Apple: Fallende iPhone-Umsätze lassen Aktienkurs einbrechen

Fabian Vecellio del Monego 155 Kommentare
Apple: Fallende iPhone-Umsätze lassen Aktienkurs einbrechen

Apple warnt Anleger in einer Pressemitteilung vor unerwartet niedrigen Umsätzen im vergangenen Weihnachtsquartal: Die Verkäufe der neuesten iPhone-Generation fallen geringer als gedacht aus. Als Ursache werden ein gemindertes Interesse des chinesischen Marktes und Trumps Politik genannt; der Aktienkurs bricht ein.

Umsätze liegen fast 10 Prozent unter den Prognosen

Das kalifornische Unternehmen hat am Mittwoch nach Börsenschluss die Finanzmärkte mit einer überraschenden und überraschend deutlichen Korrektur der eigenen Umsatzprognose für das gerade abgelaufene vierte Quartal 2018 aufgewühlt. Bereits zur Bekanntgabe der Umsätze im dritten Quartal des letzten Jahres sorgte Apple für Verunsicherung, da der Konzern fortan keine Verkaufszahlen je Produktsegment mehr publizieren wollte – angesichts der gestrigen Stellungnahme in weiser Voraussicht: Statt den prognostizierten 89 Milliarden bis 93 Milliarden US-Dollar rechnet der Hersteller nun nur noch mit rund 84 Milliarden US-Dollar Umsatz. Ausführlichere Zahlen zum Weihnachtsquartal will Apple am 29. Januar 2019 veröffentlichen.

Our revenue will be lower than our original guidance for the quarter, with other items remaining broadly in line with our guidance. While it will be a number of weeks before we complete and report our final results, we wanted to get some preliminary information to you now. Our final results may differ somewhat from these preliminary estimates.

Apple-CEO Tim Cook

Der Aktienkurs des Unternehmen brach infolgedessen noch nachbörslich stark ein, nachdem das Wertpapier kurz vor Veröffentlichung der Mitteilung sogar kurzzeitig vom Handel ausgesetzt war. Derzeit beträgt der Verlust seit Bekanntgabe der Prognose rund acht Prozent. Der Kurswert in Frankfurt beläuft sich auf aktuell rund 128 Euro, nachdem die Aktie bereits seit Oktober an Wert verlor. Im Spätsommer 2018 kratzte der Konzern noch an der 200-Euro-Marke. Somit kommt Apple derzeit noch auf eine Marktkapitalisierung von rund 690 Milliarden US-Dollar, nachdem der Hersteller noch im August 2018 als weltweit erstes Unternehmen den Wert von einer Billion US-Dollar überschritten hatte.

Verkäufe von iPhone Xs und Xr niedriger als erwartet

Neben einem branchenübergreifenden Bärenmarkt sind dafür auch die Gerüchte rund um schlechte iPhone-Verkaufszahlen der im September 2018 vorgestellten Modelle iPhone Xs und Xs Max (Test) sowie iPhone Xr (Test) verantwortlich, die Apple selbst jedoch stets dementierte. Nun gibt Apple-CEO Tim Cook zu, dass der Absatz überschätzt wurde: Vor allem in China und weiteren Schwellenländern sei eine Rezession in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres für eine geringere Kaufkraft verantwortlich. Der gegenwärtige Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten und die damit verbundenen Zölle hätten die Lage weiter verschlechtert.

We expected economic weakness in some emerging markets. This turned out to have a significantly greater impact than we had projected. [...] While we anticipated some challenges [...], we did not foresee the magnitude of the economic deceleration, particularly in Greater China. In fact, most of our revenue shortfall to our guidance, and over 100 percent of our year-over-year worldwide revenue decline, occurred in Greater China across iPhone, Mac and iPad.

Apple-CEO Tim Cook

Doch auch abseits des asiatischen Marktes fiel das Interesse an der neuen Smartphone-Generation gemindert aus: In den westlichen Industrienationen beklagt Apple die geringe Zahl an Upgrades – also Neukäufen, die ein älteres iPhone ersetzen. Zwar erwarte Apple in den meisten dieser Länder, darunter die Vereinigten Staaten, Kanada, Deutschland, Italien, Spanien und die Niederlande, immer noch Rekordumsätze; dennoch liegen die erwarteten Umsätze unter den Prognosen aus den vergangenen Monaten.

Cook sieht Ursache nicht in der eigenen Preisgestaltung

Tim Cook kommuniziert als Ursache dabei jedoch nicht die abermals gestiegenen Preise, sondern spricht von währungsbedingten Preiserhöhungen, Lieferengpässen und der Abkehr der Verbraucher von festen Mobilfunkverträgen und dem damit einhergehenden Wegfall der Vertragssubventionen für Smartphones. Darüber hinaus hätten auch die Ende 2017 gestarteten, temporär vergünstigten Konditionen für einen Akkutausch viele Verbraucher von einem Neukauf absehen lassen.

Lower than anticipated iPhone revenue, primarily in Greater China, accounts for all of our revenue shortfall to our guidance and for much more than our entire year-over-year revenue decline. [...] While Greater China and other emerging markets accounted for the vast majority of the year-over-year iPhone revenue decline, in some developed markets, iPhone upgrades also were not as strong as we thought they would be.

While macroeconomic challenges in some markets were a key contributor to this trend, we believe there are other factors broadly impacting our iPhone performance, including consumers adapting to a world with fewer carrier subsidies, US dollar strength-related price increases, and some customers taking advantage of significantly reduced pricing for iPhone battery replacements.

Apple-CEO Tim Cook

Die in Relation zum Vorjahr um durchschnittlich rund 30 Prozent erhöhten unverbindlichen Preisempfehlungen – die für iPhones unüblich im freien Handel bereits wenige Monate nach Marktstart teilweise um deutlich dreistellige Beträge unterboten werden – sind indes nötig, um bei über die letzten 18 Monate ohnehin stagnierenden Verkaufszahlen für höhere Umsätze zu sorgen, wie Bloomberg skizziert. Die Bruttomarge sinkt gemäß der neuen Prognose jedoch trotzdem leicht von 38,0 Prozent bis 38,5 Prozent auf rund 38,0 Prozent.

Beschwichtigung und Fokus auf das neue Jahr

Tim Cook versucht indes, Anleger mit positiven Ergebnissen zu beschwichtigen: Die Anzahl aktivierter Apple-Geräte sei in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 100 Millionen Einheiten gewachsen; es würden mehr Apple-Produkte als je zuvor verwendet. Zudem sei der Umsatz außerhalb der iPhone Sparte um fast 19 Prozent gestiegen – iPhones machen allerdings 60 Prozent des Umsatzes aus. Zudem verzeichnet der Konzern einen Wachstum der die Apple Watch und die AirPods beinhaltenden Wearables-Sparte von beinahe 50 Prozent.

In einer internen Mitteilung an Mitarbeiter, die Bloomberg vorliegt, verspricht der CEO überdies, die äußeren Kräfte nicht als Entschuldigung für geminderte Umsätze zu nutzen. Er zeigt sich angesichts neuer Produkte und Dienstleistungen zudem zuversichtlich, im neuen Jahr wieder ein Wachstum und neue Rekorde verzeichnen zu können – konkret wurde er dabei jedoch nicht. Bereits heute will sich der CEO am Firmensitz in Cupertino auch Fragen der Angestellten zum Thema stellen.

As we exit a challenging quarter, we are as confident as ever in the fundamental strength of our business. We manage Apple for the long term, and Apple has always used periods of adversity to re-examine our approach, to take advantage of our culture of flexibility, adaptability and creativity, and to emerge better as a result.

Most importantly, we are confident and excited about our pipeline of future products and services. [...] Expectations are high for Apple because they should be. We are committed to exceeding those expectations every day.

Apple-CEO Tim Cook