Topseller auf Amazon im Test: 500-Watt-Netzteile für 20 Euro sind kein Schnäppchen 2/3

Nico Schleippmann 96 Kommentare

Testergebnisse

Für die Netzteile kamen während der Tests folgende selbstkalkulierten Lasten zum Einsatz. Die prozentualen Auslastungen stellen dabei die Lastverteilung nach, wie sie die 80Plus-Organisation verwendet. Die festen Lasten sollen typische Lastverteilungen aktueller Hardware-Konfigurationen nachstellen.

Die im Test verwendeten Lasten im Detail

Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können anhand der Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden.

Effizienz

Regulierungen der EU schreiben einen Mindestwirkungsgrad von PC-Netzteilen vor, die von Systemintegratoren vertrieben werden. Mit „80Plus EU“ als unterste Zertifizierungsstufe wurden die Anforderungen umgesetzt, nach der die Probanden von be quiet! und Corsair beworben werden. Beide Modelle schaffen es knapp, die Vorgaben einzuhalten, wobei bei be quiet! die Messwerte im unteren und bei Corsair im oberen Lastbereich nur knapp eingehalten werden können. Die Netzteile von HKC, Inter-Tech und LC-Power würden nicht für eine 80Plus-EU-Zertifizierung genügen, weshalb diese demnach zwar von Endkunden gekauft, nicht aber in Komplettsystemen verbaut werden dürfen.

Der Test mit festen Lasten offenbart ein ähnliches Bild. Die Netzteile von HKC, Inter-Tech und LC-Power werden klar von be quiet! und Corsair geschlagen. Die beiden Markenprodukte rangieren dabei auf der gleichen Höhe. Gegenüber teureren 80Plus-Bronze-Netzteile müssen sie sich aber geschlagen geben – mit Ausnahme des 35-Watt-Schwachlastfalls, bei dem diese mit einer Effizienz von 80 Prozent eine sehr gute Figur abliefern. Andererseits kann für den Haswell-C6/C7-Stromsparmodus mit einer Ausgangsleistung von 6 W für das Corsair VS350 Rev 2.0 ein miserables Ergebnis festgehalten werden, weil das Netzteil dabei 30 W aus dem Netz aufnimmt – umgerechnet sind das also Verluste von 24 W beziehungsweise ein Wirkungsgrad von 20 Prozent. Dieses Verhalten ist sehr ungewöhnlich, weil im VS350 Rev 2.0 mit höheren Lasten zunächst weniger Verluste entstehen.

HKC und Inter-Tech liefern versprochene Nennleistung nicht

HKC und Inter-Tech können die angegebene Nennleistung von 550 respektive 500 Watt nicht abgeben. Im dynamischen Überlastschutz-Test konnte das Netzteil von HKC zu einer maximalen Ausgangsleistung von 445 Watt überredet werden, wobei es mit einer derart hohen Auslastung starke Elektronikgeräusche von sich gibt, auch wenn die Ausgangsspannungen noch innerhalb der Spezifikation bleiben. Für das Netzteil von Inter-Tech kann mit dem Test der „festen Lasten“ lediglich auf eine Ausgangsleistung von mindestens 360 Watt geschlossen werden, weil der vorausgegangene Überstromschutz-Test einen Defekt des Geräts verursacht hat.

Leistungsfaktorkorrektur (PFC)

Der Einsatz einer passiven PFC wird bei Betrachtung der Leistungsfaktorkorrektur-Kurve deutlich. Während Netzteile mit aktiver PFC bei Volllast 99 Prozent problemlos erreichen, bleibt dieser Wert für jene Netzgeräte bei unter 80 Prozent.

Spannungsregulation

Das hohe Alter insbesondere der Netzteile von HKC und Inter-Tech zeigt Auswirkungen bei der Spannungsregulation. Mit den beiden verwendeten Crossload-Lasten kommen diese Probanden nicht zurecht und geben zu hohe beziehungsweise zu niedrige Spannungen ab. Aber auch die Netzteile der „Markenhersteller“ sind nicht frei von Makeln. Bei Volllast unterschreiten sie den unteren Grenzwert der 3,3-Volt-Schiene minimal.

Mit Anlegen der „festen Lasten“, die praxisrelevanten Lastverteilungen entsprechen, entkommen be quiet! und Corsair dieser Problematik, weil die Last auf den Minor-Rails (3,3 und 5 Volt) geringer ist. LC-Power, HKC und Inter-Tech wiederum tangieren den unteren Grenzwert für die 12-Volt-Schiene und das obere Limit für die 5-Volt-Schiene, je nachdem, wie viel Last auf den Minor-Rails anliegt – umso geringer deren Last, desto kritischer die Ausgangsspannungen.

Restwelligkeit

Bei Betrachtung der Restwelligkeit gehen erneut HKC und Inter-Tech als eindeutige Verlierer vom Feld. Würden die Netzteile mit mehr als 360 Watt belastet werden, würde entweder die Restwelligkeit auf der 12- oder auf der 5-Volt-Schiene die Spezifikation verlassen.

LC-Power kann mit den „Markengeräten“ mithalten, deren Restwelligkeit allgemein von den Grenzwerten deutlich entfernt bleibt.

Schutzschaltungen

Die drei Netzteile von LC-Power, HKC und Inter-Tech brennen alle im Test der Überstromsicherung (OCP) auf unspektakuläre Weise ab. Für LC-Power sei dieser Umstand verziehen, weil es als Einziges diese Sicherung nicht aufführt. Bei den anderen beiden Probanden hätte die Sicherung aber greifen müssen. Die Netzteile von be quiet! und Corsair bewerben zwar auch eine OCP, allerdings kann zumindest für das Modell von Corsair festgestellt werden, dass diese entweder inkorrekt implementiert wurde oder schlicht fehlt. Denn mit Ausgangsspannungen deutlich außerhalb der Spezifikation greift anstatt der OCP höchstwahrscheinlich die Unterspannungssicherung (UVP).

Überlastsicherung zu hoch oder zu niedrig eingestellt

Gleiches gilt für die Überlastsicherungen (OPP), die im System Power B8 300W und im VS350 Rev 2.0 falsch eingestellt sind und nicht eingreifen, bevor die Ausgangsspannungen die Spezifikation verlassen. Von den Billignetzteilen konnte lediglich für das SL-500A 2nd Edition die OPP aufgrund des frühzeitigen Ausfalls getestet werden. Weil das Netzteil nicht die kompletten 500 Watt abgeben kann, wurde für eine Ausgangsleistung von 445 Watt eine vorzeitige Abschaltung nachgewiesen.

be quiet! System Power B8 300W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 17 A 25 A
5 V OCP 15 A 30 A (bei 4,3 V)
12 V1 OCP 18 A 31 A
12 V2 OCP 14 A 33 A
OPP 300 W >380 W (Abschaltung bedingt durch UVP)
OTP 50 °C (Kühlkörper der Sekundärseite)
Corsair VS350 Rev 2.0
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 14 A 26 A (Abschaltung bedingt durch UVP; bei 1,8 V)
5 V OCP 14 A 34 A (bei 4,3 V)
12 V OCP 25 A 38 A (Abschaltung bedingt durch UVP; bei 9,0 V)
OPP 350 W >418 W (Abschaltung bedingt durch UVP)
HKC V-Power 550W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
5 V OCP 23 A >47 A (Defekt gefolgt aus Test)
Inter-Tech SL-500A 2nd Edition
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
5 V OCP 16 A >33 A (Defekt gefolgt aus Test)
OPP 500 W 445 W
LC-Power LC500H-12 V2.2
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
5 V OCP 22 A >39 A (Defekt gefolgt aus Test)

Die Kurzschlusssicherung (SCP) von System Power B8 300W und VS350 Rev 2.0 wird anhand zweier Messmethoden überprüft. Zum einen wird ein niederohmiger Kurzschluss auf den zusammengelegten Leitungen einer Spannungsschiene und zum anderen auf einem SATA-Stecker eingefügt. In beiden Szenarien arbeitet diese Sicherung einwandfrei. Als Letztes wird außerdem der Überhitzungsschutz (OTP) des System Power B8 300W überprüft, der bei einer Temperatur von 50 °C am sekundärseitigen Kühlkörper auslöst.

ErP

Bei der Messung der Standby-Leistungsaufnahme macht sich der technische Rückstand der drei besonders preiswerten Netzteile deutlich – nur LC-Power kratzt knapp an der Hürde bei geringer Belastung der 5-VSB-Schiene. Zwar wird die Standby-Leistungsaufnahme maßgeblich durch die Wahl des Standby-Controllers bestimmt, allerdings wurden im Fall von HKC und Inter-Tech an dieser Stelle keine Zusatzkosten toleriert, weil selbst im lastfreien Modus bereits 1,0 W und mehr aufgenommen werden. Nach der EU-Energiesparrichtlinie dürfen solche Netzteile nicht verkauft werden, und Systemintegratoren, die solche Netzteile verbauen, machen sich mit dem Verkauf entsprechender Systeme strafbar.

ErP Lot 6 2013 be quiet! Corsair HKC Inter-Tech LC-Power
Keine Last 0,20 0,16 0,98 1,18 0,27
45 mA auf 5 VSB 0,49 0,44 1,32 1,52 0,57
Maximum 0,50
Aufgenommene Leistung in Watt

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