Kommentar: Ohne Muster kein Test zum Ryzen 9 9950X3D2 Dual Edition

Jan-Frederik Timm
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Kommentar: Ohne Muster kein Test zum Ryzen 9 9950X3D2 Dual Edition
Bild: AMD
Jan-Frederik Timm

Am 22. April um 15 Uhr startet der AMD Ryzen 9 9950X3D2 mit Dual-X3D-Chiplet in den Markt. Die schnellste AM5-CPU, die es je gegeben hat. Das Über-Flaggschiff. Jedermann sollte davon wissen! Oder doch nicht? In Sachen PR fährt AMD überraschend schmalspurig zum Launch: Muster gab es so wenige wie selten zuvor. Warum?

Viel weniger Muster als üblich

Viele „Outlets“ gingen (wir wissen von EMEA) dieses Mal leer aus, darunter auch wir selbst. Wann es das das letzte Mal auf einem Mainstream-Sockel von AMD gegeben hat? Ich kann mich nicht daran erinnern. Bei Grafikkarten war das vor vier Jahren zum Beispiel bei der Radeon RX 6500 XT mit 4 GB und 64-Bit-Interface mal der Fall. Da lag auf der Hand, warum das so lief.

Einen Test der „Dual Edition“ zum heutigen Fall des Embargos gibt es bei uns also nicht. Denn auch der Versuch, aus dem bereits mit Prozessoren versorgten Handel ein Exemplar zu ergattern und einen Test auch ohne eigenes NDA unter dessen Einhaltung erst zum Fall des Embargos (und im Zweifel komplett ohne Bilder) zu veröffentlichen, schlug fehl: „Sorry, AMD hat da brutal das Embargo drauf“, hieß es auf Anfrage. Explizit sollten keine Muster an die Presse gegeben werden.

Wie das zu einem potentiellen Flaggschiff, der ersten Dual-X3D-CPU für AMDs Desktop-Plattform zum bisher höchsten Ryzen-UVP aller Zeiten passt? Gute Frage, ohne Antwort vom Hersteller.

AMD Ryzen 9 9950X3D2 Dual Edition: Ein Blick auf unser Testmuster 8-)
AMD Ryzen 9 9950X3D2 Dual Edition: Ein Blick auf unser Testmuster 8-)

„Zu nischig“ ist selten ein Gegenargument

Zu nischig“? Das war in der Vergangenheit selten bis nie ein Argument gegen eine breite PR-Kampagne: Ein schnelles Produkt wird gezeigt, selbst wenn es kaum jemand braucht, es kaum verfügbar ist, oder es sich kaum jemand leisten kann.

Kurzum: Ich weiß nicht, warum AMD beim Ryzen 9 9950X3D2 so verfährt. Aber was ich weiß, ist, dass ein Unternehmen, das vom Produkt selbst überzeugt ist, in der Regel anders vorgeht.

Der Ryzen 9 9950X3D2 bleibt sich treu

Nüchtern betrachtet, knüpft die PR-Kampagne zum Launch des Ryzen 9 9950X3D2 damit letztendlich lediglich an das Gebaren zum Prozessor über das letzte Jahr an.

Bereits zur CES 2025 als Modell über einem Ryzen 7 9800X3D erwartet, hieß es im Nachgang, der Dual-X3D-Chiplet-Ansatz ergebe wirtschaftlich keinen Sinn: Denn die Mehrkosten würden die Mehrleistung bei weitem übersteigen.

Zur CES 2026 wurde die CPU dennoch abermals erwartet, schon Wochen vorher hatte es – mit Blick auf AMDs CES-2025-Statement überraschend – wiederholt Leaks gegeben. Auf der Keynote war der Prozessor dann allerdings kein Thema.

Erst im Nachgang gab AMD in Las Vegas gegenüber ComputerBase im Gespräch mit „Stay tuned“ einen handfesten Hinweis darauf, dass die CPU bald wirklich noch erscheinen wird.

Knapp drei Monate später wurde dieses „Stay Tuned“ mit der finalen Präsentation über X eingelöst.

Keine große Bühne zur CES, keine große finale Präsentation – und jetzt kein groß orchestrierter Marktstart. Es passt alles zusammen, nur nicht so recht zu einem Flaggschiffprodukt. Oder ist der Prozessor am Ende gar keins? Eine eigene Antwort darauf liefern können wir heute nicht.

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