Dell Canvas ausprobiert: Kreative 27-Zoll-Spielwiese für Finger, Stylus und Totem

Nicolas La Rocco 30 Kommentare
Dell Canvas ausprobiert: Kreative 27-Zoll-Spielwiese für Finger, Stylus und Totem

Mit dem Canvas zeigt Dell auf der CES 2017 seine Interpretation eines kreativen Arbeitsplatzes. Ein 27 Zoll großes Touch-Display bietet Künstlern viel Fläche zum Zeichnen, der breite Rahmen wiederum vereinfacht die Handhabung und erlaubt das Ablegen von Werkzeugen. Im ersten Test kam es aber noch zu kleineren Fehlern.

Dell will das Canvas ab dem 30. März zum Preis von 1.799 US-Dollar (zzgl. Steuer) in den Vereinigten Staaten anbieten. Einen Termin für Deutschland gibt es aktuell noch nicht. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gilt es, die letzten kleinen Fehler auszumerzen, die derzeit noch den ansonsten positiven Ersteindruck etwas trüben.

27 Zoll mit 100 Prozent Adobe RGB

Das Display des Canvas löst auf einer Diagonalen von 27 Zoll mit 2.560 × 1.440 Bildpunkten auf. Das ist für einen gewöhnlichen Monitor scharf genug, beim Canvas hätte die Auflösung aber gerne noch etwas höher sein dürfen, da der Anwender dem Display sehr nahe kommt. Interessant und gut umgesetzt ist die matte Oberfläche des Panels. Leicht angeschliffenes Gorilla Glass verhindert Reflexionen und lässt sich flüssiger bedienen als ein klassischer Touchscreen mit glatter Oberfläche.

Das Panel punktet darüber hinaus mit einer Abdeckung des Adobe-RGB-Farbraums zu 100 Prozent. Der Kontrast des IPS-Panels liegt bei statischen 1.000:1, die maximale Helligkeit bei 280 cd/m². Dank der Unterstützung von bis zu 20 Touch-Punkten können auch zwei Personen gleichzeitig das Canvas bedienen.

Der breite Rahmen ist kein Zufall

Rund um das Display verläuft ein sehr breiter Rahmen. Bei genauerer Betrachtung und während dem Ausprobieren ergibt dieser aber Sinn, denn er dient nicht nur als Ablage der Unterarme sondern vereinfacht auch das Zeichnen. Pinselstriche, die sich bis zum Rand der Arbeitsfläche ziehen, können so voll ausgeführt werden. Bei einem Display mit schmalem Rahmen würde der Künstler schnell ins Nichts abrutschen.

Bedienung mit Fingern, Stylus und Totem

Das Canvas nutzt einen Wacom Digitizer und einen Stift mit 2.048 Druckstufen sowie Neigungserkennung. Im ersten Test lässt sich damit relativ präzise Zeichnen und an bestehende Linien ansetzen, noch ziehen die Pinselstriche aber mit deutlicher Verzögerung dem Stylus hinterher. Dell sagte ComputerBase zur Messe, dass noch einige Verbesserungen bei der Software anstehen würden. Wird der Stift nicht benötigt, kann er im rechten Bereich des Rahmens magnetisch fixiert abgelegt werden.

Ähnlich wie für das Surface Studio von Microsoft gibt es auch für das Dell Canvas ein Dreh- und Drückrad als zusätzliches Eingabegerät. Dell nennt seines Totem, bietet es in klein sowie groß an und löst damit ähnliche Werkzeuge wie Microsoft aus. Das Totem arbeitet passiv und wird durch einfaches Auflegen aktiviert. In einem Zeichenprogramm erscheint um das Totem herum ein Farbrad. Verschiedene Dreh- und Drückbefehle erlauben den Wechsel des Werkzeugs oder spulen Eingaben zurück und vor.

Derzeit gibt es aber noch drei Probleme mit dem Totem. Zum einen erscheinen die Menüs unter dem Drücker und nicht um den Drücker herum, sodass die Menüs kaum zu erkennen sind. Wie beim Stylus kommt es zudem beim Totem noch zu einer starken Verzögerung, sobald das Werkzeug bewegt wird. Und obendrein rutscht das Totem immer wieder vom Display, sobald dieses angewinkelt wird. Das ist vor Ort mit zwei unterschiedlichen Totems reproduzierbar passiert. Das Canvas liegt in der Ausgangsposition fast flach auf dem Tisch, kann mit Füßen an der Rückseite aber mit 10 Grad angewinkelt werden. Optional ist ein artikulierender Ständer mit VESA-Halterung, der frei zwischen 10 und 85 Grad angewinkelt werden kann.

Viele Anschlüsse, Kabel und Adapter

In dem Display steckt keine weitere PC-Hardware, also etwa eine CPU oder GPU. Für den Betrieb wird also immer ein bestehender Rechner vorausgesetzt. Das Canvas ist zu allen Computern mit Windows 10 kompatibel, es muss somit kein PC von Dell sein. Angeschlossen werden kann das Canvas über Mini-HDMI, Mini-DisplayPort oder USB Typ C mit DisplayPort im Alternate Mode. Externe Speichermedien lassen sich mit USB Typ C (Standard unbekannt) und USB 3.0 Typ A einbinden. Außerdem können Kopfhörer über eine 3,5-mm-Klinkenbuchse angeschlossen werden. Zahlreiche Kabel und Adapter für die genannten Anschlüsse sind im Lieferumfang enthalten.

Das Canvas ist 79,2 × 44,6 × 1,3 – 2,3 Zentimeter groß und wiegt 8,4 Kilogramm. Das Netzteil liefert 130 Watt, und die eingeschränkte Hardware-Garantie liegt bei drei Jahren.