Es gibt durchaus Leute in der Sim-Racing-Community, die den Einfluss von E-Sports negativ bewerten. Aber das ist halt irgendwo ne Grundsatzdiskussion. Ich finde es auch eher schade für alle anderen.
Sim-Raching bringt nun jede Menge Nischen mit aber wie wir uns beide einig sind, gibt es das vollständige F1-Erlebnis ja nur dort. Umso tragischer natürlich, dass das Game zuletzt mit jeder neuen Version eher verschlimmbessert wird. Man muss sich nur mal ensprechende Videos vom hier schon genannten DaveGaming von F1 2017 auf Youtube ansehen. Da wurde deutlich mehr Mühe in den Karrieremodus gesteckt. Auch wenn es in der Rückschau ein wenig kringelig sein mag, gefiel mir der Ansatz den Karrieremodus mit Zwischensequenzen usw. so zu gestallten, dass man sich wirklich so fühlt, als kenne man sein Team deutlich besser. Jetzt hängt man halt eher nur in Menüs rum. So super interaktiv und immersiv finde ich das nicht.
Nach allem was ich so über die F1 weiß - und ich glaube, dass es schon bisschen was ist - ist dein Ziel nach der Jagd von reelen Rundenzeiten bei gleichzeitig hohem Realismus eigentich nicht umsetzbar. Adrian Newey hat in seinem Buch z.B. geschrieben, dass ein F1 Auto überhaupt nicht schwer zu bewegen sei. Das Shiftlight leuchtet, du schaltest, man fährt. Problematisch wird es da, wo es heißt das Auto kontinuierlich am Limit zu bewegen.
Und jetzt sehe man sich die moderne F1 und deren Fahrer mal an. Es ist ja nicht so, dass da nur die Nackenmuskeln trainiert werden, um den G-Kräften zu wiederstehen. Regelmäßiges Reflex-Training gönnt sich wohl kaum jemand, der vom heimischen Rig aus auf Zeitenjagd geht. Wäre F1 wirklich hardcore realitätsnah, müsste eigentlich die große Mehrheit der Spieler komplett in die Röhre schauen, was kompetetive Zeiten angeht. Jetzt wird der eine oder andere wohl einwenden, dass die moderne F1 im Rennen ja aufgrund der Reifen garnicht am Limit fährt, dennoch gibt es ja auch in der Realität immer mal wieder Fahrer, denen der Film zu schnell abläuft bzw. man eine gewisse Überforderung wahrnehmen kann. Siehe hier Sargeant letztes Jahr. Und wo wir den Reifen schon erwähnen. Wäre dieser realistisch simuliert, fände der Nerd in mir das sicher klasse, aber ich weiß nicht, ob das eine spaßige Erfahrung ist, wenn man auf seiner Outlap den Reifen ins exakte Temperaturfenster bringen muss, damit überhaupt was geht. Gleichzeitig muss man dann Zielzeiten im Rennen einhalten, um den Reifen möglichst lang zu konservieren, da ja das Ziel (nach Möglichkeit) immer der Einstopper ist.
Und jetzt kann man diese Gedanken noch mit dem Umstand kombinieren, dass die am häufigsten anzutreffende Hardware immer noch das Logitech G29 oder G920 ist. Kann man damit Spaß haben? Natürlich kann man das, aber Realismus findet dann ja nichtmal auf dem gleichen Kontinent statt.
Mir ist klar, dass das alles schon recht offtopic ist bei ner News über den dritten Teil des Story-Mode, aber Simracing und F1 ist nunmal etwas, dass mich umtreibt. Die Quintessenz ist für mich hier, dass der Simcade-Ansatz schon der Richtige ist. Das Ganze soll sich nach F1 anfühlen und den Flair mitbringen. Die aktuelle Ausrichtung des Fahrverhaltens auf E-Sports-Veranstaltungen (die dann teilweise nichtmal stattfinden oder Cheaterskandale mitbringen) und der einseitige Fokus auf Gewinnmaximierung ohne ein besseres Produkt zu liefern sorgen im Ergebnis wohl dafür, dass die Verkaufszahlen sinken.