Automatisiertes Fahren: Mercedes-Benz beteiligt sich an Lidar-Entwickler Luminar

Nicolas La Rocco
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Automatisiertes Fahren: Mercedes-Benz beteiligt sich an Lidar-Entwickler Luminar
Bild: Mercedes-Benz

Mercedes-Benz beteiligt sich an dem US-amerikanischen Lidar-Hersteller Luminar mit 1,5 Millionen Aktienanteilen und will die Technologie des Unternehmens weiterentwickeln und in künftigen Serienfahrzeugen verbauen. Luminar kooperiert auch mit anderen Unternehmen und Daimler Trucks besitzt ebenfalls Anteile am Konzern.

Gemessen am Aktienwert zum Zeitpunkt der Beteiligung hat Mercedes-Benz rund 20 Millionen US-Dollar für einen Anteil von weniger als 1 Prozent an Luminar gezahlt. Es ist nicht die erste Kooperation, die Daimler und Luminar aus Orlando, Florida eingehen, nachdem Daimler Trucks im Oktober 2020 in das Unternehmen investiert hatte, um deren Lidar-Technologie in hochautomatisierten Lkw einzusetzen.

Lidar für künftige Serienfahrzeuge

Die gleiche Strategie verfolgt Daimler jetzt auch bei künftigen Serienfahrzeugen von Mercedes-Benz. Die Beteiligung an Luminar unterstreiche den Ansatz von Mercedes-Benz, kontinuierlich das Netzwerk an Technologiepartnern und Zulieferern auszubauen, erklärte das Unternehmen. Die Lidar-Technologie von Luminar soll weiterentwickelt und künftig in die Serienproduktion von Mercedes-Benz integriert werden. Einen konkreten Zeitrahmen oder erste Modelle mit Lidar-Sensoren von Luminar wurden nicht genannt.

Lidar-Sensoren (Light imaging, detection and ranging) werden für eine Form des dreidimensionalen Laserscannings genutzt und dienen neben Radar und Kameras als zusätzliches Werkzeug zur Erfassung von Objekten rund um das Fahrzeug.

Luminar wiederum kooperiert mit zahlreichen Unternehmen aus der Automobilbranche, darunter auch Audi, Toyota und Volvo sowie Nvidia, Mobileye, das zu Intel gehört, und Airbus. Selbst mit Tesla wird zu Testzwecken kooperiert, obwohl Elon Musk der Meinung ist, dass Lidar für autonome Fahrzeuge nicht benötigt werde.

Drive Pilot nutzt Lidar von Valeo

Derzeit vertraut Mercedes-Benz für den Drive Pilot der S-Klasse (Titelfoto) auf Lidar-Sensoren des französischen Unternehmens Valeo, das als Erstausrüster der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie tätig ist, wie ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage der Redaktion bestätigte. Lidar wird in Verbindung mit dem Drive Pilot in der aktuellen S-Klasse (Test) und im EQS zum Einsatz kommen.

Für den Drive Pilot hat Mercedes-Benz im Dezember des letzten Jahres als erster Automobilhersteller weltweit eine international gültige Systemzulassung für das hochautomatisierte Fahren nach SAE-Level 3 erhalten. Damit wird es künftig möglich sein, in Stausituationen bis 60 km/h das Fahren vollständig an das Fahrzeug abzugeben. Explizit nicht mehr vorausgesetzt wird damit die Überwachung des Verkehrs, sodass auch Nebentätigkeiten wie E-Mail, Browser oder sogar Filme erlaubt sind. Der Fahrer muss allerdings innerhalb einer gewissen Karenzzeit (10 Sekunden) nach Aufforderung durch das Auto wieder das Steuer übernehmen können.

Einführung im ersten Halbjahr 2022

Der Drive Pilot war von Mercedes-Benz im Sommer 2020 angekündigt worden und hätte nach ursprünglicher Planung bereits im zweiten Halbjahr 2021 für die S-Klasse angeboten werden sollen. Dazu gekommen ist es allerdings nicht, nachdem erst im Dezember 2021 durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Systemgenehmigung erfolgte. Ende des letzten Jahres erklärte das Unternehmen, dass es auf den Abschluss der Zertifizierung hin arbeite, um in den nächsten Monaten die Freigabe durch die Behörden zu erhalten. Ein Unternehmenssprecher sagte der Redaktion gestern auf Nachfrage, dass der Drive Pilot in der ersten Jahreshälfte 2022 verfügbar sein wird.

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