Forschung: IBMs Wunder-Akku auf Meer­wasser­basis lässt Fragen offen

Frank Hüber 265 Kommentare
Forschung: IBMs Wunder-Akku auf Meer­wasser­basis lässt Fragen offen
Bild: IBM

Die Forscher von IBM haben einen neuen Akku vorgestellt, der viele Probleme aktueller Technologien lösen soll. Er verzichtet nicht nur auf Schwermetalle wie Cobalt und Nickel, da sich alle Materialien für den Akku aus Meerwasser gewinnen lassen sollen, sondern soll in weniger als 5 Minuten auf 80 Prozent geladen werden können.

IBM holt Mercedes-Benz ins Boot

Zudem soll er sich für jegliche Anwendung, von Smartphones über Elektro-Werkzeuge bis hin zu Elektroautos eignen und auch nach tausenden von Lade- und Entladevorgängen eine vergleichsweise hohe Kapazität aufweisen. Auch die Energiedichte soll mit mehr als 800 Wh/L mit aktuellen Lithium-Ionen-Akkus problemlos mithalten können. Da der Akku darüber hinaus schwer entflammbar sein soll, ist insbesondere die Nutzung in Elektroautos zur Erhöhung der Sicherheit ein interessantes Feld, weshalb sich IBM unter anderem mit Forschern von Mercedes-Benz Research and Development North America zusammengetan hat, um den neuen Akku aus der frühen Forschung in ein kommerziellen Produkt zu überführen. All diese Vorzüge möchte IBM dann auch noch mit einer besseren Kosteneffizienz als bei herkömmlichen Akkus kombinieren.

Viele Fragen offen, Beweise stehen aus

Angesichts der Tatsache, dass IBM davon ausgeht, dass erste kleinere Produkte abseits von Elektroautos auf Basis der neuen Akku-Technologie bereits in ein bis zwei Jahren auf den Markt kommen könnten, bleibt das Unternehmen bei der Ankündigung allerdings vergleichsweise viele Antworten schuldig. So spricht IBM nur davon, dass man drei Mineralien nutze, die sich aus Meerwasser gewinnen ließen und bisher nicht für die Akku-Herstellung eingesetzt worden seien. Welche Mineralien dies sind und wie der Akku genau aufgebaut ist, darauf geht IBM jedoch nicht ein. Auch wenn IBM hiermit das eigene geistige Eigentum schützen möchte, zeigen sich andere Forscher laut Spectrum skeptisch, da es ungewöhnlich sei, so viele Versprechungen zu machen und bereits so viele Tests abgeschlossen zu haben, dann aber keinerlei Details preiszugeben oder Beweise zu liefern. Ein bis zwei Jahre vor der Markteinführung müsste sich IBM zudem bereits entsprechende Patente gesichert haben.

Ökobilanz durch Gewinnung relativiert?

Die Forscher stellen deshalb auch infrage, wie IBM die Mineralien aus dem Meerwasser gewinnt, und ob dies nicht die Ökobilanz des Akkus wieder deutlich relativiere, falls hierfür Katalysatoren oder viel Energie notwendig sei.