Xtrfy M4 RGB im Test: Sensorik, Verarbeitung und Fazit

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Fabian Vecellio del Monego 66 Kommentare

Die M4 RGB verfügt über einen obligatorischen Mikroprozessor und einen kleinen internen Speicher. Die Latenz des Eingabegerätes beträgt bei der ab Werk konfigurierten USB-Abfragerate von 1.000 Hertz eine Millisekunde. Es werden zudem Polling-Raten von 500 und 125 Hertz unterstützt, die Verzögerung steigt entsprechend reziprok proportional.

Bewährte Sensorik von PixArt

Viele Maushersteller vollzogen im Jahr 2019 den Wechsel vom altgedienten PixArt PMW-3360 zu dem der Nomenklatur nach überlegenen PMW-3389 oder dessen Derivaten. Diesem Trend folgt nun auch Xtrfy, in der M4 RGB kommt ein klassischer PMW-3389 zum Einsatz. Dieser bietet mit maximal 10,2 statt 6,3 m/s eine höhere messbare Geschwindigkeit als die ältere De-facto-Referenz und die gestiegene höchstmögliche Sensorauflösung von bis zu 16.000 Punkten pro Zoll kommt als mehr oder minder belanglose Dreingabe hinzu.

PixArt PMW-3331 PixArt PMW-3360 PixArt PMW-3389 PixArt PMW-3399 Logitech Hero 16K
Sensorik Optisch
Auflösung 100–8.500 dpi 200–12.000 dpi 100–16.000 dpi 100–20.000 dpi 100–16.000 dpi
Geschwindigkeit 7,6 m/s 6,3 m/s 10,2 m/s 16,5 m/s 10,2 m/s
Beschleunigung 343 m/s² 490 m/s² > 392 m/s²
Lift-off-Distance ~ 2,8 mm ~ 1,2 mm ~ 1 mm ~ 1,2 mm ~ 1 mm

Bei tatsächlicher Verwendung zeigen sich zwischen allen aufgeführten Sensoren jedoch keine im Rahmen menschlicher Wahrnehmung feststellbaren Unterschiede. Alle Modelle arbeiten präzise und verzichten im relevanten Auflösungsbereich auf Glättung oder sonstige Nachbearbeitung. Unterschiede bezüglich des Zielens in Spielen lassen sich demnach zwischen PixArt PMW-3389 und dessen direkter Verwandtschaft sowie zu Logitechs Pendant nicht ausmachen. Auch konkrete Software-Tests der M4 RGB bescheinigen dem PMW-3389 konsequent erstklassige Werte, wobei die USB-Abfragerate ebenfalls stabil ausfällt. Die Lift-off-Distance ist ebenso vorbildlich: Xtrfys Eingabegerät schneidet bereits ab rund einem Millimeter zuverlässig ab – ein bei Weitem ausreichend niedriger Wert, um beim Anheben des Eingabegerätes keine größeren Verschiebungen des Mauszeigers hervorzurufen.

Sensorikprofile lassen sich derweil mangels Software nicht anlegen: Es lässt sich lediglich zwischen den acht vordefinierten Sensorauflösungen (400, 800, 1.200, 1.600, 3.200, 4.000, 7.200 & 16.000 dpi) und den Beleuchtungsmodi hin und her schalten, wobei die derzeitige Konfiguration gesichert wird. Der PMW-3389 indes hätte feine Abstimmungen in 50-dpi-Schritten erlaubt, während beispielsweise Zaunkoenigs minimalistische M1K (Test) vormacht, wie sich die Sensorauflösung auch ohne graphische Oberfläche fein einstellen lässt. Der in der M4 RGB verbaute Sensor erscheint folglich ein wenig wie Perlen vor die Säue.

Verarbeitung ohne Mängel und mit Löchern

Hinsichtlich Verarbeitungsqualität leistet sich die M4 RGB grundsätzlich keine Fehler – die Spaltmaße sind akkurat und die Materialien wirken hochwertig. Die Schattenseite des geringen Gewichts und der damit verbundenen filigranen Bauweise ist jedoch eine geminderte strukturelle Integrität: Die linke Flanke des Eingabegerätes lässt sich schon mit geringem Kraftaufwand temporär eindellen und gibt dabei ein Knarzen von sich. Gleiches gilt abgeschwächt für die Ober- und Unterseite der Maus. Aufgefallen ist zudem, dass hoher punktueller Druck neben der vorderen linken Zusatztaste zu deren Betätigung führt.

Eine Anfälligkeit findet sich derweil im Grundkonzept selbst: Das gelöcherte Chassis stellt ein potentielles Einfallstor für Verschmutzungen dar. So offenbart das zunächst sauber wirkende Eingabegerät beim Blick durch die Löcher durchaus eine dünne Staubschicht im Inneren, sobald es mehrere Tage im offenen Raum stand. Das vermeintliche Problem ist jedoch schnell gelöst, sofern die Lungen des Nutzers eines kräftigen Pustens mächtig sind. Inwiefern Staub jedoch an kritische Stellen, so beispielsweise die Taster, gelangen und dort zu Problemen führen kann, ist derzeit noch nicht absehbar.

Fazit

Das Ziel, eine gute Palm-Grip-Form bei niedrigem Gewicht anzubieten, hat Xtrfy mit der M4 RGB erreicht: Sofern Nutzer nicht über allzu kleine oder große Hände verfügen, liegt das Eingabegerät stets bequem und sicher. Auch ein Claw-Grip ist möglich, nicht aber optimal. Eine gute Ergonomie macht allerdings nicht gleich auch eine gute Maus: Die Tasten der M4 RGB sind nur durchschnittlich und die eigentlich erstklassige Sensorik leidet unter den lediglich acht verfügbaren Auflösungsvoreinstellungen. Derer sind gar zwei oberhalb von 5.000 Punkten pro Zoll angesiedelt und folglich gänzlich nutzlos, während im unteren Spektrum keine Feinjustierung möglich ist.

Auf Grund der fehlenden Software sind überdies keine eigenen Tastenzuweisungen möglich. Die per Tastenkombinationen umfangreicher konfigurierbare RGB-Beleuchtung gleicht diese Defizite nicht aus. Spiele erlauben zwar eine eigene Belegung und auch die Maus-Empfindlichkeit lässt sich meist per Software nachjustieren, doch eine native Lösung ist das nicht – diese ist bei Preisen von 60 bis 70 Euro aber schlichtweg zu erwarten.

Positiv aufgefallen sind hingegen die guten Gleiteigenschaften der M4 RGB, zu denen auch das flexible Kabel beiträgt. Das geringe Gewicht ist in Kombination mit dem beschriebenen Format der Maus in der Tat ein Alleinstellungsmerkmal, doch bei der Handhabung im Palm-Grip auch weniger wichtig, als bei der Bedienung mit dem Fingertip-Grip. Und für diesen gibt es mittlerweile einige besser geeignete und darüber hinaus günstigere Mäuse, allen voran GPCGRs Model O- (Test). Jene bietet überdies eine deutlich höhere Konfigurierbarkeit.

Bei einer Handhabung im Claw-Grip ist derweil Endgame Gears XM1 (Test) vorzuziehen, wenngleich diese ebenfalls keine benutzerdefinierten Tastenzuweisungen erlaubt. Die M4 RGB kann nur hervorstechen, wenn explizit nach einer möglichst leichten, klar für Rechtshänder ausgelegten Palm-Grip-Maus gefragt wird. Die klassische Model O (Test) ist zwar ähnlich groß und objektiv betrachtet besser, aber symmetrisch geformt. Eine asymmetrische Alternative wäre Roccats Kain Aimo (Test), die zwar 20 Gramm mehr wiegt, im Gegenzug jedoch bessere Taster und eine höhere Konfigurierbarkeit mit sich bringt. Linkshänder seien indes auf Razers Viper (Test) hingewiesen.

Xtrfy M4 RGB (Blau)
Produktgruppe Mäuse, 25.10.2019
  • Sensorik
    ++
  • Primärtasten & Mausrad
    O
  • Oberfläche & Verarbeitung
    O
  • Gleiteigenschaften
    ++
  • Software
  • Erstklassiger Sensor
  • Äußerst geringes Gewicht
  • Flexibles Kabel
  • Angenehme Palmgrip-Ergonomie für Rechtshänder
  • Auflösung nur in großen Sprüngen und umständllich wechselbar
  • Tasten nicht programmierbar
  • Gesteigerte Anfälligkeit für Verunreinigungen

ComputerBase wurde die Xtrfy M4 RGB leihweise von Caseking zum Testen zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers oder Händlers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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