Red Dead Redemption 2 im Test: Spieleindrücke und das Fazit

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Wolfgang Andermahr et al. 506 Kommentare

Wie gut ist Red Dead Redemption 2?

Ein Jahr nach der Erstveröffentlichung für Konsolen hat Read Dead Redemption 2 nichts von seinen Qualitäten eingebüßt. Dass zuvorderst die Vielfältigkeit einstimmig zu einer wesentlichen Qualität des Western-Shooters erhoben wird, erschließt sich im Wertungsvergleich: Dass Red Dead Redemption 2 ein großartiges Spiel ist, steht überall, die Begründungen unterscheiden sich aber in Teilen.

Die Welt schafft Vielfalt

Vielfalt lässt Rockstar durch die Welt entstehen. Der längst vergangene Wilde Westen wird bis ins Detail wieder zum Leben erweckt, ist aber nicht bloße Kulisse, sondern tatsächlich lebendig. Dafür sorgen Interaktionen zwischen Spieler und Welt sowie seichte Rollenspielelemente, die unter anderem für Eurogamer großen Reiz entfalten. Die Seite beschreibt beispielhaft den stets an der Spielfigur abgebildeten Inventarinhalt, den Dreck, der sich an Kleidung und Haaren sammelt, dann aber entfernt werden muss, weil abgerissen wirkenden Personen negativ begegnet wird. Dass mit jeder Person gesprochen werden kann, schlägt in die gleiche Kerbe: Spielfigur und Welt reagieren vielfältig aufeinander.

Für Eurogamer entsteht daraus der Reiz von Red Dead Redemption 2: Diese so liebevoll gestaltete Welt biete gigantische Freiheit und damit Unterhaltung, am besten seien die Geschichten, die Spieler selbst schreiben würden – was zudem Spaß für Red Dead Online verspricht, das diese Welt mit noch mehr Freiheiten zu füllen verspricht. Die Story gefällt der Seite weniger, bemängelt wird die konservative und eng geschnittene Missionsstruktur, die die Freiheiten der Spielwelt auf Null reduziere und dem überalternden Muster anderer Rockstar-Spiele folge. Obwohl auch andere Seiten diesen Kontrast als Bruch empfinden, werden die Auswirkungen in der Regel nicht als gravierend, die Geschichte und ihre Inszenierung gar als gelungen betrachtet.

Mut zu Langsamkeit und Ziellosigkeit

Bei PCGamesN fügen sich beide Elemente sogar zusammen. Der Mut, „heutige, kurze Aufmerksamkeitsspannen“ zu ignorieren und durch Simulation und Animationen sowie Aktivitäten und Alltagshandlungen Langsamkeit sowie Ziellosigkeit zu Bestandteilen des Konzepts zu erheben, gefällt hier. Er wird für die Tester ergänzt durch eine Geschichte voller Charaktere, die menschlich wirken, weil sich Rockstar Zeit zum Erzählen nimmt. Im Zusammenspiel beider Seiten entsteht dichter Wildwest-Alltag zwischen Lagerfeuer-Sitzungen, Jagen, Klauen und Schießereien. Dass dabei nicht vom Aufstieg, sondern unvermeidlichen Untergang erzählt wird, hebt Destructoid als spannungsbildendes Element hervor, 4Players setzt die gelungene Regie als Vorzug auf die Liste. So wird das Missionskorsett geradezu zum Vorzug, weil es das Erzählen einer dramaturgisch exzellent inszenierten Geschichte überhaupt erst erlaubt, wenngleich sich PC Gamer ein wenig mehr Luft zum Atmen in diesem engen Kleidungsstück wünscht.

Die PC-Version wird als die beste Version von Rockstars jüngstem Werk betrachtet. Grafisch würden die Unterschiede zwar selbst auf einem leistungsstarken Rechner gegenüber der Xbox One X nicht mehr überwältigend groß ausfallen, halten die Berichte einstimmig fest. Die höhere Sichtweite, die die Welt glaubwürdiger wirken lasse (u.a. Rock, Paper & Shotgun), die auf 60 Bilder pro Sekunde gesteigerte Bildwiederholrate sowie die präzisere Steuerung (GameStar) kristallisieren sich aber als klare Vorteile der Plattform heraus. Geplagt wird der Start allerdings von einer Vielzahl technischer Probleme, die auch ComputerBase beobachten musste.

Ein Spiel für die Wunschliste

Uneinig sind sich Tester nur, wie gut Red Dead Redemption 2 ist. Es sei nicht Rockstars bestes Spiel, urteilt Eurogamer, PCGamesN ist hingegen dieser Ansicht und erhebt den Western zu besten Open-World-Titel seit The Witcher 3. In allen Fällen werden dabei zwar Schwächen klar benannt, sie fallen aber unterschiedlich aus. In größter Monotonie wird jedoch stets deutlich gemacht, dass sich über die kleineren Macken bestens hinwegsehen lasse – und Red Dead Redemption 2 ein Spiel ist, das zu denen gehört, die unbedingt auf die Wunschliste gehören.

Wertungsüberblick für Red Dead Redemption 2 (PC)
Publikation Wertung
4Players 90
Eurogamer Empfehlung
Destructoid -
GameStar 92/100
Games Radar 3,5/5
PCGamesN 10/10
PCGamer -
Rock, Paper & Shotgun k.A.
Metacritic (PC) Presse: 94/100
Nutzer: 3.5/10 (48 Wertungen)

Fazit

Red Dead Redemption 2 ist als Spiel fast über jeden Zweifel erhaben. Die technische Umsetzung der grafisch opulenten PC-Version ist dies aber auch nach den ersten Notfall-Updates noch nicht. Das liegt nicht nur an den vielen Fehlern, die immer noch vorzufinden sind und teils ordentlich Nerven kosten.

Darüber hinaus fordert das Spiel einen sehr schnellen Rechner. Zu schnell kann ein PC derzeit quasi gar nicht sein und das gilt nicht nur für Ultra HD. Vor allem die Grafikkarte muss wie verrückt ackern, doch auch ein halbwegs flotter Prozessor ist empfehlenswert. Trost spendet die Erkenntnis, dass die PC-Version von Red Dead Redemption 2 mit hohen Details in hohen Auflösungen stellenweise atemberaubend aussieht: Ein schöneres Spiel mit einer dichteren Atmosphäre gibt es aktuell nicht. Die Anforderungen erscheinen dennoch als zu hoch.

Red Dead Redemption 2 im Technik-Test

Auch abseits der Bugs und der hohen Anforderungen gibt es noch einige Baustellen. So benötigen zum Beispiel beide verfügbaren APIs noch Tuning. DirectX 12 läuft zwar gut, stürzt auf manchen Rechnern aber ab. Vulkan ist dagegen stabiler, leidet aber unter nervigem Stottern. Für Besitzer „älterer“ Grafikkarten wäre es zudem schön, wenn auch auf diesen Plattformen noch das Leistungspotential gehoben werden kann. Natürlich sind Turing und RDNA besser als Pascal und GCN. Doch in RDR2 sind die Abstände aktuell schlicht riesig.

Ohne Fehler ein Pflichtkauf

Am Ende kann der PC-Version von Red Dead Redemption 2 so aktuell leider noch keine uneingeschränkte Kaufempfehlung ausgesprochen werden. Dazu gibt es einfach immer noch zu viele Probleme. Stattdessen ist es ratsam, noch einige Wochen und damit Patches abzuwarten. Werden die technischen Probleme behoben, ist das Spiel ein Pflichtkauf für jeden, der auch nur Ansatzweise etwas mit Genre und Setting anzufangen weiß.

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