4/7 Android Auto und CarPlay im Test : Google & Apple als Beifahrer im Skoda Rapid Spaceback

, 75 Kommentare

Navigation mit Datenhunger

Wenn Apple und Google auf lange Sicht die Infotainment-Systeme der Automobilhersteller ablösen wollen, müssen sie in der Kerndisziplin Navigation gute Ergebnisse abliefern. Während Google schon seit über zehn Jahren Karten anbietet, ist Apple erst seit rund drei Jahren in diesem Geschäftsfeld aktiv. Obwohl Google in Summe das bessere Angebot bietet, ist Apple nicht mehr weit entfernt vom Branchenprimus.

Bei der Wegfindung unterscheiden sich Android Auto und CarPlay kaum voneinander. Bei der Routenauswahl innerhalb von Berlin wählen beide Systeme bekannte große Straßen und Autobahnen, die auch das Navigationssystem von Skoda gewählt hätte. Google hat den Vorteil, dass die Zielauswahl einfacher gelingt. Weil der Homescreen von Android Auto dem von Google Now gleicht, ist dort eine intelligente Karte mit dem Weg zur Arbeit oder nach Hause zu finden. Google weiß, wo der Nutzer wohnt und arbeitet, und kann anhand von Position und Uhrzeit ermitteln, ob es sinnvoll ist, eine entsprechende Karte auf dem Homescreen anzuzeigen, ohne dass die Ziele auch nur ein einziges Mal eingegeben werden müssen. Bei Apple kann man lediglich aus einer Liste von zuvor angesteuerten Zielen auswählen und diese erneut ansteuern.

Während der Navigation bieten beide Lösungen saubere und klar erkennbare Karten sowie ausreichend groß dargestellte Navigationshinweise. Beide Hersteller legen im linken Bereich die aktuellen Informationen der Route über die Karte. Bei Apple ist diese Hinweiskarte halbtransparent ausgeführt, sodass dahinter liegende Informationen noch zum Teil eingesehen werden können. Ebenfalls gemein haben beide Lösungen die Darstellung bis zur nächsten Abfahrt in Metern sowie ein dazugehöriges Piktogramm, das zum Beispiel auf die erste, zweite oder dritte Ausfahrt eines Kreisverkehrs hinweist.

Die laufende Navigation wird immer angezeigt

Wechselt man während der Navigation aus der Kartenansicht zum Beispiel in den Bereich für Musik, wird die Navigation in jedem Fall sowohl bei Google als auch bei Apple weitergeführt. Auch hier sind die Lösungsansätze beider Unternehmen identisch, indem Hinweise für die Navigation am oberen Bildschirm eingeblendet werden. Diese sind zudem nicht statisch, sodass sie sich, während sie über einer anderen App eingeblendet werden, live aktualisieren. Wechselt man während der aktiven Navigation in ein anderes Menü, wird die aktive Wegführung bei Apple durch ein Maps-Symbol oben links in der Home-Button-Leiste signalisiert. Über das Kartensymbol lässt sich immer wieder schnell zur Vollbildansicht der Navigation wechseln. Bei Google erscheint während der Navigation auf dem Homescreen eine Karte mit der Navigation und aktuellen Hinweisen.

Gleichauf sind beide Hersteller auch wenn es darum geht, die Augen des Autofahrers zu schonen. Beide Systeme bieten einen Nachtmodus, bei dem auf die hellen Karten, die während der Tagfahrt eingesetzt werden, verzichtet wird. Welche Tageszeit herrscht, signalisiert Google auf dem Homescreen gleich über mehrere Abstufungen auf dem Hintergrundbild. CarPlay sieht auf dem Homescreen hingegen deutlich langweiliger als Android Auto aus. Hier gibt es bei Apple immer nur einfaches Schwarz.

Ist der Verkehr einmal stockend oder sogar ein Stau in Aussicht, hat Google schneller eine vermeintlich passende Lösung parat. Sobald mit der zuerst ermittelten optimalen Route nicht mehr die kürzeste Fahrzeit erreicht werden kann, weist Android Auto auf diesen Umstand hin und bietet schnellere Routen in der aktuellen Navigationsansicht an. So lässt sich schnell auf potenziell weniger befahrene Strecken ausweichen. Weil solche Vorschläge aber mittlerweile viele Navigationssysteme anbieten, führt die Verkehrsüberwachung nur in wenigen Fällen zu einer echten Verkürzung der Fahrzeit. Zu viele andere Autofahrer haben häufig schlicht das gleiche Vorhaben wie man selbst.

Apple Maps agierte im Test nicht ganz so schlau. Es warnte zwar vor stockendem Verkehr auf der aktuellen Route, ließ den Fahrer dann aber ohne Alternativen schnurstracks in das Stauende oder den zähfließenden Verkehr fahren. Allerdings überraschte Apple Maps auch mit Informationen, die Google Maps nicht parat hatte. Als an einem Morgen zum Beispiel Arbeiter auf der Autobahn den Grünstreifen stutzten, wusste Apple Maps davon bereits und warnte rechtzeitig vor einer Fahrbahnverengung, die wenige hundert Meter durch Fahrzeuge der Straßenmeisterei auch vorhanden war.

In puncto Aktualität des Kartenmaterials haben weder Google noch Apple einen Vorteil. Das Kartenmaterial ist in jedem Fall aktuell genug, um sicher und ohne Umwege an das gewünschte Ziel zu kommen. Von kurzfristig aufgebauten Baustellen, zum Beispiel aufgrund kleinerer Straßenreparaturen, wusste hingegen keines der Systeme. Auch in Bereichen von größeren Baustellen, wo häufig kleinere Veränderungen an der Aufteilung der Spuren stattfinden, kommen Apple und Google nicht hinterher. In Summe bewertet ist das Kartenmaterial aber dennoch aktuell genug, um Falschfahrten zu verhindern.

Weder Google Maps noch Apple Maps lernen vom Fahrer

Was jedoch bei beiden Lösungen aufgefallen ist, ist das sture Festhalten an bekannten großen Straßen. Abkürzungen durch Wohnviertel oder kleinere Seitenstraßen wollten partout nicht freiwillig gewählt werden. Das verwundert vor allem bei Google, dessen System ja eigentlich vom Verhalten des Anwenders lernen und frühere Entscheidungen in zukünftige Vorschläge integrieren müsste. Wenn in Berlin zum Beispiel aus dem Norden über die Greifswalder Straße kommend stets die Abschnitte Gruner Straße und Leipziger Straße aufgrund von zwei gesperrten Fahrstreifen mit heftigem Verkehr zu kämpfen haben und deshalb selbst eine Abkürzung über die Friedenstraße, Lichtenberger Straße und schließlich Gitschiner Straße gewählt wurde, um im letzten Schritt über den Tempelhofer Damm auf die A100 zu gelangen, kam es Google auch nach drei Wochen nicht in den Sinn, diese stets schnellere Strecke einmal automatisch vorzuschlagen. Auch Apple Maps lernte nicht aus dem Verhalten des Nutzers und beharrte auf stets dieselbe Wegführung über die bekannten Hauptstraßen.

Dieses Verhalten ist vor allem für Pendler, die sich jeden Morgen und Abend einmal quer durch das Berliner Stadtgebiet kämpfen müssen, ärgerlich. Wenn man selbst Strecken kennt, die bewiesenermaßen schneller sind als die, die das Navigationssystem vorschlägt, kommt die Frage auf, warum auf Google Maps oder Apple Maps überhaupt gehört werden sollte.

Der größte Nachteil von Apple Maps und Google Maps ist allerdings der Datenverbrauch über die Mobilfunkverbindung. Zum Zeitpunkt des Tests haben weder Apple noch Google Möglichkeiten angeboten, umfangreiches Kartenmaterial auf dem Smartphone zu speichern. Bei Google konnte bisher lediglich ein kleiner Kartenausschnitt offline gespeichert werden. Erst seit Mitte November ist es möglich, größere Gebiete zu speichern und diese auch ohne Internetverbindung für die Navigation zu verwenden. Von der einfachen Herangehensweise von Apps wie Here, bei der einfach aus verschiedenen Ländern gewählt werden kann, ist aber auch diese Lösung noch weit entfernt.

Das monatliche Datenvolumen sollte bei mindestens zwei Gigabyte liegen

Wer tagtäglich seine 3G- oder LTE-Verbindung für die Navigation mit Google Maps oder Apple Maps im Pkw nutzt, wird schnell das inkludierte monatliche Datenvolumen des Vertrags aufgebraucht haben. Empfehlenswert ist mindestens ein Datenpaket von zwei Gigabyte im Monat, denn das Smartphone soll ja für noch mehr als nur die Navigation verwendet werden. Im Test ist im Verlauf von drei Wochen rund ein Gigabyte an Daten nur für das Navigieren im Automobil verbraucht worden. Glücklicherweise lassen sich Apple Maps und Google Maps auch mit gedrosselter Bandbreite noch eingeschränkt nutzen. Vor allem die Suche nach Zielen findet in diesem Modus aber deutlich langsamer statt. Die Navigation selbst funktioniert hingegen weitestgehend zuverlässig und führt auch mit reduzierter EDGE-Geschwindigkeit noch sicher ans Ziel.

Unterm Strich sind beide Lösungen gut umgesetzt worden, wobei Google die etwas schlauere Routenführung und bessere Sprachausgabe besitzt. Um mit den Navigationssystemen der Fahrzeughersteller aber gleichzuziehen, benötigen sowohl Apple als auch Google eine echte Offline-Funktion, bei der nach Ländern und Kontinenten sortiert Kartenmaterial heruntergeladen werden kann. Denn zumindest aktuell lassen beide Unternehmen keine Drittanbieter auf ihre Auto-Betriebssysteme.

CarPlay: Apple Watch für haptisches Feedback
CarPlay: Apple Watch für haptisches Feedback

Für Besitzer einer Apple Watch hat Apple allerdings noch etwas Besonderes in petto: die Trinität der Navigation. Gemeint sind damit die optische Ausgabe der Wegführung auf dem Display, die akustische Wegführung per Sprachausgabe und das haptische Feedback über die Apple Watch. Was sich zunächst nach zu viel Feedback vom Auto an den Fahrer anhört, kann im Alltag durchaus praktisch sein. Allerdings ist es meistens effizienter, die Audioausgabe zu deaktivieren, damit ungestört Musik gehört werden kann, und stattdessen das haptische Feedback der Uhr hinzuzuschalten. Die Uhr kann allerdings nur Hinweise für links oder rechts geben, weshalb zum Beispiel die Warnung vor Staus auch bei deaktivierter Audio-Ausgabe weiterhin zu hören ist.

Auf der nächsten Seite: Medien kann Apple besser