BWL / Rechnungswesen: Cashflow und Eigenkapitalrentabilität berechnen

Sossenbinder

Lieutenant
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Moin,

ich habe da mal eine Frage an diejenigen, die sich mit Bilanzierungen und Finanzwesen auskennen.
Ich mache grade meinen Master in Sozialmanagement und stehe mit unserem Dozenten für Finanzierungsformen auf dem Kriegsfuß. Uns wird meiner Meinung nach nur gefährliches Halbwissen beigebracht, gespickt mit ein paar Formeln und dann sollen wir einfach machen. Natürlich hat am Ende des Tages das ganze Semester falsche Ergebnisse und keiner ist schlauer als vorher.
Bevor ich jetzt in irgendeinem BWL-Forum suche, dachte ich mir ich versuche hier mal mein Glück.

Folgende Aufgabe:

Wir sollen den Cashflow und die Eigenkapitalrentabilität der "Transparancy international Deutschland e.V." berechnen (für die Jahre 2011, 2012, 2013). Die Jahresberichte und Zahlen findet man hier im Netz

Uns sind folgende Formeln gegeben worden:

Eigenkapitalrentabilität:

Gewinn = Eigenkapitalrentabilität
EK

Cashflow:

Jahresüberschuss (Gewinn)
- nicht zahlungswirksame Erträge
+ nicht zahlungswirksame Aufwendungen
_________________________________
= Cashflow


Meine Annahme: Der Gewinn ,der in beiden Formeln zum Einsatz kommt ist der Selbe, da Gewinn = Gewinn. (Die Formeln stehen so in unserem Skript)

Hier die Musterlösung unseres Dozenten:
Lösung.jpg
Es geht mir nur um den Gewinn!!! (Die Werte sind blau umrandet)
Wie zu sehen ist, hat unser Dozent unterschiedliche Gewinnwerte verwendet.
Ich habe folgend nochmal die Werte aus der Bilanz rot markiert (exemplarisch für 2012)
Bilanz.jpg

Und hier nun meine Frage: Woher weiß ich, welcher (Gewinn-) Wert für mich als Grundlage für meine Berechnung gilt?

Mein Dozent antwortete mir wie folgt:
die unterschiedlichen Werte resultieren aus der unterschiedlichen Zielsetzung, die mit den Kennzahlen einhergeht:
Bei der EK-Rentabilität haben wir nur das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit zurate gezogen, da wir sehen wollten, wie "rentabel" die Kerntätigkeit von TI ist.
Beim Cash flow betrachtne wir ebenfalls Gewinngrößen, sind aber an der Liquiditätswirkung interessiert, da mit der Liquidität andere finanzwirtschaftliche Ziele verbunden sind als mit der Rentabilität. Daher haben wir das Gesamtergebnis herangezogen, um zu sagen: "Ein Geschäftsjahr hat diese Liquditätswirkung erbracht".
Anhand der verschiedenen Betrachtungsweisen lassen sich die Unterschiede zwischen dem Rentabilitätsziel und dem Liquiditätsziel gut nachvollziehen: Geht es bei der Rentabilität um Substanzerhalt (beim gemeinnützigen Dienstleister) und Effizienzoptimierungen, so dient die Liquidität der unmittelbaren Existenzsicherung, weswegen in die Betrachtung der Gesamtüberschuss einbezogen wurde.


Ich werde daraus leider nicht schlau.
Also kann mir hier jemand erklären, warum Gewinn nicht gleich Gewinn ist und wann ich welchen Wert zu nehmen habe und warum? IN EINFACHEN WORTEN BITTE :)

Vielen Dank schonmal an die, die sich mit dem Zahlensalat hier auseinandersetzen
 
OK, eigentlich ist die Sache ganz einfach:

Einmal wird er Gewinn betrachtet aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit:

Du hast einen Erlös von 100.000 für verkaufte selbsthergestellte Waren, davon ziehst Du die Kosten ab, die in diesen Erlös unmittelbar einfließen, nämlich beispielsweise das verbrauchte Material, die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter, die in die Herstellung unmittelbar einfließen, die anteilig auf diesen Umsatz entfallenden Gemeinkosten, etc.pp. !

Das Ergebnis ist der Gewinn aus Deiner gewöhnlichen Geschäftstätigkeit.

Nun werden von diesem Gewinn aber handelsrechtlich, steuerrechtlich und betriebswirtschaflich Kosten abgezogen, die nicht unmittelbar mit Kosten zusammenhängen, für die in der betrachteten Periode auch Geld geflossen ist; Beispiel:

Die Maschine, die für die Produktion Deiner Waren eingesetzt wird, wurde schon vor drei Jahren gekauft und bezahlt; im Jahr des Kaufes wurde nur ein Teil des damals bezahlten Geldes als Aufwand vom Gewinn abgezogen, nämlich der Wert der jährlichen Abschreibung. Sagen wir mal die Maschine hat 100.000 damals gekostet, dann wurden bei einer Nutzungsdauer von fünf Jahren im ersten Jahr lediglich 20.000 vom Ertrag abgezogen. Genausoviel werden dann auch in dem Jahr wieder abgezogen, in dem Du die 100.000 Umsatz machst und reduzieren zwar Deinen Erlös um eben diese 20.000, es wurde in diesem Jahr aber keine Zahlung über 20.000 dafür geleistet, sondern die erfolgte gleich mit der Anschaffung.

Berechnet man nun Gewinn einerseits und Liquidität und Cashflow andererseits für die Periode, in der wir den Umsatz von 100.000 bertrachten, haben wir also unterschiedliche Ergebnisse für Gewinn und Cashflow, weil wir dabei unterschiedliche Dinge betrachten, einmal eben den Ertrag aus der reinen Produktion bzw. Tätigkeit, zum anderen wollen wir das Liquiditätsverhalten betrachten.

Dies ist nun etwas vereinfacht von mir dargestellt, aber ich denke, Du kannst dennoch daraus leicht die unterschiedlichen Zielsetzungen und die Ansätze für deren Berechnung erkennen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Man kann auch den Cash-Flow ausgehend von dem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit berechnen. Hier müssten dann aber noch die Veränderungen der Rücklagen betrachtet werden sowie Gewinn-/Verlustvorträge. Der Bilanzgewinn enthält schon diese Cash-wirksamen Korrekturen und somit wurde dieser als Aufsatzpunkt gewählt. Es ist somit einfach eine kürzere Berechnung beim Cash-Flow.
 
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