Berufswahl: Kompromiss aus Design und Technik/Mechanik?

Nukleareswinterkind

Lt. Commander
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So, ich habe es endlich geschafft, mein Abitur liegt hinter mir. Im Moment erfülle ich meine staatliche Pflicht und leiste meinen Zivilen Dienst in einem Altenheim ab (Leute geht zum Bund! :lol:).

Und dann? Ich habe mir immer wieder diese Frage gestellt aber ich weiß einfach immer noch nicht so richtig was ich werden soll. Ich tendierte bis vor kurzem zwischen Design (speziell Fotodesign) und Technik (Bauingenieur), bis ich eines Tages die Notbremse in der S-Bahn betrachtet habe und mir aufgefallen ist, dass diese rein funktionell ist und kein Designer seine Finger im Spiel hatte.

Da kam ich auf die Idee ob es nicht einen Beruf gibt der ähnlich wie der Wirtschaftsingenieur ist nur eben mit Design und nicht mit dem wirtschaftlichen Teil.
Der Wirtschaftsingenieur hat ja quasi eine Vermittlerrolle zwischen dem Ingenieur und dem Betriebswirt, der Ingenieur würde gerne beispielsweise alles aus teuren Titan bauen, hat aber keine Ahnung davon wie schwer es ist an das Material heranzukommen und wie sich dann die kosten entwickeln würden, der Betriebswirt aber würde das lieber aus billigen Gusseisen bauen, versteht aber vom konstruieren absolut nichts, und da kommt der Wirtschaftsingenieur ins Spiel (oder verstehe ich das falsch?).

Aber egal, darum geht es gar nicht, ich wollte nur auf die Vermittlerrolle aufmerksam machen, da man das auch auf das Gebiet des Designs anwenden kann. Ich habe ja schon das Beispiel des Notbremsenhebels genannt, welcher vollkommen unästhetisch aber funktionell war.
Nun ein Designer versteht absolut nichts davon wie man Dinge stabil und funktionell baut, aber wie man sie ästhetisch aussehen lassen kann, und ein Ingenieur weiß zwar wie er das stabil und funktionell konstruieren kann, das Ergebnis sieht nur meistens einfach nicht gut aus.

Gibt es also einen Beruf, der zwischen Design und Technik vermittelt? Ich bin schon beim Design-Ingeneur gelandet, aber das ist was komplett anderes.
 
mediendesign ? (audio bereich z.B)

industriedesign ? (bau von gegenständen, anderen gütern nach aussehen und funktionalität)
 
Ich habe noch nichts von einem Kompromiss gehört. Wenn ein Unternehmen beispielsweise einen Türgriff herstellen will, dann bedient sie sich im Moment dreier Leute:
*Der Ingenieur ermittelt wie der Griff ausgelegt werden kann, welche Materialien dafür in Frage kommen und erstellt auf dieser Basis erste Berechnungen (man muss dazu sagen, es gibt natürlich reine Berechnungsingenieure und Konstrukteure, die das unmögliche möglich machen).
*Der Betriebswirt prüft inwiefern man einen Türgriff am Markt absetzen kann, wo Marktchancen bestehen und wo nicht. Er schaut, ob man Alleinstellungsmerkmale braucht, um sich erfolgreich am Markt zu platzieren (beim Türgriff wahrscheinlich unmöglich) oder ob das Produkt nach dem Preis produziert werden muss. Auf dieser Grundlage gibt er dem Ingenieur Vorgaben, wie teuer das Produkt werden darf und wie groß die produzierte Serie etwa wird, von der wiederum das Herstellungsverfahren abhängt.
*Der Designer ist optional. Tatsächlich gibt es nur wenige Produkte, bei denen Design so wichtig ist, dass man dafür ein eigenes Team oder Mitarbeiter darauf ansetzt. Ingenieur und Marketing'ler im Verbund überlegen sich, wie man das Produkt "cool" aussehen lassen kann.

Deine Definition vom Wi-Ing ist im Großen und Ganzen richtig. Allerdings wird heute auch schon puren Maschinenbauern von Anfang an eingeimpft, so billig wie möglich zu produzieren. Und ist es eher so, dass betriebswirtschaftliche Kenntnisse für einen reinen Ingenieur immer wichtiger werden, während der Betriebswirt meines Wissens keine derartige Querausbildung braucht.
Nach einigen Semestern als Wi-Ing habe ich aufgegeben nach einer allgemeinen Definition zu suchen. Ich strebe eher den Wirtschaftsbereich an, während andere Kommilitonen 10 mal besser im Konstruieren sind als ich ;)
Von einem Designingenieur habe ich bislang nichts gehört. Ich denke, in dieser Sparte können auch Künstler tätig werden (irgendwo muss man sie ja in unserer Gesellschaft unterkriegen), die ein umfassendes Verständnis von Formen, Farben und so weiter haben. Meine Kenntnisse gehen da nicht über den Kunst GK hinaus...
Aber gib die Suche nicht auf. Apple zeigt ja eindrucksvoll, dass man kein gutes technisches Produkt liefern muss, wenn das Design überzeugt. Aber du solltest dir auch klar machen, dass maximal geschätzte 20% aller produzierten Technik, seien es Lamellenkupplungen oder TV-Fernbedienungen, wirklich vom Käufer gesehen und bewusst oder unbewusst an Design-Merkmalen bewertet werden. Oft wirkt Technik nur im Hintergrund und fällt erst dann wirklich auf, wenn sie nicht so funktioniert, wie sie soll.
Daher gilt fast immer der militärische Leitsatz: 'Form follows function'.
 
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Die Vermittlung zwischen Designer, Konstruktion und Produktion übernimmt in den meisten Betrieben der
Produktkonstrukteur bzw. Projektingenieur.
Viele Designer haben technische Wissen und benötigen dieses auch. Denn ein Design muß sich auch
technisch umsetzen lassen. Auch hier gelten physikalische und technische Grundsätze. Der Designer, der
dieses nicht versteht ist fehl am Platz.
Der Ingenieur spielt dann eigentlich die Vermittlerrolle zwischen Designer und z. B. Werkzeugmacher.
Als Ingenieur unterliegt er fast immer Kostenvorgabe. Wer hier nicht konkurenzfähig oder wirtschaftlich
konstruiert, ist in seinem Beruf auch nicht richtig aufgehoben. Der Projektingenieur beschäftigt sich zudem
mit der wirtschaftlichen Fertigung. Hier wird der Kompromiß zwischen Design, Kosten (z. B. Werkzeuge und
Material), sowie der eigentlichen Produktfertigung geschlossen. Dieses gilt jedoch nicht in allen Bereichen.
Es gibt rein funktionelle Produkte (Verbindungselemente, Notbremshebel), wie auch designtechnische
Produkte, z. B. Gehäuse von Fernbedienungen, Telefone usw.
Design, Technik und Kosten gehören zusammen, dieses lernt auch ein Industriedesigner.
 
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