Kriterien für faire / ökologisch unbedenkliche Produkte

Venyo

Lieutenant
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Dez. 2009
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Hallo zusammen,

was würde ihr sagen, welche Kriterien geeignet sind, um ein Produkt als "Fair" und "ökologisch unbedenklich" zu bezeichnen?


Angstellte, die am Produkt arbeiten:
  • Löhne der beteiligten Arbeiter (Erzeugung, Logistik, Verkauf)
  • Arbeitsbedingungen

Firma (Erzeugungsfirma, aber auch Logistik-, Verkauf, Tochter-, Mutter- und Partner-Unternehmen) insgesamt
  • Löhne der Angestellten
  • Arbeitsbedingungen
  • Keine Umweltgefährdung (z.B. durch Verwendung von Gen-Produkten
  • Keine Gefährdung von Menschen (z.B. durch Preiserhöhung von Grundnahrungsmitteln in Hunger-Regionen durch Spekulation mit Lebensmitteln; Überfischung in Regionen, in denen viele Menschen vom Fischfang leben etc.)

Wenn man jedes Kriterium genau definieren würde, Unterkriterien hinzufügt und jedem Kriterium einen nach standardisierten Berechnungsschritten einen Wert zuweisen könnte, wär das quasi mein Traum für eine Produkt-Datenbank.

Mal als Beispiel (5 Sterne-Bewertungssystem):

Wertung Produkt "Beispielkekse":
Wert für Löhne und Arbeitsbedingungen der beteiligten Arbeiter A: 3
Umwelt-Unbedenklichkeit U: 3

Wertung Beispielfirma, die die Beispielkekse herstellt:
A: 2
U: 2

Wertungs-Durchschnitt der Partner-Unternehmen, die nicht direkt an Beispielkeksen arbeiten (direkte Logistik z.B. ist schon in Bewertung für das Produkt eingerechnet):
A: 2
U: 1

Gesamtwertung:
A: 2,5
U: 2,25


In der Bewertung sollte sich also niederschlagen, wenn ein Unternehmen an sich glänzt, aber im Hintergrund skrupellos über andere Unternehmen indirekt Menschen oder Umwelt ausbeutet. Insgesamt soll die Bewertung eine Kaufempfehlung geben können.

Außerdem sollte es K.O.-Kriterien geben, die zur Abwertung führen und somit z.B. bei jedem Produkt einer Firma, die indirekt oder direkt Kinderarbeit einsetzt, eine sehr schlechte Bewertung und somit keine Kaufempfehlung gegeben wird.

Man könnte ja teilweise auch bestehende Siegel für die Bewertung verwenden (ein Fair Trade-Siegel kann z.B. eine Lohn-Bewertung für die Erzeuger von z.B. "5" bedeuten, aber Logistik, Verkauf und die Firma insgesamt muss man sich nochmal separat ansehen)


Fragen, die ich mir noch stelle, sind dabei:

Sollte man bezüglich der Löhne absolute Werte, was die Armutsgrenze und Lohn-Durchschnitt angeht, verwenden oder relative Werte und wenn relativ, wie? (Sollte man es als in Ordnung ansehen, wenn ein Angestellter in einem Entwicklungsland nur überdurchschnittlich und über der Armutsgrenze des Landes verdient oder sollte ein Lohn erst als gut gelten, wenn sich der Angestellte einen bestimmten Lebensstandard leisten kann und Zugang zu einer guten medizinischen Versorgung etc. hat) Indexe dafür gibt es ja schon, z.B. die Kaufkraftparität.

Wie hoch sollte man Partner-Unternehmen gewichten und wie grenzt man hier ab / wie identifiziert man hier?

Welche Informationen, die für eine Aussage zu o.g. Kriterien benötigt werden, können Firmen bisher verbergen; welche EU- / weltweite Richtlinien gibt es?

Gibt es bereits etwas in der Art, dass man zu Produkt xy Werte nachschlagen kann, die etwas zur Ökologie / Sozialverträglichkeit des Produktes sagen?


Falls jemand konstruktive Ideen dazu hat, würde ich z.B. gerne eure Meinung zu Machbarkeit und zu Dingen, die man bei dem Ganzen beachten sollte, hören. Weiß jemand z.B. evtl., welche Gesetze es (grob) noch bräuchte, damit Firmen verpflichtet sind, alle Informationen offenzulegen, die nötig sind, um eine Aussage über o.g. Kriterien zu Ökologie und Sozialverträglichkeit treffen zu können?


Falls es sowas noch nicht gibt, würde ich gerne einer Uni (evtl. mag ja sowas ein Student oder Professor in einer Arbeit behandeln) vorschlagen, einen Bewertungs-Algorithmus zu entwickeln und mal nach jemandem suchen, der eine Petition für die nötigen Gesetze aufsetzen kann. (Klingt jetzt abgehoben, aber fragen kostet ja nix)


edit: achja, das ganze könnte man, wenns fertig ist, leicht mit einer Barcode-Scanner-App wie der hier kombinieren und wäre damit sogar richtig alltagstauglich imho: https://play.google.com/store/apps/...echeck&feature=nav_result#?t=W251bGwsMSwyLDNd
 
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So schön es wäre, solche Informationen zu Produkten zu haben, es ist einfach nicht durchführbar. Da stecken ja zig Unternehmen/Personen hinter. Um mal bei deinem Beipiel Keks zu bleiben. Nehmen wir an da ist Schokolade drin. Dann hast du die Kette Erntehelfer, Plantangenbesitzer, Weiterverarbeitung, Transport zur Schokoladenfabrik, Herstellung der Schokolade, Transport zur Keksfabrik, Transport zu Großhändler, Transport in die Geschäfte, Verkäufer. Das ganze hast du dann für alle Kekszutaten, dazu kommen sicherlich noch öfters Zwischenhändler.
Alleine schon die ganze Logistik zu bewerten ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Kekshersteller wird seine Ware ja in verschiedenen Regionen anbieten und dafür sicherlich auch unterschiedliche Logistikunternehmen beauftragen. Und wenn jetzt die Fabrik in Deutschland von einer anderen Schokofabrik beliefert wird als die in der Schweiz dann hast du unterschiedliche Ergebnisse. Du hättest also zig unterschiedliche Bewertungen für dasselbe Produkt. Alleine schon der Aufwand, herauszufinden was die einzelnen Subunternehmer so verdienen, ist riesig.
 
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