Radeon RX 570 im Test: Sapphire Nitro+, Pulse, ITX und Gigabyte Aorus im Vergleich 2/3

Wolfgang Andermahr 147 Kommentare

Testergebnisse

Wie ComputerBase Grafikkarten testet, kann in diesem separaten „Benchmark & Methodik“-Artikel nachgelesen werden. Ab April 2017 hat ComputerBase das Testverfahren deutlich abgeändert, um moderne Grafikkarten besser bewerten zu können. Ein Blick in den Artikel klärt die wesentlichen Fragen.

Taktraten unter Last

Einzig die Sapphire Radeon RX 570 Pulse ITX taktet in Spielen herunter. Die Grafikkarte rennt in der Auflösung 1.920 × 1.080 relativ früh ins Power Target und senkt darauf hin die Taktraten. Anstatt mit den vollen 1.244 MHz taktet die Grafikkarte dann je nach Spiel zwischen 1.160 und 1.244 MHz. Die vier anderen Testkandidaten bleiben dagegen stur auf der maximalen Frequenz. Der Sapphire Radeon RX 570 Nitro+ gelingt dies nur knapp.

Offensichtlich hat Sapphire das Power Target der Grafikkarte so gestrickt, dass es in modernen Spielen bei moderaten und damit für die Radeon RX 570 gedachten Auflösungen wie Full HD nicht eingreifen muss. Anders sieht dies dagegen in höheren Auflösungen aus, wie Testreihen zeigen. In 3.840 × 2.160 taktet dann auch die Nitro+ in The Witcher 3 leicht herunter. In zukünftigen Spielen könnte dies also auch in geringeren Auflösungen der Fall sein.

Die tatsächlichen Taktraten der RX 570 im Fractal Design Define R5
Spiel (1.920 × 1.080) Gigabyte Aorus Sapphire Pulse ITX Sapphire Pulse Sapphire Nitro+ PowerColor Red Devil
Doom 1.280 MHz 1.160-1.205 MHz [PT] 1.284 MHz 1.340 MHz 1.320 MHz
Mass Effect 4 1.280 MHz 1.200-1.220 MHz [PT] 1.284 MHz 1.340 MHz 1.320 MHz
RotTR 1.280 MHz 1.230-1.244 MHz [PT] 1.284 MHz 1.340 MHz 1.320 MHz
Witcher 3 1.280 MHz 1.190-1.210 MHz [PT] 1.284 MHz 1.340 MHz 1.320 MHz
Watch Dogs 2 1.280 MHz 1.244 MHz 1.284 MHz 1.340 MHz 1.320 MHz
[PT] = Power Target limitiert

Benchmarks in Full HD

Die Grafikkarten ordnen sich bezüglich der Performance genau so ein, wie man es anhand der Taktraten vermuten kann. Damit ist die Sapphire Radeon RX 570 ITX Pulse am langsamsten. Weil die nicht ab Werk übertaktete Grafikkarte schnell herunter taktet, liegt die Geschwindigkeit noch drei Prozent unter dem Niveau einer Referenzkarte. Die Gigabyte Radeon RX 570 Aorus ist dagegen zwei Prozent schneller als AMDs Vorgabe und liegt auf einem Niveau mit der Sapphire Radeon RX 570 Pulse.

Die bereits getestete PowerColor Radeon RX 570 Red Devil landet auf dem zweiten Platz, sie ist zwei weitere Prozent zügiger als die zwei anderen Modelle. Die Sapphire Radeon RX 570 Nitro+ ist dann ein weiteres Prozent schneller und damit die schnellste getestete Partnerkarte. Die Differenz zwischen der schnellsten und der langsamsten Radeon RX 570 im Test beträgt acht Prozent.

Lautstärke und Temperatur

Fast unhörbar“, damit lässt sich trotz der größten Leistung die Sapphire Radeon RX 570 Nitro+ titulieren. Das ist kein Wunder, immerhin setzt die Grafikkarte auf den deutlich verbesserten Kühler der Radeon RX 580 Nitro+ (Test). Die Lüfter agieren unter Last mit gerade einmal 1.000 Umdrehungen in der Minute, sodass die Grafikkarte auch in einem Silent-PC eine sehr gute Figur macht.

Leise Grafikkarte für Mini-ITX

Zwar deutlich lauter, aber dennoch überraschend leise, ist die Radeon RX 570 ITX Pulse aus demselben Hause. Obwohl der Kühlkörper nur klein ist und es nur einen Lüfter gibt, wird die Grafikkarte nicht lauter als 36 Dezibel. Etwas weniger Takt hat bei Polaris enorme Auswirkungen auf den Stromverbrauch.

Die Gigabyte Radeon RX 570 Aorus liegt mit 38 Dezibel auf dem dritten Platz, als besonders leise bezeichnet ComputerBase solche Grafikkarten nicht mehr. Noch ein Dezibel lauter ist die Sapphire Radeon RX 570 Pulse. Das verdeutlicht abermals den großen, qualitativen Unterschied zwischen dem Kühler der Radeon RX 570 Nitro+ (aktuelle Genration) und der Pulse (Kühler der RX 470 Nitro+) – der neue Kühler hält die leistungsfähigere Grafikkarte deutlich leiser.

Wie laut die PowerColor Radeon RX 570 Red Devil ist, macht der erste Vergleich mit anderen Modellen dieser Klasse noch deutlicher. Die Grafikkarte kann als Ehrenrettung allerdings das effektive Quiet-BIOS (Test) ins Feld führen. Dann ist die Grafikkarte vergleichbar schnell und laut wie die Aorus von Gigabyte und die Pulse von Sapphire.

Alle RadeonRX 570 im Test bleiben bei unter 80 Grad

Auf der Radeon RX 570 funktioniert das im BIOS hinterlegte Temperature Target von 80 °C für die Lüftersteuerung gut, alle Kandidaten bleiben sogar darunter. Mit 71 Grad Celsius bleibt die Sapphire Radeon RX 570 ITX Pulse am kühlsten, während die PowerColor Radeon RX 570 Red Devil mit 78 Grad am wärmsten wird.

Leistungsaufnahme

Je nach Modell kann die Leistungsaufnahme auf dem Windows-Desktop ziemlich unterschiedlich ausfallen. Schlussendlich bleiben jedoch alle Probanden unter 15 Watt. Sowohl die Sapphire Radeon RX 570 Pulse ITX als auch die Radeon RX 570 Pulse erreichen mit jeweils neun Watt das beste Ergebnis. Kleiner ist der Abstand im YouTube-Betrieb, dann benötigen die Testteilnehmer zwischen 28 und 31 Watt.

Interessanter sind die Ergebnisse im Spiele-Betrieb. Es ist sofort ersichtlich, dass Sapphire die Radeon RX 570 ITX Pulse auf eine geringe Leistungsaufnahme getrimmt hat. Mit 136 Watt benötigt das Modell deutlich weniger als die vier anderen Varianten und exakt so viel wie die Asus Radeon RX 470 Strix, wobei das neue Modell immerhin fünf Prozent schneller ist.

Ebenso interessant ist der Vergleich zwischen der PowerColor Radeon RX 570 Red Devil und der Sapphire Radeon RX 570 Nitro+. Erstere benötigt im Schnitt 188 Watt, letztere leicht geringere 180 Watt. Dennoch ist die Sapphire-Grafikkarte etwas schneller. Dies könnte an einer effizienteren Stromversorgung auf dem PCB liegen, oder auf Serienschwankungen der GPUs.

Mit 153 Watt liegt die Sapphire Radeon RX 570 Pulse im Mittelfeld. Die gleich schnelle Gigabyte Radeon RX 570 Aorus benötigt mit 169 Watt dagegen etwas mehr.

Übertaktbarkeit

Die Testkandidaten der Radeon RX 570 lassen sich ganz gut übertakten. Am meisten kann die Sapphire Radeon RX 570 ITX Pulse profitieren, weil man die Limitierung des Power Targets aufheben kann. Inklusive einer maximalen Taktfrequenz von 1.349 MHz bei der GPU und von 4.300 MHz beim Speicher sind dann zusätzliche 13 bis 15 Prozent mehr Geschwindigkeit möglich. Allerdings wird der Lüfter dann sehr laut.

Den absolut höchsten Takt ermöglicht die Sapphire Radeon RX 570 Pulse: 1.423 MHz macht die GPU mit, bevor es zu ersten Abstürzen kommt. Das sind zusätzliche 139 MHz. Der Speicher macht erneut 4.300 MHz mit – diesen Wert erreichen alle Modelle der Radeon RX 570. Elf bis zwölf Prozent mehr Performance lautet das Ergebnis.

Übertaktbarkeit
  • Doom:
    • Sapphire Pulse – Übertaktet (1.423/4.300)
      126,1
    • Gigabyte Aorus – Übertaktet (1.403/4.300)
      125,5
    • Sapphire Nitro+ – Übertaktet (1.340/4.300)
      124,7
    • Sapphire Pulse ITX – Übertaktet (1.349/4.300)
      123,0
    • Sapphire Nitro+ – Standard (1.340/3.500)
      115,2
    • Gigabyte Aorus – Standard (1.280/3.500)
      113,6
    • Sapphire Pulse – Standard (1.280/3.500)
      113,6
    • Sapphire Pulse ITX – Standard (1.244/3.500)
      107,4
  • The Witcher 3:
    • Sapphire Pulse – Übertaktet (1.423/4.300)
      50,1
    • Gigabyte Aorus – Übertaktet (1.403/4.300)
      49,1
    • Sapphire Nitro+ – Übertaktet (1.340/4.300)
      48,7
    • Sapphire Pulse ITX – Übertaktet (1.349/4.300)
      48,0
    • Sapphire Nitro+ – Standard (1.340/3.500)
      45,5
    • Gigabyte Aorus – Standard (1.280/3.500)
      44,8
    • Sapphire Pulse – Standard (1.280/3.500)
      44,8
    • Sapphire Pulse ITX – Standard (1.244/3.500)
      42,5

Die Sapphire Radeon RX 570 Nitro+ zeigt, dass der beste Kühler nicht automatisch das beste Übertaktungsergebnis nach sich zieht, es liegt auch an der speziellen GPU, welche Frequenz erreicht werden kann. Auf der ab Werk schnellsten Grafikkarte sind nicht mehr als 1.340 MHz möglich, bevor es zu Abstürzen kommt, die Pulse ITX erreicht mehr. Die Gigabyte Aorus Radeon RX 570 schafft 1.403 MHz mit und erzielt so die zweitbeste Übertaktung.

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