Cherry MX 8.2 Pro TMR im Test: TMR-Taster der 2. Generation im Alu-Chassis für Gamer
Cherry will auch mit den eigenen Tastaturen relevant bleiben. Erstmals verpackt der Hersteller dafür analoge TMR-Taster in einem hochpreisigen Alu-Chassis für Gamer. Die MX 8.2 Pro TMR bedient sich dabei Modellen der zweiten Generation mit verbesserter Technik, MK Crystal genannt. Der Hoffnungsträger im Test.
Schon seit Jahren kann mit „HE-Tastern“ eingestellt werden, wann ein Tastendruck erzeugt wird. Cherrys erster eigener Taster in diesem Feld setzt direkt auf ein weiterentwickeltes Prinzip mit feineren Sensoren. Klingt gut? Eigentlich schon, nur werden sie in der MX 8.2 Pro TMR Wireless quasi in einem Oldie verbaut. Alle Details im Test.
- Einstellbare, solide Taster
- Kompaktes Layout
- Mecha-Hot-Swap nicht für alle Tasten
- Akustik mäßig
- Schlecht lesbare Sekundärfunktionen
- Beschriftung teils pad printed
Die MX 8.2 Pro TMR Wireless im Überblick
Die MX 8.2 Pro ist eine minimalistische, im Gaming-Segment voller Kleinstformate mittlerweile fast schon riesige Tastatur im 88%-Formfaktor. Sie schiebt Pfeiltasten dicht an das Tastenfeld, das Gehäuse steht zudem nur minimal über, um maximal Platz zu sparen.
Daten werden auf drei Arten übertragen: Per Kabel oder 2,4-GHz-Funk mit maximal 8.000 Hz, darüber hinaus steht eine Bluetooth-5.3-Verbindung zur Wahl. Kabellos kann die MX 8.2 Pro durch ihren 8.000-mAh-Akku bis zu 300 Stunden betrieben werden. Solche Werte werden jedoch normalerweise nur mit geringer Polling-Rate und deaktivierter Tastenbeleuchtung, also einem alltagsferneren Szenario erzielt.
Neu an der Tastatur ist die Taster-Technik. Den Rest gibt es schon lange als MX 8.2 TKL Wireless, die mit mechanischen Tastern allerdings in einem Metallkoffer geliefert wird.
| Cherry MX 8.2 Pro TMR | |
|---|---|
| Größe (L × B × H): | 35,0 × 12,0 × 3,8 (4,8) cm |
| Layout: | 85% ISO („tenkeyless“) |
| Gewicht: | 936 g |
| Gehäuse-Material: | Aluminium/Kunststoff |
| Kabel: | 1,80 m, USB/Type-C-USB (modular), Bluetooth, Funk ? |
| Hub-Funktion: | – |
| Key-Rollover: | N-KRO |
| Schalter: | Cherry MK Crystal (TMR) Polling-Rate wählbar Hot-Swap-fähig Analoge Taster |
| Switch Plate: | Aluminium |
| Tasten: | Form: zylindrisch Material: PBT-Kunststoff Beschriftung: Double-shot molding |
| Zusatztasten: | – |
| Medienfunktionen: | Stumm, Lautstärke |
| Zusatzfunktionen: | Helligkeit (regeln, ausschalten), LED-Modi, Gaming-Modus, Programmverknüpfungen, Office-Funktionen |
| Beleuchtung: | Farbe: RGB Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, umlaufende Aktivierung, Farbschleife Sonstige: individuelle LED-Profile |
| Makros & Programmierung: | 256 kB, 4 Profile, Hardware-Wiedergabe vollständig (inkl. Sekundärbelegung) programmierbar |
| Preis: | ab 229 € |
Taster: MK Crystal im Detail
Herzstück der neuen Gaming-Offensive bei Cherry sind neue Taster, die es dringend braucht: Cherry MX2 tun sich in höheren Preisklassen schwer. Mit MK Crystal schafft das Unternehmen eine einstellbare Alternative auf Basis von TMR-Technik.
Das kann TMR-Technik
Wie bei HE-Tastern wird ein Magnet im Stempel platziert, der beim Betätigen auf einen Sensor auf dem PCB zuläuft. Dieser misst bei TMR-Switches eine Änderung des elektrischen Widerstandes, die der magnetischen Tunnelwiderstand, der TMR-Effekt, erzeugt. Bei Hall-Effekt-Tastern (HE) erfasst der Sensor eine durch das Magnetfeld induzierte Spannung.
Durch den Einsatz von TRM statt HE erhöhen sich Zuverlässigkeit, Reaktionsgeschwindigkeit und Genauigkeit bei gleichzeitig gesunkenem Stromverbrauch. Letzterer Punkt ist für Anwender der am ehesten spürbare Faktor bei einer kabellosen Tastatur.
Über den einstellbaren Auslösepunkt hinaus bietet Cherrys Tastatur das übliche, aber komplette Feature-Set. Rapid Trigger bestimmen den Auslösepunkt dynamisch, Mod Tap unterscheidet zwischen langen und kurzen Tastendrücken für Mehrfachbelegungen, Dynamic Keystroke erlaubt das Setzen mehrerer Signalpunkte mit unterschiedlichen Funktionen auf eine Taste, Snap Key priorisiert die zuletzt gedrückte Taste für Bewegungen in Shootern.
MK Crystal
Die neuen Tasten verlieren zu ihrem Vorteil die Kratzigkeit der MX-Serie. Sie gleiten sanft und durch den sehr geringen Federwiderstand (zwischen 20 und 50 Gramm) sehr leichtgängig ein. Die Rückstellkraft bleibt ebenfalls schwach, der Taster vermittelt damit wenig Gefühl beim Eindrücken. Wie tief er einfedert, lässt sich nur schwer abschätzen.
Dadurch stellt er sich zwar als leichtgängig und agil, aber auch als nervös und indifferent heraus, eine Taste zu berühren heißt in der Regel sie auszulösen. Wird eine Taste gedrückt, dann im Alltag in der Regel zum Anschlag bei 3,5 Millimetern Hub, der dann ein Feedback liefert. Insbesondere am Anfang fühlt sich das fast schon taub an, erst mit einer Weile Gewöhnung sind wieder gezieltere Eingaben möglich. Feedback fehlt aber auch dann. Schwergängigere Taster von Wooting, aber selbst „mittlere“ Modelle von Akko oder Hator erlauben eine viel präzisere Betätigung, die dann auch die Nützlichkeit von Mehrfachbelegungen erhöht.
Diese Abstimmung ist eher für Shooter gangbar, geprügelt auch zum Schreiben. Besonders gut fühlt sie sich jedoch nicht an, es hat durchaus Gründe, warum extrem leichtgängige Taster selten sind. Das wächst sich zum Stolperstein aus: Die Technik ist sicherlich so präzise wie Cherry wirbt. Das Tippgefühl, das es ihm gleichtun soll, jedoch nicht in gleichem Maße, unter dem Strich fehlt es an Gefühl. Am Ende sind die Taster keine Katastrophe, aber nichts, was mit mehr Auswahl auf der Shortlist landet. Okay eben. Dazu kommt, dass die rechte Shift-Taste mäßig stabilisiert ist, die Taste den Widerstand erhöht.
Immerhin lassen sich die Taster austauschen. Das Board der MX 8.2 unterstützt zudem abweichend von magnetischen Switches – möglich sind unter anderem Gaterons Jade- und TTCs King-Tastern – auch klassische mechanische Modelle. Diese können allerdings nur unter das Buchstabenfeld gesetzt werden, der Funktionsblock muss mit magnetischen Switches bestückt werden. Cherry nennt diese Wahloption „einzigartig“, was sie im Kern jedoch nicht ist: Die Akko Mod 007 HE (Test) konnte das schon vor Jahren und zwar für alle Tasten, wenn auch mit Hall-Effekt- statt TMR-Sensoren.
Beleuchtung und Beschriftung
Die Ausleuchtung der Tasten gelingt Cherry gleichmäßig. Ein kritischer Blick fällt auf die Beschriftung. Zahlen und Zusatzfunktionen tauscht das Unternehmen in der Position, die sind zudem recht klein. Das bremst im Alltag, während das Auge den gewohnten Orientierungspunkt sucht. Die Beschriftung selbst entpuppt sich als Mischung verschiedener Verfahren. Die meisten Funktionen sind langlebig, Mac- und manche Zusatzfunktionen aber per „Aufkleber“ aufgebracht. Das muss bei einer 200-Euro-Tastatur anders gehen.
Alltag & Akustik
Die MX 8.2 funktioniert an sich, „angenehm leise“ ist sie wie vom Hersteller versprochen allerdings nicht. „Silikon-Polster und Schaumstoffkissen“ sind nicht alles und nicht das Ende der Fahnenstange. Das merkt man.
Akustik: Einfacher Aufbau, einfacher Klang
Warum Cherry zum Aufbau ansonsten schweigt, erklärt der Aufbau selbst: Zwischen PCB und Switch Plate dämpft Schaumstoff Geräusche, darunter liegen zwei Schichten dichterer Silikon-Schaumstoffe, getrennt von einer Schicht PET-Folie. Eine richtige Silikon-Matte, die dumpfe, leisere Anschläge produziert, gibt es jedoch nicht.
Das hört man beim Klang. Die MX 8.2 bewegt sich auf der hellen, leicht klapprigen Seite des Spektrums und fängt Schall nicht ganz so restlos ein, wie das bei einer 200-Euro-Tastatur wünschenswert wäre. Heller Kunststoff-Hall mutet eher günstig an. Verstärkt wird das durch die freistehenden Taster. Aus Metall besteht beim Chassis nur ein umlaufender Streifen und die Switch Plate, die gleichzeitig die Oberseite des Gehäuses sein muss. Es hat einen Grund, dass diese Konstruktion in der Luxus-Klasse im Grunde nicht mehr verwendet wird, auch wenn sie recht günstig ist. Heller, nicht präzise klackender, nicht unauffälliger Klang bewegt die Tastatur im besten Falle in die Belanglosigkeit. Es ist noch okay, zumindest ohne Kontext.
Akustik: Im Vergleich enttäuschend
Denn im Konkurrenzvergleich fällt die MX 8.2 akustisch deutlich ab. Eine NZXT Elite Function (Test) klingt satter, etwas ploppiger, dafür viel hochwertiger für 70 Euro weniger. Eine Keychron K2 HE (Test) kann das ebenfalls dezenter und tiefer ohne akzentuierte Prägnanz, die mit „Gaming“ assoziiert wird. Leiser und angenehmer tritt auch Sharkoon SGK50 PBT (Test) auf, die schon gut 150 Euro weniger kostet, vielleicht nicht ganz so fein abgestimmt, aber dafür gut ausgewogen.
Letztlich kann man in diesem Punkt durchaus zu einem Produkt für die Hälfte greifen. Mit präziserem Klang, klarem, kurzem Ticken präsentieren sich auch die Hator Skyfall Mag Ultra (Test) oder eine Akko Mod68 HE (Test) akustisch erheblich schöner. Kein Wunder: Mehr Dämmschichten, ein umschließendes, bei Akko sogar aus Metall gefertigtes Chassis sind mehr als schöner Schein. Akustisch hält Cherry daher nicht mit aktuellen Modellen mit. Vor ein paar Jahren wäre das anders gewesen.
Alltag: Bieder funktional
An vielen Stellen wirkt die MX 8.2 Pro TMR nicht ganz zu Ende gedacht, als fehle der letzte Enthusiasmus. Es sind Kleinigkeiten, die zusammen mit den Tastern und der Beschriftung den Gesamteindruck eines komplett durchschnittlichen Produkts prägen. Fehlende Capslock-LEDs etwa stören am Rande, Stellfüße mit nur einer Position sind in der Klasse ebenfalls selten.
Ob dichte Tastenreihen sinnvoll sind, ist ein wenig eine Frage des Geschmacks. Im Test hat das Layout irritiert. Wer kompakt will, hat schließlich das 75%-Layout. Verglichen mit der MX 8.2 wirkt es wie die bessere Wahl: Es hat klar positionierte Tasten und ist noch einmal schmaler. Ansonsten funktioniert die MX 8.2. Man kann halt drauf tippen. Diese recht lakonische Aussage fängt den Eindruck gut ein, den die Tastatur hinterlässt.
Software: Anschluss verpasst
Bei der Software macht Cherry einen Schritt nach vorne. Die unzeitgemäße Utility-Software der teuren MX 8.3 TKL wird durch MagCrate für Windows und Mac ersetzt. Damit können Tasten und LEDs eingestellt und die Beleuchtung programmiert werden. Zudem erlaubt Cherry das Ändern der FN-Ebene, die Taste selbst muss jedoch an Ort und Stelle bleiben.
Ein Schritt reicht allerdings nicht, wenn man damit nur etwa das bietet, was die Lifestyle-Marken können, minus deren einheitlich blinkenden Ökosysteme. Den Funktionsumfang von Wooting, Akko oder Keychron erreicht Cherry nur fast.
Eine Web-App, die selbst schwerfällige große Marken mittlerweile zum Standard erheben, fehlt – von quelloffener Firmware ganz zu schweigen. Beliebiger Durchschnitt zu sein, reicht nicht, die Software-Seite verdient sich ein weiteres, bloßes „okay“. Visuell erinnern Aufbau und Layout zudem an Akko-Software – sie ist also auch nichts, mit dem sich Cherry irgendwie abheben kann.
Fazit
Warum ist Cherry in (Enthusiasten-Kreisen) kaum noch relevant? Die MX 8.2 Pro TMR liefert die Antwort. Man geht nicht voran, man rennt in vielen Bereichen mit der lässigen passt-schon-Attitüde einer Lifestyle-Marke hinterher, deren Image man aber nicht hat. Die „Gaming“-Attribute der MX 8.2 hätten vor fünf Jahren am Markt gut ausgesehen, funktionieren heute aber nicht mehr, um über weniger ausgewogene Aspekte hinwegzutrösten, nicht einmal bei Razer und Co, deren „Ruf“ Cherry bei Weitem nicht hat.
Man darf das nicht falsch verstehen: Die MX 8.2 Pro ist an sich kein schlechtes Produkt, aber sie ist eben auch keines, das heraussticht oder die Begeisterung entzündet, die zum Zücken von 230 Euro verleitet. Das kann sie nicht, wenn sie wie ein vollkommen beliebiges, biederes Eingabegerät wirkt. Man kann es benutzen ohne zu leiden. Aber warum sollte man? Antworten liefert sie nicht, nicht einmal in Form der TMR-Tasten. Sie sind kein gigantischer Vorteil für den Normalnutzer, sondern eher eine inkrementelle Verbesserung.
Dergestalt kann sich die Tastatur nur über den Preis hervorheben. Eine Monsgeek M1 V5 TMR gibt es günstiger mit Vollmetallgehäuse. Im sehr gangbaren 80%-Format erscheint die Hator Skyfall Mag Ultima Wireless (Test) für die Hälfte eine bessere Wahl, im gleichen Layout die Logitech G515 Rapid (Test) mit flachen Tasten für, man ahnt es, die Hälfte. Wenn dieses Segment am Ende die eigentliche Konkurrenzklasse der MX 8.2 Pro TMR stellt, dann ist die letzte Schlussfolgerung des Tests diese: Es definiert auch einen realistischen Preis.
- Einstellbare, solide Taster
- Kompaktes Layout
- Mecha-Hot-Swap nicht für alle Tasten
- Akustik mäßig
- Schlecht lesbare Sekundärfunktionen
- Beschriftung teils pad printed
ComputerBase hat die MX 8.2 Pro TMR von Cherry leihweise zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.
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