Gehaltsverhandlung

World_Citizen

Ensign
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Okt. 2007
Beiträge
239
Hi alle zusammen,

ich hab mal eine Frage.
Ende Januar steht das Beurteilungsgespräch bzw. Jahresgespräch mit meinem Chef an.
Ich habe im Februar meine Berufsausbildung bei der gleichen Firma abgeschlossen.
Damals war noch ein anderer Abteilungsleiter der meinte: direkt nach der Ausbildung kann man am Gehalt nix machen aber wenn das so läuft wie er sich vorstellt dann können wir in sechs monaten drüber sprechen. Vor Ablauf der 6 Monate hat er gewechselt.
Mein aktueller Verdienst ist der Tariflohn nach Gehaltsgruppe G3. Ich habe einen Unbefristeten Vertrag und mache eine Weiterbildung deren Kosten komplett übernommen werden, für Tage an denen komplett unterricht ist werde ich ohne Gehaltsabzug freigestellt.
Seit ich fest angestellt bin habe ich folgende Tätigkeiten durchgeführt:
- Mitarbeit bei Projekten
- Übernahme selbstständiger Tätigkeiten
- Anlernen und einweisen von Azubis, Ba lern, und Praktikanten
- Übernahme der Urlaubsvertretung der Kollegin für deren Unterstützung
ich eingestellt wurde

Leider habe ich festgestellt dass mein Verdienst zum teil deutlich unter dem von anderen Personen mit gleichwertiger Qualifikation bei anderen Firmen liegt und möchte mehr gehalt rausholen. als richtwert es liegt momentan bei ca. 1200 netto.
Was wäre realistisch?

Danke&Gruß

P.
 
Interessanter Artikel in der Süddeutschen zum Thema Gehaltsverhandlung.

Richtig mehr Geld verdient man nur mit einem Firmenwechsel. Aber um für andere Firmen interessant zu sein muss man erstmal Erfahrung vorweisen können. Wie alt bist du den wenn man fragen darf? Ich bin der Meinung das man bis Mitte-Ende 20 ruhig ein wenig schlechter verdienen darf.

Und wenn andere besser verhandeln darf man das nicht als Argument für eine Gehaltserhöhung anführen.
 
Hatten die anderen denn tatsächlich die gleiche Qualifikation und die gleiche Erfahrung? Wie siehts mit dem Alter aus?
Diese Punkte erstmal ganz einwandfrei klären bevor du da böse auf die Schnauze fällst.


Also hab ich das richtig verstanden. Du hast deine Ausbildung beendet und dann 6 Monate gearbeitet. In diesen 6 Monaten überdem eine Weiterbildung gemacht?
Und andere Leute verdienen mehr. Von Anfang an das Einstiegsgehalt als Azubi oder wie?
 
Nur mal am Rande: Das Alter ist absolut egal, jemand kann 50 Jahre alt sein und davon 30 Jahre im Job....wichtig ist die Qualifikation (ob diese up-to-date sind) sowie die SPEZIFISCHE Berufserfahrung (ein Krankenpfleger mit 30 Jahren Berufserfahrung ist im Bereich Brandbekämpfung einem 20 jährigen Azubi gleichzusetzen). Ganz abgesehen davon das "Wie alt?" nach AGG "leicht" strafbar ist.

Grundsätzlich: Netto interessiert den Arbeitgeber nicht und du solltest auch nicht dein Nettogehalt mit anderen vergleichen sondern immer das Bruttogehalt. Warum? Nunja, folgende Faktoren haben Einfluss auf das Nettogehalt:

- Steuerklasse
- Religionszugehörigkeit
- Bundesland
- Krankenkasse/-versicherung
- Kinder ja/nein
etc.

Verdienen ein Kollege und du das gleiche Brutto aber er hat z.B. ein andere Krankenkasse und gehört keiner Religionsgemeinschaft an, kann er leicht 100-200€ mehr netto haben als du. Das hat dann aber nichts mit seinem Gehalt zu tun sondern mit anderen individuellen Faktoren.

Bei Gehaltsverhandlungen NIE sagen "Die anderen", "Ich hätte gerne mehr" etc, sondern an konkreten, persönlichen Fakten festmachen:

- Welche Ziele wurden erreicht?
- Besondere Qualifikationen?
- Irgendwelche Projekte/Aufgabe, die für dich komplett neu waren direkt auf Anhieb sehr gut gemeistert?

Zu deinen Ausführungen im ersten Post:

- Mitarbeit bei Projekten => Das gehört zur Arbeit dazu
- Übernahme selbstständiger Tätigkeiten => Das ebenso
- Anlernen und einweisen von Azubis, Ba lern, und Praktikanten => In die Waagschale werfen.
- Übernahme der Urlaubsvertretung der Kollegin für deren Unterstützung => Versteht sich auch von selbst
 
ThePegasus1979 schrieb:
Nur mal am Rande: Das Alter ist absolut egal, jemand kann 50 Jahre alt sein und davon 30 Jahre im Job....wichtig ist die Qualifikation (ob diese up-to-date sind) sowie die SPEZIFISCHE Berufserfahrung (ein Krankenpfleger mit 30 Jahren Berufserfahrung ist im Bereich Brandbekämpfung einem 20 jährigen Azubi gleichzusetzen).

Gewagte These!

Wir gehen wohl eher von einer Situation aus, wo der Wunsch nach mehr Gehalt aus einem Vergleich mit einem Kollegen kommt, der einen ähnlichen beruflichen Hintergrund hat.
Du vergleichst da Äpfel mit Birnen. Ich bin der Meinung das jemand der frisch aus der Ausbildung ist erstmal kleine Brötchen backen sollte. Wenn ich zu entscheiden habe dann schaue ich mir persönliches Talent, Motivation und die Eignung für die eingesetzte Aufgabe an. Und Erfahrung im Beruf spielt sicherlich eine Rolle und ist meistens durch keine Ausbildung der Welt zu ersetzen.

Ein 20 jähriger Azubi der gerade seinen Abschluss hat und nun das erste mal Kontakt mit richtigen Kunden hat, der das erste mal ohne Welpenschutz einen Auftrag zu erledigen hat, kann nicht einmal Ansatzweise so talentiert sein, dass ich sein Gehalt mit dem eines 30 jährigen Angestellten vergleichen könnte der seit 6-10 Jahren im Beruf ist und ggf. noch eine Familie zu versorgen hat.

Ich bin der Meinung man sollte die ersten Jahre seines Berufslebens damit verbringen von den alten Hase zu lernen sich aktiv um Wissen, Methodiken und Erfahrungswerte bemühen. Und wenn man dann irgendwann das Gefühl hat man ist konkurrenzfähig, versuchen sich im Job zu beweisen und auf die eigenen Fähigkeiten aufmerksam machen.

Aber mit einer Argumentation a la Angesteller B und Angesteller C verdienen X und ich nur X - 20%, deswegen möchte ich jetzt auch Summe X, fällt man recht schnell auf die Nase.

Die aufgezählten Argumente des TE finde ich alle "ganz nett" aber das ist nicht wirklich etwas dabei womit man eine Gehaltserhöhung rechtfertigen kann. Es gibt Dinge die sind einfach Teil des Jobs.

Wenn ich natürlich in einer Firma arbeite wo ich als "Einäugiger unter den Blinden" der einzigste "sehende" bin, kann natürlich die Fähigkeit selbstverständliche Dinge erfolgreich zu erledigen auch eine Gehaltserhöhung rechtfertigen.

ScOp3
 
Vieles wurde schon angesprochen: Man kann nur Bruttogehälter vergleichen und auch nur dann, wenn die übrigen relevanten Faktoren vergleichbar sind. Ein wichtiger Punkt ist die Weiterbildung, deren Kosten der Betrieb für Dich übernimmt. Als Arbeitgeber kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass das geringere Gehalt daher kommt, weil Du als Arbeitnehmer durch Deine Weiterbildung höhere Kosten verursacht.

Man muss auch schauen, ob an die Weiterbildung bestimmte Bedingungen geknüpt sind. Das sieht dann z. B. so aus, dass man nach Abschluss der Weiterbildung noch mindestens zwei Jahre in dem Betrieb bleiben muss, ohne Teile der Kosten erstatten zu müssen. Wenn so etwas greift, dann zieht der Vergleich mit anderen Betrieben nämlich nicht.

Ich würde vielleicht noch etwas warten und mich in Geduld üben. Nach weiteren sechs Monaten ist die Verhandlungsbasis ohnehin besser, wenn man damit argumentieren kann, dann man seit dem Abschluss der Erstausbildung immer noch auf dem Einstiegsgehalt sitzengeblieben ist.

Auch der optimale Zeitpunkt will richtig gewählt sein. Wann kommen die Zahlen der Bilanz auf den Tisch? Geht es der Firma gerade gut? Stehen teure Ausgaben (Investionen) an? Wenn die Chefs gute Laune haben und es etwas zu verteilen gibt, hat man bessere Karten.

Also nichts überstürzen! Vor allem gilt es zu überlegen, was man bisher Ordendliches geleistet hat, mit dem man eine Gehaltserhöhung rechtfertigen könnte. Wenn Du immer nur "Dienst nach Vorschrift" machst, bist Du mit dem Tariflohn nämlich genau richtig entlohnt.
 
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