Google Nest Hub im Test: Google Assistant und Fazit

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Frank Hüber 17 Kommentare

Einschränkungen beim Google Assistant unverändert

Die eigentliche Software und Menüführung des Nest Hub sind aufgrund der Smart-Display-Plattform von Google komplett identisch zum Lenovo Smart Display. Lediglich beim Display und einer automatischen, einstellbaren Abdunklung bei dunkler Umgebung bietet der Google Nest Hub beispielsweise mit einer konfigurierbaren Mindesthelligkeit mehr Einstellungsmöglichkeiten als Lenovos Smart Displays. Allerdings sind diese auch nur über die Google-Home-App und nicht das Display selbst zugänglich – die Software und Menüs auf dem Display weisen keine Unterschiede auf. Die Wischgesten ins Display sind somit ebenso wie nicht vorhandene Optionen zur Anpassung der Oberfläche gleich. Was angezeigt wird, entscheidet Google somit auch anhand der Nutzung und der Uhrzeit, etwa wenn es um den Fahrtweg zur oder von der Arbeit geht.

Die beiden größten Einschränkungen bleiben somit aber auch beim Google Nest Hub bestehen. Eine ausgewachsene Google Suche fehlt dem Smart-Display ebenso wie ein Webbrowser. Und auch die Sprachsuche in YouTube ist mitunter etwas umständlich und der Nutzer wünscht sich entweder eine On-Screen-Tastatur zur Suche oder nutzt dann doch das Smartphone, um ein Video per Cast auf den Nest Hub zu bringen – immerhin das geht nämlich anders als bei Amazon problemlos.

Auch die Eigenheit, Erinnerungen erst mit einigen Minuten Vorlauf anzunehmen und alle Listen in Gänze vorzulesen, obwohl ein Display zur Seite steht, legt der Nest Hub nicht ab. Hier zeigt sich der notwendige, teils jedoch nervige Spagat zwischen Smart-Speaker und Smart-Display, bei dem nicht immer davon ausgegangen werden kann, dass der Nutzer auch in Leseweite des Bildschirms ist und die dargestellten Informationen sieht.

Darüber hinaus sind weiterhin nicht alle Optionen per Sprache erreichbar, im Kalender können keine Termine gelöscht werden und bei einigen Dingen wie YouTube und Spotify wünscht man sich mehr Interaktion über das Display, etwa um auf Bibliotheken und Listen zugreifen zu können. Zudem kann in den Google-Actions nicht auf Funktionen des Google Assistant zurückgegriffen werden und für die Sprachausgabe wird dieser auch nicht genutzt, was diese deutlich unnatürlicher und abgehackter werden lässt.

Für Details zu den einzelnen Punkten sei an dieser Stelle aber auf den jüngsten Test des Lenovo Smart Display verwiesen, in dem die Einschränkungen näher erläutert werden.

Auch das Positive bleibt erhalten

Ebenso wie die Einschränkungen bei der Software übernimmt der Nest Hub aber auch alle positiven Aspekte des Google Assistant und der Smart-Display-Plattform. Nicht nur, dass eben auch auf einem 7-Zoll-Display keine dargestellten Informationen im Vergleich zu einem 10-Zoll-Modell verloren gehen, sondern ebenso die generell schnelle, flüssige Bedienung, die in ihren Menüs auch keinen Bruch offenbart, überzeugt.

Die Oberfläche an sich ist ebenfalls intuitiv und mit passenden Ergänzungen gut gestaltet. Auch die Integration von Google Fotos als digitaler Bilderrahmen überzeugt, sofern man gewillt ist, den höheren Stromverbrauch bei dauerhaft eingeschaltetem Display hinzunehmen. Und beim Nest Hub bleibt Googles unangefochtener Pluspunkt nach wie vor die native Integration von YouTube, woran auch Amazons Notlösung über die Browser-Unterstützung nichts ändern kann. Aber hier gilt ebenso wie bei vielen anderen Punkten, dass Kleinigkeiten bleiben, die verbessert werden müssen, um nicht nur Gelegenheitsnutzer zufriedenzustellen.

Preis und Verfügbarkeit

Der Google Nest Hub kostet in Deutschland offiziell 129 Euro und ist in den Farben „Kreide“ und „Karbon“ erhältlich, was sich auf das Äußere der Basis und des Gehäuses bezieht. Der vergleichsweise breite Display-Rahmen ist bei beiden Versionen weiß. Die einzige Konkurrenz mit Google Assistant, Lenovos Smart Display, hat eine UVP von 180 Euro für die 8-Zoll- und von 240 Euro für die 10-Zoll-Variante, die auch im Handel bislang nur um wenige Euro unterboten wird.

Fazit

Für 129 Euro ist der Google Nest Hub ein attraktives Smart-Display, das günstiger als Lenovos Smart Display mit 8 und 10 Zoll ist. Abseits des kleineren Bildschirms verzichtet es zwar auf eine Kamera, doch ist diese Einschränkung aufgrund des geringen Nutzens zu verschmerzen.

Google Nest Hub
Google Nest Hub

Auch Googles Hardware überzeugt

Das kleine, auf der Basis optisch schwebende Display des Google Nest Hub überzeugt bei Helligkeit, Kontrast und Farben, wobei insbesondere die automatische Anpassung an Umgebungslicht und -farbton gefällt. Weder Verarbeitung noch Qualität der Hardware geben zudem Grund für Kritik. Auch die Audioqualität geht ob der kleinen Abmessungen in Ordnung und ist für die alltägliche Hintergrundbeschallung mit Schwächen bei Höhen und Bässen ausreichend. Allerdings ist der Nest Hub das bisher klanglich schwächste Smart Display im Testfeld, sowohl Lenovos Smart Display als auch Amazons Echo Show bieten einen besseren Klang und mehr Bass. Insbesondere für Videos, Podcasts und Hintergrundmusik reicht der Klang aber aus. Ein ausgewachsenes Audiosystem darf und sollte auch niemand erwarten. Als kleines, relativ dezentes Companion-Display macht der Google Nest Hub mit flüssiger Bedienung eine sehr gute Figur und tritt optisch deutlich weniger in den Vordergrund als die Modelle von Lenovo.

Potenzial bei der hauseigenen Software

Abseits der Hardware hat der Google Nest Hub allerdings mit genau denselben Einschränkungen zu kämpfen, die auch schon für Lenovos Smart Display galten und gelten, denn die Software ist bei beiden mit Googles Smart-Display-Plattform – mit minimalen Einstellungsunterschieden beim Display – identisch.

Dies betrifft nicht nur die fehlende Google-Suche und den fehlenden Chrome-Browser, sondern auch weitere Bereiche wie zu wenig Möglichkeiten der Interaktion in YouTube und Spotify, um bei der Bedienung ebenfalls tatsächlich einen größeren Nutzen aus dem Display zu ziehen. Obwohl die YouTube-Unterstützung auch beim Nest Hub der größte Pluspunkt im Vergleich zum Amazon Echo Show ist, fehlt hier ebenfalls eine bessere Sprachbedienung und zusätzlich die Option, über eine On-Screen-Tastatur nach Videos suchen und auf Listen zugreifen zu können.

Google verschenkt mit der Smart-Display-Plattform und dem an vielen Stellen unfertigen Eindruck, den diese hinterlässt, enorm viel Potenzial und könnte den smarten Displays mit zusätzlichen Funktionen und Detailverbesserungen doch den Durchbruch bescheren.

Google Nest Hub und Lenovo Smart Display 10
Google Nest Hub und Lenovo Smart Display 10

Für viele Videos zum Lenovo Smart Display 10 greifen

Wer ein Smart-Display intensiv auch zur Videowiedergabe nutzen möchte, sollte aktuell hingegen mehr ausgeben und das Lenovo Smart Display mit 10-Zoll-Bildschirm (Test) kaufen. Eine Alternative mit gleicher Größe und Google Assistant kommt erst, wenn der größere Google Nest Hub Max auch in Deutschland erhältlich sein wird.

ComputerBase hat den Nest Hub leihweise unter NDA von Google zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Die einzige Vorgabe war der Veröffentlichungszeitpunkt.

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