Aautobahn, Güterverkehr und Staus

omavoss

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Hallo alle,
ich hatte in den letzten Monaten und Tagen mehrfach Gelegenheit, zwischen Hof und Görlitz die Autobahn "benutzen" zu müssen. Dort spielen sich teilweise chaotische Zustände ab; bei Nossen ist eine Baustelle, die über mehrere Monate besteht und täglich ca. eine halbe Stunde und mehr Stau verursacht, ein Ende der Bauarbeiten ist nicht abzusehen.

Auf der rechten Spur fahren bzw. stehen LKW hinter LKW, fast wie bei einem Güterzug. Auf der mittleren Spur "kämpfen" die LKW um einen der "vorderen Plätze", der Kampf geht teilweise über mehrere Kilometer. Links und in der Mitte quälen sich die PKW voran.

Ich habe heute gelesen, dass sich ca. 80% des Güterverkehrs auf der Straße bewegen, dabei führt von Hof bis Dresden und darüber hinaus eine Bahnstrecke ziemlich genau parallel zur Autobahn. Muss das unbedingt so sein, dass alles über die Autobahn transportiert wird? Kann man nicht bessere Möglichkeiten schaffen, um den Güterverkehr auf die Bahn zu bringen?

Ich schüttel nur den Kopf über derart kopflose Verkehrsminister in unserer Regierung. Ich möchte gern mal eure Meinung darüber lesen. Knicken diese Politiker gegenüber der Autolobby ein, oder ist die Bahn-Lobby nur nicht stark genug? Haben die verantwortlichen Politiker nur nicht genug "Arsch in der Hose"? Geld scheint ja offenbar genug vorhanden zu sein.

Sucht mal bitte im Internet nach "Container Terminal Zwickau" oder Container Terminal Chemnitz", überall scheinen die "Lichter aus zu gehen". Was soll das? Sollen möglichst alle Güter über die Autobahn transportiert werden? Ich tippe allerdings auf verfehlte Verkehrspolitik von allen Seiten.

Viele Grüße.
 
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AW: Autobahn, Güterverkehr und Staus

Also lieber Polen, Tschechen, Rumänen und sonstige Billigarbeiter die Transporte erledigen lassen, und die Deutschen sollen dafür im Stau rumstehen. Naja, diese Leute kriegen zumindest für die Zeit, die sie innerhalb Deutschlands verbringen, wenigstens den Mindestlohn. Warum eigentlich ist die Bahn teurer als die LKW? Jeder LKW transportiert ca. 25 Tonnen, die passen locker auf einen Waggon der Bahn. An den "Lokführer" hängen wir sagen wir mal 30 Waggons dran; ein Lokführer kostet ca. 3000 Euro Lohnkosten, 30 LKW-Fahrer kosten sagen wir mal ca. 60 000 Euro: Was willst du dann bei der Bahn noch billiger machen?

Die Bahn "kauft" beim Netzbetreiber (Schiene) Benutzungsgebühren, die LKW-Speditionen "kaufen" bei der Infrastruktur NICHTS, diese Kosten bestreitet der Steuerzahler; bis auf die Maut, die sicherlich nicht alle Kosten für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur abdeckt.

Überall wird über autonomes Fahren diskutiert; warum eigentlich kann ein einzelner Waggon oder ein ganzer Zug nicht autonom fahren? Wir leben im 21. Jahrhundert! Jeder Waggon kriegt einen Motor und einen Stromabnehmer, der Waggon kriegt sein Ziel genannt und ab geht die Fuhre. Dafür braucht man aber die Container-Terminals. Ich verstehe deshalb nicht, warum deren Betreiber "auf dem letzen Loch pfeifen". Kann doch auch mal ein paar Stunden länger dauern als auf der Straße, wenn das nicht Tage oder gar Wochen sind. Selbst für gekühlte Waren wäre das möglich, Strom wird in manchen Fällen sogar verschenkt! Es ist nach meiner Meinung nur eine Frage des Wollens und nicht des Könnens, zumal mehr und mehr über KI diskutiert wird. Hier könnte sich die KI einmal mehr beweisen, was unter "Künstlicher Intelligenz" zu verstehen ist!
 
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Meiner Meinung nach ist das Schienennetz überfordert und die Transportzeiten sind zu lang.
Von daher ist ein LKW in vielen Fällen nicht vermeidbar.
Mit der Schiene kann man nur ein "Grundrauschen" erzeugen, also wenn es keine Eile hat.
Das ist aber heute eher nicht der Fall, weil viele Firmen von der Hand in den Mund arbeiten und auf pünktliche Lieferung angewiesen sind.
 
Überfordert?? Mensch, zu DDR-Zeiten ist hier alle 10 Minuten ein Güterzug vorbeigeklappert, und zwar in jeder Fahrtrichtung! Und heute? Wenn Du Glück hast, kommt innerhalb von zwei Sunden mal ein Güterzug vorbei! Ich lebe direkt an der Strecke von Hof nach Dresden und ich weiß, was ich täglich erlebe, oder gerade "nicht" erlebe! Ja, die Transportzeiten sind zu lang; das ändert sich erst, wenn die LKW noch länger im Stau stehen, und das dauert hoffentlich nicht mehr allzu lange, damit die Verkehrspolitiker endlich mal aufwachen! Geschlafen haben sie nun lange genug!
 
Auch das Staustehen wird nicht viel ändern... Das Problem ist, dass Unternehmen die LKW als fahrende Lager verwenden weil sie günstiger sind als Lagerraum in der Produktion.
Deswegen ist auch die Schiene unbeliebt, weil diese wäre erst dann effizient wenn man entsprechende Stückzahlen transportiert und auch lagern kann.

Ob ein LKW im Stau steht ist jetzt aber nebensächlich, solang die Ware regelmäßig ankommt. Ob das statt 1 Tag nun 2 Tage dauert interessiert weniger, die fahren eh Intervall.
Solange man den LKW preislich nicht unattraktiver macht, werden die kaum weniger werden.
 
Flexibilität, es dreht sich alles um die Flexibilität.
Du willst 10 Tonnen von Portugal nach Bulgarien Transportieren?
Kein Problem, zwei LKW-Fahrer, ein LKW und bissel Sprit, ab geht die Fahrt.
Schonmal versucht Güter per Zug über mehrere Länder zu Transportieren? viel Spaß.
Einladen, Ausladen, Umladen, Einladen, Ausladen, Umladen, Einladen .... da wirst wahnsinnig (und was das kostet)

anderes Beispiel:
Warenanlieferung Supermarkt:
von Zentrallager Fährt ein LKW weg, kommt an, Läd aus und geht wieder.... einfach.
Bahn: Ganzer Zug für 10 Tonnen Lebensmittel? hmm
wie kommt der Zug zum Supermarkt? garnicht!
also wieder Umladen und doch wieder den LKW für die letzten Meilen nutzen.


Die Bahn ist einfach zu Unflexibel geworden.
Zudem will man Täglich die nötigen Waren, nicht einmal im Monat einen riesen Vorrat.
 
omavoss schrieb:
An den "Lokführer" hängen wir sagen wir mal 30 Waggons dran; ein Lokführer kostet ca. 3000 Euro Lohnkosten, 30 LKW-Fahrer kosten sagen wir mal ca. 60 000 Euro: Was willst du dann bei der Bahn noch billiger machen?

Hier sprichst Du einen Aspekt unter vielen an, warum das derzeit nicht gewollt sein könnte:
Sagen wir mal lieber, ein Güterzug kann eher 100 - 200 LKW ersetzen, das wäre weit realistischer. Was machen diese 100 - 200 LKW-Fahrer, deren Arbeitsleistung jetzt plötzlich nicht mehr gebraucht wird? Und da es sich ja nicht um einen Zug handelt, sondern um hunderte oder tausende Züge, die LKWs ersetzen könnten, würde das hunderttausende LKW-Fahrer betreffen. Alle Hartz-4? Dann wären sie weit teurer für die Allgemeinheit, als sie einfach weiter fahren zu lassen. Und längst nicht alle LKW-Fahrer sind Bulgaren, Rumänen, etc., wie von Dir dargestellt.

Versteh mich nicht falsch, ich sehe sehr wohl, dass eine Verlagerung auf ein Schienennetz viele Probleme beseitigen könnte. Ganz zu schweigen von dem immensen Vorteil, was die Umweltbelastung angeht.

Die Welt steht vor einem nie dagewesenen Strukturproblem, für das niemand eine Sofortlösung parat hat:
Durch technologischen Fortschritt und auch durch die Erleichterung von Vergleichen im Internet wird mehr und mehr menschliche Arbeitskraft eingespart. Und zwar gerade dort, wo nur geringe Qualifikation erforderlich ist. Wohin mit all den Menschen, die nicht mehr als Hilfstätigkeiten oder durch KI ersetzbare Tätigkeiten verrichten können?

Zudem verlagert sich durch die Transparenz des Internets die Bereitschaft der Verbraucher, Geld in die Hand zu nehmen.
Ein Beispiel anhand eines Computerhändlers, da wir ja hier in einem Computerforum sind:
Wer von Euch wäre bereit, für einen fertig zusammengebauten Computer (nach eigenen Wünschen) 3.000 € bei einem kleinen Computerladen auszugeben (ganz gleich wie gut der Service dort auch sein mag), wenn er online (zB bei Amazon) dasselbe Produkt für 1.800 € bekommen kann?
Es kümmert doch kaum jemanden, dass der kleine Computerladen diesen Preis nehmen muss, denn er bezahlt weit mehr an Miete für sein Ladengeschäft in der Stadt (Amazon hingegen hat ein riesiges, vollautomatisiertes Lager mitten im nirgendwo, wo Grundstückspreise und Steuern nicht mehr ins Gewicht fallen); der kleine Laden kauft 10 Grafikkarten desselben Typs, Amazon dagegen 500.000 Stück, usw.

Wir haben eine Diskrepanz in Sachen fordern und Bereitschaft zu zahlen. Zahlen wollen wir alle nur das unbedingt nötigste, aber wenn es darum geht, mehr Geld für die eigene Arbeit zu fordern, sind wir alle sofort da. Wenn zB DHL ihre Preise auf 20 € pro Sendung erhöhen würde, damit die Fahrer endlich mal halbwegs anständig verdienen, hängt dreiviertel Deutschlands im Internet auf der Suche nach günstigeren Anbietern. Und diejenigen, die dann zu einem günstigeren Anbieter gewechselt sind, sind die ersten, die sich empören, wenn verlautbart wird, dass die scheinselbständigen Fahrer in Wahrheit weniger als 4 € pro Stunde verdienen. Und das tun sie genau so lange, bis dieser Anbieter plötzlich auch 20 € pro Lieferung verlangt, weil er dieses Übel abgestellt hat. Dann sind sie wieder im Internet auf der Suche nach billigeren Anbietern... .


Das ganze schweift jetzt aber etwas zu sehr ab, nur greift hier thematisch eines in das andere. Ich möchte allerdings keine OT-Diskussion auslösen und breche daher an dieser Stelle mit meinen Ausführungen ab.


Ferner bleibt nur noch zu sagen, dass das Bahnnetz nicht mal ansatzweise das leisten kann, was das öffentliche Straßennetz leisten kann. Auch dies wäre ein weiterer Grund für das von Dir beobachtete Phänomen.


In der Schlussbetrachtung sei - vereinfacht gesagt - angemerkt, dass Deine Thematik und Fragestellung wesentlich komplexer ist, als man vermuten mag. Ich habe nur einige kleine Punkte umrissen, es gehören noch weit mehr dazu. Eine einfache Lösung wird es auf Deine Fragestellung nicht geben.
 
Warum lässt Du Dein Auto nicht stehen und fährst mit der Bahn, dann haben die LKWs mehr Platz und Du stehst nicht im Stau.
 
Vermultlich zu bequem oder schlechte Verbindung.

Die Bahn könnte schon lange quasi autonom fahren wenn Sie den möchte. LZB ist ja quasi das aber das wird nicht flächendeckend eingesehen.
Denke auch nicht das es komplett ohen TF geht.
 
Andere Länder haben vor Jahrzehnten viel Geld in die Hand genommen um für den Güterverkehr ein separates Schienennetz zu bauen, Deutschland hat diese Länder belächelt.

Weder das Schienennetz noch die Güterwaggons der DB (die auch weitestgehend Sanierungsstau haben) sind in der Lage einen nennenswerten Anteil des Güterverkehrs aufzunehmen.

Der Fahrplan der Bahn ist deutschlandweit hochgradig verzahnt, nur weil auf einer Schiene kaum gefahren wird heißt das nicht automatisch das auf der Trasse sich Kapazitäten frei sind, die Züge müssen da ja hin.
 
Früher gab es auch in D keine Probleme mit dem Güterverkehr, aber mittlerweile wurden so viele Weichen abgebaut und Überholgleise stillgelegt, das die Güter einfach hinten dran sind und einfach stehen müssen.
 
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