C:\B_retro\Ausgabe_73\: Creative Sound Blaster AWE64 Gold, die Krönung im ISA-Port

Sven Bauduin
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C:\B_retro\Ausgabe_73\: Creative Sound Blaster AWE64 Gold, die Krönung im ISA-Port
Bild: Konstantin Lanzet | GNU FDL

Im November des Jahres 1996 krönte Creative Technology mit der als beste Soundkarte ihrer Zeit geltenden Sound Blaster AWE64 Gold die kurz vor der Ablösung stehende Industry Standard Architecture und den ISA-Port. Noch heute ist die gefeierte Nachfolgerin der Sound Blaster AWE32 die erste Wahl in vielen Retro-PCs.

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Nachdem die Serie „Im Test vor 15 Jahren“ erst kürzlich die ebenfalls äußerst wegweisende Soundkarte Creative Sound Blaster X-Fi (Test) von 2006 unter die Lupe genommen hat, geht C:\B_retro\ noch einmal zehn Jahre weiter in der Geschichte zurück und beleuchtet eine echte Königin unter den Soundkarten.

Neben der Sound Blaster AWE64 Gold und ihrem günstigeren Schwesternmodell haben auch die Vorgänger und direkten Konkurrenten ihren Auftritt in dieser Ausgabe.

\Die_Vorgeschichte\

Mit der Sound Blaster 1.0 präsentierte Creative Technology damals noch als Creative Labs seine erste für die breite Masse erschwingliche Soundkarte als Nachfolgerin des im deutschen Sprachraum von Markt+Technik vertriebenen 12-stimmigen Creative Music Systems (CMS).

Die technischen Spezifikationen der Sound Blaster 1.0 lesen sich für heutige Verhältnisse nicht mehr besonders beeindruckend, waren seinerzeit aber absolut „State of the Art“.

  • 8 Bit, Mono
  • CT1310-Soundchip
  • 100.000 Transistoren
  • ISA-Bus

1989 boten viele Computerhändler „günstige“ Bundle aus Sound Blaster 1.0, CD-ROM-Laufwerk und Controller-Karte an. Der Preis für ein solches Upgrade betrug inflationsbereinigt rund 700 bis 800 Euro.

Creative Labs Sound Blaster 1.0 von 1989
Creative Labs Sound Blaster 1.0 von 1989 (Bild: Walter Dvorak, CC BY-SA 3.0)

Bis Mitte der 1990er konnte Creative Technology seine Soundkarten der Serie Sound Blaster als „Standard“ für IBM-kompatible PCs etablieren und veröffentlichte in rascher Abfolge die Sound Blaster 1.0, Sound Blaster 1.5 und Sound Blaster 2.0 sowie die Sound Blaster Pro und Sound Blaster Pro 2.

Beginnend mit der Sound Blaster 16 von 1992 wurde erstmals die 26-polige Wave-Blaster-Schnittstelle eingeführt, um die Klangerzeugung der Sound Blaster mittels Aufstecken einer Wavetable-Platine um die Wavetable-Synthese erweitern zu können.

Mit der Sound Blaster 32 und vor allem der Sound Blaster AWE32 erschienen in den Jahren 1994 und 1995 die direkten Vorgänger der Creative Sound Blaster AWE64.

Creative Sound Blaster AWE32
Creative Sound Blaster AWE32 (Bild: Gona, CC BY-SA 3.0)

Für das Jahr 1996 entschied sich Creative Technology dann für eine sanfte Evolution und wollte dem ISA-Port noch eine letzte große Soundkarte spendieren, die schlussendlich einen ganz großen Wurf darstellen sollte.

\Die_Geschichte\

Die Sound Blaster AWE64 Gold vereinte das gesamte Featureset seiner Vorgängerin Sound Blaster AWE32 auf einem signifikant kleineren PCB und bot zudem zahlreiche bemerkenswerte Verbesserungen.

Creative Sound Blaster AWE64 Gold
Creative Sound Blaster AWE64 Gold (Bild: Konstantin Lanzet, GNU FDL)

Neben einer deutlich größeren Polyphonie bot die Sound Blaster AWE64 Gold eine stark verbesserte On-Board-Schaltung, die das Signal-Rausch-Verhältnis und die allgemeine Signalqualität im Vergleich zu den teils recht stark rauschenden Sound Blaster 16, Sound Blaster 32 und Sound Blaster AWE32 deutlich erhöhte.

Vergoldete Ausgänge und eine höhere Integration der Bauteile, welche die Soundkarte kompakter machte und die Leiterbahnführung zu den Chips reduzierte, halfen dabei, die Menge an rauschverursachenden Signalwegen zu verringern.

Mit der Sound Blaster AWE64 ging Creative Technology in Sachen Speicherausbau zudem von 30-poligen FPM-DRAM zu proprietären RAM-Erweiterungsmodulen über, die nur von Creative Technology selbst hergestellt und verkauft wurden.

Creative Sound Blaster AWE64 Value
Creative Sound Blaster AWE64 Value (Bild: Konstatin Lanzet, GNU FDL)

Während die Sound Blaster AWE32 noch mit 512 kByte Sampler-RAM auskommen musste, besaß die Sound Blaster AWE64 Gold insgesamt 4 MByte, während die günstigere Sound Blaster AWE64 Value ebenfalls mit nur einem halben MByte auskommen musste.

In Spielen waren die beiden Soundkarten der AWE64-Serie kompatibel zu Sound Blaster, Sound Blaster 16, Sound Blaster 32 und AWE32 und kamen erstmals auch mit einer Spielerei namens „3D Positional Audio“ für einen „besonderen Raumklang“ in Spielen, wie es Creative Technology im Jahr 1996 bewarb.

\Die_Specs\

Die Sound Blaster AWE64 Gold mit der internen Bezeichnung CT4390 basierte auf dem Signalprozessor EMU-8000 und erweiterbaren 4 MByte Sound-RAM und war für den ISA-Port ausgelegt.

  • 16 Bit, Stereo
  • EMU-8000 Signalprozessor
  • 4 MByte Sound- und Sampler-RAM (erweiterbar)
  • 5 kHz bis 44,1 kHz Sampling-Rate
  • 64 Stimmen
  • 20-Bit-DAC
  • ISA-Port

Neben der Standard-Version, die später in „Value“ umbenannt wurde, und der großen Sound Blaster AWE64 Gold erschienen später mit der Sound Blaster AWE64 PCI und der AWE64D PCI zudem zwei Varianten für OEM-PCs mit PCI-Interface. Eine geplante Sound Blaster AWE64 Mark II mit einem Decoder für Dolby Digital wurde zugunsten der Sound Blaster Live! verworfen.

Der auf Retro-Hardware spezialisierte YouTube-Kanal „PhilsComputerLab“ hat ein sehenswertes Review der Sound Blaster AWE64 Gold verfasst.

Ab 1996 musste sich die Sound Blaster AWE64 Gold vor allem mit Soundkarten wie der Terratec 16/96 Gold mit einem hochintegriertem ESS AudioDrive ES1868F, der Aztech Waverider Pro 32-3D und der AdLib ASB64 Wave Pro 4D IDE auseinandersetzen und auch die kleineren Modelle aus dem eigenen Haus waren eine günstige Alternative.

Für viele Anwender und vor allem Spieler stellt die Sound Blaster AWE64 Gold aber die Krönung dieser Generation und den Übergang zum PCI-Zeitalter dar.

Welche Soundkarte wurde zu dieser Zeit von den Community-Mitgliedern aus dem ComputerBase-Forum eingesetzt?

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