Mionix Wei #GetFresh im Test: Lifestyle-Tastatur erinnert an Armani

Max Doll 26 Kommentare
Mionix Wei #GetFresh im Test: Lifestyle-Tastatur erinnert an Armani

tl;dr: Nach Gaming-Optik soll es jetzt hippes Aussehen sein: Die #GetFresh-Kollektion der Mionix Wei präsentiert sich mit Zubehör in bunten Farben als trendiges Lifestyle-Produkt. Ganz so gut wie teuer ist die Produktserie um die mechanische Tastatur Wei im Test aber nicht. Darin gleicht sie hochpreisiger Markenkleidung.

Mionix Wei im Test

Basis der Produktlinie ist die mechanische Tastatur Wei. Hinter der exotischen Bezeichnung verbirgt sich ein kompaktes Eingabegerät, dessen Ausstattungsliste zunächst völlig dem Trend der Branche folgt. Die für rund 180 Euro Kaufpreis obligatorische RGB-Beleuchtung und häufiger anzutreffende mechanische Zusatztasten oberhalb des Nummernblocks sind wie die Zusatzfunktionen gewöhnliche Extras.

Erst das Design und das Layout der Wei lösen sich von Bekanntem. Ein kleines Logo an der Seite im Stil eines Kleidungslabels und ein Spiralkabel, das die Basislänge der Datenleitung auf nur 1,4 Meter schrumpft, setzen zusammen mit der ungewöhnlichen Basisfarbe Akzente, ohne die Größe des Gehäuses ausufern zu lassen. Mionix belegt die Tasten „Druck“, „Rollen“ und „Pause“ zudem mit abweichenden Funktionen. Die Beschriftung weicht ebenfalls von der Norm ab; Funktionen, die sich nur per Tastenkombination aufrufen lassen, werden nicht auf den Tasten markiert.

Mionix Wei
Corsair K95 RGB Platinum
Cherry MX Board 6.0
Größe (L × B × H): 46,0 × 19,0 × 3,7 cm
Handballenauflage optional
46,5 × 17,0 (22,8) × 3,7 (4,9) cm
Handballenauflage
45,4 × 14,7 (23,1) × 3,5 (4,5) cm
Handballenauflage
Layout: 105 ISO 105 ISO (erweitert)
Gewicht: 1.208 g 1.570 g 1.141 g
Kabel: 1,40 m, USB 2.0 2,00 m, 2 × USB 2.0 2,00 m, USB 2.0
Hub-Funktion: 1 × USB 2.0
Key-Rollover: 6-KRO, N-KRO N-KRO
Schalter: Cherry MX Red Cherry MX Speed Silver / Brown Cherry MX Red
Tasten: Form: zylindrisch
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut
Form: zylindrisch
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut
flache Tasten
Zusatztasten: 4 × Medien 6 × Makro
5 × Medien
3 × Extra
Scrollrad (Lautstärke)
3 × Medien
1 × Extra
Medienfunktionen: Lautstärke, Abspielen/Pause, Vor/Zurück Stumm, Lautstärke, Abspielen/Pause, Stopp, Vor/Zurück Stumm, Lautstärke, Abspielen/Pause, Vor/Zurück
Zusatzfunktionen: Helligkeit (regeln, ausschalten), LED-Modi Profile wechseln, Helligkeit (regeln, ausschalten), Gaming-Modus Helligkeit (regeln, ausschalten), Gaming-Modus
Beleuchtung: Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, Farbschleife
Sonstige: individuelle LED-Profile
Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, umlaufende Aktivierung, Gaming-Beleuchtung, Farbschleife
Sonstige: individuelle LED-Profile
Farbe: Rot
Makros & Programmierung: 5 Profile, Hardware-Wiedergabe
vollständig programmierbar
8.096 kB, 3 Profile, Hardware-Wiedergabe
vollständig programmierbar
Preis: 179 € ab 197 € / ab 187 € 190 €

Äußerlichkeiten: Ungewohnte Details

Gar nicht so eigenständig ist die Gestaltung des Tastenbetts. Die frei stehende, mittlerweile populäre Anordnung der Taster erleichtert die Reinigung und lässt bei Cherrys MX-RGB-Tastern das rundum beleuchtete Gehäuse zur Geltung kommen. Im Gegenzug wird das Tippgeräusch prägnanter, weil der Schall nicht mehr durch das Gehäuse an den Seiten gedämpft wird.

Wirklich untypisch wird die Wei erst auf der Unterseite. Dort sticht der Verzicht auf Hochstellfüße ins Auge, die mit einer großen Gummiauflage ersetzt werden, die die gesamte Fläche der Tastatur bedeckt. Die Oberfläche erzeugt erst durch ihre große Auflägefläche Grip, wodurch das Verschieben trotz der Größe des Gummis leicht möglich ist. Diese vermeintliche Exzentrik wirkt sich positiv auf das Vermögen der Tastatur aus, Unebenheiten des Untergrunds auszugleichen – eine Wei wackelt nicht.

Einfache Tastenkappen wahlweise bunt

Tastenkappen fertigt Mionix wie nahezu alle anderen Hersteller auch aus ABS-Kunststoff. Die für die Beschriftung eingesetzte Technik hängt von der Kappe ab. Vorinstalliert sind Modelle aus transparentem Kunststoff, die lediglich grau beschichtet wurden. Die Symbole werden dabei entweder ausgespart oder ausgeschnitten, wodurch die LEDs durch die Taste hindurchleuchten können. Das Verfahren wird für nahezu alle beleuchteten Tastaturen am Markt genutzt.

Die Tastenkappen, die Mionix als Zubehör anbietet, sind aus anderem (bunterem) Holz geschnitzt. Die wie alles Zubehör in Rot, Türkis und Gelb erhältlichen „Keycaps for Gamers and Artists“ werden vollständig aus farbigem Kunststoff gefertigt. Die Beschriftung entsteht, indem die Oberfläche per Laser verfärbt wird. Für den Einsatz auf Tasten mit Beleuchtung wird dieses Verfahren aus naheliegenden Gründen normalerweise nicht genutzt.

Die Ausführung der Kappen hat profunde Auswirkungen auf die Beleuchtung, die nur mit dem vorinstallierten Satz wirklich glänzen kann. Die verwendeten MX-RGB-Taster sind dank ihres transparenten Gehäuses weniger restriktiv und gewährleisten eine bessere Ausleuchtung über die gesamte Tastenkappe hinweg. Dass diese im unteren Bereich immer noch sichtbar dunkler angeleuchtet wird, spielt bei der Wei keine Rolle: Die Beschriftung wird ausschließlich im optimal angeleuchteten Bereich platziert. Das Ergebnis gerät durch diesen Trick makellos. Nur allzu große Helligkeitsreserven besitzt die Tastatur nicht, eine für MX-RGB-Taster typische Eigenschaft.

Bunte Kappen kämpfen mit buntem Licht

Dieses Urteil gilt nur für den Standardsatz Tastenkappen. Bei dem farbigen Zubehör verbessert die Beleuchtung zwar durch das Erzeugen von Kontrast die Lesbarkeit der Beschriftung, erzeugt aber aufgrund der nicht deckenden Farbe des Kunststoffs „Lichtflecken“, die genau verraten, wo der Taster sitzt und wo er optimal ausgeleuchtet wird. Wie stark Lichthöfe sichtbar werden, hängt von den Farben ab, die unterschiedlich gut durch den bunten Kunststoff gefiltert werden, sowie von der Art der Taster; einfache MX-Module mit schwarzem Gehäuse lassen kleinere Lichtkreise sichtbar werden. Der visuelle Effekt ist in beiden Fällen eigenständig, jedoch schwerlich uneingeschränkt geschmackskompatibel, weshalb bunte Zubehörsets in aller Regel kein Licht passieren lassen.

Die Integration der Status-LEDs wird mit farbigem Zubehör ebenfalls ad absurdum geführt: Der Status des Nummernblocks wird erst gar nicht visualisiert, „Rollen“ entfällt Layout-bedingt, und den Zustand von Capslock zeigt die Wei an, indem die Diode der entsprechenden Taste ihre Farbe auf Weiß wechselt. Mit den #GetFresh-Tastenkappen lassen sich jedoch keine Farben ausmachen. Hier hilft nur, die Diode der Taste zu deaktivieren, um durch den Wechsel von „Aus“ zu „An“ ausreichend Kontrast zu schaffen.

Im Raum steht damit die Frage, wozu die Wei überhaupt (teuer) beleuchtet werden muss oder Zubehör benötigt, wenn beides nicht aufeinander abgestimmt wurde.

Alltagserfahrungen: Bunt ist Trumpf

Konfiguration und Farbwahl bleiben flexibel, die Technik hingegen fix. Verkauft wird die Wei nur mit Cherry MX Red. Die Taster sind linear abgestimmt; sie besitzen keinen Druckpunkt, der über ein generiertes Signal Auskunft gibt. Wie alle MX-Taster ist dies bereits nach zwei von vier Millimetern Wegstrecke der Fall, wobei lediglich ein Widerstand von 45 Gramm überwunden werden muss. Das macht die Modelle zudem leichtgängig.

Trotz der offenen Bauform bleibt die Wei erstaunlich leise, was für die Qualität des Aufbaus spricht. Das Klackern der Tasten wird zwar etwas heller als bei geschlossenen Tastaturen, bleibt aber für die gewählte Bauform noch immer dumpf, was das Klangbild subjektiv leise erscheinen lässt. Diese Eigenschaft lässt sich auch im direkten Vergleich mit Konkurrenzprodukten dieses Aufbaus bestätigen, ist im Luxussegment und in Anbetracht der geringen Ausstattungsvielfalt aber zu erwarten. Wenn auf Quantität verzichtet wird, muss die Qualität überdurchschnittlich gut sein.

Cherry MX Red
Charakteristik: linear
Hubweg: 4,0 mm
Position des Signalpunktes: 2,0 mm
Widerstand am Signalpunkt: 45 g
Lebensdauer (Anschläge): 50 Mio.
Mionix Wei (Cherry MX Red)

Diese Aufgabe zu erfüllen, gelingt Mionix, wenn die drei Produkte einzeln betrachtet werden. Vor allem die Tastatur kann für sich überzeugen, das Design geht aber leicht zulasten von Funktion. Das Retro-Spiralkabel etwa reduziert die praktische Länge des Kabels etwas und erscheint weniger nützlich, sondern vielmehr vom Bestreben nach einem eigenen Look eingesetzt worden zu sein.

Design vs. Funktion

In diesem Sinne ist auch das Layout ein zweischneidiges Schwert. Dass Tasten oberhalb des Funktionsblocks als Zusatztasten genutzt werden, spielt keine Rolle, wenn man sich nicht daran erinnern kann, diese in den vergangenen Jahren benutzt zu haben. Diese Umwidmung zugunsten der direkten Steuerung von Tastaturfunktionen wird der Mehrheit der Anwender eher entgegenkommen. Die Erweiterung des ISO-105-Layouts durch weitere Tasten über dem Nummernblock wird zur Mediensteuerung ebenfalls sinnvoll genutzt.

Weniger sinnvoll erscheint unter praktischen Gesichtspunkten der vollständige Entfall der Sekundärfunktionen zugunsten optimaler Ausleuchtung. Das hübsche Außenbild geht zulasten von Nutzern, die nicht völlig trittsicher auf dem Feld blinder Eingaben sind – oder auch: „Wer schön sein will, muss leiden“ bzw. – präziser – lernen. Und probieren.

Denn die Existenz einer Funktionsebene erschließt sich nur durch die dafür notwendige Taste („FN“). Dort angedachte Funktionen werden zugunsten der Ausleuchtung ebenfalls nicht auf den Tasten und aus unerfindlichen Gründen weder im Handbuch noch auf der Produktseite dokumentiert. Weil für diese Zusatzfunktionen keine Standards oder Einheitslayouts existieren, stehen Anwender im Wald. Auskunft gab Mionix auf Nachfrage: ComputerBase-Leser wissen also mehr. Weitere Fragen wirft das Zubehör auf.

FN-Funktionen
Tastenkombination Auswirkung
FN+F1-F5 Profilwechsel
FN+LED-Helligkeit (Sonne) Druck
FN+LED-Effekte (Welle) Rollen
FN+Winlock (Schloss) Pause
FN+Lied vor Lied zurück
FN+Lautstärke reduzieren Stummschalten

Funktioniert die Handballenauflage als Mauspad?

Die sprachlich zum „Long Pad“ aufgewertete, bunte Handballenauflage erfüllt ihre Aufgabe gut. Sie hebt die Hände auf Höhe der Oberkante des Wei-Gehäuses und ist, anders als Auflagen aus dem Lieferumfang anderer Tastaturen, in der Breite vernünftig dimensioniert. So werden die Handgelenke spürbar entlastet, was den Preis von rund 20 Euro relativiert.

Ganz im Stile moderner Politik jenseits des Ozeans wird das Longpad zudem mit wundersamen Versprechungen ausgeliefert – es solle sich auch als Mauspad eigenen, schreibt Mionix. Kann das angehen? Natürlich nicht, was niemanden ernsthaft verblüffen sollte. Eine fast 44 Zentimeter lange, aber nur 10 Zentimeter breite Auflage besitzt schwerlich die richtige Figur, um eine auch nur näherungsweise akzeptable Mausunterlage abzugeben. Bereits schlanke Nager sind 6 bis 7 Zentimeter breit, sodass selbst Highsense-Spieler das Gefühl haben, mit ihrem Eingabegerät ständig vom Rand des Pads zu rutschen. Abgesehen von diesem Umstand stört die exzessive Länge auf dem Schreibtisch.

Die Drehung des Pads verschlimmert das Problem sogar, denn in der Breite steht auf Schreibtischen weniger überflüssiger Platz zur Verfügung. Zudem decken sich die Länge der Maus und die Höhe des Pads: Mäuse sind mindestens zehn Zentimeter lang. Bewegungen auf der y-Achse werden daher gänzlich unmöglich. Um mehr als ein Marketing-Statement, um den Verkauf der (teuren) Auflange anzukurbeln, handelt es sich demnach nicht – das Longpad ist das vermutlich schlechteste derzeit erhältliche Mauspad. Immerhin führt das zu der durchaus interessanten Frage, welcher Irrsinn wohl als Nächstes angepriesen wird – eine Maus als Tastatur etwa? Man könnte Eingaben schließlich „klickmorsen“.

Und die Tastenkappen?

Die Tastenkappen erfüllen ihre Funktion mit Blick auf die Mionix-Produktpalette und den neuen Designer-Anspruch. ABS-Kunststoff und eine haltbare, aber nicht mit Tastenbeleuchtung kompatible Beschriftung erfordern aber schon beim Einsatz auf der Wei eine gewisse Kompromissbereitschaft. Immerhin erlaubt das Grau der Standardkappen auch eine Mischbestückung mit angenehmen Kontrasten. Farblich passt das Konzept.

Die Option, die bunten Kappen auch auf Tastaturen anderer Hersteller zu montieren, büßt aus mehreren Gründen an Attraktivität ein, obwohl Mionix einem 40 Euro teuren Set Kappen für die erste Tastenreihe im Standard-Layout gleich große Modifier (1,5X) beilegt. Denn die Beschriftung bleibt dem Wei-Schema treu, „Rollen“ und Co bleiben auf den Sets mit den Steuerungssymbolen der Mionix-Tastatur belegt. Ein komplett für das ISO-105-Layout konzipierte Standardset mit kontrastreicherer Beschriftung wäre für ein universelles Zubehörprodukt vorteilhafter. Ohnehin erscheint fraglich, warum die Wei ihre erste Tastenreihe nicht im Normlayout ausführt. Wirklich nötig erscheint der Sonderweg nicht – er schränkt lediglich die Kompatibilität zu Tastenkappen von Drittanbietern unnötig ein, womit der Absatz eigener Sets gesichert wird

Die Verfügbarkeit von Kappensets und bunten Farben für deutsche Tastaturen ist zwar zu begrüßen, so aber dürfte die Verbreitung auf Schreibtischen ohne eine Wei nicht durchschlagen. Ob die Sets diese Marktlücke erfolgreich besetzen können, erscheint aus einem weiteren Grund fraglich: Langweilige schwarze Tastenkappen von Ducky sind für 50 Euro durch ihren beständigeren PBT-Kunststoff und eine extrem haltbare, LED-kompatible Double-Shot-Beschriftung objektiv ein besserer Kauf. Nur auf knallige Farben muss dann verzichtet werden, was denn auch neben dem Besitz der Wei der einzige Gesichtspunkt bleibt, unter dem sich der Kauf des Mionix-Sets lohnt: Bunt muss Trumpf sein.

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