Ugreen iDX6011 Pro im Test: SSD-Cache/-Volume, Lautstärke, Leistungsaufnahme und Fazit
3/3SSD-Cache und SSD-Volume mit NVMe-SSDs
Über die M.2-Slots an der Seite des iDX6011 Pro können zwei NVMe-SSDs im Formfaktor 2280 verbaut werden. Schrauben- und werkzeuglos geht dies jedoch nicht, die SSDs werden wie auf einem Mainboard mit einer kleinen Schraube fixiert. Im Test kommen zwei Synology SNV3410-400G zum Einsatz. Für den Lese- und Schreibcache und für den SSD-Speicherpool werden die SSDs im RAID 1 betrieben.
Durch einen SSD-Cache oder gleich ein SSD-Volume kann der Datenzugriff potentiell bei kleinen Dateien im wahlfreien Zugriff deutlich profitieren, da die Zugriffszeiten von SSDs viel geringer sind als die von HDDs und der Durchsatz höher ist. Im Alltag ist zudem wichtig, dass der Cache nur häufig genutzte Dateien vorhält, sodass eben nur sie von ihm profitieren. Dies kann sich dann aber auch bei der Nutzung von Containern oder vielen Apps auf dem NAS bemerkbar machen, wenn sie zu erhöhten Zugriffen auf die Laufwerke führen. Bei einem SSD-Volume, das auch zusätzlich zu einem HDD-Volume genutzt werden kann, muss man hingegen selbst dafür sorgen, dass die richtigen Dateien auf den SSDs landen.
Zunächst wird der Effekt des SSD-Caches und des SSD-Speicherpools bei Verwendung einer einzelnen 10-Gigabit-Schnittstelle des iDX6011 Pro getestet.
Kaum Auswirkung auf IOPS
Beim Lesen liegt der SSD-Cache im CrystalDiskMark beim wahlfreien Zugriff leicht vor den HDDs. Der Unterschied zwischen SSD-Cache und SSD-Volume ist irrelevant. Beim Schreiben zeigt sich hingegen ein anderes Bild und die SSDs liegen mitunter hinter den HDDs. Hier dürfte auch der mit 64 GB üppig bemessene RAM hineinspielen, der ein Caching oder Speichern auf den SSDs kaum nötig macht.
Dateitransfer mit SSD-Cache und SSD-Volume
Zusätzlich zu den IOPS hat ComputerBase einen Blick auf die Dateiübertragung mit SSD-Cache und SSD-Volume geworfen. Die Dateien werden, um vom SSD-Cache profitieren zu können, in mehreren Durchläufen gelesen und geschrieben, um auch im SSD-Cache zu liegen. Nur dann kann er sich positiv auswirken.
Ein unerwartetes Ergebnis, denn weder SSD-Cache noch SSD-Volume können sich beim CIFS-Dateitransfer klar von den HDDs absetzen. Beim Lesen einer einzelnen Datei liegt das SSD-Volume gar klar mit mehr als 200 MB/s weniger zurück.
Anders sieht es im NAS Performance Tester 1.7 aus, denn hier liegen zwar alle Varianten auf einem ähnlichen Niveau, aber das SSD-Volume ist eben nicht deutlich langsamer, sondern mitunter die schnellste Option.
Die Vorteile, die ein SSD-Cache oder ein SSD-Speicherpool bei der Latenz bietet und sich etwa bei der Nutzung von Apps oder Containern und VMs zeigen, lassen sich in derartigen Benchmarks allerdings nicht messen. Gerade beim Einsatz des iDX6011 Pro als Workstation mit virtuellen Maschinen und verschiedenen Containern kann über ein SSD-Volume nachgedacht werden. Abseits davon zeigt sich, dass das NAS ohnehin so schnell ist, dass beim Einsatz von sechs HDDs auch SSDs bei Dateiübertragungen kaum noch etwas ausrichten können.
SSD-Cache und SSD-Volume beim Einsatz von Link-Aggregation
Auch die Tests mit aktivierter Link-Aggregation werden noch einmal mit aktiviertem SSD-Cache und mit einem Speicherpool direkt auf den SSDs durchgeführt.
Auch mit den SSDs zeigt das iDX6011 Pro beim Einsatz von Link Aggregation beim Schreiben einen zu geringen Zuwachs im Vergleich zum Einsatz nur einer Netzwerkschnittstelle. Beim Lesen kommt insbesondere das SSD-Volume dann voll zur Geltung und sorgt für fast 1.900 MB/s. Der SSD-Cache kann da mit einer nur gering gesteigerten Datentransferrate von 1.100 MB/s im Vergleich zu den HDDs nicht mithalten.
Auch beim Übertragen des Ordners ist das SSD-Volume beim Schreiben und Lesen die schnellste Option, allerdings ist die Übertragung nur noch rund halb so schnell wie bei einer einzelnen Datei.
Lautstärke
Sechs HDDs und fünf Lüfter in einem Metallgehäuse mit leistungsstarker Hardware. Die Erwartungen an die Lautstärke des iDX6011 Pro waren nicht besonders hoch. Schlussendlich werden sie mit einer Ausnahme – dem Verhalten des Netzteil-Lüfters – aber schlussendlich übertroffen.
Wie erwähnt verhalten sich die beiden großen 120-mm-Lüfter an der Rückseite im Normalfall sehr leise und drehen nur mit 265 (Idle) oder 490 U/min (etwas Last). Mit sechs HDDs bestückt und im Silent-Modus der Lüfter kommt das iDX6011 Pro so auf rund 36,5 Dezibel, wenn der Netzteil-Lüfter kurz aufdreht. Dies macht er nämlich selbst im Idle-Modus immer wieder kurzzeitig, weshalb dieser Wert herangezogen wird. Konstant etwas schneller drehende CPU-Lüfter mit rund 690 U/min sind nämlich auch kein Problem und im Alltag leise.
Der Netzteil-Lüfter ist es im Alltag, der nervt, da er immer wieder kurz aufdreht und bei größerer Last auch dann noch der lauteste Lüfter im System ist. Ausgerechnet er lässt sich aber nicht so einfach tauschen wie die beiden großen Lüfter.
Die Lüfter-Einstellung in den Einstellungen des NAS wirkt sich nur auf die beiden großen Lüfter an der Rückseite des iDX6011 Pro aus. Wählt man dort den Full-Speed-Modus, drehen die Lüfter auf rund 48 Dezibel auf. Bei Schreib-/Lesezugriffen auf die HDDs hängt die Lautstärke stark von den gewählten Modellen ab. Im Test werden hier rund 39,8 Dezibel gemessen, wenn alle HDDs aktiv sind und als Lüfter-Modus Silent gewählt ist.
Leistungsaufnahme
Bei der Leistungsaufnahme ist das iDX6011 Pro nicht etwa mit einem ARM-basierten NAS zu vergleichen. Ein Intel Core Ultra 7 255H, sechs HDDs und zwei schnelle 10-GbE-Anschlüsse wollen versorgt werden.
Schon im Ruhezustand, bei dem die HDDs deaktiviert sind, stehen deshalb 33,3 Watt auf dem Messgerät, wobei dies weniger ist als die 42,4 Watt der Ugreen DXP6800 Pro, die mit Intel Core i5-1235U ebenfalls sechs HDDs fasst. Im Leerlauf steigt die Leistungsaufnahme mit sechs HDDs dann aber schon auf 76,6 Watt, 13 Watt mehr als bei der DXP6800 Pro und fast so viel wie die TerraMaster T9-450 mit neun HDDs erreicht.
Bei Schreibzugriffen auf die HDDs werden dann 88,6 Watt erreicht – ohne dass die CPU durch AI-Aufgaben besonders gefordert wird.
Preis im Vergleich
Zieht man mindestens sechs Laufwerkseinschübe und mindestens einen 10-Gigabit-LAN-Anschluss als Maßstab heran, ist neben der TerraMaster F6-424 für rund 930 Euro die Ugreen DXP6800 Pro für 980 Euro das günstigste NAS im Preisvergleich.
Soll es dann auch noch eine Intel-CPU mindestens des Schlags Core i7 sein, landet man mindestens beim TerraMaster T9-500 Pro mit Intel Core i7-1255U und 16 GB RAM für 1.430 Euro. In Sachen Hardware ist also auch dieses NAS dem iDX6011 Pro noch deutlich unterlegen.
Aktuelle Modelle mit ähnlicher Hardware sucht man dann vergebens. Die Asustor Lockerstor 10 Pro AS7110T mit 8 GB RAM und Intel Xeon E-2224 kostet 1.700 Euro und stammt von 2020. Die Synology DiskStation DS3622xs+ mit 16 GB ECC-RAM und Intel Xeon D-1531 ist aus dem Jahr 2021 und kostet 3.000 Euro.
Zieht man den eventuell noch gültigen Kickstarter-Preis von 1.559 Euro für das iDX6011 Pro heran, gibt es rein auf die gebotene Hardware bezogen kein auch nur ansatzweise vergleichbares und preislich ähnlich positioniertes NAS auf dem Markt. Selbst für die unverbindliche Preisempfehlung des iDX6011 Pro von 2.599 Euro bietet der Markt nichts, was mit dem NAS mithalten kann.
Fazit
Zentrale, praktische Frage ist, ob man eine lokale AI auf dem NAS benötigt, weil man Daten nicht in die Cloud laden möchte oder darf, oder man nicht vielmehr auf der Suche nach einem zuverlässigen Netzwerkspeicher für den schnellen, gemeinsamen Zugriff auf Daten und für Backups ist, bei dem in erster Linie die Leistung, Lautstärke, Leistungsaufnahme und die Stabilität des Betriebssystems im Fokus stehen. Die gute Nachricht: Das iDX6011 Pro liefert per se beides. Dennoch muss jeder selbst beantworten, ob er ein derart schnelles, leistungsfähiges NAS mit AI-Funktionen benötigt, oder nicht auch ein Modell aus der DXP-Serie völlig ausreichend ist. Ugreen zielt mit dem iDX6011 Pro auf Poweruser, die eher eine Workstation erwarten als ein kleines Heim-NAS. Das zeigt sich auch am internen Aufbau, der Kühlung und den Anschlüssen.
Zwei 10-GbE-Anschlüsse, zwei Mal Thunderbolt 4, ein PCIe-Gen4-x8-Steckplatz, ein 8K-HDMI-Ausgang, OCuLink für eGPUs und ein Intel Core Ultra 7 255H mit 64 GB LPDDR5X-RAM gehen weit über das hinaus, was nahezu alle Endkunden zuhause als NAS benötigen. Die 64 GB LPDDR5X lassen sich allerdings nicht aufrüsten – eine Möglichkeit, für die Ugreen bei der DXP-Serie mit DDR5-Modulen viel Lob erhalten hat. Bei eGPU-Gehäusen funktioniert zumindest per Thunderbolt derzeit nicht jedes Modell, wie auch ComputerBase im Test schmerzlich erfahren musste Hier muss nachgebessert werden, da man sonst vor dem Kauf im Dunklen tappt, ob man seine eGPU nutzen kann oder nicht.
Geschwindigkeit und Lautstärke sind angesichts der gebotenen Hardware kein Kritikpunkt, auch wenn man im Ruhezustand anmerken muss, dass der Lüfter des Netzteils immer wieder kurz aufdreht, nur um sofort wieder abzuschalten. Dieses Verhalten sollte Ugreen bis zum Marktstart mit einem anderen Netzteil optimieren, denn es zerstört den positiven Gesamteindruck. Steht das NAS im Büro, ist nur dieser sehr störend. Die im Betriebssystem mögliche Anpassung der Lüfterdrehzahl bezieht sich einzig auf die beiden großen Lüfter an der Rückseite, hat jedoch keinen Einfluss auf die CPU-Lüfter und schon gar nicht auf den Netzteil-Lüfter.
Beim Betriebssystem bietet Ugreen mit Fotos, Videozentrum, Backup-Automatisierung und Co zwar quasi alles, was der Endkunde derzeit benötigt, und lässt mit Docker, virtuellen Maschinen, iSCSI und Snapshots auch mehr zu, lässt in einzelnen Bereichen aber dennoch Dinge vermissen, die man von anderen NAS gewohnt ist. Dies fängt nicht nur bei der Ordner- oder Laufwerksverschlüsselung an, sondern geht auch in Bereiche wie eine Plex-Unterstützung, die mit dem Support von Drittanbieter-Apps aber auf der Agenda stehen könnte.
Insgesamt machen die AI-Funktionen mitunter noch den Eindruck, in der Entwicklung zu sein, auch wenn der AI-Assistent selbst, problemlos die an ihn gestellten Fragen und Aufgaben im Rahmen seiner Möglichkeiten erledigt. Aber genau die sind zu eng gesetzt, denn Zugriff auf alle Dateien auf dem NAS, kann man der AI nicht geben, selbst wenn man wollte. So werden Anfragen zu gespeicherten Inhalten zu umständlich, da man die Inhalte entweder erst selbst heraussuchen oder einzeln hochladen muss. Und in der Fotos-App funktioniert die semantische Suche nach passenden Bildinhalten häufig gar nicht oder nur teilweise.
Fotos und Videos lassen sich mit der lokalen AI zudem nicht erstellen, auch wenn dies sicherlich auch ein Anwendungsbereich wäre, den viele Käufer nutzen würden. Auch grafische Auswertungen aus Dokumenten sind nicht möglich, was wenig verwundert, wenn selbst PDFs mit Bildern zum Problem werden.
Damit man viele der AI-Funktionen sinnvoll nutzen könnte, muss Ugreen hier nicht nur Inhalte im Hintergrund bereits passend auswerten, sondern auch den Funktionsumfang erweitern. Dokumente, die nicht sicherheitsrelevant sind, kann man derzeit jedenfalls lieber in der Cloud auswerten lassen als auf dem eigenen NAS.
64 GB sind zwar viel RAM, aber nutzt und aktiviert man die AI-Funktionen, ist dieser schnell auch zu 40 Prozent ausgelastet. Möchte man also auch noch Apps wie Docker und virtuelle Maschinen nutzen, sollte man nicht zum iDX6011 mit 32 GB RAM greifen, da diese bei richtiger Auslastung schnell an ihre Grenzen stoßen könnten. Allein für das Large Language Model Qwen3 werden 12 GB RAM reserviert. Für das Vision Language Model Uliya-v 2b zur Bildanalyse hingegen 1,5 GB.
- sehr schnelle Hardware
- sehr hohe Übertragungsgeschwindigkeit
- 2× 10-Gigabit-LAN
- 2× Thunderbolt 4
- OCuLink
- PCIe-Erweiterungssteckplatz
- schnelles USB
- hervorragende Verarbeitung
- M.2-Slots für SSD-Cache/Volume
- Btrfs-Unterstützung
- Link Aggregation
- SD-Card-Reader
- HDMI
- Docker und virtuelle Maschinen auf dem NAS
- App Center
- AI-Funktionen zu eingeschränkt
- Inkonsistente und fehlerhafte visuelle Erkennung bei Fotos
- Kein AI-Assistent in der Smartphone-App
- Drittanbieter-Apps wie Plex fehlen
- Lautstärke des Netzteil-Lüfters
- Leistungsaufnahme
- keine Ordner- oder Volume-Verschlüsselung
- kein RAM-Upgrade
Bis zur Auslieferung des iDX6011 Pro im Mai bleibt Ugreen noch Zeit, die Software zu verbessern. Da das Unternehmen aber bereits lange an diesen Funktionen arbeitet, ist zweifelhaft, wie umfangreich die Fortschritte bis zum Start tatsächlich noch sein werden. ComputerBase hat nachgefragt, welche Funktionen noch bis zur Auslieferung umgesetzt werden sollen.
ComputerBase hat das iDX6011 Pro leihweise von Ugreen zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Test fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.
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