Ich bin in meinem Job komplett am Limit und weiß nicht mehr, ob das noch normal ist

deldorado

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Ich arbeite bei einer IT-Dienstleistungsfirma mit rund 100 Mitarbeitenden im Projektgeschäft. Eingestellt wurde ich über eine Backend-Developer-Stelle, im Vertrag steht aber allgemein „Softwareentwickler“. Erster Vollzeit Softwareentwickler Job seit meinem Master und bin seit 2 Jahren in der Firma.

Seit etwa zwei Jahren betreue ich im Wesentlichen alleine eine komplette Webanwendung eines großen Kunden. Das System besteht aus mehreren Servern auf AWS, Lambdas, S3, mehreren SQL- und NoSQL-Datenbanken und weiterer gewachsener Infrastruktur. Die Anwendung kommuniziert mit IoT-Geräten; aktuell sind etwa 8.000 Anlagen im Feld, die zusätzlich noch lokal angebunden sind.

Am Anfang hatte ich etwas Unterstützung durch einen Senior, aber nach ein paar Monaten lag das Thema faktisch bei mir. Ich habe inzwischen auch das erste Produktivsystem aktualisiert. Das war extrem schwierig, weil die Anwendung über 10 Jahre alt ist, kaum gewartet wurde und die übergebene Dokumentation teilweise nicht funktioniert hat. Eigentlich ist jedes Deployment ein Risiko, weil man vieles nur unzureichend testen kann.

Parallel dazu wollte der Kunde, ein großer Konzern, eine Cloud-Plattform für alle bestehenden und zukünftigen Projekte aufbauen. Zusätzlich zur Betreuung des Bestandssystems wurde ich deshalb auch noch in die Entwicklung dieser Plattform gesteckt. Dort habe ich an Microservices, Kubernetes-Infrastruktur und weiteren Themen mitgebaut. Inzwischen laufen dort ungefähr 10 Projekte, die wir ebenfalls betreuen müssen. Das Team dafür ist sehr klein: etwa fünf Leute inklusive Seniors für DevOps-Themen, dazu kundenseitig ein Softwarearchitekt und ein Freelancer.

Viele Deployments für diese Projekte habe ich ebenfalls gemacht und mir vieles selbst beigebracht. Weiterbildung gibt es praktisch kaum. Im Prinzip heißt es: Kauf dir einen Udemy-Kurs und mach ihn irgendwie nebenbei, plus gelegentliche interne Vorträge. Mehr nicht.

Obwohl ich eigentlich im Backend bin, mache ich inzwischen alles Mögliche: Frontend-Anpassungen, Backend in verschiedenen Sprachen, Linux, Bash, Zertifikatsthemen, Deployment, Betriebsaufgaben und dazu noch organisatorische Themen. Ich habe mit AngularJS, JavaScript, Vue.js, Python, C#, Go und anderen Sachen gearbeitet, je nachdem, was gerade irgendwo brennt.

Dazu kommt, dass wir unsere Zeiten extrem detailliert erfassen müssen, inklusive Ticketnummern und teils in 15-Minuten-Schritten. Gleichzeitig sollen die Tickets immer aktuell sein, es gibt viele Regeln, Zuständigkeiten und Prozesse, und irgendwann verliert man komplett den Überblick. Teilweise erstellen wir unsere Tickets sogar selbst, weil es aus Sicht der Projektleitung „besser“ ist, wenn die Fachleute das direkt machen.

Der Ablauf in den Projekten ist oft ähnlich:

  1. Es wird knapp geschätzt.
  2. Das Budget reicht nicht.
  3. Danach dreht sich gefühlt jedes zweite Gespräch nur noch ums Budget.
Ich führe inzwischen ständig Budgetdiskussionen, obwohl das eigentlich gar nicht mein Job sein sollte. Es fühlt sich oft so an, als würde ich gleichzeitig Entwickler, DevOps, Support, Ticketmanager und halber Projektleiter sein.

Ich habe in den letzten Monaten sehr viele Überstunden gemacht, teilweise nicht einmal vollständig erfasst. Letzte Woche waren es ungefähr 70 Stunden. Heute im Weekly fragte der Kunde nach einer Liste von IoTs, die ich prüfen sollte. Ich hatte das komplett aus dem Kopf verloren, weil ich parallel mit einem kritischen Deployment auf einem Produktivsystem mit tausenden Geräten beschäftigt war und mental einfach völlig überladen bin. Das Thema war zudem nicht einmal sauber als Ticket erfasst.

Meine Projektleitung meinte danach, dass ich dem Kunden so einen Eindruck nicht vermitteln dürfe. Nach außen nicke ich dann nur noch und funktioniere, aber innerlich bin ich komplett leer. Meine Gedanken sind gerade so: "Es macht nichts spaß und freude in meinem Leben, ich hasse diesen Job, ihr gebt mir sowieso keine große Gehaltserhöhung ich weiss wie ihr operiert von Kollegen, ich bin ein Mann der nichts mehr zu verlieren hat."

Ich bin ehrlich: Mir geht es psychisch gerade sehr schlecht. Ich habe ADHS, bei mir wurde in einer Vordiagnose eine Double Depression festgestellt, und ich merke, dass ich seit längerer Zeit eigentlich nur noch funktioniere. Nach der Arbeit sitze ich apathisch vor dem PC, schaue YouTube und gehe irgendwann schlafen. Freude oder Erholung gibt es kaum noch.

Ich bin Mitte 30, alleinstehend, habe wenig Kontakt zur Familie und fühle mich insgesamt sehr isoliert. Mein Gehalt liegt bei 55k inklusive Bonus. Eigentlich war mein Plan, noch auf 3–4 Jahre Erfahrung zu kommen und dann etwas Neues zu suchen, aber aktuell frage ich mich eher, wie lange ich diesen Zustand überhaupt noch durchhalte.
 
Zuletzt bearbeitet:
1. Lass dich krankschreiben und das sofort
2. Such dir Hilfe für deine Depression
3. Anwalt nehmen wegen 70 Stunden, ist das alles dokumentiert im Ticket System? Ja im Projekt Geschäft kommt das mal vor. Scheint wohl öfters zu passieren (Vermutung)
3.1 Wie werden die Überstunden vergütet? Abgegolten mit dem Gehalt? Ausbezahlt oder Freizeit?
4. Nach 2 Jahren die Stelle zu wechseln ist kein Problem gerade bei der Arbeitslast.
5. Bring deine Bewerbungsunterlagen auf den aktuellen Stand. Falls du es nicht selbst hin bekommst gegen Geld beim Dienstleister zu haben. Musst nur den Inhalt liefern.
6. Beim Stellen suchen mach dir Gedanken wo es hingehen soll. Es gibt Tätigkeiten die gerne gemacht werden, manches weniger. Nicht blind in die nächste Stelle rennen nur das gewechselt ist.

Schimmel bitte nicht den ganzen Abend vorm Rechner rum und warte auf Antwort. Wir hier im Forum können dir nur sehr begrenzt helfen. Gleich sind die anderen da 👋 ich meine die wo immer hier Posten.
Geh noch spazieren, versuch etwas zu tun was dir Spaß macht. Zur Not ruf der Mama an 😜 oder sonst jemand den du kennst.
Unterschätze das Thema Einsamkeit nicht. Du schreibst du du bist sehr isoliert, da kann es gerne zum Gedanken Karussell kommen, das dir noch weniger Gut tut.
 
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@deldorado ich sehe das pragmatisch. Du siehst eh keine Zukunft mehr in der Firma (laut Erzählung auch zurecht). Lass dich erstmal 1-2 Wochen krankschreiben und kümmere dich um dich selbst. Dann nur noch das absolute Minimum leisten und währenddessen einen neuen Job suchen. Wenn denen deine neue Arbeitsweise nicht gefällt, dann kannst du dir vielleicht die Kündigung sparen ;)
 
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deldorado schrieb:
Mein Gehalt liegt bei 55k inklusive Bonus.
Ernsthaft? Bei dem Themspektrum, den o. g. Kunden und Arbeitsstunden solltest du das Doppelte verlangen.

Weiterhin mach erst mal 'ne Pause, nimm Dir eine Auszeit, lass den Burnout untersuchen.

Und da Du sowieso keine große soziale Bindung zu haben scheinst, zieh in eine lebenswerte Gegend mit besserem Gehalt um.
 
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Deine Gesundheit geht vor!

Du hast innerlich schon gekündigt, also umschauen, LinkedIn und CV auf den neuesten Stand bringen und Urlaub machen.
 
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Pummeluff schrieb:
Ernsthaft? Bei dem Themspektrum, den o. g. Kunden und Arbeitsstunden solltest du das Doppelte verlangen.
Nö, er arbeitet bei nem Systemhaus/Dienstleister, da ist das ein relativ normales Gehalt mit relativ normalem Aufgabenspektrum. Da gibt es halt viele Ausbeuter...

Das Sie Udemy Kurse anbieten halte ich schon für sehr vorbildlich. Zu meiner Systemhaus Zeit hieß es vom Chef: im Netz findest du die Doku usw. 4h damit bringen dir mehr als jeder dreitägige Kurs. Und ich muss sagen er hatte überwiegend Recht.

@deldorade du musst aufhören alles schaffen zu wollen. Das Einzige was du damit erreichst ist noch mehr Arbeit zu bekommen. Man kann sich durchaus reinhängrn, aber jede Minute über der vereinbarten Arbeitszeit ist die Extrameile und die GIBST du. Die kann man nicht verlangen.

Bezüglich 70h die Woche. Das ist legal nicht mehr machbar. Ich hatte auch schon 70h plus Wochen, aber da hat auch die Hütte gebrannt und ich habe das von mir aus gemacht. Im Normalfall ist aber bei 50h/Woche Schluss. Das hält man auch nicht mehr als ein paar Monate durch, dann muss es auch mal wieder nen freier Tag rein und der Wochenschnitt auf so 38-42h runter.

42 bis max 45h gehen zumindest für mich im Dauerbetrieb noch, darüber hinaus verschleiße ich.

Ansonsten frei dich was du alles gelernt hast in verdammt kurzer Zeit und dokumentiert deine Erfolge. Das macht sich in Bewerbungen immer verdammt gut.

Ich würde da aber nicht mehr 3-4 Jahre in deiner Situation bleiben sondern jetzt anfangen nach etwas Neuem zu suchen. Aber wie gesagt nicht das Erstbeste sondern schon ausgewählt. Für deinen jetzigen Job solltest du schon 80-90k machen können. Je nachdem wo du wohnst.

Gewöhn dich aber dran, das du dich wo anders durchgehend fragst, was zur Hölle die Leute den ganzen Tag machen, weil es so viele Leute für so wenig Arbeit gibt. Du kannst davon ausgehen, das deine aktuellen Aufgaben in normalen Firmen auf 3-5 Mann aufgeteilt werden. Im Zweifel halte ich sogar bis zu 10 für realistisch.

Du bist oft ein ein Mann Tesm. Für dich fällt jedwede Abstimmung weg, was schon mal richtig Zeit ist. Zudem wirst du weniger Dokumentieren und mehr machen und vor allem selbst entscheiden und Risiken eingehen, weil sonst überlebst du in so einem Job nicht.

In "normalen" Firmen sind die Leute aber oft extrem risikoscheu und fahren auch mal gerne ne Problem-anderer-Leute Schiene. Bei dir ist es IMMER dein Problem. Damit übernimmst su zwingend auch die ownership. So wird aus einen Wochentask in so mancher Firma ne 2h Aktion für dich.

Zum schnell lernen der geile Scheiß, aber nichts für dauerhaft.

Also Lebenslauf aufpeppen und umschauen wo sich nen guter Job auftut und ansonsten MELDEN MACHT FREI! Dokumentiere das du das nicht schaffen wirst und lass auch mal was gegen die Wand fahren. Erst dann wird sich was ändern. Der mögliche Schaden beim Kunden ist akzeptiert.

Du solltest nur darauf achten, das der Schaden überschaubar ist und nicht den Kunden in existenzielle Nöte bringt wenn du es vor die Wand laufen lässt.

Und das Beispiel das du zu etwas nicht gekommen bist ist ne gute Chance. Du kannst es aktuell zeitlich einfach nicht leisten. Soll sich dein Chef damit herumschlagen und nicht du
 
Mein Rat - auch wenn du den Arbeitgeber wechselst:

1) Lerne deine Aufgaben zu strukturieren
  • Spiegel dann die Aufgaben dein Chef/Projektleiter wider
  • zu den Aufgaben gehören ganz klar auch administrative Aufgaben wie Zeiterfassung, Schätzungen vornehmen ...
  • Plane dein Tag aktiv mit 8 Stunden Arbeitszeit
  • Puffer für Tickets und spontane Sachen einplanen
-> wenn der Chef/Projektleiter dir andere Aufgaben gibt - dann sage aktiv - "folgende Sachen kann ich dann heute nicht bearbeiten"

2) zur Aufwandsschätzung
-> gehören neben der eigentlichen Coding auch Doku, Tests, Testvorbereitung, Testfeedback & ggf. Anpassungen, Deployment-Vorbereitungen ...
-> lass dann nicht die Aufwandsschätzung kürzen - sondern die Features die umzusetzen sind ... der Aufwand bleibt konstant - nur die Auslieferung wird kleiner

Als Projektleiter muss ich teilweise sehr stark in die Schätzungen eingreifen, weil einfach viele Sachen gar nicht mit in der Schätzung enthalten sind ... und mir dann am Ende dies genau auf die Füße fällt, weil das Budget nicht reicht - oder das Projekt sich deutlich in der Laufzeit verlängert.

Seih somit ehrlich und bleib standhaft - es gibt Punkte die kann man verhandeln "was soll ich heute machen / was soll ausgeliefert werden" und es gibt Punkte die kann man nicht verhandeln "du kannst es schneller programmieren / die Aufgaben kannst du auch noch schaffen". Lerne somit auch nein zu sagen und halte entsprechend auch mal gegen den Chef/Projektleiter.

An der Stelle kann ich dir auch nur noch mitgeben, dass du sonst im nächsten Job genau vor den gleichen Chaos stehst - wie in deiner aktuellen Position.

PS manche Sachen sind aber auch kein quälen seitens der Projektleitung, sondern haben auch ein fachlichen Hintergrund. Bspw. Zeiterfassung auf 15 Minuten genau dient für die Einsortierung für CAPEX/OPEX/Rechnungsstellung.
 
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deldorado schrieb:
Mir geht es psychisch gerade sehr schlecht ... bei mir wurde in einer Vordiagnose eine Double Depression festgestellt, ... Ich fühle mich insgesamt sehr isoliert.
Was hältst Du von einer Selbsthilfegruppe? Gerade im Bereich der Depressionen gibt es meistens in jeder größeren Stadt ein Angebot. Du könntest mit anderen Betroffenen auf Augenhöhe sprechen und vielleicht sogar neue Freundschaften schließen.
 
Fordere einfach mal deinen AG auf dir ein aktuelles Arbeitszeugnis auszustellen.
Dazu bist du auch ohne akute Kündigungsabsicht berechtigt.
Manche AGs wachen dann auf und wenn nicht, dann hast du das Arbeitszeugnis bereits in der Hand.
 
Das ganze erinnert mich irgendwie, wenn auch leicht abgewandelt, an Beiträge anderer User(namen) vor ca. 1-2 Jahren.

deldorado schrieb:
Dazu kommt, dass wir unsere Zeiten extrem detailliert erfassen müssen, inklusive Ticketnummern und teils in 15-Minuten-Schritten.
Kenne ich, mag extrem lästig sein, wenn das die Vorgabe des AG ist, dann ist es halt so. Aber das passt für mich absolut nicht zur folgenden Aussage:

deldorado schrieb:
Ich habe in den letzten Monaten sehr viele Überstunden gemacht, teilweise nicht einmal vollständig erfasst. Letzte Woche waren es ungefähr 70 Stunden.
Das ist, nicht nur bei dem Gehalt, schon eine seltsamer Arbetisvertrag und ein noch viel seltsamerer Arbeitgeber.

Entweder, Du musst Deine Stunden mind. über das Ticketsystem erfassen (bei 70h Arbeitszeit wirst Du wohl nicht >22h Dinge getan haben, die der AG dem Kunden nicht abrechnen kann oder will), oder es ist Deine Aufgabe, Dich an das Arbetiszeitgesetz zu halten.

Normal würde ich zwar auch sagen, dass Du Dir einen neuen AG suchen solltest. Bei anscheined nur wenig sozialer Bindung steht Dir dazu vermutlich das gesamte Bundesgebiet offen. Ob aber ggf. vorher andere Dinge wichtiger sind und wozu Du bereit bist, kann ich nicht entscheiden.
 
Erstmal vielen lieben Dank für die ganzen Antworten, weil ich hab halt echt kaum ein Gefühl dafür gehabt ob das normal ist oder nicht und das hier zu lesen bestätigt mich auf jeden fall die Firma zu verlassen sobald wie möglich und mein CV updaten + suchen.

konkretor schrieb:
1. Lass dich krankschreiben und das sofort
2. Such dir Hilfe für deine Depression
3. Anwalt nehmen wegen 70 Stunden, ist das alles dokumentiert im Ticket System? Ja im Projekt Geschäft kommt das mal vor. Scheint wohl öfters zu passieren (Vermutung)
3.1 Wie werden die Überstunden vergütet? Abgegolten mit dem Gehalt? Ausbezahlt oder Freizeit?
4. Nach 2 Jahren die Stelle zu wechseln ist kein Problem gerade bei der Arbeitslast.
5. Bring deine Bewerbungsunterlagen auf den aktuellen Stand. Falls du es nicht selbst hin bekommst gegen Geld beim Dienstleister zu haben. Musst nur den Inhalt liefern.
6. Beim Stellen suchen mach dir Gedanken wo es hingehen soll. Es gibt Tätigkeiten die gerne gemacht werden, manches weniger. Nicht blind in die nächste Stelle rennen nur das gewechselt ist.

Schimmel bitte nicht den ganzen Abend vorm Rechner rum und warte auf Antwort. Wir hier im Forum können dir nur sehr begrenzt helfen. Gleich sind die anderen da 👋 ich meine die wo immer hier Posten.
Geh noch spazieren, versuch etwas zu tun was dir Spaß macht. Zur Not ruf der Mama an 😜 oder sonst jemand den du kennst.
Unterschätze das Thema Einsamkeit nicht. Du schreibst du du bist sehr isoliert, da kann es gerne zum Gedanken Karussell kommen, das dir noch weniger Gut tut.
Meine Psychiaterin wollte mich schon beim letzten Besuch krankschreiben ca 3 Wochen zurückliegt und zwar für eine Woche aber ich hatte genau damals nen kritischen Prodrelease und das hat sich gebissen. Ich hab bald nen Termin und werde dann aber in Anspruch nehmen, alleine weil die Therapiesuche neben Vollzeit Job mit dem ganzen was hier bei mir abgeht nicht einfach ist und da auch mal beim CV updaten und neues suchen.

Den "Trick" den der Arbeitgeber macht ist, dass wir nicht in der Lage sind die echten Überstunden einzutragen, stattdessen wurde uns gesagt dass wir die dann verteilen sollen über mehrere Tage damit es keine Kollision gibt mit dem gelten Recht. Überstunden kann man abfeiern oder sich auszahlen aber Auszahlung geht nur wenn sie produktiv waren und vom Projektleiter abgesegnet sind.
Stovi schrieb:
Fordere einfach mal deinen AG auf dir ein aktuelles Arbeitszeugnis auszustellen.
Dazu bist du auch ohne akute Kündigungsabsicht berechtigt.
Manche AGs wachen dann auf und wenn nicht, dann hast du das Arbeitszeugnis bereits in der Hand.

Davor hab ich ehrlich gesagt was Angst, dass sie dann anfangen mich komisch zu behandeln.
barmbekersurfer schrieb:
Was hältst Du von einer Selbsthilfegruppe? Gerade im Bereich der Depressionen gibt es meistens in jeder größeren Stadt ein Angebot. Du könntest mit anderen Betroffenen auf Augenhöhe sprechen und vielleicht sogar neue Freundschaften schließen.

Ich habe mich auf mehrere Selbsthilfegruppen und online Beworben für ADHS, eventuell muss ich schauen ob es auch welche gibt für Depressionen. Meine ambulante Hilfe ist leider inner anderen Stadt, weil versucht mal nen Platz in Deutschland es ist einfach ne Qual und kann ich froh sein überhaupt was zu haben.

Ich hab mich noch für nen Sprachkurs eingeschrieben und auf einen Malkurs beworben, einfach um mal auch was neues machen und neue Leute kennenzulernen.
 
deldorado schrieb:
Den "Trick" den der Arbeitgeber macht ist, dass wir nicht in der Lage sind die echten Überstunden einzutragen, stattdessen wurde uns gesagt dass wir die dann verteilen sollen über mehrere Tage damit es keine Kollision gibt mit dem gelten Recht.
Der "Trick" den ich dir sofort empfehlen würde in diesem Belangen ist, selber eine richtige Aufzeichnung führen. Wenn möglich natürlich noch von Kollegen gegenzeichnen lassen bzw. das ihr euch das auch Gegenseitig bestätigt wenn es der Vorgesetzte nicht tut (ich nehm an du bist nicht der einzige in dieser Situation) - aber selbst ohne Gegenzeichnen ist das eine wichtige Aufzeichnung.
Damit hat man immer etwas in der Hand und wenn es nur darum geht einen längeren Urlaub beim Vorgesetzten zu rechtfertigen.
 
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hallo7 schrieb:
Der "Trick" den ich dir sofort empfehlen würde in diesem Belangen ist, selber eine richtige Aufzeichnung führen. [...]
Damit hat man immer etwas in der Hand und wenn es nur darum geht einen längeren Urlaub beim Vorgesetzten zu rechtfertigen.
Das kann (und sollte) man für die eigene Dokumentation vielleicht machen. Hinsichtlich Freizeitausgleich wird man damit aber wohl nicht weit kommen, wenn die Überstunden nicht offiziell angeordnet wurden.

Vielmehr würde ich den Arbeitgeber darum bitten, diese "Regelung" (Überstunden über mehrere Tage verteilen) bitte einmal schriftlich auszuhändigen. Wird der natürlich nicht machen. In dem Fall hältst du dich dann an die gesetzlichen bzw. vertraglichen Arbeitszeiten. Wenn es irgendwo knallt, dann knallt es halt. Es ist dann einfach zu viel Arbeit für eine Person.

Pass auf dich und deine Gesundheit auf. Damit ist nicht zu spaßen!
 
Wo ist das Problem? Kündigen und neuen Job suchen, ganz einfach. Wenn es wirklich 70 Stunden pro Woche sind, sind es im Jahr 3640 Stunden, bei 55k gerade mal 15€ pro Stunde. Warum tust du dir das freiwillig an?
 
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Traube schrieb:
bei 55k gerade mal 15€ pro Stunde. Warum tust du dir das freiwillig an?
Ich hab das so verstanden, dass es immer wieder mal 70h sind, aber nicht dauerhaft jede Woche.

Meiner Meinung nach musst du auch ganz dringend damit anfangen, klipp und klar "nein" zu sagen. Nein, wenn dein Chef meint, er will dir was aufdrücken, nein wenn man fragt, ob das nicht schneller geht, nein, wenn jemand fragt, ob du das nicht am Wochenende noch machen könntest.

Ich habe da ein ganz klares vorgehen: Neue Aufgaben und Projekte sind grundsätzlich über meinen Chef abzustimmen und einzutakten bzw. zu priorisieren. Er soll mir dann sagen, mit was ich mich in der Zeit beschäftigen soll, in der ich der Firma vertraglich zur Verfügung stehe. Wenn es mal stressiger wird und es für mich Privat auch passt, bin ich auch bereit Überstunden im Bereich von 5-10h pro Woche zu leisten. Danach ist Schicht im Schacht.
Wenn er will, dass ich zu Aufgabe A-E noch F übernehme, muss er entscheiden, was von A-E dann eben nicht mehr bearbeitet wird.
Es liegt nicht in meiner Gehaltsstufe:
Mich mental komplett aufzuarbeiten und bis auf den Sargboden krumm zu buckeln
REALISTISCHE Terminpläne im Gesamtkontext aller Projekte zu erstellen und ggü. dem Management und Kunden zu vertreten.

Ich war zu Beginn meiner Arbeitskarriere auch jemand, der selten Nein gesagt hat und immer noch mehr gemacht hat. Nachdem ich dann nach duzenden Überstunden (>100h) in einem Jahr im Leistungsgespräch nur zu hören bekommen hab, dass dieses Jahr leider keine Mittel für relevante Anpassungen oder Boni für Mehrleistung vorhanden sind, hab auch ich verstanden das ich mir damit höchstens die mentale Gesundheit kaputt mache und nicht das Konto voll. Karriereleiter geht es dann sowieso oft nur mit Vitamin B nach oben (zumindest in meiner aktuellen Firma)

Daher ganz klare Empfehlung: Kante zeigen und klar und deutlich auch formulieren, wenn du etwas nicht in der normalen Zeit erledigen kannst, oder das, wenn du Aufgabe D machen sollst, du A,B oder C liegen lassen wirst mit der Bitte um ANWEISUNG (nicht selbst entscheiden!) was du zurückstellen sollst.
Und ganz wichtig: SCHRIFTLICH! Nur wer schreibt der bleibt.
Solche Dinge werden nicht über Telefon oder unter 4 Augen geklärt und wenn doch, gibts danach eine formale Infomail mit einer Zusammenfassung. Insofern dein Chef dann nicht widerspricht kann er sich nachher im Zweifel nicht rausreden, dass er davon nix wusste oder das niemals so angegeben hat.

Leider alles schon mitbekommen und teilweise selbst erlebt.

Btw: Ich sag immer, das auch ich ersetzbar bin und die Firma auch ohne mich weiterläuft und ich daher z.B. nicht meinen lang geplanten Urlaub verschieben werde. Und sollte ich so wichtig und essentiell sein dass das unbedingt nötig ist, müssten wir ganz dringend mal mein Gehalt reden. Da wirds dann meistens recht schnell ruhig ;)
 
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Genau das. Leider sind die Firmen dazu teilweise dann trotzdem nicht in der Lage dazu das Geld zu bezahlen was man dafür verdient hätte. Heißt aber nur Exit und das zeitnah.
 
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