindend geringe Anzahl der Anfragen hat laut dem Bericht Firmen betroffen.

Google war im Jahr 2010 die erste größere Firma, die einen regelmäßigen Transparenzbericht vorlegt, es folgten Twitter, LinkedIn und einige kleinere Firmen. Andere große Firmen mit vermutlich vielen Anfragen,wie etwa Apple und Yahoo sind laut New York Times noch nicht an dieser Form von Transparenz interessiert.

Auch Microsoft war zunächst nicht geneigt, diese Daten zu veröffentlichen, bis im Januar eine Gruppe von mehr als 100 Internet-Aktivisten und Gruppen wie die Electronic Frontier Foundation (EFF) den Konzern aus Redmond aufforderte, seine Praxis im Umgang mit der Herausgabe von Daten, die über den 2011 von Microsoft erworbenen Telefon– und Videodienst Skype gesammelt werden, öffentlich darzulegen. Im jetzt veröffentlichten Bericht führt der Konzern die Daten zu Anfragen über Skype daher auch separat auf. Microsoft gibt an, im letzten Jahr in 4.713 Fällen administrative Daten zu Skype-Konten herausgegeben zu haben. Aufgrund der Beschaffenheit von Peer-to-Peer-Diensten wie Skype habe der Konzern allerdings keine Aufzeichnungen vergangener Konversationen und könne somit auch keine solchen Inhalte weitergeben.

Die EFF lobte jetzt Microsoft für den Schritt zu mehr Transparenz, sagte jedoch mit Bedauern, selbst mit Microsoft liege die Zahl der Unternehmen, die in dieser Hinsicht transparent sind, unter zehn. Eigentlich sollte jedes Web-Unternehmen sein Verhalten zu Anfragen von Strafverfolgungsbehörden darlegen, so Eva Galperin, eine weltpolitische Analystin der EFF.

Brad Smith, einer der geschäftsführenden Direktoren des Konzerns aus Redmond, sagte in einem Technet-Blog-Eintrag, die Anfragen auf Herausgabe von Daten im vergangenen Jahr hätten lediglich 0,02 Prozent der Nutzer mit einem Account bei Microsoft betroffen. Microsoft habe hohe Standards, was die Herausgabe von Daten anbelange, müsse aber, wie jeden andere Firma auch, dem Gesetz in dieser Hinsicht Genüge tun.