Intel Optane SSD 900P im Test: Der Benchmark-Kaiser ist im Alltag kaum schneller 2/3

Michael Günsch 130 Kommentare

Benchmarks

Erläuterungen und Einzelheiten zu dem Testsystem, der Testmethodik und den genutzten Benchmarks enthält der Artikel „So testet ComputerBase SSDs“.

Für die Tests mit der Optane 900P wurde Intels NVMe-Treiber genutzt. Leistungsunterschiede zu Microsofts Standard-NVMe-Treiber sind aber kaum zu erwarten, wie eine kurze Gegenprobe mit AS SSD Benchmark zeigt.

AS SSD: Optane 900P mit Intels NVMe-Treiber
AS SSD: Optane 900P mit Intels NVMe-Treiber
AS SSD: Optane 900P mit Microsofts NVMe-Treiber
AS SSD: Optane 900P mit Microsofts NVMe-Treiber

Hinweis zu den Diagrammen: Ein Großteil lässt sich über die orangen Pfeile am Kopf durchschalten. Zur Übersichtlichkeit ausgeblendete Elemente lassen sich über die Schaltfläche „+ xx Einträge“ je nach Belieben hinzufügen.

Iometer

Mit gut 2.700 MB/s beim sequenziellen Lesen übertrifft die Optane 900P die Herstellerangabe von 2.500 MB/s deutlich. Samsungs 960 Pro (Test) mit 3D-NAND ist aber nochmals schneller und liefert über 3.000 MB/s. Würde das Testsystem nicht limitieren, wären sogar bis zu 3.500 MB/s möglich. In dieser Disziplin gehört Intels Neuling also nicht zur Leistungsspitze.

Beim sequenziellen Schreiben reicht es dann doch für den Spitzenplatz. Fast 2.300 MB/s statt der versprochenen 2.000 MB/s genügen, um die 960 Pro um zehn Prozent zu schlagen. Die Schreibrate verläuft konstant: Während bei herkömmlichen SSDs oft ein SLC-Cache nur kurzzeitig Höchstleistung ermöglicht, spielt so etwas bei 3D XPoint keine Rolle. Die SSD kommt sowieso gänzlich ohne einen (DRAM-)Zwischenspeicher aus, die Daten werden immer direkt auf den Speicher geschrieben. Dank üppigem Kühler gibt es auch keinen Leistungseinbruch durch eine temperaturbedingte Drosselung.

AS SSD

Im AS SSD Benchmark reicht es bei den sequenziellen Datentransfers nur für den zweiten und dritten Platz. Den ersten Aha-Effekt gibt es beim wahlfreien Lesen, denn hier eilt die Optane-Technik den NAND-Flash-SSDs davon: Mit knapp 200 MB/s ist die Intel Optane 900P bei 4K Random Read fast viermal so schnell wie die bisher schnellsten NVMe-SSDs im Testfeld. Ähnlich groß ist der Vorsprung, wenn 64 Threads anliegen. Dann ist die 900P auch bei 4K Write an der Spitze, wenn auch nur mit hauchdünnem Vorsprung. Beim wahlfreien 4K-Schreiben mit nur einem Thread wird die Optane-SSD von der Konkurrenz aus eigenem Haus geschlagen: Die Intel SSD 750 (Test) bietet hier sieben Prozent mehr Durchsatz. Beiden gemein sind die Wurzeln im Serverbereich.

Werte teils jenseits von PCIe 3.0 x4

Die Resultate beim 4K-Lesen mit 64 Threads von über 6.000 MB/s übertreffen die maximale Durchsatzrate der Schnittstelle bei weitem. Hier muss also Caching über den Systemspeicher betrieben werden. Mit der Leistung der SSD hat dies nichts mehr zu tun. Die Werte werden im Gesamtranking daher nicht berücksichtigt.

Spielt Datenkompression bei der Optane 900P eine Rolle?

In vorherigen Tests von SSDs mit Phison-Controller, wie zuletzt der Toshiba TR200 (Test), musste stets darauf hingewiesen werden, dass die Werte bei 4K Random Read durch Komprimierung erreicht werden. Bei nicht komprimierbaren Daten, die in der Praxis häufiger auftreten, fällt die Leistung niedriger aus.

Ob die Optane 900P von Datenkompression profitiert, lässt sich schnell mit dem CrystalDiskMark beantworten. Dieser Benchmark arbeitet in der Standardeinstellung nachweislich mit nicht (oder zumindest kaum) komprimierbaren Zufallsdaten. Die zusätzliche Testeinstellung „0fill“ arbeitet dagegen mit vollständig komprimierbaren Nulldaten und bietet somit den direkten Vergleich. Die Screenshots belegen: Datenkomprimierung spielt bei der Intel Optane SSD 900P keine Rolle, die Leistung ist in beiden Fällen im Rahmen der Messschwankungen identisch.

Intel Optane 900P mit nicht komprimierbaren Daten
Intel Optane 900P mit nicht komprimierbaren Daten
Intel Optane 900P mit komprimierbaren Daten (0fill)
Intel Optane 900P mit komprimierbaren Daten (0fill)

PCMark 8

Der „PCMark 8 Storage Test“ ist ein Trace-Benchmark und arbeitet mit aufgezeichneten Datentransfers bei praktischen Anwendungen. Die Resultate spiegeln den Konflikt zwischen Theorie und Praxis wider: Die Intel Optane SSD 900P ist beim gemessenen Durchsatz doppelt so schnell wie der bisherige Spitzenreiter und erreicht über 1.400 MB/s. Doch bei der für Anwender relevanten Dauer für die Erledigung einer Aufgabe gibt es nur eine marginale Zeitersparnis von höchstens einem Prozent. Ähnlich sieht es beim Vergleich von schnellen PCIe-SSDs mit langsameren SATA-SSDs aus.

Der Flaschenhals liegt im Alltag eben oftmals nicht bei der SSD. Eine schnellere CPU kann hier größere Unterschiede ermöglichen. Doch letztlich sind Software und Betriebssystem noch lange nicht optimal auf SSDs als Systemspeicher abgestimmt. Ähnlich wie auf Single-Thread-Leistung programmierte Anwendungen nicht von Mehrkern-CPUs profitieren, wird auch das Potenzial von SSDs oft liegen gelassen.

Praxistests

Programmstart & Installation

Was schon der PCMark angedeutet hat, zeigt sich auch bei Programmstart und Installation. Zwischen der schnellsten PCIe-SSD mit NAND-Flash und der Intel Optane 900P gibt es praktisch keinen Unterschied. Der Test des Optane Memory hatte hier etwas mehr erhoffen lassen. Allerdings war dort ein aktuelleres System mit einer deutlich schnelleren CPU im Einsatz.

Entpacken & Kopieren

Kommt es zum parallelen Lesen und Schreiben beim Entpacken und Kopiervorgang, kann sich die Optane 900P ein wenig deutlicher vom Testfeld absetzen. Beim Entpacken bedeuten 5,8 Sekunden einen neuen Spitzenwert und knapp 10 Prozent Vorsprung. Das Kopieren läuft sogar 20 Prozent schneller. Hier hilft der Optane-SSD auch die hohe sequenzielle Schreibrate.

Über 1 GB/s sind auch für die Redaktion ein seltener Anblick beim Kopiertest, der einen Screenshot wert war.

Seltener Anblick: Windows meldet 1 GB/s im Kopiertest
Seltener Anblick: Windows meldet 1 GB/s im Kopiertest

Temperatur

Das Thema temperaturbedingte Drosselung spielt bei schnellen PCIe-SSDs im M.2-Formfaktor immer wieder eine Rolle. Für mit einem derartig üppigen Kühler bestückte SSDs wie die Optane 900P ist es dagegen nicht der Rede wert. Während des 30-minütigen 4K-Belastungstests ergab sich eine maximale Controller-Temperatur von gerade einmal 43 °C.

Maximale Temperatur während 30 Minuten 4K Random Write
Maximale Temperatur während 30 Minuten 4K Random Write

Ratings

Wenig überraschend setzt sich die Intel Optane SSD 900P an die Spitze des Testfeldes. Weniger war auch nicht erwartet worden, ist die Technik um den neuen Speicher doch bei den Latenzen deutlich überlegen. Der Vorsprung beträgt über alle vorherigen Tests hinweg aber nur acht Prozent vor der bisherigen Referenz in Form der Samsung 960 Pro.

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