UHC-Silo: Viking Technology liefert 50‑TByte‑SSD aus

Michael Günsch 78 Kommentare
UHC-Silo: Viking Technology liefert 50‑TByte‑SSD aus
Bild: Viking Technology

Viking Technology kommt Seagate zuvor und liefert Enterprise-SSDs mit der derzeit höchsten Speicherkapazität aus. Rund 25 oder sogar 50 Terabyte bietet die Serie UHC-Silo – das UHC steht passend für Ultra High Capacity.

Direkter Ersatz statt Multi-HDD-Upgrade

Mit einem herkömmlichen 3,5-Zoll-Gehäuse mit 26 mm Bauhöhe und SAS-Schnittstelle sollen sich die SSDs als direkter Ersatz für Enterprise-HDDs im Rechenzentrum eignen, die derzeit maximal 12 TByte Speicherplatz bieten. Mehr Speichervolumen bei gleicher Fläche spart Platz im Server. Zudem sind die SSDs in Relation zum Speicherplatz sparsamer beim Energiebedarf. Die maximale Leistungsaufnahme soll bei unter 16 Watt liegen, HDDs mit 12 TB liegen einzeln bei etwas unter 10 Watt; vier davon benötigen demnach schnell doppelt so viel elektrische Leistung.

Großer Speicherplatz, kleine Leistung

Sehr wahrscheinlich auf mehrere Platinen verteilt kommen 2D-MLC-Speicherchips vom Hersteller SK Hynix zum Einsatz. Der Hersteller spricht zwar von 25 und 50 TByte bei den SSDs, allerdings sind dies nur gerundete Werte. Das Datenblatt (PDF) enthüllt, dass 26,4 TByte und 52,8 TByte NAND-Flash verbaut werden, davon aber „nur“ 22,9 und 45,8 TByte nutzbar sind. Ein nicht nutzbarer Reservespeicher, die sogenannte Spare Area, ist bei SSDs üblich und wird unter anderem für das Wear Leveling oder die Fehlerkorrektur genutzt.

At 25TB and 50TB capacities, the UHC-Silo SSD products are the highest capacity solid state drives shipping today.

Viking Technology
Fast 50 Terabyte im 3,5-Zoll-Format: Viking UHC-Silo SSD
Fast 50 Terabyte im 3,5-Zoll-Format: Viking UHC-Silo SSD (Bild: Viking Technology)

Welche Controller-Technik zum Einsatz kommt, bleibt vorerst verborgen. Über SAS 6 Gb/s sollen Daten mit 500 MB/s gelesen und mit 350 MB/s geschrieben werden. Die IOPS werden mit 60.000 lesend und 15.000 schreibend beziffert. Für eine SSD sind die Leistungswerte nicht beeindruckend und entsprechen jener von Client-SATA-SSDs der Einstiegsklasse. HDDs sind allerdings aufgrund der höheren Zugriffszeiten deutlich langsamer.

VNF33122T934CCMHB VNF33145T834CCMHB
Speicherplatz „25 TB“
nutzbar: 22,9 TB
verbaut: 26,4 TB
„50 TB“
nutzbar: 45,8 TB
verbaut: 52,8 TB
Formfaktor 3,5 Zoll (26,1 mm Höhe)
Schnittstelle SAS 6 Gb/s
Controller k. A.
NAND-Flash SK Hynix 2D-MLC
Seq. Lesen 500 MB/s
Seq. Schreiben 350 MB/s
4K Random Read 60.000 IOPS
4K Random Write 15.000 IOPS
Endurance 1 DWPD* für 5 Jahre
Leistungsaufnahme Leerlauf: < 10 Watt
Aktiv: < 16 Watt
*Drive Writes Per Day

Der Hersteller garantiert für einen Zeitraum von 5 Jahren eine Haltbarkeit von 1 DWPD. Ein Drive Write Per Day bedeutet, dass sich der Datenspeicher täglich einmal vollständig beschreiben lässt. Wie immer gilt dieser Wert als garantiertes Mindestschreibvolumen, die tatsächliche Haltbarkeit kann weitaus höher liegen. Doch selbst bei kontinuierlichen 350 MB/s sind 50 TByte Schreibleistung an einem Tag nicht erreichbar. Bei der UHC-Silo handelt es sich nicht um eine SSD für schreibintensive Aufgaben, denn solche bieten im Serverbereich durchaus 10 DWPD oder mehr.

Preise von 10.000 und 20.000 US-Dollar zu erwarten

Die Achillesferse des Produkts dürfte der Preis sein, denn NAND-Flash ist pro Terabyte erheblich teurer als der Magnetspeicher von HDDs. Die Preise für die UHC-Silo werden allerdings nicht öffentlich kommuniziert. Der Hersteller verspricht aber durch die Einsparungen bei Fläche, Energie und Kühlung gegenüber HDDs eine Kosteneinsparung von bis zu 80 Prozent pro Terabyte.

Nachtrag: Der Hersteller hat einen Preis im Bereich von etwa 40 US-Cent pro Gigabyte genannt. Damit wäre ein Preisniveau von circa 10.000 US-Dollar (25 TB) respektive 20.000 US-Dollar (50 TB) zu erwarten. Samsungs PM1633a mit 15,36 TB ist für etwa 11.300 US-Dollar erhältlich und mit 73 US-Cent pro Gigabyte deutlich teurer.

Bei 50 TByte ist noch lange nicht Schluss

Dass bei 50 Terabyte noch nicht das aktuelle Maximum für SSDs in diesem Format erreicht ist, hat Seagate vor knapp einem Jahr demonstriert. Der namenlose Prototyp mit insgesamt 1.280 Speicherchips, verteilt auf drei Platinen, lieferte 60 TByte Speicherplatz. Die Leistung wurde mit bis zu 1.500 MB/s beim Lesen und 1.000 MB/s beim Schreiben sowie 150.000 IOPS über SAS 12 Gb/s beziffert. Die Verfügbarkeit hatte Seagate für 2017 in Aussicht gestellt.

Mit der kontinuierlichen Steigerung der Speicherkapazität von NAND-Flash, schon bald soll 3D-NAND 1 Terabit pro Die erreichen, sowie der neuen QLC-Technik mit vier Bit pro Speicherzelle, sind noch weitaus größere SSDs mit mehr als 100 TByte zu erwarten.

HDDs kommen nicht hinterher

Auch in diesem Punkt hat die SSD-Technik die herkömmlichen Festplatten rasant überholt. Bei HDDs wurden in den letzten Jahren nur geringe Kapazitätssteigerungen erzielt. Die nächsten Schritte lauten 14 und 16 TByte. Erst mit neuer Technik wie HAMR sind hier größere Sprünge denkbar, doch wurde die Markteinführung immer wieder verschoben.