TomsHardware.de: Deutsche Ausgabe des Tech-Magazins wird eingestellt

Michael Günsch 185 Kommentare
TomsHardware.de: Deutsche Ausgabe des Tech-Magazins wird eingestellt

Nach rund 20 Jahren steht TomsHardware.de vor dem Aus. Die deutschsprachige Ausgabe des einst von Thomas Pabst gegründeten Online-Magazins für Computertechnik wird abgeschaltet. Dies wurde am Montag offiziell im Forum der Website mitgeteilt.

Der genaue Termin für die Abschaltung, die auch das Forum betrifft, werde zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt, heißt es in dem Thread.

Geschäftsmodell habe sich in Deutschland nicht durchsetzen können

Der Schritt soll wirtschaftliche Gründe haben. Angeblich habe sich „das Geschäftsmodell der deutschen Seite nicht durchsetzen können“, Grund dafür sei der „spezielle Werbemarkt in Deutschland“. TomsHardware.de finanziert sich über Werbeeinblendungen, die Inhalte sind für Leser kostenlos abrufbar.

Liebe Community,

ich bedauere zutiefst die bevorstehende Abschaltung für TomsHardware.de (Seite und Forum) bekanntgeben zu müssen. Wir werden Euch den genauen Termin zu einem späteren Zeitpunkt noch mitteilen.

Und obwohl es ein ungebrochenes Engagement der Community und Journalisten über den gesamten Zeitraum gab, so hat sich das Geschäftsmodell der deutschen Seite nicht durchsetzen können. Durch den speziellen Werbemarkt in Deutschland konnte dieses kostenlose Modell nicht überleben.

Dreamcaster, Moderator von TomsHardware.de

Im Jahr 1996 hatte der aus Deutschland stammende Thomas Pabst den „Tom’s Hardware and Performance Guide“ in englischer Sprache noch unter der Domain sysdoc.pair.com ins Leben gerufen. Im September 1997 folgte die Domain tomshardware.com, unter der heute noch die Mutterseite zu finden ist. Im späteren Verlauf erschien Tom's Hardware in diversen Sprachen, darunter auch Deutsch. Der erste Eintrag im Internet Archive (Wayback Machine) für die Domain tomshardware.de datiert auf den 6. Dezember 1998 (siehe Bild). Seinerzeit hatte sich der Name Tom's Hardware Guide (THG) etabliert. Das Testlabor in Deutschland war der Ursprung für die meisten der anfänglichen Inhalte.

tomshardware.de im Dezember 1998
tomshardware.de im Dezember 1998 (Bild: Internet Archive)

Durch kritische Tests und auch die frühe internationale Ausrichtung machte sich Tom's Hardware Guide schnell einen Namen und erreichte im Jahr 2001 bereits über 33 Millionen Seitenaufrufe über das gesamte Angebot hinweg. 2007 wurde Tom's Hardware von der französischen BestofMedia Group übernommen und Gründer Pabst stieg aus. 2013 folgte schließlich die Übernahme des neuen Besitzers durch das TechMedia Network, das heute unter dem Namen Purch bekannt ist.

Die Purch Group ist auch für den Entschluss, tomshardware.de nun einzustellen, verantwortlich. Zum Portfolio des Publishers aus New York City zählen weitere bekannte Tech-Publikationen wie AnandTech, Laptop Mag und Tom's IT Pro.

tomshardware.de heute
tomshardware.de heute (Bild: Tom's Hardware)
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Themen:
  • Michael Günsch E-Mail
    … zeichnet auf ComputerBase für das Ressort Storage rund um SSDs und HDDs verantwortlich.

Ergänzungen aus der Community

  • FormatC 20.03.2018 14:21
    Ich melde mich hier dann auch mal. ;)

    Falls es nicht alle mitbekommen haben, da sich hier einige über die fehlende "Bandbreite" im letzten Jahr beschweren: Wir haben die gesamte Seite im Jahr 2017 nur noch zu zweit (in Ziffern 2) gestemmt. Ein einzelner News-Autor, der ab und an Fotostrecken und kleinere Tests online hatte (einer pro Woche) und ich. Lustigerweise ging der Trend trotzdem eindeutig nach oben, auch im Forum. Insgesamt bis zu 16% Zuwachs gegenüber 2016 und gestiegene Uniques standen eigentlich gegen den allgemeinen Trend der Branche.

    Allerdings läuft so eine einseitig auf eine Person ausgerichtete Seite auch schnell Gefahr, bei Wegfall derselben erst recht abzuklappen. War an einem Tag letzte Woche noch von einer Budget-Aufstockung die Rede, kam an nächsten Tag dann die Kündigung. Ich bin ja kein Festangestellter, sondern arbeite mit einer Art Rahmenvereinbarung für FR und US (die mich auch bezahlen), der DE-Inhalt basierte eigentlich nur auf meinen deutschen Rohtexten und ein paar „Perlen“, die so in US nicht laufen, weil sie zu lokal waren. Gekündigt wurde erst einmal dieser Kontrakt, weil er sich eindeutig auch auf die DE-Seite bezog und sich US und FR an den Inhalten quasi „bedient“ haben. Inhaltlich kommt es aufs Gleiche raus, buchhalterisch natürlich nicht.

    Mit bis zu 10 Artikeln pro Monat ist man allerdings schon physisch an der absoluten Kotzgrenze, zumal vieles davon ja auch noch auf US kam. Die Launchartikel zu den Grafikkarten und CPUs habe ich fast ein Jahrzehnt mit Chris Angelini und Paul Alcorn in Coop gemacht, die Einzeltests dann alle allein. Außerdem habe ich ja noch ein Labor und diverse Aufträge zur Komponentenentwicklung und für ganz spezielle Tests. Das ist allemal interessant, denn so manch einer wird sich immer schon mal gefragt haben, wo ich gewisse Prototypen eigentlich herhabe 😊

    Jetzt ist halt die Frage, inwieweit die US-Seite, die wie FR auch extreme Budget-Kürzungen hinnehmen muss, noch auf ihre Kernkompetenzen setzen kann, darf und will. Wenn sie in US/UK und FR die VGA-Tests in der aktuellen Form weiterführen wollen, dann bin ich natürlich weiter mit dabei. Außerdem habe ich bereits vor Kurzem begonnen, die Reviews ausschließlich in Englisch zu schreiben, weil DE nicht mehr gebraucht wird. Mein Englisch ist nicht perfekt, aber offensichtlich doch bisher brauchbar genug. Was dann die Preise angeht, es fallen ja die ganzen Übersetzungskosten weg. Bei Launches habe ich immer just-in-time arbeiten müssen und die Parts der Coop, die von US kamen, alle rückübersetzt oder ab und an lieber gleich selbst geschrieben. Dieser Teil fällt jetzt weg. Auch gut.

    Das Problem bei gewinnorientierten Finanzdienstleistern, ich schreibe jetzt mal bewusst nicht Verlag, ist ja letztendlich deren Verantwortung gegenüber ihren Investoren. Da ist es dann sogar unerheblich, wenn man gar keine roten Zahlen schreibt, sondern wie hoch die schwarzen ausfallen. Die müssen dann immer über dem liegen, was man seinen Geldgebern im Voraus versprochen hat. Klappt das nicht: Cut und fertig.

    Und mein Weg? Anfragen deutscher Unternehmen gibt es, allerdings ist bisher kein Medienunternehmen dabei. Bestimmend dafür sind natürlich sicher auch die Themen und die Kosten, denn z.B. für fiktiv herausgegriffene 150 Euro kann ich so etwas nicht liefern. Infrastruktur und Labor sind Fixkosten, die man bedienen muss. In Zeiten, wo alles immer nur billig gehen muss, ist man mit (ebenfalls fiktiv angesetzten) 350 bis 800 Euro (je nach Inhalt und Zeitaufwand) schlicht zu teuer.

    Schaun wir also mal. Ich habe keinen Plan, wie es konkret weitergeht, aber jede Menge Ideen und auch schon das eine oder andere Angebot. Da geht sicher etwas, mit dem ich auch mental gut leben kann, denn Geld ist nicht alles (aber auch wichtig).