TomsHardware.de: Deutsche Ausgabe wird unter Lizenz fortgeführt

Michael Günsch 269 Kommentare
TomsHardware.de: Deutsche Ausgabe wird unter Lizenz fortgeführt

Das Aus für TomsHardware.de ist vorerst abgewendet. Das seit 20 Jahren bestehende Tech-Magazin wird unter Lizenz fortgeführt. Exklusiver Inhaber der Lizenz ist die neu gegründete gotIT! Tech Media GmbH, hinter der auch der zuletzt quasi für den Inhalt der Seite alleinverantwortliche Redakteur Igor Wallossek steckt.

Unter Lizenz fortgeführt

Als neuer Chefredakteur V.i.S.d.P wird Wallossek die Leitung der Redaktion sowie (wie bisher) des Testlabors übernehmen. Damit sei gewährleistet, „dass die gewohnte Qualität erhalten bleibt“. Als Gesellschafter und Mitgeschäftsführer will Wallossek in Zukunft aber auch mehr unternehmerische Entscheidungen treffen, was in der bisherigen Abhängigkeit von Dritten nicht möglich war. Für die strategische Ausrichtung sowie die technische Ausarbeitung neuer Funktionen konnte Wallossek Jakob Ginzburg als Geschäftsführer, Gesellschafter und Mitautor hinzugewinnen.

Bevor es an neue Inhalte geht, gilt es zuerst allerdings die lizenzierten Inhalte auf eigene Systeme zu überführen, die dann auch in Deutschland stehen. Infolgedessen wird es in Kürze auch einen Relaunch der Seite geben. Etablierte Strukturen, Bereiche und Funktionen sollen dabei aber erhalten bleiben.

US-Inhaber wollte nicht mehr investieren

Von der Abschaltung hatte im März überraschend der Community-Manager im Forum berichtet und wirtschaftliche Gründe genannt. Angeblich habe sich „das Geschäftsmodell der deutschen Seite nicht durchsetzen können“, Grund dafür sei der „spezielle Werbemarkt in Deutschland“. Wallossek kritisiert diese Äußerungen jetzt auch an offizieller Stelle scharf und nennt als eigentlichen Grund für das Aus beim alten Inhaber die am 25. Mai in Kraft tretende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Um deren Anforderungen an den Datenschutz genüge zu tragen, wären – wie auch auf ComputerBase – umfangreiche Anpassungen notwendig gewesen, zu denen der Inhaber aus den USA aber nicht mehr gewillt gewesen sei – sicherlich dann doch auch aus finanziellen Gründen.

Der etwas voreilige und definitiv nicht autorisierte Zwischenruf eines etwas übermotivierten Forenmoderators zur kompletten Schließung der Seite hätte da zudem eigentlich schon den finalen Rettungsschuss eines von der DSGVO abgeschreckten, ausländischen Unternehmens bedeuten können, wenn nicht wir – motivierte Enthusiasten und der faktisch letzte Überlebende eines immer noch gut besuchten Mediums den wirklich letztmöglichen Rettungsanker geworfen hätten.

Igor Wallossek

Das Forum wird (vorerst) ersatzlos gestrichen

Ohne harten Einschnitt ist die Umsetzung der neuen Gesetzgebung aber auch den neuen Inhabern nicht möglich. Das aktuelle Forum wird vorerst ersatzlos deaktiviert, erklärt Wallossek. Dass es in Zukunft eine neue Plattform für Kommentare zu Inhalten und Diskussionen geben wird, schließt er dann allerdings doch nicht aus.

Knapp 20 Jahre Tomshardware.de

Im Jahr 1996 hatte der aus Deutschland stammende Thomas Pabst den „Tom’s Hardware and Performance Guide“ in englischer Sprache noch unter der Domain sysdoc.pair.com ins Leben gerufen. Im September 1997 folgte die Domain tomshardware.com, unter der heute noch die Mutterseite zu finden ist. Im späteren Verlauf erschien Tom's Hardware in diversen Sprachen, darunter auch Deutsch. Der erste Eintrag im Internet Archive (Wayback Machine) für die Domain tomshardware.de datiert auf den 6. Dezember 1998 (siehe Bild). Seinerzeit hatte sich der Name Tom's Hardware Guide (THG) etabliert. Das Testlabor in Deutschland war der Ursprung für die meisten der anfänglichen Inhalte.

tomshardware.de im Dezember 1998
tomshardware.de im Dezember 1998 (Bild: Internet Archive)

Durch kritische Tests und auch die frühe internationale Ausrichtung machte sich Tom's Hardware Guide schnell einen Namen und erreichte im Jahr 2001 bereits über 33 Millionen Seitenaufrufe über das gesamte Angebot hinweg. 2007 wurde Tom's Hardware von der französischen BestofMedia Group übernommen und Gründer Pabst stieg aus. 2013 folgte schließlich die Übernahme des neuen Besitzers durch das TechMedia Network, das heute unter dem Namen Purch bekannt ist. Zum Portfolio des Publishers aus New York City zählen weitere bekannte Tech-Publikationen wie AnandTech, Laptop Mag und Tom's IT Pro.

tomshardware.de heute
tomshardware.de heute (Bild: Tom's Hardware)
Update 16.05.2018 10:52 Uhr

Das Aus für TomsHardware.de ist vorerst abgewendet. Das seit 20 Jahren bestehende Tech-Magazin wird unter Lizenz fortgeführt. Exklusiver Inhaber der Lizenz ist die neu gegründete gotIT! Tech Media GmbH, hinter der auch der zuletzt quasi für den Inhalt der Seite alleinverantwortliche Redakteur Igor Wallossek steckt. Die ursprüngliche Meldung wurde entsprechend angepasst und um weitere Details ergänzt.

269 Kommentare
Themen:
  • Michael Günsch E-Mail
    … zeichnet auf ComputerBase für das Ressort Storage rund um SSDs und HDDs verantwortlich.

Ergänzungen aus der Community

  • FormatC 20.03.2018 14:21
    Ich melde mich hier dann auch mal. ;)

    Falls es nicht alle mitbekommen haben, da sich hier einige über die fehlende "Bandbreite" im letzten Jahr beschweren: Wir haben die gesamte Seite im Jahr 2017 nur noch zu zweit (in Ziffern 2) gestemmt. Ein einzelner News-Autor, der ab und an Fotostrecken und kleinere Tests online hatte (einer pro Woche) und ich. Lustigerweise ging der Trend trotzdem eindeutig nach oben, auch im Forum. Insgesamt bis zu 16% Zuwachs gegenüber 2016 und gestiegene Uniques standen eigentlich gegen den allgemeinen Trend der Branche.

    Allerdings läuft so eine einseitig auf eine Person ausgerichtete Seite auch schnell Gefahr, bei Wegfall derselben erst recht abzuklappen. War an einem Tag letzte Woche noch von einer Budget-Aufstockung die Rede, kam an nächsten Tag dann die Kündigung. Ich bin ja kein Festangestellter, sondern arbeite mit einer Art Rahmenvereinbarung für FR und US (die mich auch bezahlen), der DE-Inhalt basierte eigentlich nur auf meinen deutschen Rohtexten und ein paar „Perlen“, die so in US nicht laufen, weil sie zu lokal waren. Gekündigt wurde erst einmal dieser Kontrakt, weil er sich eindeutig auch auf die DE-Seite bezog und sich US und FR an den Inhalten quasi „bedient“ haben. Inhaltlich kommt es aufs Gleiche raus, buchhalterisch natürlich nicht.

    Mit bis zu 10 Artikeln pro Monat ist man allerdings schon physisch an der absoluten Kotzgrenze, zumal vieles davon ja auch noch auf US kam. Die Launchartikel zu den Grafikkarten und CPUs habe ich fast ein Jahrzehnt mit Chris Angelini und Paul Alcorn in Coop gemacht, die Einzeltests dann alle allein. Außerdem habe ich ja noch ein Labor und diverse Aufträge zur Komponentenentwicklung und für ganz spezielle Tests. Das ist allemal interessant, denn so manch einer wird sich immer schon mal gefragt haben, wo ich gewisse Prototypen eigentlich herhabe 😊

    Jetzt ist halt die Frage, inwieweit die US-Seite, die wie FR auch extreme Budget-Kürzungen hinnehmen muss, noch auf ihre Kernkompetenzen setzen kann, darf und will. Wenn sie in US/UK und FR die VGA-Tests in der aktuellen Form weiterführen wollen, dann bin ich natürlich weiter mit dabei. Außerdem habe ich bereits vor Kurzem begonnen, die Reviews ausschließlich in Englisch zu schreiben, weil DE nicht mehr gebraucht wird. Mein Englisch ist nicht perfekt, aber offensichtlich doch bisher brauchbar genug. Was dann die Preise angeht, es fallen ja die ganzen Übersetzungskosten weg. Bei Launches habe ich immer just-in-time arbeiten müssen und die Parts der Coop, die von US kamen, alle rückübersetzt oder ab und an lieber gleich selbst geschrieben. Dieser Teil fällt jetzt weg. Auch gut.

    Das Problem bei gewinnorientierten Finanzdienstleistern, ich schreibe jetzt mal bewusst nicht Verlag, ist ja letztendlich deren Verantwortung gegenüber ihren Investoren. Da ist es dann sogar unerheblich, wenn man gar keine roten Zahlen schreibt, sondern wie hoch die schwarzen ausfallen. Die müssen dann immer über dem liegen, was man seinen Geldgebern im Voraus versprochen hat. Klappt das nicht: Cut und fertig.

    Und mein Weg? Anfragen deutscher Unternehmen gibt es, allerdings ist bisher kein Medienunternehmen dabei. Bestimmend dafür sind natürlich sicher auch die Themen und die Kosten, denn z.B. für fiktiv herausgegriffene 150 Euro kann ich so etwas nicht liefern. Infrastruktur und Labor sind Fixkosten, die man bedienen muss. In Zeiten, wo alles immer nur billig gehen muss, ist man mit (ebenfalls fiktiv angesetzten) 350 bis 800 Euro (je nach Inhalt und Zeitaufwand) schlicht zu teuer.

    Schaun wir also mal. Ich habe keinen Plan, wie es konkret weitergeht, aber jede Menge Ideen und auch schon das eine oder andere Angebot. Da geht sicher etwas, mit dem ich auch mental gut leben kann, denn Geld ist nicht alles (aber auch wichtig).