Egardia-Alarmanlage im Test: Mit Philips Hue Einbrecher verschrecken

Frank Hüber 61 Kommentare
Egardia-Alarmanlage im Test: Mit Philips Hue Einbrecher verschrecken

tl;dr: Das Egardia-Alarmsystem überzeugt im Test als Alarmanlage, die Möglichkeiten von Philips Hue werden allerdings nicht ausgeschöpft und insbesondere die Anwesenheitssimulation ist zu rudimentär. Aktuelle Smart-Home-Systeme bieten mehr Möglichkeiten, sind dafür aber auch komplexer in der Einrichtung und Handhabung.

Im Set mit Philips Hue zur Urlaubszeit

Passend zu den Sommerferien und der Urlaubszeit haben Egardia und Philips sich zusammengetan und das Egardia-Alarmanlagensystem mit Philips Hue gebündelt. In den Niederlanden, in denen Egardia im Jahr 2008 unter dem Namen WoonVeilig als erstes Unternehmen eine Internet-Alarmanlage auf den Markt brachte, ist das System zum Marktführer avanciert. Seit 2012 ist es auch in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Frankreich und Belgien erhältlich. Das nun vermarktete Set enthält das Egardia-Alarmanlagen-Starterpaket inklusive Alarmzentrale mit Sirene und Notstrombatterie, Bedienteil, Fernbedienung, einem Öffnungsmelder und zwei Bewegungsmeldern sowie das Philips-Hue-Starter-Kit bestehend aus Bridge und zwei E27-White-and-Color-Ambiance-Lampen.

Es handelt sich um eine zeitlich befristete Aktion zur Urlaubszeit, in der das oben genannte Set bis 31. August für 299,- Euro erhältlich sein wird. Die Egardia-Alarmanlage kostet regulär bereits 299 Euro, das Philips-Hue-Starter-Kit weist eine UVP von 159 Euro auf.

Ziel ist es, das Alarmsystem und die Philips-Hue-Lichtsteuerung zu koppeln, um Einbrecher wahlweise bei bemerktem Einbruch zu verschrecken oder bereits durch eine Anwesenheitssimulation von ihrem Vorhaben abzubringen. Ob das Set eine Alternative zu anderen Smart-Home-Systemen darstellt und der Brückenschlag zwischen Alarmsystem und Smart Home gelingt, klärt der Test von ComputerBase.

Einrichtung

Die Einrichtung der Egardia-Alarmanlage ist auch dank der ausführlichen und informativen Anleitung keine Hürde. Nachdem die Alarmzentrale per Kabel an den Router – eine kabellose WLAN-Verbindung ist nicht möglich – und das Stromnetz angeschlossen wurde, kann nach einer kurzen Wartezeit, bis die Status-LED konstant grün leuchtet und die Online-LED grün blinkt, mit der Konfiguration des Systems begonnen werden. Hierfür muss die Egardia-Alarmanlage auf der Website des Herstellers registriert werden, wobei die letzten sechs Stellen der MAC-Adresse zur Identifikation der Zentrale benötigt werden. Dabei können auch zusätzliche Kontaktpersonen, die Art der Benachrichtigung und der PIN zum Ein- bzw. Ausschalten der Alarmanlage per Pin-Pad festgelegt werden. Zusätzlich kann eingestellt werden, welche Komponenten der Alarmanlage beim teilweisen Einschalten und beim vollständigen Einschalten des Alarmsystems genutzt werden sollen. So lässt sich beispielsweise unterscheiden, ob der Nutzer selbst zuhause ist und nur einen Teil der Wohnung, in dem er sich nachts nicht befindet, oder die gesamte Wohnung mit allen Komponenten absichern möchte.

Die sehr detaillierte und ausführliche Anleitung gibt auch Tipps zum Standort der Komponenten und ihrer optimalen Positionierung, denn die beiden Bewegungsmelder und der Tür-/Fensterkontakt müssen nun so platziert werden, dass sie einen möglichst guten Schutz ohne Fehlalarme bieten. Ein weiterer Vorteil: Alle Komponenten des Sets können geklebt und optional mit Schrauben befestigt werden.

Die Komponenten des Sets sind dabei bereits mit der Zentrale verbunden, so dass ein aufwendiges und für den Anwender unter Umständen nicht verständliches Koppeln der Komponenten mit der Alarmzentrale entfällt. Allerdings kann in der Web-Oberfläche nicht eingesehen werden, ob die aufgelisteten Komponenten tatsächlich mit der Zentrale verbunden und aktiv sind oder sich beispielsweise außerhalb der Funkreichweite befinden oder der Batteriekontakt noch durch die Plastiklasche getrennt ist.

Dass die Komponenten bereits gekoppelt sind, ist allerdings nur für die hauseigenen Bausteine von Egardia korrekt. Das separat beiliegende Philips-Hue-Starter-Set, bestehend aus Bridge und zwei White-and-Color-Ambiance-Lampen, ist noch nicht mit dem Alarmsystem verbunden. Auch bei der Inbetriebnahme der Alarmanlage ist von dieser Möglichkeit selbst keine Rede – für das weitere Vorgehen helfen die dem Paket beiliegenden Zettel, denn die Einrichtung muss zunächst unabhängig voneinander erfolgen.

Works with Philips Hue

Philips Hue muss über die Smartphone-App verknüpft werden

Über Webinterface ist keine Option ersichtlich, wie man neue Geräte einbindet. Dem Paket liegt aber eine Installationsanleitung bei, wie Philips Hue in das System integriert wird. Hierzu muss zunächst wie beschrieben die Alarmanlage ohne Philips Hue in Betrieb genommen, dann Philips Hue unabhängig von der Egardia-Alarmanlage eingerichtet werden. Erst wenn beide Systeme unabhängig voneinander betrieben werden, kann man sie über die Smartphone-App der Egardia-Anlage verbinden, indem im Menü „Works with“ ausgewählt wird. Nun kann durch die Auswahl von Philips Hue festgelegt werden, welche Lampen in die Anwesenheitssimulation eingebunden werden sollen und beim Warnlicht bei Alarm auslösen sollen.

Für die Steuerung über Egardia muss zwingend der Fernzugriff für die Hue-Bridge eingerichtet sein. Sofern mehrere Bridges zum Einsatz kommen, muss darauf geachtet werden, dass diejenige Bridge, die die Lampen steuert, die für die Alarmanlage genutzt werden sollen, auch für den Fernzugriff konfiguriert ist. Im Installationsprozess müssen in der Egardia-App die Zugangsdaten für den Hue-Zugang eingegeben und die mit der Bridge verbundenen Lampen ausgewählt werden, die für die Alarmanlage eingesetzt werden sollen. Es müssen demnach nicht alle in der Wohnung oder im Haus eingesetzten Lampen auch mit der Alarmanlage verbunden werden.

Die Egardia-App bietet dann drei grundlegende Funktionen zur Nutzung der Hue-Lampen: 1.) zur Anwesenheitssimulation, 2.) als Warnlicht bei Alarm und 3.) zum Ausschalten beim Aktivieren der Alarmanlage.

Eine echte Anwesenheitssimulation bietet mehr

Bei der Anwesenheitssimulation ist keine tagesspezifische Einstellung möglich, sondern es kann nur generell ein Zeitraum vor und nach dem Sonnenauf- und Sonnenuntergang festgelegt werden, in welchem die Hue-Lampen immer eingeschaltet sind. Ein zusätzliches Intervall, Unterbrechungen oder eine je nach Wochentag unterschiedliche Anwesenheitssimulation kann nicht eingestellt werden. Dabei ist es gerade bei einer Anwesenheitssimulation wichtig, dass die Zeiten, zu denen das Licht ein- und ausgeschaltet wird, nicht immer identisch sind und das Licht zwischendurch je nach Raum aus- und wieder eingeschaltet wird.

Darüber hinaus kann beim Warnlicht bei Alarm nur ausgewählt werden, welche Lampen auslösen sollen. Die Helligkeit und das Blinken der Lampen in Rot können jedoch nicht angepasst werden. Bei einem rot blinkenden Warnlicht erscheint dies weniger problematisch, ein einfaches Einschalten der Hue-Lampen, um etwaige Einbrecher zu verscheuchen, ist jedoch über das Alarmsystem von Egardia nicht möglich.

Automatisch aus, aber nicht automatisch an

Das Licht der Hue-Lampen kann automatisch ausgeschaltet werden, wenn die Alarmanlage aktiviert wird. Dabei können auch nur einzelne Lampen deaktiviert werden. Sind die Lichter eingeschaltet und werden diese tagsüber durch Aktivieren der Alarmanlage ausgeschaltet, werden die Hue-Lampen nicht wieder eingeschaltet, wenn die Alarmanlage wieder aktiviert wird. Die Lampen werden dabei ebenfalls zeitverzögert ausgeschaltet, wenn für die Aktivierung des Alarmsystems eine Verzögerung eingestellt ist.

Konfiguration nur über App

Auf dem über einen Browser aufrufbaren Web-Portal werden „Works with“ und die Hue-Lampen nicht aufgeführt. Ein Koppeln der beiden Systeme ist in der Tat nur über die Smartphone-App von Egardia möglich, wie es auch in einem Begleitzettel erläutert wird. Eine Schaltung der Hue-Lampen über die Egardia-App oder die Website ist nicht möglich und nicht vorgesehen. Möchte man die Hue-Lampen aus dem Set auch außerhalb des Alarmanlagenbetriebs nutzen, müssen diese somit zwingend über die Hue-App, Apples Homekit oder andere Apps gesteuert werden.

Conrad Connect

Die größte Interoperabilität erhält das Alarmsystem von Egardia allerdings durch die Kompatibilität zu Conrad Connect, das zahlreiche Dienste und Geräte miteinander verknüpft. Sogar hierüber wäre eine Verbindung zu Philips Hue – wenn auch in anderer Form – möglich. Die von Conrad Connect unterstützten Systeme sind zahlreich und erlauben eine Verbindung zu Google Home, Amazon Alexa, den Lichtsystemen von Osram und Lifx, den Heizungssteuerungssystemen von tado, Honeywell und Netatmo sowie auch den Smart-Home-Systemen von Devolo und HomeMatic über CloudMatic.

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