Wie gesund ist das Internet?: Mozillas Statusbericht legt den Finger in die Wunden

Peter Bellmann 21 Kommentare
Wie gesund ist das Internet?: Mozillas Statusbericht legt den Finger in die Wunden
Bild: Mozilla, Statusbericht zur Internetgesundheit v.1.0 2018 | CC BY 4.0

Mozilla veröffentlicht das zweite Jahr in Folge einen Zustandsbericht zur Gesundheit des Internets. Zu erklären, was Internetgesundheit überhaupt ist, sei nach dem turbulenten Jahr 2017 inzwischen zwar einfacher, so die Initiatoren. Eine Wertung bleibt aber weiterhin aus. Stattdessen soll diskutiert werden.

Wie gesund ist das Internet? Diskutiert!

Mozilla beleuchtet in dem Report nicht ausschließlich die technischen Aspekte von Datenschutz, digitaler Teilhabe sowie der grundsätzlichen Sicherheit des Webs, sondern stellt vor allem die damit verbundenen Auswirkungen auf Menschen im realen Leben in den Vordergrund und erklärt: „Immer mehr Menschen erkennen, welche Auswirkungen das Internet auf unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft und unser persönliches Wohlbefinden hat. Wir verstehen Internetgesundheit immer weniger als rein technisches, sondern auch als ein menschliches Anliegen.

Die interaktive Webseite zum Report ist dann auch so aufgebaut, dass Leser zum Stöbern und Diskutieren animiert werden. Der Bericht soll Betrachter nicht belehren, sondern durch die Beleuchtung unterschiedlicher Themen aus verschiedenen Perspektiven zum Nachdenken anregen. Nichtsdestoweniger ist die Grundeinstellung vielen Themen gegenüber eher kritischer Natur. Der Tenor ist klar: Das Internet hat Probleme, aber sie sind nicht unlösbar.

Neben eigenen Inhalten der Mozilla Foundation finden sich auch viele Inhalte freiwilliger Teilnehmer oder externer Unterstützer in dem Bericht.

Wir möchten Euch dazu auffordern, die einzelnen Bestandteile des Statusberichts zur Internetgesundheit zu erkunden und Euch mit den Fragen und Konversationen zu befassen, die Euch unterwegs begegnen.

Außerdem bitten wir Euch darum, uns anzuschreiben und Eure Ideen mit uns zu teilen. Dieser Bericht ist eine kooperative Open-Source-Initiative, und wir schätzen Euer Feedback und Euren Input sehr.

Drei Schwerpunkte: IoT, Fake News und IT-Großkonzerne

Im Zentrum des Berichts 2018 stehen fünf Themen, die aus globaler Perspektive beleuchtet werden: Datenschutz und Sicherheit, Offenheit, digitale Teilhabe, Web-Kenntnisse und Dezentralisierung. Darüber hinaus werden drei Gefahren für die Internetgesundheit, die im Jahr 2017 aus Sicht der Initiatoren besonders offensichtlich wurden, als Fragen formuliert und gesondert betrachtet: Wie kann das Internet der Dinge geschützt, wie können Fake News verstanden und wie groß dürften Tech-Konzerne werden?

Über die Webseite gelangen Leser zu einer Übersicht der verschiedenen Bereiche. In jeder Sektion stehen unter einer kurzen Zusammenfassung Artikel, die von Mozilla oder freiwilligen Helfern verfasst wurden. Ein Überblick.

Ausschnitt der Website zum Internet-Health-Report 2018
Ausschnitt der Website zum Internet-Health-Report 2018 (Bild: Mozilla, Statusbericht zur Internetgesundheit v.1.0 2018, CC BY 4.0)

Ist das Internet noch sicher?

Von auf den ersten Blick trivialen Themen wie den weltweit beliebtesten Passwörter deckt der Bereich Datenschutz & Sicherheit auch die Verbreitung von Ransomware, geplante Regulierung von Verschlüsselungen und das Online-Tracking von Nutzern ab. Auch der Umstand, dass viele neue Geräte für den Heimgebrauch, aber auch Überwachungskameras, ungeschützt mit dem Internet verbunden sind, wird hier näher beleuchtet.

Wie offen ist das Internet?

Im Bereich Offenheit legt die Untersuchung ihren Schwerpunkt auf Entwicklung künstlicher Intelligenz. Es wird hinterfragt, wer die wenigen fähigen Menschen kontrolliert, die diese Intelligenzen heranziehen. Wer stellt sicher, dass intellektuelle Uni-Absolventen bei Google sowie vergleichbarer Unternehmen die Bedürfnisse der Mittel- und Unterschicht im Blickfeld haben, während sie der künstlichen Intelligenz ihr Wissensspektrum antrainieren?

Auch auf das deutsche Netzdurchsetzungsgesetz kommt Mozilla zu sprechen. Dessen Einführung hätte weltweit Wellen geschlagen und es würde noch immer ambivalent diskutiert, welche Rechte Unternehmen haben, hasserfüllte Inhalte zu entfernen ohne zu zensieren.

Ferner angesprochen wird unter „Offenheit“ der kritische Zustand von Open-Source-Projekten, da viele Nutzer derartige Angebote nur noch wahrnehmen, aber sie in keiner weiteren Weise unterstützen würden. Der Bericht kommt auch auf die von vielen geforderte Reform des Urheberrechts für das digitale Zeitalter zu sprechen und beleuchtet Projekte, die Gefahren für die freie Meinungsäußerung dokumentieren.

Wer ist im Internet willkommen?

Der Bereich Digitale Teilhabe widmet sich den Themen Gleichberechtigung, Kampf gegen Cyber-Mobbing und Rachepornos sowie dem Ausbau des Internets in Verbindung mit dessen Kosten. Das Thema schnelles Internet und dessen Kosten ist auch in Deutschland omnipräsent, zählt das Land doch zu einem der wenigen Industrieländer Europas, das über eine vergleichsweise rückständige Breitbandabdeckung verfügt.

Wer kann durch das Internet erfolgreich sein?

Der Schwerpunkt im Bereich Digitale Bildung liegt auf dem Thema Fake-News. Unter anderem wird das Browser-Spiel „Fake it to make it“ vorgestellt, in dem der Spieler selbst der Betreiber einer Nachrichtenseite ist, die es mit dem Wahrheitsgehalt eigener Meldungen nicht ganz so genau nimmt. Das Ziel als Betreiber ist es, möglichst viele Nutzerinteraktionen und somit Einnahmen durch die erstellten Beiträge zu generieren. Darüber hinaus geht dieser Bereich aber auch auf die Vermittlung digitaler Kompetenzen in heutigen Lehrplänen ein und fragt, ob die Schulen für morgen fit für die Ansprüche der Zukunft sind.

Wer kontrolliert das Internet?

Der Bereich Dezentralisierung befasst sich im Schwerpunkt mit einem für Mozilla schon länger kritischen Thema: Wie groß dürften IT-Konzerne sein? Große Unternehmen wie Facebook, Google und Tencent hätten aktuell ein sehr starkes Monopol, was es Nutzern schwer machen würde, sich deren Auswirkungen zu entziehen. Der Bericht geht auf die nötigen Schritte zur Regulierung ein, die von vielen Regierungen zwar getätigt werden, aber auch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. In diesem Punkt ist die Übereinstimmung der Interessen von Mozilla mit einer Kernbotschaft des Berichtes dann nicht von der Hand zu weisen.

Darüber hinaus beschäftigt sich dieser Bereich aber auch mit dem zunehmenden Einsatz von IPv6, Googles Suchmaschinen-Monopol und der damit einhergehenden Verantwortung, dem Energiebedarf des Internets sowie der Netzneutralität.

Während die Kurzfassung des Reports als PDF (Direktdownload) und .epub (Direktdownload) zur Verfügung steht, gibt es den kompletten interaktiven Report mit allen Artikeln auf internethealthreport.org.