Komponentenwechsel: Adata SX8200 Pro SSD mittlerweile in vier Varianten

Michael Günsch
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Komponentenwechsel: Adata SX8200 Pro SSD mittlerweile in vier Varianten
Bild: Adata

Ein unrühmliches Beispiel für einen nicht kommunizierten Wechsel von Controller und Speicher bei SSDs ist die Adata XPG SX8200 Pro. Inzwischen wurden vier verschiedene Versionen beobachtet. Für Kritik sorgt, dass sich die Leistung mit jedem Wechsel augenscheinlich verschlechtert.

Insbesondere Drittanbieter von SSDs zeigen sich hin und wieder flexibel bei der Auswahl von SSD-Controller und NAND-Flash und tauschen diese innerhalb einer Serie aus, ohne dies öffentlich bekannt zu geben. Das ist auch der Grund, warum viele Hersteller keine genauen Angaben zu den verbauten Komponenten in den Produktdatenblättern machen, so lässt man sich einen Wechsel offen. Solange die versprochenen Leistungswerte dennoch erreicht werden, sehen Hersteller darin kein Problem.

SX8200 Pro in mittlerweile 4 Varianten

Mit gleich vier verschiedenen Konfigurationen ist die M.2-NVMe-SSD Adata XPG SX8200 Pro ein Beispiel für besonders hohe Wechselfreudigkeit. Die SX8200 Pro erschien im Oktober 2018 als seinerzeit schnellste SSD von Adata, die bis zu 3.500/3.000 MB/s beim sequenziellen Lesen/Schreiben und bis zu 390.000/380.000 IOPS beim wahlfreien Lesen/Schreiben erreichen sollte. Erst auf Nachfrage der Redaktion hatte Adata als Controller den SM2262EN von Silicon Motion seinerzeit angegeben. Erste Tests bestätigten diesen Chip und bescheinigten der SSD insbesondere auch in praktischen Anwendungen eine hohe Leistung. Bei vergleichsweise niedrigem Preis wurde sie oft empfohlen.

SSD SSD-Controller Controller-Takt NAND-Flash Flash-Schnittstelle
Adata XPG SX8200 Pro v1 (Marktstart) SM2262ENG 650 MHz IMFT 64L TLC 650 MT/s
Adata XPG SX8200 Pro v2 SM2262G 575 MHz Micron 96L TLC 650 MT/s
Adata XPG SX8200 Pro v3 SM2262G 575 MHz Samsung 64L TLC 525 MT/s
Adata XPG SX8200 Pro v4 SM2262G ? SK Hynix 96L TLC ?
Daten via Tom's Hardware

Rund zwei Jahre nach der Vorstellung gab es jedoch Hinweise auf einen Wechsel beim Controller vom SM2262EN auf den SM2262G. Die Website Tom's Hardware, die die SX8200 Pro bis dahin empfohlen hatte, fand heraus, dass der SM2262G eine langsamer getaktete Variante des SMI-Controllers darstellt. Im Benchmark-Vergleich schnitt die zweite Version der SX8200 Pro somit oft schlechter ab. Adata versicherte gegenüber der Website aber, dass die versprochenen Leistungswerte, die sich in der Regel allein auf die maximal möglichen sequenziellen Datenraten und die maximal möglichen IOPS bei wahlfreien Transfers beschränken, weiterhin erfüllt werden.

Erneut durch einen Nutzerbericht auf Reddit angestoßen, berichtet Tom's Hardware jetzt über inzwischen vier verschiedene Versionen der SX8200 Pro. In den neuesten Ausführungen wurde demnach auf langsameren Speicher zurückgegriffen, was mit weiter verschlechterten Benchmark-Ergebnissen unterstrichen wird.

Auch andere Hersteller tauschen (heimlich) Teile

An dieser Stelle muss aber erwähnt werden, dass Adata längst nicht der einzige Hersteller ist, der bei seinen SSDs Bauteile wechselt. Ein älteres Beispiel ist etwa die Kingston A400, die von der Redaktion bei der Vorstellung vor vier Jahren als „günstige Wundertüte“ betitelt wurde, da Kingston den Typ von Controller und Speicher völlig offen ließ. Bei der jüngeren Patriot P210 (Test) können ebenfalls verschiedene Controller zum Einsatz kommen und den Speichertyp lässt der Hersteller völlig offen.

Weitere Beispiele hat Tom's Hardware Anfang Dezember 2020 in einem Bericht zusammengefasst, der aber auch positive Beispiele nennt, wo etwa Änderungen an der Hardware in Form einer neuen Revision der SSD für Kunden ersichtlich waren oder aber besserer Speicher unangekündigt verbaut wurde.