Xbox Scorpio: Mehr Details zu Hardware und Spiele-Wiedergabe

Max Doll 162 Kommentare
Xbox Scorpio: Mehr Details zu Hardware und Spiele-Wiedergabe
Bild: Microsoft

Microsoft hat vor der offiziellen Enthüllung zur E3 2017 am 11. Juni weitere Details zur kommenden UHD-Konsole Xbox Scorpio verraten. Darunter sind mehr Details zur Hardware(-design), Anforderungen für neue Spiele und Vorteile für alte Spiele.

In Umlauf gebracht hat die Informationen Eurogamer, die von Microsoft exklusiv bedacht wurden. Die Seite betrachtet die Xbox One nach einer Veranstaltung in Redmond als legitimen Nachfolger der Xbox 360; Microsoft habe demonstriert, erneut die bestmögliche Konsole mit größtmöglicher Leistung bauen zu wollen.

Dabei würde nicht die Xbox One kannibalisiert, deren Käufer auf ein gesundes Preis-Leistungs-Verhältnis achten würden. Stattdessen werde Scorpio Premium-Hardware zum entsprechenden Kurs bieten und damit die Kernzielgruppe einer Spielkonsole – Hardcore-Gamer – bedienen.

Mit der Konsole verbindet Microsoft, so berichtet Eurogamer, vier große Ziele: Die Konsole soll die „Herzen und Köpfe von Entwicklern“ gewinnen, genug Leistung für eine echte UHD-Spielerfahrung liefern, vollständig zu bestehender Hard- und Software kompatibel sein sowie schließlich auch eine bessere Bildqualität auf 1080p-Fernseher bringen.

Alte Spiele laufen besser

Spiele, die für die Xbox One programmiert werden, werden von der Scorpio nicht einfach nur wiedergeben, sondern profitieren von der schnelleren Hardware – im Prinzip bringt die Konsole von Haus den Boost-Modus der PlayStation 4 Pro mit. Spiele werden folglich mit der kompletten Rechenleistung der kommenden Premium-Xbox berechnet und erzielen zunächst stabilere Bildwiederholraten. Außerdem braucht die Auflösung nicht länger dynamisch in anspruchsvollen Szenen reduziert zu werden.

Auch Screen-Tearing gehört mit mehr Rechenleistung der Vergangenheit an, während die bi- und trilineare durch anisotropische Texturfilterung ersetzt wird. Ladezeiten profitieren zudem von höherer Leistung der CPU und HDD, aber auch vom größeren Arbeitsspeicher. Möglich macht das die großzügigere Speicherausstattung: Spiele der alten Xbox One verwenden nur fünf Gigabyte RAM, während mit dem neuen Modell acht Gigabyte zur Verfügung stehen. Der nicht genutzte Platz wird daher als Cache für häufig genutzte Dateien eingesetzt und fungiert als eine RAM-Disk.

Diese Features sollen für nahezu alle älteren Titel out-of-the-box funktionieren. Verursacht einer der Kniffe Kompatibilitätsprobleme, was in Einzelfällen vorkommen kann, wird er abgeschaltet. Spieler müssen sich darum aber nicht kümmern; die optimale Konfiguration stellt Microsoft zur Verfügung.

Leistung für UHD

Das eigentliche Ziel der Hardware ist jedoch nicht die verbesserte Wiedergabe alter Spiele, sondern die Wiedergabe brandneuer Spiele in echter UHD-Auflösung. Dieses Ziel habe das Design der Konsole maßgeblich bestimmt, erklärte Microsoft gegenüber Eurogamer: Die Hardware sei so entworfen und gewählt worden, dass jedes Spiel, das jetzt mit mindestens 900p gerendert wird, auf einer Scorpio in UHD-Auflösung ausgegeben werden könne.

Dabei hat sich Microsoft nicht auf die Auflösung selbst versteift. Der höheren Pixelanzahl zur Seite stehen sollen entsprechend höherqualitative Assets und Texturen. Dies sei die UHD-Spielerfahrung, die der Konzern im Sinn habe. Abstriche bei der Bildwiederholrate wird es, so die Ankündigung, dennoch nicht geben.

Im Gegensatz zur PlayStation 4 Pro (Test), bei der die UHD-Ausgabe an einen UHD-Fernseher geknüpft ist, kann der Scorpio-Modus mit UHD-Rendering bei Microsoft immer und unabhängig des Displays genutzt werden. Das Unternehmen habe Entwicklern explizit vorgeschrieben, dass das hübschere Bild auf einen 1080p-Display auf die entsprechende Auflösung heruntergerechnet wird. Damit wird die höhere Pixelzahl schlicht für Downsampling genutzt, was der Darstellungsqualität sichtbar zu Gute kommt. Ebenfalls im Lastenheft stehen mindestens gleichbleibende Bildwiederholraten.

Forza 6 als Schaukasten

Als Beispiel für die Leistung der Konsole wurde Eurogamer Forza 6 gezeigt. Der Port sei in zwei Tagen erstellt worden und habe auf Anhieb flüssige Bildwiederholraten erzielt, so die Entwickler. Mittlerweile sei die Detailstufe Ultra der PC-Variante auch auf der Konsole möglich – in UHD-Auflösung bei stabilen 60 Bildern pro Sekunde und maximierter Anzahl KI-Fahrer. Im Optimalfall steht, wie das Beispiel verdeutlicht, also neben der höheren Auflösung ein höherer Detailgrad zur Verfügung.

Hardware nach eigenen Vorstellungen

In Grundzügen sind Eckdaten der Scorpio-Hardware schon lange bekannt. Vor allem die Rechenleistung von 6 TFLOPs hat Microsoft früh kommuniziert. Nun gibt es von Eurogamer weitere Details.

Kern der Konsole wird eine Achtkern-CPU mit 2,3 GHz Taktfrequenz auf Basis der AMD-Jaguar-Kerne der Xbox One, die 31 Prozent Mehrleistung generieren soll. Außerdem gibt es Hardware-Einheiten für die Audiowiedergabe und das Mediaencoding. Der CPU zur Seite steht ein zwölf Gigabyte großer GDDR5-Speicher (384 Bit Interface), der eine Bandbreite von 326 GB/s besitzt.

Acht Gigabyte können von Entwicklern genutzt werden, vier bleiben dem System vorbehalten. Auf den ESRAM der Xbox One verzichtet die Scorpio hingegen. Bei älteren Titel simuliert der DDR5-RAM den 32 Megabyte großen Schnellspeicher. Bessere Bandbreite und erhöhte GPU-Leistung kompensieren dabei laut Micorsoft die höheren Latenzen, sodass sich insgesamt kein Nachteil einstellen soll.

Die Leistung einer Desktop-GPU

Interessant ist die GPU: Laut Eurogamer kommt ein Chip von AMD mit 40 angepassten Compute Units und 1.172 MHz Taktfrequenz zum Einsatz. Damit ist das Modell etwa gleichwertig zu einer Radeon RX 480, die nur über 36 Compute Units, aber etwas höhere Taktfrequenzen verfügt.

Zusätzlich hat Microsoft mit dem Entwicklerwerkzeug „Performance Inspector“ aktuelle und ältere Titel untersucht, um die GPU speziell auf die Bedürfnisse einer UHD-Wiedergabe optimieren zu können. So sind etwa die Shader Engines verdoppelt und der L2 Cache der GPU vervierfacht worden. Außerdem werden DirectX-12-Befehle nativ in Hardware eingebettet. Damit soll die Belastung der CPU durch Draw Calls reduziert werden.

Ein Blick auf den Aufbau der Xbox Scorpio
Ein Blick auf den Aufbau der Xbox Scorpio (Bild: Eurogamer)

Netzteil, Festplatte und Anschlüsse

Außerdem verfügt die neue Xbox über ein integriertes Netzteil mit 245 Watt aber keine SSD - wie die PlayStation 4 Pro muss die Xbox Scorpio mit einer 2,5"-HDD mit einem Terabyte Speicherkapazität auskommen, besitzt allerdings ein UHD-Blu-ray-Laufwerk. Gegenüber der Festplatte der Xbox One soll sich die Bandbreite des Datenspeichers verdoppelt haben, um die Ladezeiten im Zaum zu halten. Die Montage erfolgt entkoppelt auf Gummipuffern – auch das ist ein Novum bei einer Konsole. Auf einen Kinect-Anschluss verzichtet Microsoft aber erneut.

Kühlung mit Tricks

Um derartige Rechenleistung kompakt verbauen und effektiv kühlen zu können, wird jeder Chip mit individueller Spannung betrieben. Jede Konsole wird daher mit einem eigenen, auf die Hardware optimal angepassten Energieprofil ausgeliefert. Die Kühlung erfolgt über einen Zentrifugallüfter und eine Vapor Chamber. Diese Technik wird unter anderem in den Kühlern der GeForce GTX 1080 Ti Founders Edition (Test) eingesetzt.

Keine Informationen erhielt Eurogamer zum endgültigen Namen, der Größe, dem Design und dem Preis. Die Seite geht allerdings spekulativ in Anbetracht der höheren Leistung und besseren Ausstattung im Vergleich mit der PlayStation 4 Pro von einer Preisempfehlung von 499 US-Dollar aus.