Fake News: Facebooks Kampf mit falschen Informationen

Andreas Frischholz 18 Kommentare
Fake News: Facebooks Kampf mit falschen Informationen
Bild: Andrew Feinberg | CC BY 2.0

Fake News und Facebook, das war eines der dominanten Themen nach dem amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. In einer 13 seitigen Analyse nennt das soziale Netzwerk nun Details zu den Desinformationskampagnen, bei denen offenkundig auch Geheimdienste munter mitmischen.

Es ist ein Papier, das sinnbildlich für den Wandel steht, der sich bei Facebook in den letzten Monaten bemerkbar macht. Von Mark Zuckerbergs einstiger Abwehrhaltung ist nicht mehr viel zu spüren, stattdessen räumt das Sicherheitsteam in der Analyse nun offen ein: Es gibt sowohl staatliche als auch nicht-staatliche Akteure, die die Reichweite des sozialen Netzwerks ausnutzen wollen, um die öffentliche Meinung zu manipulieren.

Von Falschmeldungen zu politischen Verstärkern

So spricht Facebook von gezielten „Informations-Operationen“, bei denen sich verschiedene Spielarten beobachten lassen. Zunächst sind da die Falschmeldungen, bei denen schlicht die Fakten nicht stimmen. Es gibt aber noch subtilere Methoden, dazu zählen etwa gefälschte oder aus dem Kontext gerissene Zitate sowie einseitige Informationen, die bewusst verbreitet werden. Also kurz gesagt: Die volle Bandbreite.

Einher geht all das mit „falschen Verstärkern“ (false amplifier). Gemeint sind damit gefälschte Nutzerkonten, die – bisweilen mehrfach – bestimmte Inhalte teilen oder kommentieren, um den Eindruck von politischen Diskussionen zu verzerren. Die Ziele sind laut der Analyse: Einzelne Themen aufbauschen oder verunglimpfen, das Vertrauen in Institutionen zerrütten und allgemein Konfusion stiften.

Insbesondere die Passage zu den „falschen Verstärkern“ ist interessant. Denn entgegen der landläufigen Meinung handele es sich in erster Linie nicht um „Social Bots“, vielmehr sind es echte Menschen, die Netzwerke mit Fake-Konten betreiben. Hinweise dafür wären etwa Sprachkenntnisse und das politisches Basiswissen der jeweiligen Nutzer.

Aktivitäten während der amerikanischen Präsidentschaftswahl

Solche Informations-Operationen hat Facebook auch während des amerikanischen Wahlkampfs registriert. Auffällig waren die Aktivitäten demnach bei den politischen Leaks, also das strategische Veröffentlichen von geheimen Informationen, die zuvor entwendet wurden. Die Netzwerke mit gefälschten Nutzerkonten hätten nun gezielt die Inhalte aus den Leaks verbreitet. Zudem wurde versucht einen bestimmten Narrativ – also die Lesart der Inhalte – durchzusetzen.

Namen der Betroffenen werden zwar nicht genannt, im Wahlkampf ging es bei diesem Punkt aber vor allem um interne E-Mails der Demokratischen Partei von Hillary Clinton sowie ihrem Wahlkampf-Manger John Podesta.

Zurückhaltend konkret äußert sich Facebook derweil, wenn es um die Verantwortlichen für solche Kampagnen geht. Zunächst heißt es: „Facebook ist nicht in der Position, um mit Sicherheit die Akteure zu benennen, der hinter diesen Aktivitäten stecken.“ Allerdings würden die vorhandenen Daten nicht dem Bericht des US-Geheimdienstdirektors vom 6. Januar 2017 widersprechen. Dieser besagte: Untersuchungen der US-Geheimdienste hätten ergeben, dass die russische Regierung hinter den Fake-News-Kampagnen steckte, um den Ausgang der Präsidentschaftswahl zu beeinflussen. Konkrete Beweise für die Vorwürfe wurden – zumindest öffentlich – aber nicht vorgelegt.

Facebook kündigt Gegenmaßnahmen an

Was Facebook aber auch betont: Die Desinformationskampagnen wären zwar eine Herausforderung, die man ernst nehme. Doch „die Reichweite der bekannten Operationen während der US-Wahl 2016 war statisch nur sehr gering im Vergleich zum gesamten Aufkommen bei politischen Themen“.

Nichtsdestoweniger wurden Gegenmaßnahmen angekündigt, die man zum Teil schon umgesetzt hat. So setzt das soziale Netzwerk auf neue Analysetechniken, die etwa maschinelles Lernen nutzen, um Fake-Konten aufzuspüren. Die Technologie habe sich schon bewährt, vor der Wahl in Frankreich konnten 30.000 Fake-Konten identifiziert werden.

Was soziale Netzwerke bereits machen

Dass Facebook das Engagement gegen Fake News verstärkt, wurde bereits in den letzten Monaten deutlich. So können Nutzer etwa Falschmeldungen leichter über das „Beitrag-melden“-Menü markieren, strittige Inhalte werden dann von Fact-Checkern überprüft. Zudem wurde der News-Feed-Algorithmus angepasst, um „authentische Inhalte“ zu bevorzugen.

Allein ist Facebook damit nicht, auch Google legt nach. Das gilt etwa für das Project Owl, das die Qualität der Suchergebnisse verbessern soll. Tester trainieren dabei den Suchalgorithmus, um minderwertige Inhalte abzustufen. Angepasst wurde zudem die Auto-Complete-Funktion, für Beleidigungen oder Hasskommentare gibt es nun leichter zu erreichende Melde-Tools.

Ebenso reagiert hat mittlerweile Wikipedia-Gründer Jimmy Wales. In der letzten Woche hat er mit Wikitribune ein neues Projekt angekündigt, das sich dem Kampf gegen Fake News verschreibt. Der Aufbau: Eine per Crowdfunding finanzierte Redaktion soll bei der Recherche mit der Community im Wikipedia-Sinne zusammenarbeiten, um Fakten zu prüfen.