Thermalright AXP-100RH im Test: Mini-Top-Blow-CPU-Kühler für Mini-PCs

Thomas Böhm 57 Kommentare
Thermalright AXP-100RH im Test: Mini-Top-Blow-CPU-Kühler für Mini-PCs

tl;dr: Der Thermalright AXP-100RH ist ein kleiner CPU-Kühler für den Einsatz in begrenztem Raum. Analog seiner geringen Abmessungen kann der kompakte Top-Blow-Kühler keine Leistungsrekorde aufstellen, schlägt den Boxed-Kühler AMD Wraith Spire aber erfolgreich. Verbesserungspotenzial bleibt beim Serienlüfter.

Kleine Luftkühler für Mini-ITX

Wer mit dem Gedanken spielt, einen kompakten, aber dennoch leistungsfähigen PC zu bauen, landet meistens beim Mainboard-Formfaktor Mini-ITX. Die kleinen Platinen bieten gesockelten Standard-Prozessoren Platz und können mit einer normalen PCIe-Grafikkarte ausgestattet werden. Damit das System am Ende aber ebenso klein bleibt, wie es die Hauptplatine vormacht, muss ein kleines Gehäuse her. Das schränkt die Möglichkeiten zur Kühlung ein.

Gehäuse für Mini-ITX-Boards bieten großen Tower-Kühlern für Prozessoren oftmals keinen Raum, denn leistungsfähige CPU-Kühler im Tower-Format sind circa 16 cm hoch: Meist zu viel für die Hardware-Würfel. Ein passender kleiner CPU-Kühler muss also her, der am besten so nahe wie möglich an die Leistung der großen Brüder herankommt. Abstriche müssen in Kauf genommen werden, denn aus weniger Kühlfläche kann schlicht und ergreifend nicht die gleiche Leistung geholt werden. Das Ziel der Kühlerhersteller ist es also, den Spagat aus klein und kühl zu bewerkstelligen.

Das Top-Blow-Format

Passende Prozessorkühler für kleine PC-Systeme nutzen ebenso wie Standard-Boxed-Kühler (Test) das Top-Blow-Format, bei dem ein Ventilator durch einen Radiator Luft auf das Mainboard drückt. Da der Lüfter parallel zur Hauptplatine ausgerichtet ist, kann ein relativ großes Lüfterformat eingesetzt werden, ohne dass der Kühler allzu sehr in die Höhe wächst. Thermalrights aktuelle Interpretation eines möglichst leistungsstarken Mini-ITX-Prozessorkühlers ist der AXP-100RH: Bei weniger als 70 mm Bauhöhe kommt dabei ein 100-mm-Axiallüfter zum Einsatz. Im ComputerBase-Test muss der CPU-Kühler zeigen, wie er sich im Vergleich zu Boxed- und großen Tower-Kühlern schlägt.

Thermalright AXP-100RH
Bauform: Top-Blow, Low-Profile
Größe (L × B × H): 108 × 121 × 65 mm (mit Lüfter)
Gewicht: 320 g (mit Lüfter)
Heatpipes: Kupfer (vernickelt), 6 × 6 mm (Ø)
Kupferbasis (vernickelt)
Lamellen: Aluminium, 40 Stück
Kühler-Montage: Zweistufige Halterung mit Rückplatte
Lüfter (Modell 1): 1 × 100 × 108 × 14,0 mm
900 – 2.500 U/min
27,3 – 75,7 m³/h
0,2 – 1,6 H²O
22,0 – 30,0 dBA
4-Pin-PWM
Lüfter (Modell 2):
Lüfter-Montage: Befestigung: Verschraubt
Entkopplung: Keine
Kompatibilität: AMD: Sockel FM2(+)/FM1/AM3(+)/AM2(+)/AM4
Intel: LGA 2066/2011/1366/115x/775
Preis: ab 47 €

Thermalright AXP-100RH im Detail

Thermalright spart beim AXP-100RH an der Größe, aber nicht an den technischen Daten und der Verarbeitung. Der Kühlzwerg beinhaltet stolze sechs Heatpipes mit je sechs Millimetern Durchmesser, die in einer vernickelten hochglanzpolierten Bodenplatte münden. Am Radiator sind aus optischen Gründen Kappen auf den Enden der Wärmerohre aufgebracht. Die Lamellen des Kühlers fallen massiv aus, sodass der Kühler ein sehr hochwertiges Erscheinungsbild hat. Zwischen Radiator und Bodenplatte ist ein Metallbügel angebracht, der verhindert, dass die Wärmerohre, die beide Teile miteinander verbinden, verbogen werden können.

Das Zubehör des Kühlers fällt großzügig aus. Thermalright stattet den AXP-100RH mit Montagematerial für alle aktuellen und älteren Sockel von AMD und Intel aus. Nur die Multichip-Modul-Plattform TR4 von AMD wird nicht unterstützt. Zur Montage gibt es trotz des geringen Gewichts von unter 400 Gramm eine Backplate aus Metall, Wärmeleitpaste in einer verschließbaren Spritze und sogar einen Metallrahmen zur Montage von größeren Ventilatoren anstelle des 100-mm-Modells im Lieferumfang. Durch mehrere Schraubengrößen können sowohl Ventilatoren mit 15 als auch mit 25 mm Bautiefe auf dem Kühler verschraubt werden.

Der Lüfter des Kühlers trägt die Bezeichnung TY 100R und ist nur 14 mm hoch. Damit wird gewährleistet, dass der Prozessorkühler insgesamt gerade mal 65 mm aufragt. Wird alternativ ein Standardlüfter im Format 120 × 120 × 25 mm verbaut, wächst der CPU-Kühler entsprechend um gut einen Zentimeter in die Höhe.

Der Ventilator kann dem Vergleich mit dem sehr gut verarbeiteten Kühlkörper des AXP-100RH nicht standhalten: Zwar ist ein so kleiner Lüfter bei seiner Minimaldrehzahl von 850 U/min in Bezug auf Luftgeräusche noch nicht auffällig, doch es sind Laufgeräusche wahrnehmbar. Maximal erreicht der Lüfter im ComputerBase-Testsystem 2.250 U/min, was auch außerhalb eines Gehäuses deutlich vernommen werden kann.

Montage im Testsystem

Zur Befestigung des Kühlers kommt das klassische Montagesystem von Thermalright zum Einsatz. Die Backplate wird mit einem Montagerahmen auf der Vorderseite des Mainboards verschraubt. Anschließend wird der Kühler aufgesetzt und über einen Haltebügel und zwei Schrauben mit besagtem Montagerahmen verschraubt. Ein besonders langer Schraubendreher ist hierfür nicht notwendig, da der Kühler ohne Lüfter nur gut 5 cm hoch ist. Dass sich Thermalright beim AXP-100RH den Schraubendreher im Lieferumfang spart, ist folglich keine Tragik.

Thermalright AXP-100RH im Testsystem
Thermalright AXP-100RH im Testsystem

Zum Verschrauben des Kühlers mit dem Montagerahmen sind Ausschnitte im Radiator vorhanden, sodass der Vorgang ohne größere Probleme funktioniert. Der Kühler nutzt allerdings noch nicht das komfortablere System, das Thermalright beim ARO M14 eingeführt hat: Der Haltebügel des Kühlers kann verrutschen und ohne Schraubendreher mit magnetischer Spitze fallen die Schrauben schnell ins Gehäuse. Scythe hat mit dem Mugen 5 (Test) vorgemacht, dass das noch besser gelöst werden kann. Insgesamt geht die Montage des Kühlers dennoch gut von der Hand.

Der Kühler kann zwar nur auf Intel- und nicht auf AMD-Plattformen in 90°-Schritten gedreht werden, doch ist das angesichts der kompakten Maße und des Top-Blow-Formats kein Nachteil. Der Kühler ragt auf dem AM4-Mainboard weder über den ersten PCIe-Erweiterungs-Slot noch über die RAM-Bänke, sodass es hier zu keinerlei Einschränkungen kommt. Wird anstelle des Standardlüfters ein größerer 120-mm-Ventilator verbaut, so wird die erste Speicherbank überragt – doch erst ab etwa 5 cm Höhe, weshalb nach wie vor Arbeitsspeicher mit aufragenden Heatspreadern eingesetzt werden kann.

Thermalright AXP-100RH mit Noctua NF-A12x15
Thermalright AXP-100RH mit Noctua NF-A12x15

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