360-Grad-Wurfkamera: Indiegogo-Unterstützer sollen halben Kaufpreis nachzahlen

Frank Hüber 31 Kommentare
360-Grad-Wurfkamera: Indiegogo-Unterstützer sollen halben Kaufpreis nachzahlen
Bild: Panono

Nach der Insolvenz von Panono im April 2017 standen die Crowdfunding-Unterstützer ohne Gegenleistung da – die finanzierte 360-Grad-Wurfkamera sollte nie geliefert werden. Die neue Holding bietet den Indiegogo-Unterstützern nun an, sie zum Selbstkostenpreis zu erwerben.

Das einstige Erfolgs-Startup Panono hatte über die Plattform Indiegogo Europas damals größte Crowdfunding-Kampagne gestartet und so die Entwicklung der für Mitte 2014 versprochenen, mit 108 Megapixel auflösenden 360-Grad-Wurfkamera finanziert. In dem Kamera-Ball stecken 36 Kameras, die beim Hochwerfen alle gleichzeitig am Scheitelpunkt auslösen. Die Einzelbilder werden dann zu einem sphärischen Panorama zusammengesetzt. 2013 erhielt Panono über Indiegogo 1,25 Millionen US-Dollar, ein Jahr später noch einmal 1,7 Millionen US-Dollar.

Keine Gegenleistung nach Insolvenz

Im April 2017 hatte die Panono GmbH Insolvenz angemeldet und selbst mitgeteilt, dass die mehr als 2.000 noch nicht belieferten Indiegogo-Supporter das von ihnen geförderte Produkt nicht mehr erhalten werden. Die Kamera kostete für Unterstützer auf Indiegogo rund 500 Euro und sollte für 600 Euro auf den Markt kommen. Sie kam 2015 zunächst für 1.500 Euro auf den Markt, kurz darauf wurde der Preis auf über 2.000 Euro angehoben. Aktuell kostet sie mit 1.800 Euro das Dreifache des Ursprungspreises.

Panono 360-Grad-Wurfkamera
Panono 360-Grad-Wurfkamera (Bild: Panono)

Die Bryanston Group AG, ein Schweizer Private Equity Investor, hatte nach der Insolvenz die Panono GmbH inklusive allen Assets, Patenten und der Marke Panono erworben und die Geschäfte unter der neu gegründeten Holding Professional360 GmbH wieder angeschoben. Investor und Holding hatten gegenüber der Community mehrfach betont, dass für sie keinerlei finanzielle Verpflichtungen gegenüber den Crowdfunding-Unterstützern bestünden. Allerdings gebe es eine „moralische Verpflichtung“ für eine Entschädigung, so die neuen Eigentümer.

Unterstützer sollen noch einmal den halben Kaufpreis zahlen

Die Professional360 GmbH hat den rund 2.000 einstigen Unterstützern, die bisher nicht mit der 360-Grad-Kamera beliefert wurden, nun das Angebot unterbreitet, die Panono-360-Grad-Kamera zu Produktionskosten zu erwerben, was etwa 50 Prozent des aktuellen Verkaufspreises entspricht – eine Nachfrage von ComputerBase zur genauen Höhe des Preises ist noch unbeantwortet. Zusätzlich erhalten sie unbegrenzten Zugang zu allen zugehörigen cloudbasierten Funktionen im Wert von rund 600 US-Dollar. Das Angebot ist auf eine Kamera pro Unterstützer begrenzt, monatlich werden zudem maximal 50 Kameras verschickt. Im Sommer hieß es noch, man werde den Unterstützern die Kamera versuchen zu liefern, obwohl man die Verpflichtungen der Panono GmbH nicht übernommen habe. Von einer weiteren Zahlung durch die Indiegogo-Unterstützer war damals keine Rede.

Nachdem wir den Geschäftsbetrieb stabilisiert haben, sind wir nun in der Lage, den ersten Unterstützern von Panono die Kamera zum Selbstkostenpreis anzubieten. Wir halten das für einen fairen Kompromiss, denn wir verdienen an diesem Angebot keinerlei Marge und die Crowdfunder zahlen immer noch deutlich weniger als unsere regulären Kunden. Wir sind froh, dass das jahrelange Warten und die Ungewissheit der Indiegogo Supporter ein Ende haben. Damit schließen wir ein schwieriges Kapitel in der Geschichte von Panono ab und können nach vorne schauen.

Professional360 GmbH

Nach eigenen Angaben seien die ersten Rückmeldungen positiv und bereits nach einer Stunde, nachdem die Mail an die Indiegogo-Unterstützer verschickt wurde, seien über 50 Bestellungen eingegangen. Für Dezember sei zudem die Bestellgrenze von 50 Stück ausgesetzt und eingehende Bestellungen sollen nach Möglichkeit noch am selben Tag verschickt werden.