Gezielte Aktion seit 2015: eBay verklagt Amazon wegen Abwerbung von Verkäufern

Frank Hüber 45 Kommentare
Gezielte Aktion seit 2015: eBay verklagt Amazon wegen Abwerbung von Verkäufern
Bild: eBay

eBay verklagt Amazon wegen der illegalen Abwerbung von Top-Verkäufern der Handelsplattform im großen Stil. Über Jahre soll Amazon so Verkäufer auf den eigenen Marktplatz gelockt haben, wobei das E-Mail-System von eBay genutzt wurde.

In der Klage vor dem Gericht im kalifornischen Santa Clara fordert eBay Unterlassung, Schadenersatz und Geldstrafen für Amazon. eBay spricht in der Klageschrift davon, dass Amazon seit 2015 durch das gezielte Anmelden von Dutzenden von Mitarbeitern bei eBay und den Versand von verdeckten Nachrichten über das Nachrichtensystem des Anbieters viele hunderte besonders erfolgreiche Verkäufer versucht hat für die eigene Plattform abzuwerben. Ziel von Amazon sei es dabei auch gewesen, eBay vorsätzlich zu schaden. Die Nutzung des Nachrichtensystems von eBay für derartige Zwecke wird in den Nutzungsbedingungen ausgeschlossen.

Since 2015, dozens of Amazon sales representatives in the U.S. and overseas set up eBay member accounts to access eBay's „M2M“ email system and used that system to solicit many hundreds of eBay sellers to sell on Amazon's platform. Amazon’s misuse of eBay's M2M system has been coordinated, targeted, and designed to inflict harm on eBay. Indeed, one of the Amazon sales representatives who participated in this scheme described the team he worked on as a „hunter/recruiter team which actively searches for sellers we believe can do well on the [Amazon] platform.“

eBays Klageschrift

Erkennungsmechanismen bewusst umgangen

Damit eBay die Nachrichten der Amazon-Mitarbeiter nicht ohne Weiteres finden kann, soll das Unternehmen bewusst Abkürzungen und Umschreibungen in den Nachrichten verwendet haben. Aus Amazon wurde in den Nachrichten deshalb a-m-a-z-o-n, A.M.Z.N. oder auch AMZ, so dass eine einfache Schlagwortsuche durch eBay keine Treffer liefert. Gleichzeitig sollen die Mitarbeiter versucht haben, ihre Spuren zu verwischen. Auch E-Mail-Adressen und Telefonnummern, über die die Amazon-Mitarbeiter mit den Händlern in Kontakt treten wollten, wurden verfälscht angegeben, um die Erkennungs- und Filtermechanismen von eBay zu umgehen: „You can write me at jdoe AT amazon DOT com“, „you can write down 2.0.6. — 5.5.5. — 5.5.5.5. and then delete this message if you so choose.“.

Aktivität aus vielen Ländern

eBay stützt die Klage auch auf Aussagen von Mitarbeitern von Amazon, die für das Unternehmen in dieser Hinsicht tätig gewesen sein sollen. So soll bei Amazon ein eigenes Team damit beauftragt gewesen sein, bei eBay Verkäufer ausfindig zu machen und abzuwerben, die nach Ansicht des Unternehmen auf dem eigenen Marktplatz sehr erfolgreich agieren könnten. Die Aktivitäten sollen sich dabei nicht auf die USA beschränkt haben, sondern auch aus Ländern wie Australien, Frankreich, Großbritannien und Italien sollen entsprechende Aktivitäten festgestellt worden sein.

Amazon hat sich bisher weder zu den Vorwürfen noch der Klage selbst geäußert.