Ich versteh's nicht: Wie kann man mit Spenden steuern sparen?

Alphadude

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Wenn man mal alle moralischen Vorteile aus einer Spende weglässt und nur das Geld betrachtet, erschließt sich mir kein Sinn.

Ich kann doch nicht am Ende mehr Geld haben, wenn ich gespendet habe, als wenn ich nicht gespendet habe, oder?

Oder anders gefragt: Ist es möglich, dass man dank Spenden am Ende mehr Geld hat als ohne Spenden?

In dem Moment, wo ich spende, verliere ich doch zwangsläufig mehr Geld, als der Steuervorteil mir jemals einbringen könnte, oder etwa nicht?

Wieso spenden Reiche also am Ende des Jahres, um Steuern zu sparen?

Im Idealfall zahle ich vielleicht 1000€ weniger Steuern, habe aber 3000€ gespendet (also ausgegeben). Wie zum Teufel soll man da Geld sparen?
 
Hi!

Es kann unter Umständen nützlich sein, indirekt das Jahreseinkommen durch Sonderausgaben zu drücken, was wiederum ein geringerer Steuerbetrag bedeuten würde!

Mehr Infos! https://www.smart-rechner.de/spenden/
 
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Ich kenne mich im Bereich Steuern nicht so gut aus, aber die Paradise Papers haben gezeigt, dass es ne Menge Steuertricks gibt für Multimillionäre und Milliardäre. Viele davon lassen sich auch oft nur mit dem nötigen Kleingeld durchführen. Aus Gründen der Steuerersparnis fahren ja auch viele Reiche jetzt auf Stiftungen ab.
 
Danke für eure Antworten.

gravitas schrieb:
Hi!

Es kann unter Umständen nützlich sein, indirekt das Jahreseinkommen durch Sonderausgaben zu drücken, was wiederum ein geringerer Steuerbetrag bedeuten würde!

Mehr Infos! https://www.smart-rechner.de/spenden/


Ja, damit sinkt das zu versteuernde Einkommen. ABER: Ich habe ja gleichzeitig auch Geld ausgegeben.

Beispiel:

Gehen wir mal von einem Steuersatz von 20% aus.
50.000€ Einkommen
10.000€ Spende (= Verlust für mich!)
--> 40.000€ zu versteuerndes Einkommen --> 8000€ Steuern, aber 10.000€ sowieso ausgegeben!
--> 32.000€ netto

wenn ich nix spende: 10.000€ Steuern --> 40.000€ netto

Wo ist das bitte ein Vorteil für mich?

Wie sieht eine Konstellation aus, bei der ich bei diesem Beispiel mehr habe, als wenn ich nicht spende?
 
und du meinst echt, das das Steuerrecht sooo einfach ist?
 
So komplex ist auch wieder nicht ;).

Der Trick ist im Endeffekt für etwas zu Spenden, in das man auch sonst Geld gesteckt hätte. Zum Beispiel gründest du (oder jemand der dir wohlgesonnenen ist) eine Stiftung, welcher steuerbegünstigte Zwecke zugesprochen werden, deren Vermögen dann aber in irgendeiner Form wieder dir selbst oder deinen Verwandten, deinem Verein, deiner Firma o. Ä. zu Gute kommt. Nun spendest du der Stiftung und kannst die Spende von deiner Steuerlast absetzen. Damit sparst du effektiv Geld, weil du das Geld was du gespendet hat sonst direkt für den jeweiligen Zweck verwendet hättest, es dann aber zuvor hättest versteuern müssen.
Ganz bedingungslos funktioniert es also nicht Steuern zu sparen in dem man etwas spendet, aber um z. B. Sonder-Einnahmen vor dem Zugriff des Fiskus zu bewahren sind private Stiftungen nach wie vor eine sehr beliebte Möglichkeit. Die Kriterien die eine Stiftung erfüllen muss, um steuerlich begünstigt zu sein, lassen genug Spielräume, um da etwas Passendes zusammen zu stricken, um sich damit irgendwelche eigenen Interessen zu finanzieren. Eine gewisse kriminelle Energie gehört da schon dazu - selbst wenn es pro forma legal ist.
Asozial sind diese Praktiken, sofern sie insgeheim ausschließlich mit der Absicht durchgeführt werden, die eigene Steuerlast zu senken, natürlich allemal, aber die Kriterien (z. B. die Selbstlosigkeit (§ 55 AO), lassen halt viel Spielraum für Zweckentfremdung dieser an sich gut gemeinten Mechanismen.
Sofern also jemand vor hat mit Spenden effektiv Steuern zu sparen statt z. B. das Geld vor dem Fiskus zu verbergen (sprich Schwarzgeld zu horten), muss er sich bisschen was einfallen lassen (oder jemanden dafür engagieren), den eigentlich Zweck des Vorhabens so undurchsichtig zu machen, dass es den Behörden leicht fällt, z. B. eine private Stiftung als steuerbegünstigt anzuerkennen.

Leider gibt es extrem viele Leute die daran nichts anstößig finden, weil sie der Meinung sind, dass Steuern grundsätzlich eh bloß Schikane sind. Zwar wird wohl fast jeder zustimmen, dass Steuermittel in einigen Bereichen falsch oder sogar kontraproduktiv verwendet werden, aber die Schlussfolgerung daraus, sich persönlich mit solchen Tricks von der Steuerlast zu befreien, ist imho trotzdem höchst bedenklich und hat stark asoziale Züge.

Auch Firmen nutzen Stiftungen und ähnliche Mechanismen gern, um Einnahmen nicht versteuern zu müssen, auch wenn es da vordergründig noch etwas schwieriger erscheint, am Ende vom eingesetzten Kapital doch wieder mehr oder weniger direkten wirtschaftlichen Nutzen für die spendende Firma zu haben.
Auch mit anderen Steuerspar-Taktiken können Firmen die Steuerlast drücken, ohne davon Nachteile zu haben. Dazu gehört es z. B. Verluste zu generieren, indem man andere Firmen aufkauft, diese vordergründig so weit ins Unternehmen integriert, dass man sie problemlos ausbeinen kann und sie dann zu macht, oder mit möglichst hohem nominellem Wertverlust wieder verkauft. Derartiges Verhalten wird steuerlich begünstigt und soll bekanntlich auch in großen Dimensionen funktionieren. Wobei es natürlich noch viele andere Möglichkeiten gibt sich vor dem Fiskus arm zu rechnen. Häufig heißt es: Je größer die Firma desto weniger Steuern zahlt sie spezifisch und profitiert ggfls. auch noch von vielen anderen staatlich gewährten Vergünstigungen (z. B. kostet Energie in Form von Gas oder Strom fast nur noch symbolische Summen, wenn man nur genug davon verbraucht... :freak:).
 
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Soviel ich weiss muss man doch nicht nur dafür spenden, man kann doch auch firmen ausgaben haben, oder nicht? Der chef von der firma die sich neben mir befindet hat mir erklärt das er die 4 ferraris und den r8 nur hat, weil er dadurch steuern spart.. Ich habs zwar nicht verstanden, aber da ist scheinbar schon was dran.. Sonst würde er es wohl kaum machen. Der kauft jedes jahr einen sportwagen...
 
Wenn man so viele Sportwagen zu brauchen meint, ist das natürlich auch ein Steuersparmodell mit dem man sich in dem Fall eben dieses teure Hobby finanziert. Einen teuren Sportwagen als Firmenwagen zu deklarieren und so die Gewinne sinnlos zu verbraten, hat zwar aus naheliegenden Gründen ein gewisses "Gschmäckle" (zumindest solange man nicht gerade eine Sportwagenwerkstatt betreibt und damit Werbung macht), aber wenn man damit leben kann, dass man der Gesellschaft das Geld vorenthält, in der man dann mit seinen Sportwagen angibt, ist das rein rechtlich (leider) legitim. Erheblich weniger anrüchig wäre es natürlich das Geld sinnvoller in das Geschäft zu investieren, dem man diesen Überschuss verdankt (dagegen gibt´s auch nichts einzuwenden), oder eben die Gewinne regulär zu versteuern und sich dann privat und guten Gewissens vllt. nur jedes zweite Jahr so ein brummendes Spielzeug vor die Tür zu stellen.
Jeder der vor derartigen Luxusproblemen steht, muss natürlich für sich selbst entscheiden, ob er nichts Besseres mit überschüssiger Kohle anzufangen weiß als damit Konsumgüter mit Geweihfunktion (z. B. Sportwagen) als Firmeninventar zu kaufen. Wer wirklich erfolgreich ist, wird in der Regel sinnvollere Möglichkeiten finden die Früchte seines Erfolges zu nutzen. Das Ansammeln eines solchen überflüssigen Fuhrparks auf Kosten der Allgemeinheit (denn im Umkehrschluss müssen schließlich andere Steuerzahler derartige "Ausfälle" im Staatssäckel berappen), ist jedenfalls nicht gerade das, was einen erfolgreichen Unternehmer charakterisiert. Aber das ist eben auch eine Frage der Persönlichkeit...
 
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Bestimmte Sportwagen werden als Firmenwagen oft auch einfach abgelehnt.

Dein Bekannter erzählt da also vermutlich nicht die ganze Geschichte.
 
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Wurde ja schon genannt, die kosten der Spenden laufen durch dir Steuererklärung nicht komplett auf, was grundlegend gut ist aber man hat natürlich noch weniger als ohne Spende über. Du brauchst von der Gespendeten Summe weitere Vorteile:

Seelenheil ;) oder einfach nen Rückfluss in welcher Art auch immer. Unternehmer spendet Geld, vom Geld wird eine Firma beauftragt wo er aktiv nen nutzen draus ziehen kann.

@Fahrzeug: Das Fahrzeug muss angemessen sein, da haben die Juristen sich nen dickes Schlupfloch gelassen.

Mobile Nagelpflege kann sich sicher nen Golf Kombi holen und absetzen. Bei einem Porsche wird das Finanzamt das ganze vielleicht hinterfragen... vielleicht aber auch nicht.
 
@Wasserkuehler vielen Dank für die ausführliche und sehr verständliche Erklärung, ich hatte den Thread schon wieder vergessen (deswegen erst jetzt die Antwort).
 
Bitte schmeißt nicht alles durcheinander.
Durch Spenden spart man kein Geld. Man kann sich nur einen Teil der Spende durch eine Steuerersparnis zurückholen und das aber auch nur in bestimmten Grenzen (20% des zu versteuernden Einkommens; bzw 3.300 Eur bei Parteien). Hier ist eine gute Übersicht:
https://www.finanztip.de/spenden-als-sonderausgaben/

Wie Du (der TE) das schon richtig erkannt hast, reduziert sich durch die Spende lediglich das zu versteuernde Einkommen. Man "gewinnt" also keinen Geld. Dennoch lohnt es sich mitunter auch, gerade wenn man viel verdient und damit einen hohen Steuersatz hat. Anstatt das Geld einfach in Form von Steuern an den Staat zu zahlen, tut man was Gutes und kann etwas mehr steuern, was mit dem Geld passiert als einfach Steuern zu zahlen. Außerdem "erkauft" man sich damit Wohlgefallen und ggf. andere wirtschaftlich relevante Vorteile (Aufträge, Einfluss, Kontaktpflege, Reputation und Image, öffentliche Aufmerksamkeit, etc.). Gerade wenn die Spende zweckgebunden ist, erreicht man mitunter leichter ein verfolgtes Ziel. Das gilt vermutlich umso mehr, wenn man Geld bspw. in Stiftungen steckt, die wiederum zweckbezogen agieren und die Spende entsprechend diesem Zweck dann auch einsetzen.

Das Ganze hat aber nichts mit irgendwelchen "Sportwagen" oder ähnlichem zu tun. Das sind keine Spenden, sondern ein ganz anderes Thema. Solche Ausgaben sind allenfalls Betriebsausgaben, die getätigt werden, um das zu versteuernde Einkommen des Unternehmens runterzurechnen. Im Gegenzug müsste das Fahrzeug (zumindest wenn es sauber wäre) aber als betrieblicher Vorteil beim Einkommen angerechnet werden (zB durch die 1% Regel), was zumindest bei Arbeitnehmern in aller Regeln noch gut funktionieren wird. Ich möchte allerdings nicht wissen, bei wie vielen Fahrzeugen von Geschäftsführern/Unternehmensinhabern das Fahrzeug einfach auf das Unternehmen läuft, aber überwiegend "privat" genutzt wird. Rechtlich sauber wäre das m.E. aber nicht. Und wie auch schon gesagt wurde, das FA schaut da genauer hin und prüft, ob das angemessen oder bloße "Liebhaberei" ist.
 
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Die Antwort auf die Frage im Thread ist: Dies hängt mit der Steuerprogression zusammen, der Grenzsteuersatz hängt ja vom Einkommen ab und durch Spenden kann man nur dann Steuern sparen, wenn man dadurch auf einen geringeren Grenzsteuersatz kommt, so dass am Ende mehr übrig ist.

So zahlt man ab 254.447 € 45% Einkommensteuer, bis 254.446 € aber nur 42%, hat man nun aber 255.000 € zu versteuern, wären dafür 114.750€ fällig und es blieben 140.250€ übrig. Spendet man 1000€ so fallen auf die zu verbleibenden 254.000 nur 106.680€ Steuern an und es bleiben 147.320€ übrig, also über 7000€ mehr als vorher. Das klappt aber eben nur, wenn man knapp über einer solchen Grenze liegt und auch nur bis zu einer bestimmten Spendenhöhe.
 
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Du Verwechselst da wohl Grenzsteuersatz mit absoluter Steuerlast.
Die 45% werden ab jeden € über der Grenze fällig, nicht auch auf die darunter liegenden.
Bsp:
Steuerklasse 1 255000 Brutto > ca. 106000 Einkommenssteuer
Steuerklasse 1 254000 Brutto > ca. 105500 Einkommenssteuer
 
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Steuern sparen heißt, du zahlst weniger Steuern. Das erreichst du indem das zu versteuernde Einkommen sinkt. Dein Fehler ist wohl, dass du unter "Steuern sparen" verstehst, dass du am Ende mehr Geld auf deinem Konto hast.
 
Ratterkiste schrieb:
Die 45% werden ab jeden € über der Grenze fällig
Bist Du da sicher? Früher gab es sowas nicht, da wurde immer ab dem Erreichen der Stufe der jeweilige Prozentsatz auf den ganzen zu versteuernden Betrag angewendet. Wie die Stufen aktuell sind, konnte ich nicht finden, nur die Formeln im verlinkten Wikipedia Artikel. Demnach scheint es inzwischen nicht mehr möglich zu sein über Spenden die Steuerlast zu drücken und trotzdem am Ende mehr raus zu haben.
 
100%.
Der Grenzsteuersatz wird jeweils erst auf den Euro erhoben, ab dem er fällig wird.
Auch ein Topverdiener zahlt auf den ersten Euro über dem Freibetrag den selben Satz wie derjenige, der gerade drüber liegt.

Ansonsten wäre jede Gehalterhöhug ein potentielle Senkung, da man in einen höheren Tarif rutschen könnte. Was zunimmt ist die Genzbelastung und damit der absolute Steuersatz, man trotzdem immer mehr als beim niedrigeren Brutto.
 
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Alphadude schrieb:
Wenn man mal alle moralischen Vorteile aus einer Spende weglässt und nur das Geld betrachtet, erschließt sich mir kein Sinn.

Ich kann doch nicht am Ende mehr Geld haben, wenn ich gespendet habe, als wenn ich nicht gespendet habe, oder?

Ich greife deine Ausgangsfrage nochmal auf und ergänze sie etwas.

Bei vielen könnte auch dieser Betrachtungswinkel eine Rolle spielen:

Nehmen wir an du bist sehr reich und hast ein Einkommen von 10 Millionen und müsstest um es zu vereinfachen die Hälfte abdrücken. Dann blieben dir noch 5 Millionen übrig, was auch noch viel ist und die andere Hälfte ging an den Staat. Nur der kann ja bekanntlich nicht mit Geld umgehen und verballert es oftmals für unsinnige Projekte...
Wenn du jetzt aber spendest, kannst du ja gezielt raussuchen für was dein Geld verwendet wird und so könnte es einigen reichen Leuten dann lieber sein, wenn sie ihr Geld spenden und somit die Steuern umgehen, die an den Staat fließen würden.
Wenn ich in der Situation wäre, würde ich das zumindest so machen bis zu einer Summe x die für mich als Einkommen ausreicht und dann lieber über Spenden Projekte fördern, wie sie der Bananenrepublik in den Hals zu werfen.

Finde ich auch noch einen Punkt den man in die Betrachtungsweise mit einfließen lassen kann.
 
Ratterkiste schrieb:
Ansonsten wäre jede Gehalterhöhug ein potentielle Senkung, da man in einen höheren Tarif rutschen könnte.
So war es zumindest früher auch immer, daher hat man ja die Sache mit den Spenden gemacht und hatte dann am Ende trotz der Spende mehr Netto. Wenn dies geändert wurde, dann wüsste ich nur gerne seit wann.
 
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